Die Ausbildung talentierter Nachwuchsspieler und ihre Integration in den professionellen Fußball
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Arno Jakobs
- Abgabedatum: Januar 2001
- Umfang: 104 Seiten
- Dateigröße: 572,2 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Trier Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4209-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4209-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4209-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jakobs, Arno Januar 2001: Die Ausbildung talentierter Nachwuchsspieler und ihre Integration in den professionellen Fußball, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Expertenbefragung, Sportwissenschaften, Personalwirtschaft, Fußball, Humankapital
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Diplomarbeit von Arno Jakobs
Einleitung:
Seit dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich und dem Ausscheiden in der Vorrunde bei der Europameisterschaft 2000 in den Niederlande und Belgien ist die Diskussion über die Ursachen dafür bislang nicht zur Ruhe gekommen. Als Grund für das schlechte Abschneiden der Nationalmannschaft in den letzten Jahren kamen sowohl Journalisten als auch Sportfunktionäre einhellig zu dem Schluss, dass der deutsche Fußball nicht genügend Talente hervorbringt bzw. die vorhandenen Talente nicht genügend Spielpraxis bekommen.
Die Konsequenzen dieser sportlichen Entwicklung sind, dass vielerorts – sowohl in den Vereinen als auch beim Deutschen Fußball-Bund – über Konzepte der Talentförderung, d.h. der Ausbildung von Nachwuchsspielern nachgedacht wird. Franz Beckenbauer betont, dass der Übergang aus der Jugend in den aktiven Bereich die schwierigste Phase. Diese Problematik wird in den nachfolgenden Ausführungen aus unterschiedlichem Blickwinkel aufgegriffen. Im Vordergrund der Studie steht die Ausbildung von talentierten Nachwuchsspielern und die Rekrutierung von Spielern für den professionellen Fußball unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Sportspiels Fußball aus sportwissenschaftlicher Sicht und der Besonderheiten des Marktes Berufsfußball aus ökonomischer Sicht.
Gang der Untersuchung:
Im zweiten Kapitel wird das seit Jahrzehnten erfolgreiche Ausbildungssystem von Ajax Amsterdam vorgestellt. Dieses System wird von den Verantwortlichen vieler Vereine als Vorbild genannt und versucht zu kopieren. Bei Ajax Amsterdam sind die Ausbildungsinhalte genau auf die Anforderungen der eigenen Profimannschaft, d.h. auf den späteren Arbeitsmarkt abgestimmt. Die Jugendlichen werden spezifisch auf bestimmte Positionen in dem taktischen Spielsystem der Profis ausgebildet, um ihnen den Einstieg in den Profifußball zu erleichtern.
Im dritten Kapitel werden die Leistungsfaktoren im Fußball aus sportwissenschaftlicher Sicht dargestellt, wobei das Hauptaugenmerk der Taktik und dem praktizierten Spielsystem einer Mannschaft gilt. Diesen Faktoren wird deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie das Zusammenspiel der Teammitglieder, von dem letztlich der Mannschaftserfolg abhängig ist, bestimmen. Da sich jede Mannschaft diesbezüglich unterscheidet, muss eine zielgerichtete Ausbildung diese Aspekte berücksichtigen. Anschließend werden die Inhalte und Bedeutungen des taktischen Spielsystems in einen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Kontext übertragen. Danach wird die Struktur des Wirtschaftszweiges bezahlter Fußball herausgearbeitet, und zwar insbesondere die Probleme, die sich aus der Eigenart der Produktion ergeben.
Sowohl aus sportwissenschaftlicher als auch aus ökonomischer Sicht beschreibt die Ausbildung einen langwierigen, zielgerichteten Prozess, dessen Inhalte von einem Ausbilder bzw. Trainer bestimmt werden. Ist die Ausbildung in einem Verein zielgerichtet auf die Anforderungen der Profimannschaft abgestimmt, kommt es zu Problemen, wenn der Trainer der Profimannschaft wechselt und damit eine Änderung des taktischen Spielsystems verbunden ist. Diese Situation wird in Kapitel 5 bedacht. Dort wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss ein Trainer- aber auch ein Spielerwechsel auf den sportlichen Erfolg einer Mannschaft hat.
