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Alkoholismus und Psychose

Alkoholismus und Psychose
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Franziska Boes
  • Abgabedatum: September 2002
  • Umfang: 107 Seiten
  • Dateigröße: 975,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6012-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6012-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6012-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Boes, Franziska September 2002: Alkoholismus und Psychose, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Doppeldiagnose, Komorbidität, psychisch Kranke, Suchtkranke

Diplomarbeit von Franziska Boes

Einleitung:

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Doppeldiagnose-Patienten erhöht, was diverse Prävalenzstudien belegen.

Nach der definitorischer Klärung der Begriffe Alkoholismus, Schizophrenie und affektive Störung, die die Grundlage für nachfolgenden Betrachtungen bilden, werden verschiedene Prävalenzstudien zur Häufigkeit des gemeinsamen Auftretens von Alkoholismus und Psychose dargestellt. Anschließend werden unterschiedliche Entstehungskonzepte dieses Zusammenhanges zwischen den beiden Störungsbildern erläutert. Hierzu gehören Problembereiche der Diagnostik und Behandlung von Doppeldiagnosen, die den dringenden Handlungsbedarf verdeutlichen. Schwerpunkt der Arbeit bildet die Darstellung spezialisierter Behandlungsmodelle für Doppeldiagnose-Patienten, Charakteristika dieser Ansätze und Einrichtungen im Raum Franken. Wenngleich hier nur im geringen Umfang Daten vorliegen, sprechen die Ergebnisse dafür, dass spezialisierte Behandlungseinrichtungen sinnvoll und notwendig sind.

In vielen Einrichtungen für psychisch Kranke gilt eine zusätzliche Suchtmittelproblematik als Ausschlusskriterium, eine Aufnahme des Patienten wird abgelehnt. Dennoch sind immer wieder Patienten mit der Zusatzdiagnose Suchtmittelabhängigkeit in Einrichtungen für psychisch kranke Menschen zu finden, da vor der Aufnahme die Suchtstörung nicht bekannt ist oder verharmlost wird. Auch umgekehrt haben suchtspezifische Einrichtungen mit Patienten zu tun, die zusätzlich an einer psychischen Störung leiden. Beim gleichzeitigen Vorhandensein einer psychischen Störung und einer Suchtmittelerkrankung spricht man von Doppeldiagnose oder Komorbidität.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem speziellen Ausschnitt der Komorbidität von Sucht und psychischer Erkrankung, nämlich mit Alkoholismus und Psychose.

Während meines Jahrespraktikums 1999/2000 in einer Therapeutischen Wohngemeinschaft für psychisch kranke Menschen sah ich mich erstmals mit dem Begriff der Komorbidität konfrontiert. Im Verlauf meines Praktikums stieß ich immer wieder auf diagnostische Unklarheiten, welche die Arbeit mit Komorbiditätspatienten erschwerte, da die Zielgerichtetheit der Behandlung nicht eindeutig festlegbar erschien. Die Verschwommenheit des Begriffes stellte den Anreiz für diese Untersuchung dar.

Da die therapeutische Grundhaltung bei der Behandlung einer psychischen Erkrankung anders ist als die einer Suchtstörung wurde in den letzten Jahren mehrfach versucht Behandlungsprogramme zu entwickeln, die ermöglichen sollen beiden Störungen gerecht zu werden.

Ziel dieser Arbeit ist, neben einer inhaltlichen Präzision des Begriffes Komorbidität, Erklärungsansätze zur Entstehung von Doppeldiagnosen darzustellen, die Problematik der Diagnostik und der Behandlung von Doppeldiagnosen zu veranschaulichen und die sich daraus entwickelten konzeptionellen therapeutischen Überlegungen zu erörtern. Dabei geht es in dieser Arbeit nicht um alkoholinduzierte Psychosen, wie beispielsweise die Alkoholhalluzinose, sondern nur um Alkoholismus und Psychosen als zwei eigenständige Krankheitsbilder.

