Aufbau und Struktur einer Verlustdatenbank für operationelle Risiken in Kreditinstituten im Blickfeld der aufsichtsrechtlichen Anforderungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Beckmann
- Abgabedatum: April 2003
- Umfang: 108 Seiten
- Dateigröße: 5,5 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4074-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4074-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4074-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Beckmann, Christian April 2003: Aufbau und Struktur einer Verlustdatenbank für operationelle Risiken in Kreditinstituten im Blickfeld der aufsichtsrechtlichen Anforderungen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Risikocontrolling, Basel II, Operational Risk, Risikomanagement
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Diplomarbeit von Christian Beckmann
Zusammenfassung:
Diese Arbeit liefert dem Bankpraktiker die Grundlagen für die Entwicklung und die Implementierung einer Datenbank für operationelle Risiken. Sie dient gleichzeitig als Einführung in die Thematik des operationellen Risikomanagements und knüpft an die Diskussion um Basel II an.
Spektakuläre Verlustereignisse der letzten Jahre in der Finanzwelt haben das Thema operationelle Risiken verstärkt in den Vordergrund gerückt. Da jedoch die Quantifizierung dieser Risiken wegen des komplexer gewordenen Bankgeschäfts äußerst schwierig ist, wird eine genaue Risikodefinition und die systematische Erfassung für Kreditinstitute unerlässlich.
Der Autor zeigt vor dem Hintergrund der rechtlichen Rahmenbedingungen um Basel II diverse Möglichkeiten, wie Banken die operationellen Risiken adäquat identifizieren und quantifizieren können. Dazu systematisiert er die Risiken in die Risikoklassen Menschen, Systeme, Organisationen sowie externe Ereignisse und erläutert die einzelnen Stufen des Risikomanagementprozesses. Anschließend stellt er die Konzeption und den Aufbau einer Verlustdatenbank dar und liefert zusätzlich einen Marktüberblick über Anbieter externer Datenbanken.
Die in den letzten Jahren neu gewonnene Aktualität von operationellen Risiken resultiert zum einen aus der ab dem Jahr 2006 gültigen neuem Baseler Eigenkapitalverordnung (Basel II). Durch die im Sommer 1999 gestartete Diskussion um den neuen Baseler Akkord sind jetzt erste konkretere Umsetzungsanweisungen gegeben worden.
Es darf aber nicht verkannt werden, dass die Baseler Diskussion um operationelle Risiken diese Risikokategorie nicht erst geschaffen hat, vielmehr hat sie nur einen Anlass zur intensiveren Beschäftigung mit dieser Risikoart geliefert. Operationelle Risiken zählen zu den ältesten Risiken einer Bank. Bisher ist ihnen allerdings nicht die ihrer Bedeutung entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt worden, weil zum einen die Ertragssituationen der Banken ausreichte um einen Grossteil ihrer schlagend gewordenen operationellen Risiken zu decken und zum anderen die Quantifizierung dieser Risiken ein umfangreicher und schwieriger Prozess ist, dem viele Banken bisher zurückhaltend gegenüberstanden. Durch die spektakulären Verlustereignisse in der Finanzdienstleistungsindustrie ist vermehrt mit dem Management der operationellen Risiken begonnen worden. Die Barings Bank geriet durch Betrug ihres Händlers Nick Leeson und fehlender Funktionstrennung sowie Überwachung in die Insolvenz. Peter Young (Morgan Grenfell Asset Management) verursachte 1996 einen Schaden von 670 Mio. US$ durch unautorisierte Wertpapiergeschäfte. Auch hier waren Betrugsabsichten und Versagen der Kontrollmechanismen ausschlaggebend. Darüber hinaus haben die Terroranschläge auf das World Trade Center (WTC) in New York am 11. September 2001 das mögliche Ausmaß von operationellen Risiken deutlich gemacht.
