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Standortqualität aus Sicht der pharmazeutischen Industrie

Standortqualität aus Sicht der pharmazeutischen Industrie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Martin Albrecht
  • Abgabedatum: Mai 1997
  • Umfang: 115 Seiten
  • Dateigröße: 7,2 MB
  • Note: 0,7
  • Institution / Hochschule: Universität Trier Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3316-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3316-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3316-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Albrecht, Martin Mai 1997: Standortqualität aus Sicht der pharmazeutischen Industrie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arzneimittelmarkt, Innovation, Industrieökonomie, Gesundheitsökonomie

Diplomarbeit von Martin Albrecht

Einleitung:

Die pharmazeutische Industrie wird in der aktuellen Diskussion primär unter gesundheitspolitischen Aspekten betrachtet: Im Verteilungskampf um das Gesundheitsbudget der GKV wird gefordert, daß auch die Pharmaindustrie einen Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitsbereich leisten solle. In dieser Debatte um eher kurzfristig orientiertes Kostenmanagement liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Verbrauch von Arzneimitteln. Die Produktionsbedingungen dagegen bleiben weitgehend unberücksichtigt, obgleich der Pharmaindustrie als einer wertschöpfungs- und exportstarken Branche mit "marktmäßigen" und zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen eine relativ hohe Bedeutung für die Gesamtwirtschaft zukommt.

Tatsächlich befinden sich Arzneimittelhersteller in einem Spannungsfeld zwischen zumeist stark regulierten Gesundheitsmärkten und internationalem Wettbewerbsdruck. Die dieser Arbeit zugrundeliegende Frage nach der Standortqualität aus Sicht der pharmazeutischen Industrie zielt daher auf jene Faktoren, die es Arzneimittelherstellern erlauben, zumindest schwerpunktmäßig von ihrem angestammten Standort aus agierend langfristig rentabel bzw. wettbewerbsfähig zu bleiben. Aufgrund der zentralen Rolle von Innovationen in der Pharmaindustrie wird als Maßstab für die Beurteilung der Standortqualität das Ausmaß herangezogen, in dem standortspezifische und vor allem politisch beeinflußbare Rahmenbedingungen die Innovationskraft forschender Arzneimittelhersteller stärken bzw. schwächen.

In der folgenden Untersuchung werden zunächst anhand allgemeiner innovationstheoretischer Ansätze Bestimmungsfaktoren der unternehmerischen Innovationskraft aufgezeigt und hinsichtlich ihrer Relevanz für die Pharmaindustrie gewichtet. Dabei zeigt sich, daß die Investitionstheorie und marktstrukturelle Faktoren nur eingeschränkten Erklärungsgehalt aufweisen. Demgegenüber erweist sich eine Differenzierung der weitergehenden Analyse nach verschiedenen Marktphasen gerade für die Pharmaindustrie als geeignet. Arzneimittelhersteller agieren nämlich mit traditionellen und bio- bzw. gentechnischen Forschungsmethoden gleichzeitig in Märkten mit unterschiedlichen Technologiepotentialen.

Eine Charakterisierung der Forschung mit der traditionellen Screening-Technologie verdeutlicht das hohe technische und ökonomische Risiko eines unternehmerischen Engagements. Insbesondere der Patentschutz und die Möglichkeit einer "Verbundfinanzierung" über eine entsprechende Preissetzung sind vor diesem Hintergrund Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit und damit ein entscheidender Aspekt der Standortqualität.

Während staatliche Politik das technologisch bedingte Ausmaß der Innovationskraft pharmazeutischer Unternehmen zumindest kurzfristig als Datum zu Betrachten hat, beeinflußt sie in vielfältiger Weise und auch kurzfristig die (erwartete) Ertragssituation der Arzneimittelhersteller und - weil deren Forschungsaufwendungen fast vollständig eigenfinanziert sind - damit deren Innovationsfähigkeit. Des weiteren tritt ein wirksamer Leistungswettbewerb als zweiter entscheidender Bestimmungsfaktor der Innovationskraft forschender Arzneimittelproduzenten hinzu. Aus diesem Grund schließt die Analyse eine Diskussion über die Funktionsfähigkeit des Innovationswettbewerbs in der Pharmabranche mit ein.

Staatliche Markteingriffe, die auf eine Beeinflussung der Arzneimittelpreise abzielen, beruhen auf weitgehenden Zweifeln an der Wirksamkeit von Wettbewerbskräften. Vor diesem Hintergrund erfolgt eine Wirkungsanalyse ertragsbeeinflussender Regulierungen - in der Pharmaindustrie am Beispiel des Systems der Festbetragserstattung in Deutschland. Dabei werden die Möglichkeiten zur Kompensation von Erlöseinbußen im nationalen und internationalen Kontext berücksichtigt. Besonders die Internationalisierung des Pharmageschäftes eröffnet forschenden Arzneimittelherstellern Chancen, ihre Wettbewerbsfähigkeit trotz aus ihrer Sicht verschlechterter inländischer Marktbedingungen zu erhalten.

