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Flächenrecycling

Potenziale und Grenzen der Reaktivierung innerstädtischer Brachflächen als Verfahren zur Verringerung des Freiflächenverbrauchs

Flächenrecycling
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Manuel Birnbrich
  • Abgabedatum: Juni 2002
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6150-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6150-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6150-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Birnbrich, Manuel Juni 2002: Flächenrecycling, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Brachflächenrevitalisierung, Flächenverbrauch, Stadtentwicklung, Gewerbebrachen, Nachhaltigkeit

Diplomarbeit von Manuel Birnbrich

Einleitung:

Jeden Tag werden in Deutschland im Durchschnitt 1,3 km² Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrsnutzungen in Anspruch genommen. Der Freiflächenverbrauch ist im Vergleich zur Bevölkerungszahl und der Zahl der Erwerbstätigen seit den 60er Jahren weit überdurchschnittlich stark und kontinuierlich gestiegen. Obwohl immer öfter und nachdrücklicher auf das Problem aufmerksam gemacht wird und ein breiter Konsens in Wissenschaft und Politik besteht, dass es wegen der Endlichkeit der Ressource Boden so wie bisher nicht weitergeht, hat dies bisher zu keinen spürbaren Konsequenzen geführt. Im Gegenteil: Der Freiflächenverbrauch nimmt sogar noch weiter zu - trotz Bevölkerungsstagnation und eher verhaltenem Wirtschaftswachstum.

Auf der anderen Seite verlieren wegen des wirtschaftlichen Strukturwandels sowie politischer und demographischer Entwicklungen immer mehr Flächen in oft hervorragenden innerstädtischen Lagen ihre Funktion und werden zu Industrie-, Militär-, Hafen-, Bahn- oder sonstigen Brachflächen. Der Gedanke liegt nahe, diese beiden Entwicklungen zusammenzuführen, d.h. den weiterhin vorhandenen Flächenbedarf zukünftig stärker als bisher durch das Potenzial an Brachflächen zu decken.

Diese Arbeit geht der Frage nach, welchen Beitrag die Reaktivierung innerstädtischer Brachflächen durch neue Nutzungen (Flächenrecycling) zu einem geringeren Freiflächenverbrauch, aber auch zu einer attraktiven Stadtentwicklung leisten kann. Der erste Teil der Arbeit dreht sich um Entwicklung und Ursachen des Freiflächenverbrauchs, der Hauptteil behandelt das Ausmaß an Brachflächen in Deutschland und stellt Möglichkeiten für eine sinnvolle Nachnutzung vor. In einem abschließenden Teil werden ergänzende Instrumente zur Verringerung des Freiflächenverbrauchs angesprochen.

Die Arbeit versteht sich als kompakte und kritische Darstellung des aktuellen Forschungsstandes zu den Themen Freiflächenverbrauch und Flächenrecycling. Sie wendet sich insbesondere an Entscheidungsträger in Kommunen, die aktuell von den Problemen Flächenknappheit und Brachflächen betroffen sind und nach Anregungen suchen, wie solche Flächen sinnvoll nachgenutzt und dabei die typischen Hemmnisse beim Flächenrecycling, z.B. Altlasten, Finanzierungsprobleme etc., überwunden werden können.

Betont werden soll vor allem, dass Flächenrecycling mehr ist als nur ein Mittel zum Flächen sparen, dass es vielmehr für die Kommunen, die es systematisch und aktiv betreiben, Ansatz für eine attraktive Stadtentwicklung sein und sich darüber hinaus auch finanziell auszahlen kann.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Zum Problem des steigenden Freiflächenverbrauchs in Deutschland 5
2.1 „Flächenverbrauch“ oder „Landschaftstransformation“? Der Streit um die adäquate Bezeichnung eines Umweltproblems 6
2.2 Entwicklung des Freiflächenverbrauchs in Zahlen 7
2.3 Ursachen des zunehmenden Freiflächenverbrauchs 10
2.3.1 Das „Häuschen im Grünen“: Entwicklung der Wohnungsbautätigkeit und die Wohnwünsche der Bevölkerung 11
2.3.2 Der „Kasten auf der grünen Wiese“: Entwicklungen beim Gewerbebau und die Standortpräferenzen gewerblicher Investoren 13
2.3.3 Neubauflächenausweisungen als „interkommunaler Wettbewerb“ 15
2.4 Laisser-faire oder Handlungsbedarf? - Pro und Contra Freiflächenverbrauch 16
3. Flächenrecycling und sein Beitrag zu einer Reduzierung der Freiflächeninanspruchnahme 20
3.1 „Brachflächen“ und ihr „Recycling“ - Begriffe und Definitionen 20
3.1.1 Innerstädtische Brachflächen 21
3.1.2 Flächenrecycling 24
3.1.3 Brachflächen und Baulücken: Zur sachlichen Überschneidung zweier städtebaulicher Problemfelder 25
3.2 Brachflächenrecycling - ein aktuelles Thema? 25
3.3 Ursachen der Entstehung innerstädtischer Brachflächen 26
3.4 Die Erfassung von Brachflächen als Handlungsvoraussetzung 29
3.5 Möglichkeiten der Um- und Wiedernutzung 33
3.5.1 Brachflächenreaktivierung in deutschen Städten: Ergebnisse einer Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik 34
3.5.2 Möglichkeiten der Nachnutzung auf verschiedenen Brachentypen: Unbegrenzte Möglichkeiten? 37
3.6 Potenziale zur Deckung des Flächenbedarfs durch Brachflächenrecycling 43
3.6.1 Die Theorie: Vollständige Deckung des Bedarfs? 43
3.6.2 Die Realität: Inkongruenz von Angebot und Nachfrage 48
3.7 Mehr als ein „Öko-Thema“: Chancen für eine attraktive Stadtentwicklung und ökonomische Vorteile für Kommunen durch Flächenrecycling 51
3.8 Hemmnisse und Gründe für das Scheitern von Flächenrecyclingprojekten 56
3.9 Ansatzpunkte für eine verstärkte Reaktivierung von Brachflächen 59
4. Flächenrecycling allein ist nicht genug: Ergänzende Möglichkeiten zur Reduzierung des Freiflächenverbrauchs 65
4.1 Flächensparende Bauweisen im Wohnungs- und Gewerbebau 65
4.2 Stärkung des ordnungs- und planungsrechtlichen Instrumentariums: Der notwendige Rahmen zum Schutz der Freiflächen 67
4.3 Informationsinstrumente: Mittel zur Problemerkennung 68
4.4 Neue Ansätze: Verhaltensänderung durch den Einsatz ökonomischer Instrumente 70
4.5 Weitere Möglichkeiten 74
5. Zusammenfassung und Ausblick 76
Literaturverzeichnis 80
Anhang 90