Doch nicht nur die spektakulären Verlustfälle sind von Bedeutung, vielmehr ist der Fokus auch auf die operationellen Risiken des täglichen Bankgeschäfts zu richten. Der Anteil operationeller Risiken am Gesamtrisiko steigt kontinuierlich. Das Bankgeschäft befindet sich in einem ständigen Wandel. Viele Bankdienstleistungen werden vielschichtiger und komplexer, neue Vertriebskanäle (z. B. E-Banking) und Technologien halten Einzug, verminderte Mitarbeiterloyalität und unzureichende Qualifikation sind nur einige Ursachen für mögliche operationelle Risiken. Ein funktionierendes, unternehmensweites Risikomanagement und -steuerungssystem ist unerlässlich geworden. Es hilft zukunftsorientierte Prognosen zu geben und damit auf Risiken bewusst einzugehen. Letztendlich dient ein operationelles Risikomanagement dazu Verluste zu vermeiden und den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern.
Nach der in den vergangenen Jahren bevorzugten Beschäftigung mit Marktpreis- und Kreditrisiken, sind jetzt die operationellen Risiken als ein wichtiger Baustein für den ganzheitlichen Erfolg einer Bank in das Zentrum der Betrachtungen gerückt. Es ist zu erkennen, dass der betriebswirtschaftliche Nutzen und die regulatorischen Anforderungen bezüglich der Eigenkapitalunterlegung die beiden bedeutendsten Treiber für diese Entwicklung sind.
Aufgrund dieser Aspekte haben sich Kreditinstitute das mittelfristige Ziel gesetzt, Konzepte zur Risikosteuerung operationeller Risiken zu entwickeln und umzusetzen. „Man begreift nur, was man sieht.“ Diese Umschreibung macht deutlich, wie grundlegend das Wissen ist, wo und wann die Risiken entstehen. Die Etablierung einer Risikokultur im Unternehmen ist der erste Schritt zur Handhabung und Bewältigung operationeller Risiken. Erst dann ist über Identifizierung, Quantifizierung und Steuerung zu sprechen. Die scheinbar unendliche Zahl von verschiedenen Einzelrisiken macht eine genaue Risikoidentifikation und die anschließende systematische Erfassung unbedingt notwendig. Die Basis nahezu aller Instrumente zur Quantifizierung von operationellen Risiken bildet die Sammlung und Analyse von historischen Verlustdaten in Datenbanken.
Diese Arbeit verfolgt das Ziel sich mit den grundlegenden Anforderungen an den Aufbau einer Verlustdatenbank für operationelle Risiken zu befassen. Der Leser soll einen Eindruck vom operationellen Risikomanagement erhalten. Es wird deutlich, wie umfassend und komplex alleine der Aufbau und die anschließende Einführung einer Verlustdatenbank sind. Die Datenbank ist eins der wichtigsten Instrumente im Managementprozess operationeller Risiken. Die Schadensfalldatenbank trägt entscheidend zur Sicherung des langfristigen Erfolgs einer Bank bei. Die Basis für den kompletten Prozess stellt die systematische Erfassung von Ereignissen dar. Im Rahmen der Arbeit werden diverse Möglichkeiten zur Identifizierung (Risikoinventur) und Quantifizierung (insbesondere Value-at-Risk) operationeller Risiken aufgezeigt. Bei einer systematischen Erfassung, Analyse und Bewertung von operationellen Risiken lassen sich die Risikokosten deutlich reduzieren und dadurch höhere Erträge erwirtschaften. Das Ziel der Risikomessung liegt einerseits in der Allokation von Kapital und andererseits in der Verlustreduzierung, bspw. durch Optimierung von fehleranfälligen Prozessen und Abläufen.
Die Arbeit soll den Bankpraktiker in die Thematik des operationellen Risikomanagements einführen, den aktuellen Stand der Diskussion um Basel II beschreiben und letztendlich Anregungen und Hilfestellungen bei der Entwicklung und Implementierung einer Datenbank für operationelle Risiken bieten.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut:
Nach dieser Einleitung wird im zweiten Kapitel mit der Definition und Systematisierung bankbetrieblicher Risiken begonnen. Nachdem erste Grundlagen gelegt sind, wird im Anschluss daran die Risikokategorie „operationelle Risiken“ ausführlicher betrachtet. Nach möglicher Aufteilung dieser Risikoart und Definitionsansätzen, werden die Risikoklassen „Menschen“, „Systeme“, „Organisation“ und „externe Ereignisse“ beschrieben. Dies ist vor dem Hintergrund einer möglichst exakten Zuordnung der Schadensereignisse zu einzelnen Risikoklassen von elementarer Bedeutung. Das Kapitel schließt mit der Darstellung verschiedener „Verlustarten“.
