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Implizite Bewertung der Lieferoption für den Bund-Future

Implizite Bewertung der Lieferoption für den Bund-Future
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andreas Bichler
  • Abgabedatum: September 1998
  • Umfang: 92 Seiten
  • Dateigröße: 601,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5878-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5878-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5878-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bichler, Andreas September 1998: Implizite Bewertung der Lieferoption für den Bund-Future, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Cheapest-to-Deliver, Preisfaktor, Notional Bond

Diplomarbeit von Andreas Bichler

Einleitung:

Was ist der Bund-Future? Was ist die Lieferoption? Welchen Sinn hat sie? Warum ist ihre Analyse nötig? Wie wird bei ihrer Analyse verfahren?

Dem im November 1990 an der Deutschen Terminbörse (DTB) eingeführten Bund-Future liegt eine fiktive 6%-Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren (Notional Bond) zugrunde. Während sich der Verkäufer eines Bund-Futures verpflichtet, am Liefertag den Notional Bond zum vorher vereinbarten Preis zu liefern, muss ihn der Käufer zu diesem Preis abnehmen. Da eine 6%-Bundesanleihe mit zehn Jahren Restlaufzeit am Liefertag regelmäßig nicht existiert, hat der Verkäufer das Recht, aus einer gegebenen Menge an Bundesanleihen (Lieferkorb) eine Anleihe zur Lieferung auszuwählen. Dieses Recht des Verkäufers heißt Lieferoption.

Mit der Einführung einer Lieferoption bezweckt man erstens, die Anzahl der lieferbaren Anleihen zu erhöhen und so eine mögliche Marktenge zu erschweren. Zweitens wird die Liquidität, die alternativ für viele entsprechende Terminkontrakte auf die einzelnen Bundesanleihen bereitsteht, auf den Bund-Future konzentriert. Allerdings werden diese Vorteile mit einer verminderten Hedging-Effektivität erkauft, da der Preis des Bund-Futures bei Verfall aufgrund der Lieferoption nicht perfekt mit dem Kassakurs einer bestimmten abzusichernden Bundesanleihe korreliert.

Um den Wert der Lieferoption zu ermitteln, bedient man sich folgender Überlegung: Der Käufer eines Forwards auf eine bestimmte im Lieferkorb enthaltene Anleihe ist bereit, einen gewissen Preis für diesen Forward zu bezahlen. Für den Bund-Future wird er weniger zu zahlen bereit sein, da er nicht wissen kann, welche Anleihe ihm am Liefertag geliefert werden wird. Der Verkäufer wird seine Lieferoption zum eigenen Vorteil ausüben, d.h. er wird die im Lieferzeitpunkt günstigste Anleihe liefern. Diese Chance des Verkäufers ist gleichzeitig das Risiko des Käufers, das er sich über einen geringeren Futurepreis vergüten lässt. Zentral ist, dass sich diese ex ante-Unsicherheit allein aus der Existenz der Lieferoption ergibt.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass an der DTB Preisfaktoren eingeführt wurden, die zum Ziel haben, die verschiedenen lieferbaren Anleihen im Lieferzeitpunkt gleichwertig zu manchen. Dazu wird der Futurepreis bei Verfall mit dem Preisfaktor der im Gegenzug gelieferten Anleihe multipliziert. Im wesentlichen resultiert der Wert der Lieferoption daraus, dass die Preisfaktoren ihren Zweck nicht bzw. nur unzureichend erfüllen.

In der vorliegenden Arbeit werden drei Ansätze zur impliziten Bewertung der Lieferoption verfolgt, wobei stets der Wert der Lieferoption aus beobachtbaren Marktdaten ermittelt werden soll. Vor Fälligkeit entspricht die Optionsprämie für die Lieferoption dem Überhang des Terminpreises der günstigsten lieferbaren Anleihe über den mit ihrem Preisfaktor multiplizierten Preis des Bund-Futures. Bei Fälligkeit des Futures ergibt sich der Ausübungswert über die Zahlungsströme einer Strategie, bei der man vor Fälligkeit des Futures die billigste Anleihe (Anleihe j) kauft und eine entsprechende Anzahl Bund-Futures verkauft. Bei der diskreten Buy-and-Hold-Variante wird lediglich die bei Fälligkeit billigste Anleihe (Anleihe l) gegen den Future geliefert, und der Ausübungswert ergibt sich als Liefergewinn aus der Lieferung der Anleihe l statt j. Wird die kontinuierliche Rollover-Strategie verfolgt, so werden auch zwischen diesen beiden Zeitpunkten profitable Umschichtungen des Portefeuilles vorgenommen, sobald sich die Möglichkeit dazu bietet. Aus der ex ante ermittelten Optionsprämie und dem sich ex post ergebenden Ausübungswert kann dann der Ausübungsgewinn berechnet werden.

