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Muslimische Kinder im Unterricht

Interreligiöser und interkultureller Dialog an deutschsprachigen Schulen

Muslimische Kinder im Unterricht
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Oliver Johann Altenberger
  • Abgabedatum: März 2007
  • Umfang: 136 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Pädagogische Akademie des Bundes Salzburg Österreich
  • Originaltitel: Überlegungen im Umgang mit muslimischen Kindern im Unterricht
  • Bibliografie: ca. 68
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0570-0
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0570-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Altenberger, Oliver Johann März 2007: Muslimische Kinder im Unterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Österreich, Muslim, Schüler, Interkulturelles Lernen, Interreligiöses Lernen

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Diplomarbeit von Oliver Johann Altenberger

Einleitung:

Die österreichische Gesellschaft, insbesondere eine kleine Stadt wie Salzburg, ist schon lange nicht mehr monokulturell oder monoreligiös. Mit der steigenden Migration siedelten sich zunehmend Familien islamischer Herkunft an. Durch sie kommen fremde Lebensgewohnheiten zum Vorschein. Dies zeigt sich auch zunehmend an den österreichischen Hauptschulen, die von Schülern zahlreicher Nationalitäten mit muslimischem Religionsbekenntnis besucht werden.

Viele österreichische Schüler mit christlichem Religionsbekenntnis besuchen mittlerweile die Schule ohne oder mit geringer religiöser Vorbildung. Ein aber noch immer beachtlicher Anteil von muslimischen Mitschülern ist um einiges stärker in seinem Glauben verwurzelt als seine christlichen Mitschüler. Während es, insbesondere unter christlichen Kindern und Jugendlichen, ‚out’ ist, religiös zu sein, den Gottesdienst zu besuchen, zu beten, die Bibel oder religiöse Bücher zu lesen, ist für viele islamische Schüler der bekennende Glaube ein wichtiger Bestandteil in der Familie, wie auch in der Erziehung. Weiters ist der Anteil derer, die an höhere Mächte glauben, an das Überirdische, bei muslimischen Jugendlichen doppelt so hoch wie bei christlichen Jugendlichen.

Das andersartige Verhalten von muslimischen Schülern gegenüber Schülern österreichischer Abstammung mit christlichem Religionsbekenntnis kann zu Problemen führen. Hier kann man mit interkulturellem und interreligiösem Lernen ansetzen. Außerdem ist es von großer Bedeutung die etwaigen Sprachprobleme der muslimischen Schüler schnellst möglich zu verringern und mit ihren Eltern in Kontakt zu treten, damit ein gemeinsamer Weg gefunden werden kann, die Kinder best möglich in die Klasse zu integrieren. Weiters kann der Kontakt mit den Eltern hilfreich sein um z.B. ihre soziale Situation, Immigrationshintergründe und Verhaltens- und Denkweisen besser verstehen zu können.

So ist es für die Lehrer notwendig, sich über die Haltungen und Werte, nach denen Muslime leben, genauso zu informieren wie über ihre Geschichte, deren aktuelle soziale Situation und den islamischen Glauben, der ihrer Denkweise, ihren Sitten und Bräuchen sowie ihren Urteilsnormen zugrunde liegt. Zusätzlich ist es förderlich die Hintergründe zu kennen, warum interreligiöses und interkulturelles Lernen in der heutigen Gesellschaft und Schule von so großer Bedeutung ist und welche Probleme im Umgang mit muslimischen Schülern auftreten können.

Ein weiterer Schritt, um den Kindern die Integration zu erleichtern ist, dass die österreichischen Schüler, die ihnen fremde Kultur, Religion und die damit verbundenen Denk­ und Verhaltensweisen kennen lernen und achtsam wahrnehmen.

Der Religionenworkshop (besteht aus einzelnen Lehreinheiten) setzt sich das Ziel, die Schüler für Gedanken über die eigene und die andere Religion zu sensibilisieren. Es können zwar nur Anstöße gegeben werden, aber diese Stunden sollen gezielt als Anregung dienen, sich mit den Religionen weiter auseinander zu setzen. Längerfristig gesehen sollen die Kinder mit dem Wissen über die eigene Religion zur Toleranz gegenüber anderen Religionen gelangen.