Da in der deutschen Sprache noch immer hauptsächlich die rein männliche Form in der Schreibweise gebraucht wird wurde auf eine ständige Berücksichtigung beider Geschlechter zugunsten der Lesbarkeit verzichtet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Begriffliche Überlegungen 3
2.1 Alkoholismus 3
2.2 Psychose 6
2.2.1 Schizophrenie 6
2.2.2 Affektive Störungen 8
2.2.2.1 Depression 8
2.2.2.2 Manie 10
2.3 Komorbidität 12
3. Prävalenz 14
3.1 Prävalenz 15
3.2 Prävalenz der Psychosen 16
3.2.1 Prävalenz der Schizophrenie 16
3.2.2 Prävalenz der affektiven Störungen 16
3.3 Prävalenz von Alkoholismus und Psychose 17
3.3.1 Alkoholismus und Schizophrenie 17
3.3.2 Alkoholismus und affektive Störungen 19
4. Entstehungsmodelle 23
4.1 Zufallsmodell 23
4.2 Interaktionsmodell 23
4.2.1 Substanzmittelmissbrauch erhöht das Risiko psychiatrischer Erkrankungen 24
4.2.2 Psychiatrische Erkrankungen erhöhen das Risiko für Abhängigkeitserkrankungen 25
4.2.2.1 Stigmatisierungsmodell 25
4.2.2.2 Sozialwissenschaftliche Faktoren 25
4.2.2.3 Kommunikativer Faktor 26
4.2.2.4 Selbstmedikationshypothese 26
4.2.2.5 Existenz eines gemeinsamen Faktors 28
4.3 Doppeldiagnosen als eigenständiges Krankheitsbild 30
5. Problematik 31
5.1 Problematik der Feststellung 31
5.2 Problematik der Behandlung 36
6. Notwendigkeit spezialisierter Behandlungsmodelle 41
6.1 Versorgung psychisch Kranker und Alkoholkranker 41
6.1.1 Versorgung psychisch Kranker 41
6.1.1.1 Ambulante Versorgung 41
6.1.1.2 Stationäre Versorgung 43
6.1.1.3 Komplementäre Versorgung 44
6.1.2 Versorgung Alkoholkranker 45
6.1.2.1 Ambulante Versorgung 45
6.1.2.2 Stationäre Versorgung 46
6.1.2.3 Komplementäre Versorgung 47
6.2 Versorgung von Doppeldiagnose-Patienten 47
6.2.1 Versorgung im internationalen Raum 48
6.2.1.1 Ambulante Versorgung 48
6.2.1.2 Stationäre Versorgung 49
6.2.1.3 Komplementäre Versorgung 52
6.2.2 Versorgung in der BRD 56
6.2.2.1 Ambulante Versorgung 56
6.2.2.2 Stationäre Versorgung 56
6.2.2.3 Komplementäre Versorgung 59
6.2.3 Versorgung in Franken 60
6.2.3.1 Ambulante Versorgung 61
6.2.3.2 Stationäre Versorgung 61
6.2.3.3 Komplementäre Versorgung 63
6.3 Charakteristika der Behandlungsprogramme 69
6.4 Koordination der Behandlung 71
7. Kritische Wertung der Ergebnisse 74
8. Konsequenzen für die Soziale Arbeit 79
9. Zusammenfassung 82
10. Literaturverzeichnis 83
Erklärung zur Diplomarbeit 103
Danksagung 104
Inhaltsverzeichnis II

Automatisiert erstellter Textauszug:

tion’ zu sehr labilisiert werden“ (S. 13). Laut der Konzeption vieler Suchteinrichtungen stellen wiederholte Rückfälle einen Entlassungsgrund dar, was für Patienten einer psychotischen Phase „eine oft unüberwindbare Hürde für eine reguläre Behandlungsdauer“ darstellt (S. 13). Bezüglich der Medikation kommt es bei Schizophrenen ohnehin schon zu Schwierigkeiten, so dass bei einer zusätzlichen Suchtproblematik die Compliance noch geringer ist. Der Substanzmittelkonsum steht im Wirkungsgegensatz zur angeordneten Pharmakotherapie, wodurch es zu einer Abschwächung der Wirkung oder unerwünschten Nebenwirkungen kommt (Bachmann und Moggi, 1993). Auch Mueser et al. (1995) sprechen das Problem an, dass durch Substanzmittelkonsum die schützenden Effekte der Medikation für die psychiatrische Erkrankung geschwächt werden, was zu häufigen Rückfällen und Hospitalisierungen führt. Schneider und Pichelt-Welle (1994) haben die therapeutischen Grundhaltungen von Suchttherapie und Psychosebehandlung, die aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit nur schwer miteinander vereinbar sind, einander gegenübergestellt und therapeutische Richtlinien für Sucht-Psychose-Doppeldiagnose-Patienten, die das Suchthilfe- und psychiatrische Gesundheitssystem miteinander zu verknüpfen versuchen, entwickelt. Dies ist in Tabelle 4 wiedergegeben. [...]

