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Die Messung von Gesundheit

Grundlegende methodische Fragen und Diskussion verschiedener Meßansätze

Die Messung von Gesundheit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Frank Becker
  • Abgabedatum: Oktober 1996
  • Umfang: 114 Seiten
  • Dateigröße: 3,7 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3308-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3308-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3308-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Becker, Frank Oktober 1996: Die Messung von Gesundheit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte:

Diplomarbeit von Frank Becker

Einleitung:

Die Konstrukte Gesundheit und Lebensqualität sind in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern (beispielweise in den USA, in Schweden und der BR Deutschland) Gegenstand wachsender Aufmerksamkeit geworden. Dafür lassen sich zwei Hauptgründe nennen: Erstens bedarf es einer Grundlage für die Verteilung finanzieller Mittel innerhalb des Gesundheitswesens, da die Kenntnisse und technologischen Grundlagen für medizinische Maßnahmen erheblich fortgeschritten, gleichzeitig aber die finanziellen Mittel beschränkt sind. Zweitens stellen die Konstrukte Gesundheit und Lebensqualität - die sich nicht nur auf biomedizinische Daten beziehen - eine wichtige Information dar, um Leistungen einer Behandlungsart aus Sicht des Patienten zu bewerten.

Diese Verschiebung vom Blickwinkel des Arztes zu dem des Patienten bei der Beurteilung einer Behandlung läßt sich folgendermaßen begründen: Bis Anfang des 20. Jahrhunderts litten Patienten an lebensbedrohlichen Infektionen (AIDS ist heute eine wichtige Ausnahme). Heute sind in entwickelten Ländern chronische Krankheiten, wie Rheumatismus, psychische Leiden, Krebs, Rückenschmerzen und Diabetis das Hauptproblem? Chronische Krankheiten verlangen komplizierte Behandlungsarten. Es ist deshalb wichtig, den Wert einer Behandlungsart und deren Nebenwirkungen zu untersuchen. Beispielsweise hat eine Behandlung gegen Bluthochdruck die Laborwerte des Patienten verbessert. Gleichzeitig hat diese aber die intellektuellen Fähigkeiten und das Aktivitätsniveau des Patienten gesenkt. Der Arzt, der Patient und die angehörigen des Patienten werden deshalb den Erfolg der Behandlung unterschiedlich bewerten. Als Ziele der Messung von Gesundheit und Lebensqualität können folglich genannt werden:

- Beschreibung der Gesundheit oder Lebensqualität von Individuen oder Gruppen über biomedizinische Werte hinaus.

- Beurteilung von Behandlungsarten aus Sicht der Patienten.

- Vergleich von Behandlungsarten.

Die Werte der unterschiedlichen Behandlungsarten können als Informationshilfsmittel für deren Auswahl dem Arzt und seinen Patient dienen. Unterstützung der Gesundheitspolitik (Verteilung finanzieller Mittel). In einer Kosten-Nutzen-Analyse sollen Meßinstrumente den Nutzen einer Behandlungsart bewerten. Die Messung der unbeobachtbaren Konstrukte Gesundheit und Lebensqualität erfordert, daß diese in beobachtbare Einheiten definiert werden. In der derzeitigen Gesundheits -und Lebensqualitätsforschung wird betont, daß die Konstrukte Gesundheit und Lebensqualität mehrdimensional strukturiert sind. Eine Abgrenzung von Gesundheit und Lebensqualität ist bisher allerdings unklar. Beispielsweise schlägt Bush vor, Lebensqualität und gesundheitsbedingte Lebensqualität zu unterscheiden; diese Abgrenzung wird aber nicht allgemein akzeptiert. Die Unschärfe in der Abgrenzung spiegelt sich darin wider, daß zum Teil dieselben Meßinstrumente sowohl in Verbindung mit der Erfassung von Gesundheit als auch von Lebensqualität genannt werden. Eine Erörterung der Abgrenzung der beiden Konstrukte liegt nicht im Rahmen dieser Arbeit. Diese Arbeit beschränkt sich auf die Erörterung der Messung von Gesundheit. Für dieses Vorgehen spricht, daß zum Konstrukt Gesundheit eine offizielle Definition der World Health Organisation (WHO) vorliegt, die weite Akzeptanz gefunden hat: "We conceive of health as being a state of complete physical, mental and social well-being, not merely the absence of disease or infirmity." Die weite Akzeptanz dieser Definition läßt auf Standards in der Gesundheitsmessung hoffen.