Diese Arbeit untersucht ausschließlich die Lieferoption bezüglich der zu liefernden Anleihe (Quality Option), da sie die einzige Lieferoption im Bund-Future ist. Weitere Lieferoptionen, wie die Wild-Card-Option, die End-of-the-Month-Option oder die Timing- (Accured-Interest-) Option, sind nicht im Bund-Future enthalten.

Gang der Untersuchung:

In Kapitel 2 wird der Bund-Future näher vorgestellt, die Lieferoption von der theoretischen Seite aus betrachtet und die Preisbildung anhand der Cash-and-Carry-Arbitrage erläutert. Im Mittelpunkt des Kapitels 3 steht der Preisfaktor der DTB, der, wie gezeigt wird, durch seine Ausgestaltung der Lieferoption erst einen Wert verschafft. Ein theoretisches Konzept zur Bewertung der Lieferoption wird in Kapitel 4 erarbeitet, worauf in Kapitel 5 die Ergebnisse der empirischen Untersuchung für die impliziten Optionsprämien und die beiden Varianten des Ausübungswertes vorgestellt, diskutiert und mit ähnlichen Untersuchungen verglichen werden. Kapitel 6 enthält abschließende Bemerkungen und fasst die Ergebnisse zusammen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Darstellungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
2. Der DTB-Bund-Future 4
2.1 Kontraktmerkmale und Liefervorgang 5
2.2 Zweck und Konsequenzen der Lieferoption 10
2.2.1 Futures ohne physische Lieferung 10
2.2.2 Futures mit physischer Lieferung 11
2.2.3 Notwendigkeit von Preisfaktoren 15
2.3 Der Preisfaktor der DTB 17
2.4 Preisbildung durch Cash-and-Carry-Arbitrage 18
2.4.1 Genau eine lieferbare Anleihe 19
2.4.2 Mehrere lieferbare Anleihen 21
2.4.3 Klassifizierung der Basis 22
3. Analyse und Kritik des Preisfaktors der DTB 24
3.1 Die CTD und der Futurepreis 24
3.2 Determinanten der CTD 28
3.2.1 Rendite bis Fälligkeit 28
3.2.2 Modified Duration 29
3.2.3 Verzerrung durch unpräzise Zeitmessung 31
3.3 Ein alternatives Preisfaktorsystem 31
3.4 Preisfaktorvergleich und CTD 34
3.4.1 Flache Zinsstrukturkurven 34
3.4.2 Nichtflache Zinsstrukturkurven 35
4. Konzept der impliziten Bewertung der Lieferoption 38
4.1 Bewertungsvoraussetzungen 38
4.2 Implizite Prämie für die Lieferoption 39
4.3 Ausübungswert der Lieferoption 41
4.4 Klassifizierung der Lieferoption 45
4.5 Kritik 47
5. Empirische Untersuchung 50
5.1 Beschreibung von Vorgehensweise und Datenbasis 50
5.2 Implizite Optionsprämien 53
5.3 Ausübungswerte der Rollover-Strategie 55
5.4 Ausübungswerte der Buy-and-Hold-Strategie 57
5.5 Vergleich der Ergebnisse mit anderen Untersuchungen 57
6. Zusammenfassung 63
Anhang
A. Herleitung der Preisfaktorformel der DTB 66
B. Untere Schranke für den arbitragefreien Futurepreis bei mehreren lieferbaren Anleihen 69
C. Vergleich der Preisfaktoren und futuresäquivalenten Kassakurse 71
D. Bestimmung des arbitragefreien Forwardpreises 73
E. Stammdaten der lieferbaren Anleihen 77
F. Statistische Angaben zu Optionsprämien und Ausübungswerten 78
Literaturverzeichnis 81
Ehrenwörtliche Erklärung 85

Automatisiert erstellter Textauszug:

