Masken der Melancholie in Joseph Roths späten Romanen
Corpus: Das falsche Gewicht, Radetzkymarsch, Die Kapuzinergruft
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Daniela Portmann-Bogosavac
- Abgabedatum: Juni 2002
- Umfang: 117 Seiten
- Dateigröße: 805,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6165-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6165-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6165-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Portmann-Bogosavac, Daniela Juni 2002: Masken der Melancholie in Joseph Roths späten Romanen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Diplomarbeit von Daniela Portmann-Bogosavac
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit besteht aus drei größeren Einheiten, die weiter in kleinere Kapitel geteilt sind.
Die erste Einheit bildet die Biographie Roths, da sie meiner Meinung nach in einem sehr engen Zusammenhang zu seinen Werken, insbesonere den drei in der Arbeit behandelten Romanen, steht.
Die zweite Einheit ist ein kurzer geschichtlich-soziologischer Überblick der Donaumonarchie in ihren letzten Jahren, ergänzt durch die Erklärungen einiger wichtiger Begriffe, die für das Thema wichtig sind.
Die dritte Einheit besteht aus der Analyse der drei Romane (Das falsche Gewicht, Radetzkymarsch, Die Kapuzinergruft) in Verbindung mit der Thema der Arbeit und dem leitmotivischen Begriff der Melancholie. Die latente Melancholie von Joseph Roths Figuren, vor allem den militärischen Charakteren aus den Werken Das falsche Gewicht und Radetzkymarsch, aber auch der jungen Generation des Großbürgertums, wie in Kapuzinergruft ist ein gemeinsamer Nenner in diesen Werken und das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | PRÄMISSE | 4 |
| 1. | BIOGRAPHISCHER HINTERGRUND | 5 |
| 1.1 | Kindheit und Jugend | 5 |
| 1.2 | Roths Zeit im Krieg | 10 |
| 1.3 | Roth als Starjournalist in Deutschland | 15 |
| 1.4 | Sozialismus - Koketterie oder Überzeugung? | 19 |
| 1.5 | Exil-Monarchismus | 21 |
| 2. | DIE DONAUMONARCHIE UND IHRE ROLLE IN ROTHS WERK UND LEBEN | 26 |
| 2.1 | Die Welt der Zeichen: Österreich-Ungarns letzte Jahre | 26 |
| 2.2 | Die große Illusion: Peripherie und Zentrum bei Joseph Roth | 29 |
| 2.3 | Melancholie und ihre Masken | 32 |
| 2.3.1 | Die Melancholie | 32 |
| 2.3.2 | Der Gehorsam | 34 |
| 2.3.3 | Die Ehre | 35 |
| 2.3.4 | Die Entfremdung | 36 |
| 2.3.5 | Die Ordnung | 39 |
| 2.3.6 | Die Disziplin | 42 |
| 3. | DAS FALSCHE GEWICHT | 44 |
| 3.1 | Personenkreis | 44 |
| 3.2 | Wiederkehrende Figuren bei Joseph Roth | 46 |
| 3.3 | Anselm Eibenschütz als tragisch-melancholische Figur | 49 |
| 3.4 | Leibusch Jadlowker und Kapturak als Eichmeisters Gegenpole | 58 |
| 4. | RADETZKYMARSCH | 61 |
| 4.1 | Der Personenkreis | 61 |
| 4.2 | Die schweigsamen Helden | 66 |
| 4.3 | Die Trottas | 69 |
| 4.4 | Carl Joseph | 74 |
| 4.5 | Der Bezirkshauptmann und sein Verhältnis zu seinem Sohn | 78 |
| 5. | DIE KAPUZINERGRUFT | 82 |
| 5.1 | Der Personenkreis | 82 |
| 5.2 | Franz Ferdinands Melancholie | 89 |
| 5.3 | Zerbrochene Welt der Illusionen | 93 |
| 6. | SCHLUSSBEMERKUNG | 97 |
| 7. | LITERATURVERZEICHNIS | 99 |
Vor dem großen Torbogen der Grenzschenke saß er, zu jeder Stunde des Tages. Sein mächtiger Bart aus gekräuseltem Silber verhüllte seine Brust und reichte bis zu den Knien. Um ihn schwebte der Geruch von Dünger und Milch und Pferden und Heu. Vor seiner Schenke saß er, ein alter König unter den Schankwirten. [...] Da er schon schwerhörig war, mußten die kleinen Bauern ihre Wünsche zu ihm emporschreien, durch die gehohlten Hände vor den Mündern. Er nickte nur. Er hatte verstanden. [...] Am Samstag saß er gebeugt über großen und frommen Büchern. Sein silberner Bart bedeckte die untere Hälfte der schwarzbedruckten Seiten.133 Kapturak ist der einzige, der in allen drei Romanen vorkommt und immer in derselben Rolle.134 Kapturak ist immer der Gauner und Betrüger. Er ist immer in der Nähe der Grenzschenke wo er seine verdächtigen Geschäfte macht. Onufrij ist in Das falsche Gewicht und im Radetzkymarsch anwesend. In beiden Romanen ist er der Diener, genau wie der alte Jacques, der in den Trotta-Romanen auftritt und mit dessen Tod eine neue Zeit beginnt, nämlich die Zeit nach der Auflösung der Monarchie. Der Unterschied zwischen diesen zwei Figuren ist, dass Onufrij in Das falsche Gewicht im Verbrechermilieu erscheint und dass seine Rolle nicht so eindeutig ist. Onufrij im Radetzkymarsch ist hingegen ein einfacher Bauer, der Carl Joseph Trotta dient, und Jacques ist der Prototyp des treuen Hausdiener aus den vornehmen Gesellschaftskreisen. Der Graf Chojnicki erscheint in beiden Trotta-Romanen immer als der nahe Freund der jungen Trottas (Carl Josephs und Franz Ferdinands). Er ist immer der dekadente, reiche Gesellschaftskritiker, jener, der den Untergang der ausgehöhlten Monarchie vorausahnt und damit auch sein eigenes Ende. Er ist, auch im Radetzkymarsch der Sprecher Roths. Durch ihn spricht Roth seine Ideen über das österreichisch-ungarische Reich aus. Ich will zugleich damit auch sagen, daß nur diesem verrückten Europa der Nationalstaaten und der Nationalismen das Selbstverständliche sonderbar erscheint. Freilich sind es die Slowenen, die polnischen und ruthenischen Galizianer, die Kaftanjuden aus Boryslaw, die Pferdehändler aus der Bacska, die Moslems aus Sarajevo, die Maronibrater aus Mostar, die Gott erhalte singen. Aber die deutschen Studenten aus Brünn und Eger, die Zahnärzte, Apotheker, Friseurgehil133 134 [...]
