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Effektivität von Wellnessprogrammen für die betriebliche Gesundheitsförderung in nordamerikanischen Betrieben

Effektivität von Wellnessprogrammen für die betriebliche Gesundheitsförderung in nordamerikanischen Betrieben
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Martin Speer
  • Abgabedatum: September 1999
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 625,0 KB
  • Note: 2,7
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5074-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5074-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5074-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Speer, Martin September 1999: Effektivität von Wellnessprogrammen für die betriebliche Gesundheitsförderung in nordamerikanischen Betrieben, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte:

Diplomarbeit von Martin Speer

Einleitung:

Peter THIGPEN, der Präsident von Levi Strauss, drückt in einem Kommentar aus, worum es bei Wellnessprogrammen zur betrieblichen Gesundheitsförderung geht: die Pflege der Mitarbeiter!

Diese Programme erfreuen sich in Nordamerika schon seit mehr als zwei Jahrzehnten großer Beliebtheit. Wellness- oder Gesundheitsprogramme bestehen aus Maßnahmen, die die körperlichen, geistigen und seelischen Fähigkeiten der Mitarbeiter erhalten und verbessern sollen, um letztendlich durch einen reduzierten Krankenstand Kosten einzusparen. Die Größe des Betriebes und das Angebot bestimmen, ob die Programme aus wenigen einzelnen Komponenten, oder aus vielfältigen, allumfassenden Maßnahmen bestehen. Dies ist unter anderem auch von der Firmenphilosophie und von der finanziellen Lage des Betriebs abhängig. Es wird geschätzt, daß heute ungefähr 80% aller Betriebe mit einer Belegschaft von über 50 Mitarbeitern Wellness- oder Fitnessprogramme durchführen. Daran läßt sich die enorme Bedeutung erkennen, die man solchen Programmen beimißt.

Aus gesundheitspolitischer Sicht geht es darum, durch betriebliche Gesundheitsförderung entsprechend viele Menschen zu erreichen, um diese über gesundheitsrelevante Themen zu informieren, ihren Gesundheitszustand zu verbessern oder eine Änderung im Lebenswandel zu erzielen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht steht der finanzielle Nutzen an erster Stelle. Die Firmen sind bemüht, die Krankheitskosten pro Mitarbeiter in all ihrer Vielfalt zu senken und gehen davon aus, daß präventive wie auch rehabilitative Maßnahmen im Betrieb wesentlich dazu beitragen.

Die gesundheitsfördernden Programme stellen sich außerordentlich vielfältig dar und wurden methodisch unterschiedlich untersucht. Daher gibt es viele verschiedene Studien zur Wirksamkeit und Effektivität dieser Programme. Ziel dieser Arbeit ist es, wesentliche Erkenntnisse der letzten Jahre darzustellen und einen Überblick über den heutigen Stand der Forschung zu liefern.

Die verwendete Literatur zu diesem Thema besteht größtenteils aus US-amerikanischen Fachzeitschriften aus dem Medizin-, Management- und Businessbereich, aus Fachbüchern zum Thema Wellness und Worksite Health Promotion sowie aus Veröffentlichungen aus dem World Wide Web (www). Die rasante Entwicklung der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz zieht eine Welle von Untersuchungen und Studien zur Überprüfung der Effektivität und Auswirkungen nach sich, was sich in der steigenden Anzahl von Veröffentlichungen zu diesen Themenbereichen in der Fachliteratur äußert. Diese Flut von Untersuchungen entsteht nicht nur aus wissenschaftlichem Interesse, sondern vor allem aus der Notwendigkeit, den Arbeitgebern die Effektivität und den Nutzen von gesundheitsfördernden Programmen zu beweisen.

Gang der Untersuchung:

Zunächst wird erörtert, was unter Wellness und betrieblicher Gesundheitsförderung verstanden wird. Da sich diese Arbeit weitgehend auf Untersuchungen und Studien aus den USA bezieht, ist es desweiteren notwendig, das US-amerikanische Gesundheitssystem in seiner Funktion darzustellen sowie die historische Entwicklung der betrieblichen Gesundheitsförderung („Worksite Health Promotion“) aufzuzeigen.

Im weiteren Verlauf sollen folgende Fragestellungen geklärt werden:

Welche Inhalte und Ziele haben die verschiedenen Konzepte?

Wie können die Auswirkungen gemessen werden?

Wie effektiv sind die Wellnessprogramme hinsichtlich des gesundheitlichen und finanziellen Nutzens?

Welche Besonderheiten, Schwierigkeiten oder Fehler können bei solchen Analysen und Studien auftreten?