Gang der Untersuchung:

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, sich der Aufgabenstellung "Messung von Gesundheit" aus zwei Richtungen zu nähern. Kapitel 2 befaßt sich mit methodischen Fragen der Gesundheitsmessung. Zunächst werden die grundlegenden Unterschiede in der Fragestellung` der vielzähligen Gesundheitsmeßinstrumente dokumentiert (Abschnitt 2.1) und ein Anforderungskatalog für die Meßinstrumente aufgestellt (Abschnitt 2.2). Die Anforderungen stellen gleichzeitig Richtlinien für die Auswahl aus den vielzähligen Meßinstrumenten in der Praxis dar." Der Meßvorgang (Abschnitt 2.3) beinhaltet die vier notwendigen Schritte zur Entwicklung von Gesundheitsinstrumenten."' Bei der Durchführung dieser Schritte ist die Berücksichtigung des oben genannten Anforderungskataloges sinnvoll. Die Zusammenfassung der Ergebnisse (Abschnitt 2.4) schließt die methodischen Fragen ab.

In Kapitel 3 werden unterschiedliche Ansätze zur Messung von Gesundheit dargestellt. Begonnen wird mit der Diskussion von "traditionellen" Ansätzen (Abschnitt 3.1). Unter diesen Ansätzen werden nicht biomedizinische Maße verstanden, sondern Meßinstrumente, die zwei Eigenschaften besitzen. Sie verwenden die üblichsten Skalierungstechniken (beispielsweise Category Scaling und Magnitude Estimation) und erfuhren in der Praxis bereits verschiedene und zahlreiche Anwendungen. Diesen "traditionellen" Ansätzen werden Ansätze mit multivariaten Verfahren mit unbeobachtbaren Variablen gegenübergestellt (Abschnitt 3.2); insbesondere die explorative Faktorenanalyse (EFA) und die konfirmatorische Faktorenanalyse (KFA). Beide Verfahren haben eine fixe Modellstruktur, die sich auf verschiedene Einsatzgebiete anwenden läßt. Anwendungsbeispiele dieser Verfahren in der Gesundheitsmessung liegen besonders seit den 80er Jahren vor. Anschließend wird zusammengefaßt, inwiefern die beiden Ansätze und deren Instrumente zur quantitativen Erfassung des Konstrukts Gesundheit tauglich sind (Abschnitt 3.3).

Abschließend werden die - sich bisher ergebenen - Schlüsselfragen und die derzeitige Entwicklungsrichtung der Gesundheitsmessung dargestellt (Kapitel 4).

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Die Messung von Gesundheit - grundlegende methodische Fragen 4
2.1 Grundsätzliche Unterschiede in der Fragestellung der Gesundheitsmessung 5
2.1.1 Quelle der Information 5
2.1.2 Erhebungstechniken 7
2.1.3 Indikator, Profil und Index 7
2.1.4 Skalenniveau 9
2.1.5 Allgemeine und krankheitsspezifische Meßinstrumente 9
2.1.6 Personenbezogene und gruppenspezifische Meßinstrumente 10
2.2 Anforderungen an Gesundheitsmeßinstrumente 11
2.2.1 Objektivität, Reliabilität und Validität als grundlegende Anforderungen 11
2.2.2 Spezifische Anforderungen 16
2.3 Der Meßvorgang 19
2.3.1 Dimensionen des Konstrukts Gesundheit 20
2.3.2 Operationalisierung der Dimensionen 21
2.3.3 Skalierung der Indikatoren 24
2.3.4 Aggregation der Indikatoren 31
2.4 Zusammenfassung 31
3. Unterschiedliche Ansätze zur Messung von Gesundheit 33
3.1 „Traditionelle“ Ansätze zur Messung von Gesundheit 33
3.1.1 Übersicht 33
3.1.1.1 Der Health Status Index von Kaplan et al. 33
3.1.1.2 Das Nottingham Health Profile (NHP) 36
3.1.2 Das Sickness Impact Profile ( SIP) 38
3.1.2.1 Fragestellung 38
3.1.2.2 Meßvorgang 39
3.1.2.3 Anforderungen 42
3.2 Ansätze mit multivariaten Verfahren zur Messung von Gesundheit 47
3.2.1 Übersicht 48
3.2.2 Die explorative Faktorenanalyse (EFA) zur Messung von Gesundheit 49
3.2.2.1 Modellstruktur der EFA und Meßvorgang der Gesundheitsmessung 49
3.2.2.2 Grundsätzliche Eignung der EFA zur Gesundheitsmessung 62
3.2.3 Die konfirmatorische Faktorenanalyse (KFA) zur Messung von Gesundheit 67
3.2.3.1 Modellstruktur der KFA und Meßvorgang der Gesundheitsmessung 67
3.2.3.2 Grundsätzliche Eignung der KFA zur Gesundheitsmessung 71
3.2.4 Der Health Belief Index 72
3.2.4.1 Fragestellung 72
3.2.4.2 Meßvorgang 73
3.2.4.3 Anforderungen 79
3.3 Zusammenfassung 79
4. Schlüsselfragen und Entwicklungsrichtung der Gesundheitsmessung 80

Arbeit zitieren:
Becker, Frank Oktober 1996: Die Messung von Gesundheit, Hamburg: Diplomica Verlag

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