Schulbildung als Einflussfaktor für die Bevölkerungsentwicklung in Indien
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thomas Boehler
- Abgabedatum: September 2000
- Umfang: 174 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5167-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5167-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5167-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Boehler, Thomas September 2000: Schulbildung als Einflussfaktor für die Bevölkerungsentwicklung in Indien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wirtschaft, Indien, Bevölkerung, Wachstum, Ausbildung
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Diplomarbeit von Thomas Boehler
Einleitung:
Anhand von aktuellen Bevölkerungsdaten wird auf die Y6B-Problematik, also die langfristigen Folgen des raschen Bevölkerungswachstums auf soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Probleme und Krisenpotentiale, näher eingegangen. Nach einer ausführlichen Analyse der aktuellen Lage der Weltbevölkerung wird mit Hilfe von spezifischen Daten über den indischen Subkontinent ein individuelles Argumentationsgerüst für die demographische Problematik des bald bevölkerungsreichsten Landes der Welt angelegt.
Zusätzlich erfolgt eine Einführung in die Wissenschaft der Demographie, anhand welcher im Anschluss die Situation der indischen Bevölkerung dargestellt wird. Hauptargument der Arbeit ist der positive Einfluss von Schul-, Aus- und Weiterbildung auf die demographische Entwicklung, also den langsameren Bevölkerungsanstieg, in Indien und weltweit. Es werden verschiedene zukunftsträchtige (informationstechnologische) Methoden zur Verbesserung des Bildungssektors aufgezeigt und richtige Verhaltensweisen für die indische Regierung, NGOs und private Personen dargestellt. Diese Arbeit aktualisiert viele der veralteten Daten über Indien und stellt anhand verschiedener Auszüge auch ein Gesamtbild über Indiens Bevölkerung, deren Probleme, Ziele und mögliche Lösungsansätze dar.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 8 |
| 2. | INDIEN – EINE ÜBERSICHT | 12 |
| 2.1 | Geographie | 12 |
| 2.2 | Kulturelle Charakteristika Indiens | 14 |
| 2.2.1 | Religion | 14 |
| 2.2.2 | Sprache | 15 |
| 2.2.3 | Politik und politische Geschichte | 16 |
| 2.2.4 | Patriarchat | 19 |
| 2.2.5 | Das Kastensystem | 20 |
| 2.3 | Die wirtschaftliche Entwicklung | 23 |
| 2.3.1 | Die wirtschaftliche Tätigkeit seit der Unabhängigkeit Indiens | 23 |
| 2.3.1.1 | Die Grüne Revolution und Indiens Aufschwung | 23 |
| 2.3.1.2 | Die Verbesserung der Lebensbedingungen | 25 |
| 2.3.1.3 | Die Industrialisierung in Indien | 26 |
| 2.3.1.4 | Der Erfolg des Dritten Sektors | 27 |
| 2.3.1.5 | Die Einkommenszusammensetzung | 29 |
| 2.3.1.6 | Die Aufteilung auf die Wirtschaftssektoren | 30 |
| 2.3.2 | Die wirtschaftliche Trendwende 1991 | 31 |
| 2.3.3 | Aktuelle Einkommensdaten | 33 |
| 2.4 | Aktuelle Probleme und zukünftige Herausforderungen | 34 |
| 3. | DIE DEMOGRAPHISCHE WISSENSCHAFT – EIN ÜBERBLICK | 37 |
| 3.1 | Grundtendenzen in der Demographie | 37 |
| 3.2 | Demographische Begriffsklärung | 39 |
| 3.2.1 | Geburten- und Sterberaten | 39 |
| 3.2.2 | Lebenserwartung bei Geburt | 42 |
| 3.2.3 | Migration | 42 |
| 3.2.3.1 | „Brain Drain“ – (E)migration durch Überqualifikation | 44 |
| 3.2.3.2 | Slumbildung in Indien | 45 |
| 3.3 | Demographische Transition | 46 |
| 3.3.1 | Allgemeines zur demographischen Transition | 46 |
| 3.3.2 | Das Konzept der demographischen Transition | 47 |
| 3.3.3 | Die Stufen der demographischen Transition | 48 |
| 3.3.4 | Entwicklung in Industrie- vs. Entwicklungsländern | 49 |
| 3.3.5 | Schwierigkeiten des heutigen Transitionsfortschritts | 51 |
| 3.4 | Die Entwicklung der Weltbevölkerung | 54 |
| 3.5 | Eindämmen des Bevölkerungswachstums – Ansätze einer Bevölkerungspolitik | 58 |
| 3.6 | Methoden der Bevölkerungseindämmung61 | |
| 4. | DEMOGRAPHIE IN INDIEN | 64 |
| 4.1 | Ein Rückblick und Prognosen für Indien | 64 |
| 4.2 | Zum Zensus in Indien | 67 |
| 4.2.1 | Der Zensus – Pro und Kontra | 67 |
| 4.2.2 | Die Ergebnisse des Zensus 1991 | 69 |
| 4.3 | Die aktuelle demographische Situation in Indien | 72 |
| 4.3.1 | Die indische Familie – Gründe für die hohe Kinderzahl | 72 |
