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Heroin vom Staat?

Heroin vom Staat?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Hartmut Bodenhöfer
  • Abgabedatum: Januar 2002
  • Umfang: 147 Seiten
  • Dateigröße: 2,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Fulda Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5961-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5961-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5961-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bodenhöfer, Hartmut Januar 2002: Heroin vom Staat?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Drogen, kontrollierter Drogenkonsum, Drogenpolitik

Diplomarbeit von Hartmut Bodenhöfer

Problemstellung:

Ist auch für die Bundesrepublik Deutschland „Heroin vom Staat“ ein guter Ansatz in der Drogenpolitik?

Dazu gebe ich einen tieferen Einblick in die Materie, um die Fragestellung ausführlicher erörtern zu können.

Im vergangenen Jahr war in Deutschland zwar der politische Wille zu einem Modellversuch vorhanden, den Suchtstoff staatlich kontrolliert an Betroffene abzugeben. Allerdings war – zumindest mir – nie ganz klar, ob die Umsetzung auch tatsächlich geschehen würde.

Inzwischen ist es amtlich: Im Februar 2002 startet das umstrittene Projekt in Deutschland. Für etwa drei Jahre wird unter wissenschaftlicher Begleitung in einer Reihe von Großstädten (Hamburg, München, Bonn, Frankfurt, Karlsruhe, Hannover und Köln) an etwa 560 schwerstabhängig Heroinsüchtige der Originalsstoff Heroin abgegeben. Gleichzeitig wird an die gleiche Anzahl von Süchtigen Methadon ausgegeben, um die Reaktionen der Suchtstoffe bei einem längeren Gebrauch in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht untersuchen zu können.

Ein Schwerpunkt dieser Ausarbeitung liegt in der Untersuchung des politischen Willens, Heroin vom Staat kontrolliert an Schwerstabhängige User abzugeben. Dabei ist die Umsetzung des Modellprojektes ausschlaggebend. Es geht mir darum, wie Schwerstabhängige besser erreicht werden können, wie die Reichweite der Drogenarbeit insgesamt ausgebaut werden kann. Ich habe viele Stellungnahmen zu den verschiedenen Kapiteln aus der Politik aufgegriffen und sie mit eingearbeitet. Dabei habe ich feststellen können, dass sich unter der jetzigen Bundesregierung eine gewisse Veränderung hinsichtlich der Entkriminalisierung von Drogenabhängigen und eine Verbesserung des Angebots, insbesondere was den niedrigschwelligen Bereich anbelangt, eingestellt hat. Dadurch wird die Drogenpolitik zweifelsohne menschlicher, was begrüßenswert ist.

Hierbei handelt es sich um eine sehr aktuelle Thematik. Dies zeigt sich auch daran, weil es dazu kaum deutsche Literatur gibt, die älter als 10 Jahre ist. Noch 1995 schreibt Bühringer, dass die Heroinvergabe international weder in der Forschung, noch in der Praxis eine Rolle spiele. Sie sei vom Umfang her im Vergleich zur Substitution zu vernachlässigen. Auf internationaler Ebene veröffentlichen John Kaplan und Mark Moore u.a. bereits Ende der 80er Forschungsergebnisse. Auch aufgrund der gegenwärtigen Diskussionen greife ich auf diverse Internetquellen zurück.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Kapitel möchte ich als Einführung in die Thematik zunächst einige Daten zur Heroinabhängigkeit einbringen. Dabei betrachte ich gleichwohl historische wie politische Gesichtspunkte sowie die Folgen, die sich durch den Konsum von Heroin ergeben können. Des weiteren untersuche ich, wie viele der Abhängigen eine Chance auf einen Ausstieg haben. In den folgenden Abschnitten betrachte ich eine Reihe verschiedener Ansätze für Heroinabhängige, sowohl Angebote, deren Ziel die Beendigung der Sucht ist, als auch Angebote, die die Abhängigkeit unter gesundheitsschonenden Bedingungen ermöglicht.

Die darauf folgenden Kapitel befassen sich mit der Abstinenztherapie und der Substitutionstherapie. Darin beschreibe ich zunächst die Aufgaben der Suchtberatungsstellen, den körperlichen Entzug sowie die Langzeittherapie. Im weiteren setzte ich mich kritisch mit der Substitution auseinander.

Im 4. Kapitel gehe ich auf die staatlich kontrollierte Heroinvergabe ein. Dabei beabsichtige ich, sämtliche Teilaspekte, die mit einer solchen Handhabung verbunden sind, zu beleuchten. So beschreibe ich, in welcher Form Drogenabhängige kriminell werden (müssen), um ihre Sucht befriedigen zu können und inwiefern sich eine Originalstoffvergabe hier auswirkt. Auch die gesundheitlichen Belastungen können durch eine solche Vergabe deutlich verringert werden, ebenso menschliches Leid, welches sich aus der Verfolgung von Drogen ergibt, wie ich in den folgenden Teilen darlegen werde. Untersuchen möchte ich daraufhin, inwiefern sich dieses Modell auf die Kosten auswirkt. Wie sich die Vergabe in der Praxis in den Nachbarländern darstellt und wie dieses Modell in Deutschland gesehen wird, werde ich nachfolgend darlegen. Abschließend möchte ich mich in diesem Kapitel der sozialpädagogischen Begleitung sowie den Kritikpunkten zu diesem Modell widmen.