Abschließend werden die gefundenen Ergebnisse bezüglich Effektivität, Meßbarkeit und Aussagekraft diskutiert und zusammengefaßt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Definitionen 7
2.1 Wellness 7
2.2 Betriebliche Gesundheitsförderung 9
3. Das US-amerikanische Gesundheitssystem 11
4. Entwicklungsgeschichte der betrieblichen Gesundheitsförderung 17
5. Konzepte für die betriebliche Gesundheitsförderung 24
5.1 Ziele der Konzepte 30
5.1.1 Verringerung der krankheitsbedingten Abwesenheit 30
5.1.2 Erhöhung der Produktivität 32
5.1.3 Verringerung der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen 33
5.1.4 Verbesserung des Gesundheitsverhaltens bzw. Verringerung der Risikofaktoren 35
5.1.5 Senkung der Gesundheitskosten 37
5.2 Inhalte der Konzepte 39
5.2.1 Raucherentwöhnung 39
5.2.2 Unfallverhütung und Verletzungsprophylaxe 40
5.2.3 Stressmanagement 40
5.2.4 Rückentraining und Prävention 42
5.2.5 Alkoholberatung 42
5.2.6 Ernährungsberatung und Gewichtskontrolle 43
5.2.7 Risikoerhebung, Medizinische Untersuchungen und Beratung 44
5.2.8 Fitnesstraining 45
6. Analysemethoden 46
6.1 Kosten-Nutzen-Analyse 47
6.2 Kosten-Effektivitätsanalyse 48
6.3 Studiendesign 49
6.3.1 Experimentelles Design 49
6.3.2 Quasi-experimentelles Design 50
6.3.3 Nichtexperimentelles Design 50
6.3.4 Studienbegleitende Verlaufuntersuchungen 51
7. Effektivität von Wellnessprogrammen 52
7.1 Auswirkungen auf Gesundheitszustand, Risikofaktoren und Fitnesslevel 53
7.2 Finanzielle Auswirkungen 62
7.2.1 Senkung der Abwesenheit 62
7.2.2 Steigerung der Produktivität 63
7.2.3 Verringerung der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen 65
7.2.4 Senkung der Gesundheitskosten 66
8. Probleme und Schwierigkeiten bei der Durchführung und Analyse betrieblicher Wellnessprogramme 72
9. Diskussion 78
10. Zusammenfassung 84
11. Bibliographie 88
12. Curriculum Vitae 100

Automatisiert erstellter Textauszug:

Für viele Firmen liegt die Verbindung zwischen Gesundheitsförderung und Abwesenheit in der Annahme, daß gesunde Mitarbeiter seltener fehlen. Somit geht man davon aus, daß Maßnahmen, die die Gesundheit der Mitarbeiter verbessern, wie z.B. Fitnesstraining, Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion oder Verbesserung des Arbeitsklimas, auch die Abwesenheitsrate senken (SCHAEFFER et al. in OPATZ 1994). Verhaltensforscher unterscheiden drei wesentliche Faktoren, die die Abwesenheitsrate beeinflussen: persönliche, einstellungsbezogene und unternehmensbezogene Faktoren. Zu den persönlichen Faktoren werden Geschlecht, Alter und berufliche Stellung gezählt. Die Abwesenheitsraten sind bei Frauen wie auch bei jüngeren Mitarbeitern gleich welchen Geschlechts höher, als bei mittleren Altersgruppen, dagegen steigen sie bei älteren Arbeitnehmern mit einem Alter über 50 Jahren aufgrund zunehmender Erkrankungen wieder an (TUCKER et al. 1990; BAUN 1986). Auch beim Berufsstand gibt es Unterschiede, denn Arbeiter sind häufiger krankheitsbedingt abwesend als beispielsweise Akademiker. Der zweite Faktor bezieht sich auf die Arbeitseinstellung. Hierzu zählt die Arbeitsbefriedigung, das Verhältnis zu den übrigen Mitarbeitern und die (Un)Zufriedenheit mit den Vorgesetzten. Der dritte Faktor steht im Zusammenhang mit dem Unternehmen. In der Industrie ist die Abwesenheitsrate am höchsten, außerdem steigt sie umso mehr an, je kleiner die Abteilungen in einem Unternehmen werden (BAUN in KAMAN 1995). Die Abwesenheit eines Mitarbeiters zieht direkte sowie indirekte Kosten nach sich. Direkte Kosten entstehen durch: - Lohnfortzahlung - medizinische Kosten - evt. Rehabilitationskosten - verringerte Produktivität. Indirekte Kosten können das drei- bis sechsfache der direkten Kosten betragen. Sie entstehen durch: [...]