| 4.3.2 | Die Rolle der weiblichen Bevölkerung | 73 |
| 4.3.3 | Stufe 2 der demographischen Transition | 76 |
| 4.3.4 | Armut als komplexe Ursache – Wege zur Verhinderung | 78 |
| 4.3.4.1 | Komponenten der Armut | 78 |
| 4.3.4.2 | Die Situation in Indien | 80 |
| 4.3.4.3 | Armut und ihre Determinanten | 82 |
| 5. | DIE HILFELEISTUNG DURCH DEN STAAT | 85 |
| 6. | DIE EINDÄMMUNG DES BEVÖLKERUNGSWACHSTUMS IN INDIEN | 89 |
| 6.1 | Das Bevölkerungswachstum: Pro und Kontra | 89 |
| 6.2 | Senkung des Kinderwunsches | 90 |
| 6.3 | Entwicklung der Familienplanung | 93 |
| 6.4 | Bevölkerungspolitik in Indien – Vor- und Nachteile | 96 |
| 6.4.1 | Historische Entwicklung der Familienplanung | 96 |
| 6.4.2 | Mittel der Geburtenkontrolle in Indien | 100 |
| 7. | ROLLE DER SCHULBILDUNG | 104 |
| 7.1 | Generelle Implikationen zur Schulbildung | 104 |
| 7.2 | Schulbildung in Indien | 108 |
| 7.2.1 | Die geschichtliche Entwicklung | 108 |
| 7.2.2 | Die Entwicklung der Einschreibungs- und „Drop Out“ – Raten | 111 |
| 7.2.3 | Die Entwicklung der Analphabetenrate | 114 |
| 7.2.4 | Gründe für die geringen Einschreibraten und die vielen Austritte | 118 |
| 7.2.5 | Die Rolle der Lehrer | 119 |
| 7.2.6 | Mängel und Begründungen | 120 |
| 7.2.6.1 | Die strukturellen Mängel | 120 |
| 7.2.6.2 | Die Kinderarbeit | 120 |
| 7.2.6.3 | Regionale und soziale Divergenzen | 123 |
| 7.2.7 | Einige Verbesserungsvorschläge | 124 |
| 7.2.8 | Globalisierung und Schulbildung | 126 |
| 7.3 | Die Bildungsprogramme der indischen Regierung | 128 |
| 7.3.1 | „Operation Blackboard“ | 128 |
| 7.3.2 | Die Dezentralisierung | 129 |
| 7.3.3 | Das Schulmahlzeitenprogramm | 129 |
| 7.3.4 | Das District Primary Education Programme (DPEP) | 130 |
| 7.3.5 | Die Mobilisierung und Teilnahme lokaler Gemeinschaften | 131 |
| 7.3.6 | Die physikalische Infrastruktur | 131 |
| 7.3.7 | Alternativer Unterricht | 132 |
| 7.3.8 | Lernen auf Distanz | 134 |
| 7.3.9 | Die Bewertung des Bildungsprogramms | 134 |
| 7.4 | Das Projekt „Schulbildung für Alle” | 135 |
| 7.5 | Die Ausbildung von Frauen und die Verringerung der Geburtenrate | 137 |
| 8. | WICHTIGE FORTSCHRITTE UND ERFOLGE IN DER AUSBILDUNG | 139 |
| 8.1 | Kerala – The Shining Example of India | 141 |
| 8.2 | China – der rote Riese | 150 |
| 8.2.1 | Allgemeine Daten | 150 |
| 8.2.2 | Entwicklung der Bevölkerung, des Bildungs- und Gesundheitswesens153 | |
| 9. | SCHLUSSFOLGERUNG UND IMPLIKATIONEN FÜR EINE ZUKÜNFTIGE ENTWICKLUNG | 156 |
| ANHANG | 160 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 169 |
Gesundheitsfürsorge und Schaffung von wirtschaftlichen und sozialen Möglichkeiten kompensiert werden („maintaining capability“) (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 44). Marktwirtschaftliche Kräfte allein können diese Ineffizienzen nicht beseitigen, weshalb staatliches Handeln in allen Bereichen des unfairen Anspruchsmangels eingesetzt werden müsste. Am Beispiel der Nahrungsmittellieferung wird aber erkannt, dass die direkte Bereitstellung nicht die beste Lösung ist, denn nicht nur das Vorhandensein der Produkte, sondern auch die Kontinuität von billigen Preisen und hohem Angebot schützen die „entitlements“ der armen Bevölkerungsgruppen (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 108). Eine rein marktwirtschaftliche Lösung könnte daher die Preise64 steigen lassen und die Produktion anregen, dabei aber die arme Bevölkerung zur Ausstattung mit bestimmten Produkten aufgrund des hohen Preises nicht mehr berechtigen. Aus all diesen Gründen wird – während Nahrung meist auf einem Markt erstanden wird – die Bereitstellung der „non-food items“ aus gutem Grund direkt durch öffentliche Institutionen bereitgestellt, was die Rolle des Staates – und dessen Budget- und Verteilungsplanung – noch wichtiger macht (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 178). Diese Begründung findet in Indiens politischem und wirtschaftlichem Geschehen, ähnlich wie in vielen anderen Entwicklungsländern auch, nur wenig Gehör und Zustimmung. Daher funktioniert die öffentliche Bereitstellung überlebensnotwendiger Güter und Dienstleistungen nur eingeschränkt. Außerdem ist öffentliche Aktivität in Entwicklungsländern überwiegend nur auf Krisensituationen und nicht auf präventive Maßnahmen ausgerichtet. [...]