Ein weiterer wichtiger und interessanter Punkt ist, sich einen Überblick über die aktuelle Situation an den österreichischen Hauptschulen zu verschaffen. Welches Bild haben einige Lehrer generell von Muslimen, wie verhalten sie sich gegenüber muslimischen Kindern im Unterricht und sind sie mit dem österreichischen Schulsystem in Bezug auf die Integration muslimischer Kinder zufrieden?

Um eine gute Integration für muslimische Kinder zu erlangen bedarf es nicht der Arbeit eines einzigen Lehrers sondern der Arbeit des gesamten Lehrerteams, welches diese Kinder betreut.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Überblick über den Islam 3
2.1 Der Prophet Mohammed 4
2.2 Der Islam – Die Religion 5
2.2.1 Der Koran 5
2.2.2 Die Scharia 6
2.2.3 Die wichtigsten Abspaltungen des Islam 7
2.2.3.1 Sunniten und Schiiten 7
2.2.3.2 Aleviten 8
2.2.3.3 Sufismus 8
2.2.4 Die Glaubensgrundsätze und die Fünf Säulen des Islam 8
2.2.4.1 Glaubensgrundsätze 8
2.2.4.2 Fünf Säulen des Islam 9
2.3 Der islamische Fundamentalismus 10
2.3.1 Ziele der Fundamentalisten 10
2.3.2 Kampf der Kulturen 11
2.3.3 Hochkonjunktur des Islamismus 11
2.3.4 Radikal-fundamentalistische Terrororganisationen 14
2.3.4.1 Muslimbruderschaft 14
2.3.4.2 Weitere islamische Terrororganisationen 16
2.4 Die Bedeutung des Islam im gesellschaftlichen Leben 16
2.4.1 Familie im Islam 16
2.4.2 Kindererziehung im Islam 18
2.4.2.1 Religiöse Erziehung 18
2.4.2.2 Praktizierende Religion 19
2.4.2.3 Vorbereitung auf das Leben als Mann oder Frau 19
2.4.3 Die Stellung der Frau in der islamischen Gesellschaft 21
2.4.3.1 Die Verstoßung 22
2.4.3.2 Die Polygamie 23
2.4.4 Feste und Feiertage im islamischen Jahr 24
2.4.4.1 Das Fastenmonat Rammadan 24
2.4.4.2 Das Fest des Fastenbrechens 25
2.4.4.3 Das Opferfest 25
2.4.4.4 Der Geburtstag von Mohammed 26
2.4.4.5 Das türkische Kinderfest 27
2.4.4.6 Altiranisches Neujahrsfest 27
2.4.5 Speisevorschriften des Islam 27
2.4.6 Das Alkoholverbot im Islam 29
3. Muslime in Europa 31
3.1 Die Geschichte der europäischen Muslime 31
3.2 Soziale Situation der immigrierten Muslime in Europa 33
3.2.1 Die unterschiedlichen Generationen 34
3.2.2 Türkische Jugendliche 36
3.3 Schwierigkeiten im christlich-muslimischen Dialog 38
3.3.1 Sprachliche und soziale Barrieren 40
3.3.2 Kulturelle Unterschiede und psychologische Barrieren 40
3.3.3 Islamisches Menschenrechtsverständnis 42
4. Muslimische Kinder an österreichischen Schulen 45
4.1 Pädagogische Grundhaltung der Lehrer 45
4.2 Elternarbeit 46
4.3 Sprachprobleme der muslimischen Schüler 47
4.4 Konflikte im Schulalltag 49
4.4.1 Klassenkreuz 49
4.4.2 Schulgottesdienst 49
4.4.3 Sport- und Schwimmunterricht 50
4.4.4 Klassenfahrten 50
4.4.5 Sexualerziehung 51
4.4.6 Mahlzeiten 52
4.4.7 Kunsterziehung 53
4.4.8 Kleidung 53
4.4.9 Rollenverständnis 53
4.5 Islamischer Religionsunterricht 54
5. Interkulturelles und interreligiöses Lernen 56
5.1 Interkulturelles Lernen 56
5.2 Interreligiöses Lernen 58
5.3 Ebenen des interreligiösen Lernens 59
5.4 Grenzen interkulturellen und interreligiösen Lernens 61
5.5 Chancen interkulturellen und interreligiösen Lernens 64
6. Planung eines Religionenworkshops 66
6.1 Übersicht über den Ablauf 66
6.2 Erarbeitung verschiedener Themen der beiden Religionen 66
6.3 Ausarbeitung eines interreligiösen Dialogs 68
6.4 Tag der Exkursion 70
6.4.1 Erstellung der Leitfragen 70
6.4.2 Informationen über eine Moschee 72
6.4.3 Informationen über einen Dom oder eine Kirche 73
6.4.4 Besuch einer Moschee (Gebetshaus) 75
6.4.5 Besuch eines Doms oder einer Kirche 76
6.5 Nachbereitung und interreligiöser Dialog Islam Christentum 77
6.6 Interreligiöser und interkultureller Kochtag 78
6.7 Einübung eines interkulturellen Liedes 82
6.8 Vorbereitungen für den Präsentationstag 82
6.9 Präsentationstag 84
6.10 Abschließende Betrachtung 85
7. Befragung von österreichischen Hauptschullehrern 88
7.1 Einleitung 88
7.2 Inhalt der Studie 89
7.2.1 Persönliche Fragen 89
7.2.2 Fragen über die Schule 91
7.2.3 Fragen über den Unterricht 93
7.2.4 Fragen über muslimische Schüler 96
7.2.5 Fragen über das österreichische Schulsystem 97
7.3 Tabellen und Diagramme 100
8. Schlusswort 108
Quellenverzeichnis B
Anhang F
Bildmaterial für die Präsentation des Dialogs F
Arbeitsblätter I
Rezeptblätter M
Einladung und Einverständniserklärung für die Eltern R
Abschlusslied S
Fragebogen T