Die Abwesenheitsrate an US-amerikanischen Arbeitsplätzen ist in den letzten 25 Jahren trotz verbesserter gesundheitlicher und sozioökonomischer Bedingungen um über 30 Prozent gestiegen (BAUN in KAMAN 1995). Ca. 75 Prozent aller gemeldeten Fälle von Abwesenheit können Krankheiten oder Verletzungen zugeschrieben werden. Daher geht man von einem starken Zusammenhang zwischen Gesundheitsverhalten und Abwesenheit aus. Eine Reihe von Untersuchungen zeigen, daß Angestellte, die rauchen, an Bluthochdruck leiden, hoher Streßbelastung ausgesetzt sind oder Rückenprobleme haben, häufiger fehlen, als ihre gesunden Kollegen (BAUN in KAMAN 1995; BERTERA 1991). Andere Autoren stellten zudem Zusammenhänge zwischen der persönlichen Fitness5 bzw. dem Aktivitätsgrad und der Abwesenheitsrate fest, vor allem bei Frauen (BLY et al. 1990; TUCKER et al. 1990; BAUN et al. 1986). Die weiteren Mechanismen, die zur Abwesenheit führen, sind allerdings äußerst vielfältig und kompliziert und sind im einzelnen noch nicht ausreichend verstanden worden (BAUN in KAMAN 1995). Eine Hauptschwierigkeit liegt laut SHEPHARD (in KANEKO 1990) darin, daß eine Minderheit der Angestellten (ca. 15-20%) die Mehrheit der Fehltage verursache. Zudem ist diese Minderheit selten dazu bereit, an Wellnessprogrammen teilzunehmen, die ja gerade diese Zielgruppe ansprechen sollen. Über Firmenaufzeichnungen, Personalakten, Stempelkarten und teilweise durch Befragung der Angestellten gelangt man an Daten und Statistiken über die Abwesenheit der Mitarbeiter. Da jede Firma unterschiedliche Richtlinien hat, was die Inanspruchnahme von Krankheitstagen6, die Definition von Abwesenheit und die detaillierte Aufzeichnung von Gründen und Ursachen angeht, ist die Erforschung von krankheitsbedingter Abwesenheit sehr schwer (SCHAEFFER et al. in OPATZ 1994). [...]

ebenfalls eine Rolle. Hat der Patient Kenntnisse über den Krankheitsverlauf oder eine mögliche Selbstheilung, wird er seltener zum Arzt gehen, genauso wie derjenige, der kein Vertrauen in die moderne Medizin hat. Schätzt sich jemand als krank ein, wird er häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, als derjenige, der sich für gesund hält. Weitere Einflußgrößen, die mit dem Gesundheitszustand nicht direkt in Verbindung stehen, sind Unglücksfälle, aber auch Aspekte wie die Gründung einer Familie oder die Geschlechtszugehörigkeit. Frauen haben generell höhere Gesundheitskosten als Männer, obwohl Männer größeren Risikofaktoren ausgesetzt sind und weitaus häufiger an Herzkreislauf-Erkrankungen leiden. Selbst nach Abzug der Kosten für Schwangerschaft und Geburten sind die Ausgaben höher als bei Männern. Dies liegt in häufigeren und früheren Vorsorgeuntersuchungen begründet, sowie in höheren Diagnosekosten für psychologische Störungen, Hautprobleme und Atemwegserkrankungen (LYNCH in OPATZ 1994). Die Gesundheitskosten spiegeln also den Kontakt des einzelnen mit dem Gesundheitswesen und die Intensität der Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen wider. Einige Verhaltensweisen kann man auf die persönliche Gesundheit beziehen, ein Großteil steht aber nicht unmittelbar in Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand (LYNCH in OPATZ 1994). Nach LYNCH „ ... ist die Prämisse von [betrieblicher] Gesundheitsförderung, daß bestimmte Verhaltensweisen den zukünftigen Gesundheitszustand, und damit auch die zukünftigen Gesundheitskosten, beeinflussen werden.“ (in OPATZ 1994, 55) So soll durch die betriebliche Gesundheitsförderung nicht nur ausschließlich auf den Gesundheitszustand der Angestellten, sondern ebenso auf deren Einstellungen, Wahrnehmung, Wissen und Entscheidungsfähigkeit eingewirkt werden. [...]

Arbeit zitieren:
Speer, Martin September 1999: Effektivität von Wellnessprogrammen für die betriebliche Gesundheitsförderung in nordamerikanischen Betrieben, Hamburg: Diplomica Verlag

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