Die Studie schließt mit einer empirischen Untersuchung in Form einer standardisierten Expertenbefragung ab. Deren Ziel ist es herauszufinden, wie die Ausbildung von Nachwuchsspielern gestaltet sein muss, damit möglichst viele das Berufsziel Berufsfußballspieler erreichen. Die Analyse besteht aus zwei Teilen: der Befragung sowohl der Trainer als auch der Jugendkoordinatoren aller Vereine der 1. und 2. Bundesliga sowie ausgewählter Vereine der Regionalliga. Durch die Befragung der Trainer soll herausgefunden werden, welche Anforderungen der Arbeitsmarkt Berufsfußball an die Spieler stellt. In einem zweiten Schritt wird verglichen, inwieweit die Ausbildung von talentierten Nachwuchsspielern auf die Ansprüche des zukünftigen Arbeitsmarktes abgestimmt ist. Neben dieser Charakterisierung des Arbeitsmarktes Berufsfußball werden noch interessante Einzelbefunde erhoben, die sich aus den nachfolgenden Ausführungen ableiten.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Das Ausbildungssystem von Ajax Amsterdam | 4 |
| 3. | Taktik und Strategie im Fußball | 7 |
| 3.1 | Leistungsfaktoren im Fußball | 8 |
| 3.2 | Taktische Handlungsfähigkeit | 9 |
| 3.2.1 | Taktische Kenntnisse | 9 |
| 3.2.2 | Taktische Fertigkeiten | 10 |
| 3.2.3 | Taktische Fähigkeiten | 10 |
| 3.3 | Taktische Handlungen | 11 |
| 3.4 | Systematik der Taktik | 12 |
| 3.5 | Strategische Konzepte und Spielsysteme im Fußball | 14 |
| 3.6 | Taktik und Spielsystem aus dem Blickwinkel der Kleingruppenforschung | 15 |
| 3.7 | Taktik und Spielsystem im Licht der Institutionenökonomie | 18 |
| 4. | Der Profifußball aus ökonomischer Perspektive | 20 |
| DIE STRUKTUR DES ARBEITSMARKTES | 20 | |
| SPEZIFIKA DER MANNSCHAFTSPRODUKTION | 21 | |
| INVESTITIONEN IN HUMANKAPITAL | 23 | |
| Exkurs: Das sportliche Talent | 23 | |
| 4.3.1 | Humankapitaltypologie nach Becker | 25 |
| 4.3.2 | Risikobehaftetes Humankapital | 26 |
| 4.3.3 | Die Ausbildung von Mannschaftssportlern | 27 |
| 4.3.4 | Entwicklung des Humankapitals im Laufe der Karriere | 28 |
| Abgeleitete Empfehlungen für eine effektive Nachwuchsausbildung | 31 | |
| 5. | Personeller Wechsel im sportlichen Bereich | 32 |
| 5.1 | Der Einfluss eines Trainerwechsels auf den Mannschaftserfolg | 33 |
| 5.2 | Vereinswechsel von Spielern und deren Einfluss auf den Mannschaftserfolg | 39 |
| 5.3 | Konsequenzen für die Ausbildung und Integration von Nachwuchsspielern | 43 |
| 6. | Empirische Analyse | 46 |
| 6.1 | Ziel der Untersuchung | 46 |
| 6.2 | Methodische Vorgehensweise | 47 |
| 6.3 | Darstellung und Diskussion der Ergebnisse | 49 |
| 7. | Fazit | 55 |
| Literaturverzeichnis | 57 | |
| Anhang | 67 |
liegt in der Expertenmeinung der Befragten zu dem jeweiligen Sachverhalt. Dabei wird den Probanden ein metrisch skaliertes Antwortspektrum von 1=stimmt überhaupt nicht bis 6=trifft genau zu vorgegeben. Als Skalierungsmethode wird eine eindimensionale Likert-Skala verwendet. Die Items stellen hierbei Aussagen dar, von denen angenommen wird, dass sie die interessierende Einstellung der Befragten wiedergeben. Bei der Konstruktion der Fragebögen wurden zur Vermeidung von Antworttendenzen auch sogenannte gedrehte Items verwendet. In einem ersten Schritt wurden für jedes abgefragte Item folgende Maßzahlen errechnet: Modalwert (xmod), Median (xmed), arithmetisches Mittel ( x ), Varianz (s2), Standardabweichung (s) und relative Häufigkeitsverteilung bezüglich des vorgegebenen Antwortspektrums. Die Ergebnisse der beiden Befragungen und die Berechnung dieser Maßzahlen sind in Anhang 7 und 8 dargestellt. Um Antworttendenzen zu vermeiden bzw. wegen der Mehrdimensionalität der interessierenden Variable wurden für einige der abgefragten Einstellungen mehrere Operationalisierungen verwendet, d.h. mehrere Fragen beziehen sich inhaltlich auf den gleichen Sachverhalt. Bei Einstellungen, die durch zwei Items abgefragt weden, wird im Rahmen der bivariaten Datenanalyse die Stärke des linearen Zusammenhangs durch Berechnung des Korrelationskoeffizienten ermittelt. Beschreiben mehr als zwei Items die Einstellung der Befragten, so wird der korrelative Zusammenhang mittels einer Faktorenanalyse überprüft. Die berechneten Korrelationskoeffizienten und die Ergebnisse der Faktorenanalsyse sind in Anhang 11 dargestellt. Damit deutlich erkannt werden kann, ob die Einschätzungen der Trainer und Jugendkoordinatoren in wichtigen Punkten übereinstimmen, beinhalten beide Fragebögen z.T. identische Fragen. Die Ergebnisse dieser Fragen wurden mittels des Levene-Tests (F-Test) der Varianzengleichheit und des T-Tests für die Mittelwertgleichheit überprüft. Die angewandten Tests überprüfen die Null-Hypothesen, dass die beiden zu vergleichenden Stichproben aus Grundgesamtheiten mit gleichen Varianzen bzw. gleichen Mittelwerten stammen. Die Ergebnisse dieser Verfahren werden in Anhang 12 dokumentiert. Zuletzt werden die Ergebnisse der beiden Befragungen nach der Ligazugehörigkeit der Befragten differenziert. Anhang 9 und 10 stellt das arithmetische Mittel und die Streuung innerhalb der Teilstichproben – differenziert nach der Zugehörigkeit der Befragten zur 1. Bundesliga, 2. Bundesliga und Regionalliga – einander gegenüber.40 Die vorliegenden Daten werden vor allem aus dem Blickwinkel betrachtet, ob die in Kapital 4.4 abgeleiteten Empfehlungen für eine effektive Nachwuchsausbildung von [...]