Automatisiert erstellter Textauszug:

rungsgruppe attraktiver und dadurch die Freiflächeninanspruchnahme im Umland etwas gebremst werden. Eine Renaturierung muss nicht unbedingt teuer sein. Es hat Fälle gegeben, in denen man lediglich die Altlasten beseitigt hat, die eine Gefahr für die Bevölkerung darstellten und anschließend die Fläche sich selbst überlassen hat. Das geschieht nicht immer freiwillig, sondern eher dann, wenn sich kein Investor für die Fläche findet. Die Natur hat dann Zeit, sich das Gelände zurückzuerobern. Auf diese Weise kann mit äußerst geringem Kostenaufwand für die Kommune ein neuer Park entstehen, der, wenn dabei alte Gewerbegebäude stehengelassen und dann überwuchert werden, zur Touristenattraktion werden kann (z.B. Landschaftspark Duisburg-Nord, Kokerei Hansa in Dortmund). Die auf Brachflächen bei Nichteingreifen von ganz allein entstehende Sekundärvegetation kann Platz für eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten bieten, die auf diesen Arealen Lebensräume vorfinden, die ihren natürlichen Habitaten sogar mehr ähneln als künstlich angelegte Grünflächen in der Stadt. Nachnutzung vorhandener Bausubstanz Die Chancen der Wiedernutzung von auf Brachflächen befindlichen Gebäuden muss differenziert betrachtet werden. Auf keinen Fall sollte die erste Reaktion einer Kommune auf die Entstehung einer Brachfläche der Abriss sämtlicher darauf befindlicher Gebäude sein. Stattdessen ist, allein schon aus Kostengründen, zu überlegen, ob bestimmte Gebäude es wert sind, erhalten zu werden und ob diese auch für die angestrebte Nachnutzung verwendet werden können. WIEGANDT (2001) weist darauf hin, dass der Erhalt alter Bausubstanz erheblich zu einer Profilbildung der Brachfläche beitragen und für eine offensive Vermarktung des Standorts genutzt werden kann. Eine Brachfläche könnte sich dadurch von der oft anspruchslosen Architektur neuer Gewerbegebiete abheben und käme dem Bedürfnis bestimmter Branchen nach einem unverwechselbaren Standort entgegen. Für die Nachnutzung funktionslos gewordener Gebäude gibt es inzwischen viele gelungene Beispiele (s. z.B. WÜSTENROT STIFTUNG 2000). Am einfachsten lassen sich Kasernen- und Verwaltungsgebäude einer neuen Nutzung zuführen (WIEGANDT 1994), da sie mit verhältnismäßig geringem Aufwand umgebaut werden können. Auf einer Militärbrache in Göttingen konnten eine Reihe vorhandener Kasernengebäude erhalten und [...]