Unterstellt man eine normale Zinsstruktur, die von 6 bis 9 Prozent linear ansteigt, so ist die 5%-Anleihe mit 10 Jahren Restlaufzeit bei einer Unterbewertung im Vergleich zum alternativen Preisfaktor in Höhe von 0,72% cheapestto-deliver. Sie ist die Anleihe, welche die größte Modified Duration und die größte Yield to Maturity aufweist. Insoweit führen beide Erklärungsansätze, Rendite bis Fälligkeit und Modified Duration, zum selben Ergebnis. Betrachtet man normale Zinsstrukturen unter 6 Prozent, so ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Bei einer von 4 auf 5 Prozent steigenden Zinsstruktur ist die 7%-Anleihe mit 8 Jahren Restlaufzeit am günstigsten zu liefern. Sie weist die kleinste Modified Duration und die kleinste Yield to Maturity auf. Bei Annahme einer von 3 bis 6 Prozent steigenden Zinsstruktur handelt es sich bei der CTD um die 5%-Anleihe mit 10 Jahren Restlaufzeit. Obwohl sie die größte Modified Duration besitzt und daher teuer sein müßte, ist sie die CTD. Hier führt nur der Erklärungsansatz der Rendite bis Fälligkeit weiter: Die Yield to Maturity dieser Anleihe übersteigt die der anderen. Offenbar laufen beide Effekte (Modified Duration und Yield to Maturity) teilweise gegeneinander. Es sei darauf hingewiesen, daß die Modified Duration von einem Wechsel [...]

der gesamten Laufzeit an der CTD orientiert. Dies gilt zumindest dann, wenn die Zinsstruktur nicht den unterstellten flachen Verlauf bei 6 Prozent aufweist. Mögliche negative Folgen dieser Verzerrungen durch den Preisfaktor der DTB sind Liquiditätsstörungen sowie Preisverzerrungen und Störungen am Kassamarkt.97 Insbesondere der Markt für die CTD kann eng werden, wenn sich viele Verkäufer von Bund-Futures am Liefertag oder kurz davor mit dieser Anleihe eindecken. Je größer die Differenz zwischen futuresäquivalentem Terminpreis der zweitgünstigsten Anleihe und futuresäquivalentem Terminpreis der günstigsten Anleihe ist, desto eher kommt es zu einer solchen Marktenge. Je geringer diese Differenz, desto eher ist die zweitgünstigste Anleihe ein Substitut für die CTD. Vor Fälligkeit des Futures ist die Differenz der futuresäquivalenten Terminpreise der zweitgünstigsten und günstigsten lieferbaren Anleihe ein Indiz für die Wahrscheinlichkeit, mit der die CTD wechselt. Geringe Unterschiede lassen einen Wechsel wahrscheinlicher werden, größere Unterschiede erschweren ihn. Je geringer die Unterschiede der futuresäquivalenten Terminpreise, desto geringer die möglichen Verzerrungen und Engpässe. Optimal ist jedoch ein Preisfaktorsystem, bei dem erstens die futuresäquivalenten Terminpreise und Kassakurse bei allen lieferbaren Anleihen identisch sind und sich zweitens der Preis des Bund-Futures am Notional Bond und nicht an der CTD orientiert.98 [...]

Im Preisfaktor der DTB wird die Zeit bis zum nächsten Kupontermin mit f angesetzt, wobei darunter die Anzahl der vollen Monate bis zum nächsten Kupontermin geteilt durch zwölf zu verstehen ist.94 Exakt wäre es, die Tage bis zum nächsten Kupontermin durch 360 geteilt als tc zu ermitteln.95 So aber wird die Zeit bis zum nächsten Kupontermin in der Regel abgerundet angesetzt. Durch diesen Fehler in der Zeitmessung wird im allgemeinen der Preisfaktor für Anleihen mit einem höheren Kupon als 6 Prozent nach oben verzerrt. Anleihen, deren Kupon unter 6 Prozent liegt, erhalten generell einen zu kleinen Preisfaktor.96 Dieser Fehler ist um so größer, je größer sich der Rundungseffekt in f darstellt. Mit anderen Worten: Je größer die Differenz zwischen 360 · tc und 12 · f, desto größer die Verzerrung des Preisfaktors. [...]

Arbeit zitieren:
Bichler, Andreas September 1998: Implizite Bewertung der Lieferoption für den Bund-Future, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Cheapest-to-Deliver, Preisfaktor, Notional Bond

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