Falls in einem Verein keine Stelle existiert, die die sportlichen Belange der Jugendausbildung koordiniert, wurde der Fragebogen für den Jugendkoordinator an den Trainer der Profimannschaft mit der Bitte versandt, ihn an den Trainer der A-Jugend weiterzugeben. Da nicht in jedem Verein die Position eines Jugendkoordinators existiert bzw. anders bezeichnet wird, wird mit der ersten Frage nach der Position im Verein gefragt: 50 % der Antworten stammen von Jugendkoordinatoren; 14,3 % von sportlichen Leiter der Nachwuchsabteilungen; 17,9 % von Trainern der A-Jugend und 17,9 % von Co-Trainern des Profiteams. Einige der befragten Jugendkoordinatoren und Co-Trainer sind gleichzeitig Trainer der A-Jugend oder der Amateurmannschaft in Personalunion. Anhang 4 zeigt den Rücklauf der beiden Befragungen differenziert nach der Ligazugehörigkeit der Befragten. Um einen möglichst hohen Rücklauf bzw. geringe Ausfallquoten zu erreichen, wurden zwei Erinnerungsschreiben an die Bundesligisten und eine Erinnerung an die Regionalligisten versandt. Die beiden Fragebögen für den Trainer und den Jugendkoordinator sind in Anhang 5 bzw. Anhang 6 dargestellt. [...]
Spielsystem der Mannschaft gewöhnen. Hat ein Jugendspieler in seiner Ausbildung dieses System schon genau kennengelernt und beherrscht die Anforderungen, die an die Spieler auf den einzelnen Positionen gestellt werden, so wird ihm die Integration ins Team wesentlich leichter fallen. Das Zusammenspiel wird nur in dem Masse gestört, in dem jeder Spieler noch eine gewisse Individualität in seiner Spielweise besitzt, an die sich seine Mitspieler erst noch gewöhnen müssen. Dies gilt nicht für alle Positionen in gleichem Masse. Spieler auf zentralen Positionen haben eine größere Vereinszugehörigkeitsdauer als Spieler auf dezentralen Positionen. Daraus folgt, dass es für Jugendspieler leichter ist in die Profimannschaft zu kommen, wenn sie eine eher periphere Position spielen. Je zentraler die Position, umso wichtiger wird das teamspezifische Humankapital, da ein Wechsel auf diesen Positionen die Kommunikation und Interaktion empfindlich stört. Brinkmann, der nicht nach zentral und dezentral sondern nach Abwehr-, Mittelfeldspieler und Stürmer unterscheidet, kommt zu dem Ergebnis, dass der Wechsel von Stürmern den geringsten Einfluss auf die Wettkampfleistung einer Mannschaft hat. Dies würde für einen Trainer bedeuten, dass das Risiko unerfahrene Spieler einzusetzen im Sturm am niedrigsten ist. Jedoch hat sich der Fußball seit der Durchführung dieser Untersuchung vor allem im taktischen Bereich weiterentwickelt. Stürmer haben vermehrt Defensivaufgaben und sind somit auch bei Ballbesitz des Gegners wesentlich an der Abwehrarbeit beteiligt. Aus diesem Ergebnis von Brinkmann lassen sich kaum Empfehlungen für die Eingliederung von Nachwuchsspielern in die Profimannschaft ableiten. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832442095
Arbeit zitieren:
Jakobs, Arno Januar 2001: Die Ausbildung talentierter Nachwuchsspieler und ihre Integration in den professionellen Fußball, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Expertenbefragung, Sportwissenschaften, Personalwirtschaft, Fußball, Humankapital