Im 5. Kapitel fasse ich die gewonnen Erkenntnisse anhand eines Fallbeispiels zusammen.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG 5
1. HEROINABHÄNGIG - UND DANN? 12
1.1 Heroin und Abhängigkeit 12
1.2 Angebote für Heroinabhängige 17
1.2.1 „Niedrigschwellige“ Angebote 18
1.2.2 „Hochschwellige“ Angebote 23
1.2.3 Diverse weitere Möglichkeiten und Modelle 24
1.2.4 Vorstellungen künftiger Drogenpolitik 26
2. ABSTINENZTHERAPIE 28
2.1 Die Aufgaben der Suchtberatungsstellen 29
2.2 Der körperliche Entzug 30
2.3 Die Entwöhnungs-Therapie 31
2.3.1 Zielsetzung 33
2.3.2 Dauer/Erfolg 33
2.3.3 Kritikpunkte 34
3. ZUR SUBSTITUTION 37
3.1 Nutzen der Methadon-Substitution 40
3.2 Der „Fachberater Methadon“ 41
3.3 Kritik 42
4. HEROIN VOM STAAT 46
4.1 Zielsetzung 47
4.2 Modalitäten und Rahmenbedingungen der Heroin-Abgabe 48
4.3 Aspekte der Kriminalisierung 52
4.3.1 Folgen der Prohibition für die Drogenabhängigen 52
4.3.1.1 Zur Gewaltbereitschaft Drogenabhängiger 53
4.3.1.2 Gefängnis 53
4.3.2 Beschaffungskriminalität 55
4.3.3 Zur Strafverfolgung 57
4.3.4 Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) 59
4.3.4.1 Zum Inhalt 59
4.3.4.2 Verfassungsrechtliche Kritik des Drogenverbotes 60
4.3.4.3 Verstöße gegen das BtMG und seine Verfolgung 61
4.4 Gesundheitliche Aspekte 64
4.4.1 „Sauberes“ Heroin 65
4.4.2 Reinheitsgrad des Stoffes und seine Konsequenzen 68
4.4.3 Auswirkungen der Repression (auf das Konsumverhalten) 71
4.5 Menschliche Aspekte 74
4.6 Der Kostenfaktor 77
4.6.1 Direkte und indirekte Kosten durch die Verfolgung von Heroin 77
4.6.2 Heroinkosten unter legalen Bedingungen 82
4.7 Erfahrungen und Ergebnisse aus den Nachbarländern 84
4.7.1 Schweiz 84
4.7.2 England 87
4.7.3 Niederlande 88
4.8 Das Prozedere in Deutschland 90
4.9 Stand der politischen Diskussion 92
4.9.1 Ansichten der Parteien 92
4.9.1.1 Die Regierungsparteien 92
4.9.1.1.1 SPD 93
4.9.1.1.2 Bündnis90/Die Grünen 94
4.9.1.2 Die Opposition 94
4.9.1.2.1 FDP 95
4.9.1.2.2 CDU 95
4.9.1.2.3 PDS 96
4.9.2 Verlautbarungen der Polizei 97
4.9.2.1 Stellungnahmen der Polizeipräsidenten 97
4.9.2.2 Forderungen der Polizeigewerkschaft 98
4.9.3 Stellungnahmen diverser Interessensverbänden 99
4.9.3.1 Begutachtung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 99
4.9.3.2 Die Caritas 100
4.9.3.3 „Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V.“ (DHS) 100
4.9.3.4 Die Bundesärztekammer 101
4.10 Die sozialpädagogische Begleitung 101
4.10.1 Arbeitsverständnis vom Berufsbild des Sozialarbeiters 102
4.10.2 Arbeitsbedingungen unter der Prohibition 102
4.10.3 Die sozialpädagogische Begleitung im ärztlichen Vergabemodell 103
4.11 Kritik zum Modell(-Versuch) 104
5. ZUSAMMENFASSUNG 108
6. SCHLUSS 111
QUELLENVERZEICHNIS 115
VERZEICHNISSE 125
ANHANG 126

Automatisiert erstellter Textauszug:

Mit der Repression wird versucht, den Heroinmarkt über die Kostenseite auszuhebeln. Durch eine Verknappung des Angebotes soll sich der Preis so erhöhen. Bestenfalls so dass , keine Nachfrage mehr besteht. Bei der staatlichen Vergabe werden Nachfrager vom Schwarzmarkt abgezogen, was zu einer Entschärfung der „prohibitonsinduzierten Drogenprobleme“ führt.188 Gersemann analysiert, dass eine Erhöhung der Repression sich in erster Linie auf den Marktpreis und weniger auf die abgesetzte Menge auswirkt.189 Man geht davon aus, dass Repression den illegalen Markt nie vollständig zum Verschwinden bringen kann. Gleichzeitig löst die Repression aber eine Verknappung des Angebotes aus und führt so zu Preisanstieg und zur Vergrößerung der Gewinnspanne. Die Händler können praktisch einen beliebigen Preis verlangen. Der Preis ist aber auch deshalb so hoch, weil sich die Händler ihr eigenes Risiko in Form einer Risikoprämie bezahlen lassen. Somit ist die staatliche Prohibitions- [...]

Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass aufgrund wiederholter Entzüge und Therapieversuche, die nicht aus der Abhängigkeit geführt haben, wenig Vertrauen darin besteht, die eigene Lebenssituation grundlegend zu verbessern. Auch Gersemann macht die Feststellung, dass der Reinhaltsgehalt des Heroins starken Schwankungen unterworfen ist. Der Reinheitsgehalt des in NordrheinWestfalen sichergestellten Heroins hat sich beispielsweise zwischen 1991 (41 Prozent) und 1993 (21 Prozent) halbiert. Kurzfristig treten solche Veränderungen noch deutlicher auf.185 Auch die Ausbreitung von HIV hat zu einer Verschärfung der Situation beigetragen. Kommt zur Diskriminierung „Fixer“ ein zweites Stigma als „HIV-Infizierter“, bzw. „AIDS-Kranker“ hinzu, wird es noch schwieriger, der sozialen Isolation zu entkommen. Nach dem Bekanntwerden der eigenen HIV-Infizierung versuchen einige Drogenabhängige ihr Leben zu ändern, um eine Erkrankung zu vermeiden. Für die Mehrheit der Betroffenen gilt das Gegenteil. Resignation und selbstdestruktive Tendenzen verschärfen die soziale Verelendung und verstärken den risikoreichen Drogen(misch)konsum.186 Eine HIV-Infektion führt im Durchschnitt nach 10 Jahren zum Ausbruch von AIDS. Damit sind erhebliche Kosten für den Patienten und die Gesellschaft aufgrund von chronischer Krankheiten, Krankenhausaufenthalten und vorzeitigem Tod verbunden. Eine Hepatitis-C und –B-Erkrankung verläuft 70% chronisch und kann zu einem vorzeitigen Tod führen. Eine Infektion verschiedener HepatitisErreger kann besonders gefährlich sein und führt häufig zu einem vorzeitigen Tod [...]

Stöver und P. Winkler davon, dass der durchschnittliche Anteil von Heroin im Straßenheroin zwischen 5% und 90% variieren kann.181 Für Witter und Reiners-Kröncke sind dadurch die Lebensbedingungen der Abhängigen unter der Prohibition die schlimmsten, die man sich vorstellen könne. Ein Beweis ist der elende Gesundheitszustand. Welcher, nach Ansicht der Autoren, so schlecht ist, dass der Junkie tagtäglich mit einem Stoff konfrontiert wird, dessen Qualität nicht minder sein könnte.182 Die Lebensbedingungen insbesondere langjähriger Drogenabhängiger haben sich binnen der letzten 10 Jahre drastisch verschlechtert. Deutlich wird dies besonders am schlechten Gesundheitszustand vieler Drogengebraucher. Der Konsum von Schwarzmarktheroin und das Leben unter ständigem Kriminalisierungsdruck bergen große Gesundheitsrisiken. Dazu gehören: (1) akute gesundheitliche Leiden (Spritzenabszesse, Venenentzündungen und Blutvergiftung), und schwere chronische Erkrankungen, die oft nicht oder zu spät behandelt werden (Hepatitis und AIDS-assoziierte Erkrankungen);183 Neben schweren Notfällen (Blutvergiftungen, Psychosen oder Überdosierungen) kommt es zu einer relativ häufigen Übertragung von Anstekkungskrankheiten (Geschlechtskrankheiten und Lebererkrankungen). 5070% aller Drogenabhängigen leiden an schwerwiegenden Lebererkrankungen, die häufig einen chronischen Verlauf haben.184 (2) (3) eine Vernachlässigung elementarer Selbstfürsorge und Hygiene (Essen, Waschen, Bekleidung); zunehmender Beigebrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, da das für Heroin benötigte Geld nicht aufgebracht werden kann und Entzugssymptome überbrückt werden müssen; (4) die hohe psychische Belastung durch Beschaffungsdruck, Verfolgung und Prostitution unter ungeschützten Bedingungen; [...]

Arbeit zitieren:
Bodenhöfer, Hartmut Januar 2002: Heroin vom Staat?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Drogen, kontrollierter Drogenkonsum, Drogenpolitik

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