gleichnamigen Darsteller von Roman zu Roman unterscheidet. In anderen Fällen wird sogar die Lebensgeschichte der Figur wiederholt. So erscheint zum Beispiel der Wachtmeister der Gendarmerie Wenzel Slama in Radetzkymarsch (1932) und in Das falsche Gewicht (1937). Im Radetzkymarsch fängt Frau Slama mit dem jungen Carl Joseph Trotta eine Liebesbeziehung an. Sie stirbt an der Geburt des Kindes aus dieser Beziehung. Der Wachtmeister Slama in Das falsche Gewicht erzählt dem Eichmeister Eibenschütz vom Verhältnis seiner ersten Frau mit dem Sohn des Bezirkshauptmannes in jenem Ort, in dem er früher gedient hatte, und von deren Tod bei der Geburt des unehelichen Kindes. Es wird also nicht nur derselbe Name genannt, sondern auch die Umstände werden wiederholt. Jadlowker erscheint in Das falsche Gewicht und in Die Kapuzinergruft (1938). Hier wird aber nur derselbe Name genannt. Der Mensch ist hingegen nicht mehr derselbe. Der Mann, der in Zlotogrod in Das falsche Gewicht die Grenzschenke besitzt ist ein skrupelloser, gewissensloser und erbarmungsloser Verbrecher, der sich von nichts und niemandem aufhalten lässt. Und als er in Das falsche Gewicht verhaftet und eingesperrt wird, rächt er sich gnadenlos. Auf der anderen Seite ist der Jadlowker der Kapuzinergruft, ebenfalls der Besitzer der Grenzschenke in Zlotogrod, eine völlig verschiedene Person. In diesem Roman begegnet ihm der Leser seltener, als in Das falsche Gewicht und er wird sehr positiv dargestellt. Der alte Jadlowker, ein uralter silberbärtiger Jude, [...] starr und halbgelähmt. Er glich einem Winter, der noch die letzten schönen Tage des Herbstes genießen und mitnehmen möchte in jene so nahe Ewigkeit, in der es gar keine Jahreszeiten mehr gibt. Er hörte nichts, er verstand kein Wort, er war stocktaub. Aber an seinen großen schwarzen und traurigen Augen glaubte ich zu erkennen, daß er gewissermaßen all jenes sah, was die Jüngeren nur mit ihren Ohren vernehmen konnten, und daß er also sozusagen freiwillig und mit Wonne taub war.132 Dieser alte Jadlowker entspricht genau der Beschreibung, die Dr. Demant, der Freund Carl Joseph Trottas, (aus dem Radetzkymarsch), von seinem Großvater gibt. Den Namen des Großvaters erfährt der Leser nicht, aber der Schankwirttyp ist mit einigen Erweiterungen derselbe. [...]
stellt, ist diese Frau in ihrem Elend und ihrer Verlassenheit eine tragische Figur. Auf der anderen Seite steht die verführerische Zigeunerin Euphemia Nikitsch, die sich ihrer selbst sehr sicher ist und die genau weiß, welche Wirkung sie auf Männer hat und wie sie ihre verführerischen Kräfte zum eigenen Nutzen anwenden kann. Sie lebt in der Grenzschenke als Geliebte Jadlowkers. Sobald Jadlowker nicht mehr im Spiel ist, wechselt sie die Seiten und beginnt eine leidenschaftliche Beziehung mit Jadlowkers bitterstem Feind, dem Eichmeister. Beide Männer sind für sie allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt erträglich, zu dem der Maronibrater Sameschkin, ihr wahrer Geliebter, in der Grenzschenke auftaucht. Euphemia ist eine starke, unabhängige Frau. Obwohl sie dem Eichmeister sagt, sie gehöre Sameschkin130, kann das überhaupt nicht wahr sein. Die Zigeuner werden im allgemeinen als freie, unbändige Wesen verstanden, die nach Herzenslust reisen, die keinen festen Wohnsitz haben und eben niemandem gehören. Euphemia entspricht dieser Vorstellung und sie lässt sich nicht bändigen. Sie will ihre Unabhängigkeit und Freiheit keinem Mann opfern und lehnt das Angebot Sameschkins ab, mit ihm wegzuziehen aus dieser „giftigen Gegend”, wie er die Grenze bezeichnet. „„Auf nächstes Jahr”, sagte sie. Aber Sameschkin glaubte es ihr nicht mehr. So töricht, wie er den Leuten erscheinen mochte, war er nicht.”131 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832461652
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Portmann-Bogosavac, Daniela Juni 2002: Masken der Melancholie in Joseph Roths späten Romanen, Hamburg: Diplomica Verlag
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