Hochwertige Nutzungen lassen sich wiederum nur dann verwirklichen, wenn auch die Umgebung attraktiv ist. Vor allem hängt es aber von der Nachfragesituation vor Ort ab, ob die von Kommunen und Investoren angestrebten Nutzungen überhaupt eine Chance auf Verwirklichung haben. In jedem Fall sollten Kommunen Flächenrecycling als einen aktiven Prozess betrachten, damit auf den Brachflächen eine ihren Vorstellungen entsprechende Entwicklung stattfinden kann. Würde die Kommune sich nicht in das Geschehen einschalten, bleibt die Brachfläche entweder dauerhaft als Brache erhalten und kann im schlimmsten Fall zu einer Abwertung auch angrenzender Stadtviertel führen (KAHNERT / RUDOWSKY 1999), oder der Eigentümer der Fläche verkauft die Fläche einfach an den Meistbietenden (z.B. an einen oder mehrere großflächige Einzelhandelsbetriebe) und bewirkt damit eine Nachnutzung, die von der Kommune alles andere als erwünscht ist. Laut DOSCH (1994) sind weniger als 20% der Brachflächen „Selbstläufer“, bei denen sich die Nachnutzung wegen guter Nachfrage quasi von selbst regelt. In den meisten Fällen sind z.T. umfangreiche Anstrengungen durch die Kommunen erforderlich. Renaturierung von Brachflächen Es soll an dieser Stelle betont werden, dass nicht jede Brachfläche um jeden Preis auch wieder bebaut werden muss. Zu selten wird bisher die Renaturierung als gleichwertige Option angesehen und stattdessen oft ohne jegliche Alternativdiskussion eine Wiederbebauung angestrebt, die sich später nicht immer als sinnvoll entpuppt. Solch einen fast schon krampfhaften Aktionismus hat es laut einer telefonischen Auskunft von EITEL auf mehreren großen Militärbrachen in Rheinland-Pfalz gegeben, die, obwohl sie an äußerst peripheren Standorten lagen, wieder bebaut wurden, nur weil man meinte, dass der Abzug des Militärs und damit das Wegbrechen eines wichtigen Wirtschaftsfaktors irgendwie kompensiert werden müsse. Renaturierungen können besonders in altindustrialisierten Regionen sinnvoll sein, denn dort besteht häufig ein Freiflächendefizit bei gleichzeitig geringer Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen. Da mangelnde Grün- und Freiflächen einer der Gründe sind, weshalb Familien mit Kindern aus den Städten ins Umland ziehen, könnte durch die Verwirklichung neuer Grünflächen das Wohnen in der Stadt auch für diese Bevölke- [...]

4.) Hafenbrachen: In den letzten Jahren sind es vor allem Flächenrecyclingprojekte auf funktionslos gewordenen Hafenflächen, die für Aufsehen sorgen (z.B. der Düsseldorfer Medienhafen mit seiner aufwändigen und abwechslungsreichen Architektur und die HafenCity Hamburg als zur Zeit größtes Hafenumnutzungsprojekt in Deutschland). Da sich Lagen am Wasser auf dem Immobilienmarkt sehr gut vermarkten lassen, konnten einige äußerst attraktive Projekte verwirklicht werden. In der Regel werden Mischnutzungen realisiert, bestehend aus Büros, exklusivem Wohnungsbau, Handel und Freizeiteinrichtungen (hier bietet sich z.B. auch der Bau von Yacht- und Freizeithäfen an). Büros in ehemaligen Hafengebieten sind besonders bei so genannten Kreativbranchen (Computerbranche, Werbung, Medien) sehr begehrt. In Duisburg dagegen errichtete man auf einem brachgefallenen Teil des Hafens ein Logistikzentrum und knüpfte damit an die ursprüngliche Nutzung an (SZ vom 04./05.03.2000). Bei der Reaktivierung von Hafenbrachen kommt es in der Regel zu einem vollständigen Abriss der vorhandenen Gebäude und zum kompletten Neuaufbau der Infrastruktur (NEUMANN 2000). Nur vereinzelt werden spezielle hafenspezifische Anlagen, wie z.B. Lastkräne, als Reminiszenz an die Vergangenheit erhalten und können dem neu errichteten Stadtteil am Wasser ein besonderes Flair verleihen. Welche Art der Nachnutzung für eine Brachfläche letztlich die sinnvollste ist, lässt sich trotz der hier versuchten Differenzierung nicht allgemein sagen, sondern muss im Einzelfall entschieden werden. Die tatsächlichen Nachnutzungsmöglichkeiten hängen von zahlreichen Faktoren ab, z.B. von der Größe der Fläche, ihrer Lage innerhalb der Stadt, der Umgebung und vor allem von der lokalen Nachfrage nach Bauflächen. Je größer z.B. eine Fläche ist, desto schwieriger und komplizierter ist die Revitalisierung. Die Hoffnung vieler Kommunen, eine größere Gewerbebrache, die aus dem Zusammenbruch einer Firma entstanden ist, in einem Zug und nur durch eine neue Firma neu zu nutzen, lässt sich fast nie erfüllen. Auf größeren Brachflächen bieten sich daher eher Mischnutzungskonzepte an (HENCKEL / NOPPER 1985). Je näher die Brachfläche an der Innenstadt liegt, um so höherwertiger müssen die Nachnutzungen sein, um eine dem Grundstückspreis entsprechende Rendite zu erzielen. [...]

Arbeit zitieren:
Birnbrich, Manuel Juni 2002: Flächenrecycling, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Brachflächenrevitalisierung, Flächenverbrauch, Stadtentwicklung, Gewerbebrachen, Nachhaltigkeit

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