Während dies im traditionellen Technologiebereich häufig unter Beibehaltung des Standortes und somit in komplementärer Art und Weise gelingt bzw. gelingen muß, finden im Gebiet der Biotechnologie umfangreiche Verlagerungen substitutiver Art statt. Ursache für diese Diskrepanz ist, daß aufgrund abweichender marktphasen- bzw. technologiespezifischer Bedingungen andere Bestimmungsgründe der Standortqualität ausschlaggebend sind, die der relativ hohen Unsicherheit einer noch jungen Technologie und v.a. die langfristigen Ertragserwartungen betreffen.

Da in der Biotechnologie für viele Pharmaunternehmen keine historische Standortbindung besteht, erscheint das Konzept des internationalen Standortwettbewerbs zur Erklärung internationaler Kapitalströme deutlich relevanter als im Fall der traditionellen Technologie. Synergiepotentiale und Verknüpfungen zwischen beiden Technologiebereichen lassen sich anhand der Variablen Unternehmensgröße sowie einer Analyse von Marktstrukturprozessen verdeutlichen.

Mit den abschließenden wirtschaftspolitischen Überlegungen wird nach dem Trade-off zwischen statischer und dynamischer Effizienz in der Arzneimittelindustrie gefragt. In diesem Zusammenhang wird auch die Möglichkeit diskutiert, die FuE-Effizienz unter Berücksichtigung marktphasenspezifisch unterschiedlicher Innovationspotentiale regulativ zu beeinflussen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Zum Begriff der Standortqualität 3
2. Theoretische Grundlagen zur Erklärung industrieller Innovationsaktivität 5
2.1 Der Begriff der Innovation 6
2.2 Investitionstheoretische Erklärungen 7
2.3 Der Einfluß der Unternehmensgröße 8
2.4 Der Einfluß der Marktstruktur 10
2.5 Die Bedeutung von Marktphasen 12
2.6 Fazit: Die Relevanz innovationstheoretischer Ansätze für die pharmazeutische Industrie 16
3. Standortqualität im Bereich der traditionellen Pharmaforschung 17
3.1 Besonderheiten des traditionellen Forschungsprozesses 17
3.2 Voraussetzungen für unternehmerische Innovationsaktivitäten 20
3.2.1 Existenz und Entfaltung von Nachfragepotentialen 20
3.2.2 Der Patentschutz als Innovationsstimulus 21
3.2.3 Marktmacht und Konzentration 24
3.2.4 Innovationsfähigkeit in Abhängigkeit von der Preisbildung 27
3.2.5 Innovationsbereitschaft durch Innovationswettbewerb 30
3.3 Der Einfluß von Regulierungen auf die Standortqualität 33
3.3.1 Zur Bedeutung des (fehlenden) Preiswettbewerbs für das Regulierungsklima 34
3.3.2 Der gesundheitspolitische Kontext 39
3.3.3 Die Erstattung von Arzneimittelausgaben durch Festbeträge 40
3.3.3.1 Quantitative Auswirkungen 41
3.3.3.2 Qualitative Auswirkungen 47
3.3.3.3 Fazit: Festbetragsregelung und Innovationen 49
3.4 Die Internationalisierung des Pharmageschäfts 51
3.4.1 Exporte und Patentlizenzen 53
3.4.2 Multinationalisierung durch Direktinvestitionen 58
3.4.2.1 Exportsubstituierende Direktinvestitionen 59
3.4.2.2 Exportkomplementierende Direktinvestitionen 61
3.4.2.3 Der Aufbau von FuE-Kapazitäten im Ausland 64
3.4.2.4 Fazit: Das Motiv für Direktinvestitionen 67
4. Standortqualität im Bereich der Bio- und Gentechnologie 69
4.1 Technologische Veränderungen 69
4.2 Unternehmensgröße und Kooperation 70
4.3 Innovationsdeterminanten als Standortfaktoren 72
4.3.1 Zugang zu Risikokapital und innovativen Clustern 72
4.3.2 Öffentliche Akzeptanz und Regulierung 74
4.3.3 Standortqualität im Vergleich 76
5. Der Zusammenhang zwischen heterogenen Marktstrukturprozessen in der Pharmaindustrie und der Standortqualität 78
5.1 Defensive unternehmerische Anpassung und Standortqualität 79
5.2 Offensive unternehmerische Anpassung und Standortqualität 80
5.3 Akquisition versus Kooperation 82
6. Schlußbetrachtung: Einige wirtschaftspolitische Implikationen 83
Anhang 90
Literaturverzeichnis 97

Arbeit zitieren:
Albrecht, Martin Mai 1997: Standortqualität aus Sicht der pharmazeutischen Industrie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arzneimittelmarkt, Innovation, Industrieökonomie, Gesundheitsökonomie

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