5.2 Probleme der Behandlung Durch therapeutische Probleme, die sich unter anderem durch die unterschiedlichen Behandlungsansätze für die jeweilige Störung ergeben, kommt es zu einer Verdrängung der Doppeldiagnose-Klientel aus beiden Bereichen (Drake, 1994; Ortman, 1997). Von Suchteinrichtungen werden sie aufgrund der psychiatrischen Störung abgelehnt, Einrichtungen für psychisch Kranke verweigern ebenfalls häufig die Aufnahme aufgrund eines bestehenden bzw. möglichen Substanzkonsums. Gründe hierfür sind, dass das behandelnde Personal im Normalfall nur über eine Ausbildung in einem der betreffenden Gebiete verfügt, entweder im Bereich der Psychiatrie oder Suchttherapie (Drake, 1994). Suchttherapeuten sind oft nicht geschult im Umgang mit einer psychiatrischen Störung bei Substanzabhängigen und deren Medikation, im Gegenzug können psychiatrische Einrichtungen oftmals keine suchtmittelfreie Umgebung gewähren oder eine Suchttherapie bieten, die psychiatrische Patienten mit Substanzmittelkonsum bedürfen (Minkhoff, 1994; Thacker und Tremaine, 1989). Modestin und Attinger (1992) geben zu Bedenken, dass die Behandlungsgrundsätze der beiden Erkrankungen sehr unterschiedlich sind und sich widersprechen. So wird in der Arbeit mit Drogenabhängigen ein konfrontativer Behandlungsstil gewählt, es wird viel Gewicht auf Eigenmotivation und Selbstverantwortung gelegt, Gruppenfähigkeit und Toleranz für konfrontative Interventionen sind Voraussetzung. Im Gegensatz dazu steht der Behandlungsansatz bei psychisch Kranken. Da diese Klientel „wenig subjektives Krankheitsgefühl, geringe Krankheits- und Behandlungseinsicht und Behandlungsmotivation“ besitzt, und über reduzierte „Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen und Fähigkeit zur Introspektion und Konfrontation“ (S. 11) verfügt wird von Modestin und Attinger eine stützende Haltung für notwendig erachtet. Die Klientel der psychisch Kranken sei besonders in psychotischen Phasen vor Überforderung zu schützen und vertrage konfrontatives Vorgehen nicht. Gelegentlich leide sie zusätzlich unter kognitiven Beeinträchtigungen. Nach Riebe (2000) liegt der Grund dafür, dass psychotische Patienten in suchttherapeutischen Einrichtungen nur schwer zurecht kommen, in ihrer erhöhten Verletzlichkeit, „..., weil sie in ihrer erhöhten Vulnerabilität durch die dort vorherrschenden ‚konfrontativen’ Therapiekonzepte mit ihrer ‚high expressed emo- [...]

sums. Die Gruppe der untersuchten Patienten bestand insgesamt aus 121 Patienten einer Nachsorgebetreuung mit der DSM-III Diagnose einer Schizophrenie. Von dieser Gruppe konnten die Daten von 115 Patienten (6 Drop-outs), die an der 1-Jahres-follow-up-Studie teilnahmen, verwendet werden. Befragt wurden die Nachsorgebetreuer, die in Kontakt zur Familie, zum stationären Team, zu anderen Bezugspersonen und nicht zuletzt zum Patienten selbst stehen. Die Stichprobe setzte sich hauptsächlich aus städtischen und armen chronisch Kranken zusammen. Untersuchungen von Lehman et al. (1994) zufolge ist der Schweregrad der Substanzstörung bei der Gruppe der psychisch kranken Patienten nicht so ausgeprägt wie bei primär Substanzabhängigen, bringt aber ungünstigere Effekte mit sich. Dies wurde anhand einer Studie untersucht, die eine Gruppe von Patienten, die eine psychische Erkrankung und eine Störung durch psychotrope Substanzen aufwies, mit zwei Kontrollgruppen verglich. Die Patienten der ersten Vergleichsgruppe litt unter einer akuten Suchtstörung ohne zusätzliche psychische Störung, bei den Patienten der zweiten Vergleichsgruppe lautete die Diagnose drogeninduzierte Psychose. Die Diagnosen wurden anhand des DSM-III-R gestellt, Untersuchungsinstrument war das Structured Clinical Interview for DSM-III-R (SCID-P) nach Spitzer (1990). Potentielle Indikatoren anhand derer der Schweregrad der Substanzstörung ermittelt wurde waren beispielsweise Hilfe bzw. Angewiesensein auf Dienste und bisherige Behandlungen in Suchthilfesystemen sowie die ungefähre Menge des für Drogen ausgegebenen Geldes. Für den Bereich der psychotropen Störungen durch Alkohol wurden keine signifikanten Unterschiede gefunden, für die übrigen psychotropen Substanzen ließen sich Unterschiede bezüglich des Schweregrades feststellen. Als problematisch sieht Soyka (1994) die ätiologische und diagnostische Zuordnung einer psychotischen Symptomatik, besonders bei Vorliegen paranoidhalluzinatorischer Symptome, bei Patienten mit positiver Alkoholanamnese. Halluzinosen und andere Psychosen können durch chronischen Alkoholismus ausgelöst werden, was eine phänomenologische Abgrenzung von schizophrenen Psychosen deutlich erschwert. [...]

Arbeit zitieren:
Boes, Franziska September 2002: Alkoholismus und Psychose, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Doppeldiagnose, Komorbidität, psychisch Kranke, Suchtkranke

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