fällt dieses Mittel der Nahrungsmittelbesorgung weg. Drèze und Sen (1989) argumentieren, dass, wenn die Gesetze keine angemessene Sozialhilfe bereitstellen und sich keine private Fürsorge um diese Person kümmert, sich diese Person nicht selbst erhalten kann. Dies kann bis zum Tod führen (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 20). Auch wenn eine Person genügend Nahrungsmittel selbst anbauen könnte, muss dies nicht das Überleben sichern, da häufig die rechtlichen Befähigungen zur Nutzung der Erträge nicht bestehen (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 21). Es gibt eine weitläufige Tradition sich zumindest seit Malthus‘ berühmtem „Essay on Population of 1798“ auf die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf zu konzentrieren. Daher werden Nahrungsprobleme oft im Sinne von Angebot an Nahrung diskutiert, ohne dabei die Frage des Anspruches („entitlement“) einzuberechnen. Es ist viel wichtiger, Armut als einen Anspruchsmangel zu verstehen, um die Ursachen zu erkennen und bekämpfen zu können (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 29). Drèzes und Sens einflussreiches Werk „Hunger and Public Action“ beschreibt primär die aktuelle Welthungersituation und innovative Verständnis- und Reformebenen, die zukunftsweisend und ganzheitlich sind. Es enthält viele neue Sichtweisen, die mit der Neudefinition von Nahrungsentzug, einer Grundeigenschaft von Armut, beginnen: Nahrungsentzug soll also am besten als Mangel gewisser Funktionen63 und nicht im Sinne von Einkommen oder Kalorienverbrauch gesehen werden. Diese Funktionsfehler können im Sinne von Erzielen einer Leistung bzw. Freiheit zum Erzielen einer Leistung gesehen werden (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 42). Dabei kann die Fähigkeit zu funktionieren bei bestimmten Gruppen (alte und gebrechliche Menschen, schwangere Frauen, ...) aus biologischen oder sozialen Gründen nicht gegeben sein. Dies kann durch öffentliches Handeln in Form von Nahrungsversorgung, [...]
Gesamtbevölkerung,59 trotzdem müssen länderspezifische Eigenheiten60 in die Auswirkungen wirtschaftlichen Erfolgs auf die Gesamtbevölkerung grundlegend integriert werden. Dieser Fall soll nur die Möglichkeiten funktionierender Umverteilung bei wirtschaftlicher Prosperität aufzeigen. Drèze und Sen (1989) unterscheiden in Ihrem Werk aber auch die Aktivität verschiedener Regierungen hinsichtlich der Versorgung ihrer Bevölkerung mit den grundlegenden „non-food items“. Das sogenannte Prinzip der unterstützenden Sicherheit unterscheidet sich von dem der wachstumsbedingten Sicherheit dadurch, dass öffentliche Unterstützung genützt wird, ohne dabei auf das Resultat wirtschaftlichen Wachstums zu warten. Der Lebensstandard soll so durch öffentliche Mittel und nicht erst – möglicherweise – durch wirtschaftlichen Erfolg erhöht werden. Wenn man sich wundert, warum arme Länder denn genug öffentliche Mittel für Gesundheitsvorsorge oder Ausbildung haben, lässt die Aussage, dass die realen Kosten von viel Arbeit geringer und als Unterstützung in reichen in der öffentlichen sind, die Beschäftigung 1989, S. 227). Zudem sind die Kosten vieler Sozialprogramme relativ gering. Die sofortige Bereitstellung von öffentlicher Hilfe ist ein wichtiger Aspekt und auszunützender Vorteil beim Prinzip der unterstützenden Sicherheit, weil es zu einem großen Teil den – sonst abzuwartenden – wirtschaftlichen Erfolg kompensiert (Drèze, J. und Sen, A., 1989, S. 253). Staaten [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832451677
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Boehler, Thomas September 2000: Schulbildung als Einflussfaktor für die Bevölkerungsentwicklung in Indien, Hamburg: Diplomica Verlag
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