Im dritten Kapitel werden die rechtlichen Rahmenbedingungen behandelt. Insbesondere der Status quo der neuen Baseler Eigenkapitalverordnung (Basel II) ist Gegenstand dieser Ausführungen. Nach einem einleitenden allgemeinen Überblick werden kurz die drei Säulen der Baseler Eigenkapitalverordnung betrachtet. Der Schwerpunkt wird, vor dem Hintergrund dieser Arbeit, auf die erste Säule „Mindestkapitalanforderungen“ gelegt. Die Darstellung der verschiedenen Verfahren zur Berechnung der notwendigen Eigenmittel und deren jeweiligen Anforderungen an eine Verlustdatenbank werden beschrieben. Dieser Teil ist, aufgrund der sich für die an die Datenbasis ergebenden Anforderungen, von besonderer Relevanz. Abschließend werden zur ganzheitlichen Betrachtung weitere, in engem Zusammenhang mit „operationellen Risiken“ stehende, rechtliche Grundlagen genannt.
Nach der Darstellung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen im vorherigen Kapitel stellt der vierte Gliederungspunkt die einzelnen Stufen des Risikomanagementprozesses dar. Insbesondere die Risikoidentifikation und die Risikoquantifizierung werden im Hinblick auf den Aufbau einer Verlustdatenbank betrachtet. Einzelne bedeutende Verfahren zur Identifikation, wie die Risikoinventur werden näher beschrieben. Die Quantifizierungsansätze befinden sich in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Ein Schwerpunkt liegt bei den Ausführungen beim Value-at-Risk als zurzeit vorherrschende Methode zur Ermittlung des ökonomischen Kapitals. Diese Methode benötigt detaillierte Auswertungen aus der Datenbank. Auf die Steuerungs- und Überwachungsphase wird im Rahmen dieser Arbeit nur am Rande eingegangen. Ergänzend zu der phasenorientierten Betrachtungsweise werden Grundgedanken zu der Bottom-up und Top-down Sichtweise dargelegt.
Nachdem die Grundlagen für ein umfassendes Verständnis operationeller Risiken gelegt sind und der Managementprozess in diesem Zusammenhang anschaulich erklärt wurde, beschäftigt sich das nächste Kapitel ausführlich mit der Konzeption und dem Aufbau einer Verlustdatenbank. Nach Definition der Anforderungen an eine Verlustdatenbank werden mögliche Quellen zur Identifikation von Verlustereignissen aus Praktikersicht genannt und auf die Erhebungsproblematik eingegangen. Nach Beschreibung der grundlegenden Anforderungen an eine Datenbank, wie Dimension, Komponenten und Kompatibilität wird sich mit dem Aufbau einer Datenbank beschäftigt. Ein großer Teil dieser Arbeit befasst sich mit möglichen Datenfeldern einer Verlustdatenbank. Die Diskussion und Beschreibung dieser Felder gibt einen Überblick über die umfassenden Anforderungen und die Komplexität. Da oftmals die interne Datenbasis für verlässliche Ergebnisse nicht ausreicht, werden externe Datenbanken zur Ergänzung des internen Datenbestandes betrachtet. Es findet eine kurze Diskussion der Vor- und Nachteile statt. Anschließend wird ein kompensierter, aktueller Marktüberblick über die externen Datenbankanbieter gegeben. Zum Ende des fünften Kapitels werden die eng mit der Datenbank verknüpften Aspekte zur Notwendigkeit eines Risikoreportings und den sich daraus ergebenden Anforderungen beschrieben. Abschließend wird die Risikoindikatormethode als eine Frühwarnmethode zur Identifikation operationelle Risiken dargestellt.
Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung und einem kritischen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| Symbolverzeichnis | VII | |
| 1. | Zielsetzung und Aufbau der Arbeit | 1 |
| 2. | Definitionen und Systematisierungen | 5 |
| 2.1 | Definition des Risikobegriffs | 5 |
| 2.2 | Risikosystematisierung | 6 |
| 2.3 | Operationelle Risiken | 7 |
| 2.3.1 | Definitionen operationeller Risiken | 7 |
| 2.3.2 | Klassifizierung der Risiken | 10 |
| 2.3.3 | Verkettung von Risiken | 13 |
| 2.4 | Definition von Verlusten | 14 |
| 3. | Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen | 16 |
| 3.1 | Die Baseler Eigenkapitalverordnung | 16 |
| 3.1.1 | Basisindikatoransatz | 19 |
| 3.1.2 | Standardansatz | 20 |
| 3.1.3 | Advanced Measurement Approaches (AMA) | 22 |
| 3.2 | Weitere rechtliche Grundlagen | 24 |
| 4. | Der Risikomanagementprozess | 26 |
| 4.1 | Risikoidentifikation | 27 |
| 4.1.1 | Ereignisanalyse und Risikoinventur | 28 |
| 4.1.2 | Self Assessment | 30 |
| 4.2 | Risikoquantifizierung | 31 |
| 4.2.1 | Value-at-Risk Ansatz | 32 |
| 4.2.2 | Scoringverfahren | 36 |
| 4.3 | Steuerung operationeller Risiken | 36 |
| 4.4 | Überwachung und Follow-up-Prozeduren | 39 |
| 4.5 | Top-down und Bottom-up Sichtweise | 39 |
| 4.5.1 | Top-down Ansatz | 39 |
| 4.5.2 | Bottom-up Ansatz | 40 |
| 5. | Konzeption einer Verlustdatenbank | 42 |
| 5.1 | Anforderungen an eine Verlustdatenbank | 43 |
| 5.1.1 | Struktur der Verlustdatenbank | 44 |
| 5.1.2 | Komponenten einer Verlustdatenbank | 47 |
| 5.1.3 | Kompatibilität mit bestehenden Systemen | 48 |
| 5.2 | Identifikation und Beschaffung von Schadensereignissen aus internen Datenquellen | 50 |
| 5.3 | Rahmen der praktischen Umsetzung | 53 |
| 5.4 | Aufbau einer Verlustdatenbank | 54 |
| 5.4.1 | Felder einer Verlustdatenbank | 58 |
| 5.4.2 | Benutzerfreundlichkeit | 67 |
| 5.4.3 | Einbeziehung der Mitarbeiter | 68 |
| 5.4.4 | Zugriffsrechte der Benutzer | 69 |
| 5.5 | Externe Verlustdatenbank für operationelle Verluste | 70 |
| 5.5.1 | Anforderungen an eine externe Verlustdatenbank | 71 |
| 5.5.2 | Beispiele für externe Datenkonsortien | 73 |
| 5.6 | Risikoindikatoren | 74 |
| 5.7 | Reporting | 76 |
| 6. | Fazit, Würdigung und Ausblick | 78 |
| Anhang | 82 | |
| A. | Bedeutung operationeller Risiken anhand von Praxisfällen | 82 |
| A.a | Der Zusammenbruch der Barings Bank | 82 |
| A.b | Das Imperium des Baulöwen Dr. Jürgen Schneider | 82 |
| B. | Zuordnung der Aktivitäten zu den einzelnen Geschäftsfeldern | 83 |
| C. | Beispielhafte Aufgliederung einer Risikokategorie | 84 |
| D. | Projektphasen | 84 |
| E. | Identifikation von operationellen Risiken | 85 |
| F. | Risikokategorisierung der British Bankers Association | 86 |
| F.a | Risikotypen der Risikokategorie „Menschen“ | 86 |
| F.b | Risikotypen der Risikokategorie „Prozesse“ | 87 |
| F.c | Risikotypen der Risikokategorie „Systeme“ | 88 |
| F.d | Risikotypen der Risikokategorie „Externe Faktoren“ | 89 |
| G. | Darstellung eines eigenen Ansatzes einer Verlustdatenbank | 90 |
| H. | Aktuelle Situation auf dem Markt für Risikocontrollingsoftware | 91 |
| H.a | zeb/rolfes.schierenbeck.associates | 91 |
| H.b | Bankenverbände | 91 |
| Literaturverzeichnis | 94 |
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http://www.diplom.de/ean/9783832440749
Arbeit zitieren:
Beckmann, Christian April 2003: Aufbau und Struktur einer Verlustdatenbank für operationelle Risiken in Kreditinstituten im Blickfeld der aufsichtsrechtlichen Anforderungen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Risikocontrolling, Basel II, Operational Risk, Risikomanagement