Textprobe:

Kapitel 4.1, Pädagogische Grundhaltung der Lehrer: ‚Ein alter, schon leicht angestaubter pädagogischer Grundsatz fordert, den Schüler dort abzuholen, wo er steht.’ Der Lehrer soll also bei der zu erstellenden Situationsanalyse überprüfen, welche Kultur und in wie weit ihn die islamische Religion prägte und formte. Es ist wichtig für ein richtiges Verhalten gegenüber muslimischen Schülern, dass der Lehrer ein gewisses Grundwissen über die islamische Religion, die Sozialisationsformen und die sozioökonomischen Bedingungen der Familien vorweisen kann, damit unter Berücksichtigung dieser Fakten der Unterricht besser geplant werden kann.

Wie schon angesprochen, gehört es zur Aufrechterhaltung der Identität der muslimischen Kinder auch dazu, den Islam als gleichberechtigte Religion anzuerkennen. Dies sollte auch vom Lehrer, nicht nur bei nicht passenden Bemerkungen von einheimischen Schülern, gezeigt werden. Integration sollte nicht so ablaufen, dass den muslimischen Schülern, ab dem ersten Tag in ihrer neuen Schule, nur mehr die kulturellen Werte des Christentum vermittelt werden.

Dem Pädagogen muss auch bewusst sein, dass ab dem Moment, wo er muslimische Schüler unterrichtet, ein neues Toleranzverständnis erforderlich ist. Es ist z.B. eine heikle Aufgabe unter der Anwesenheit von muslimischen Schülern über den Islam zu informieren. Die Empfindungen der muslimischen Schüler dürfen auf keinen Fall verletzen werden.

Kapitel 4.2, Elternarbeit: Es gibt drei Bereiche in denen der Kontakt zwischen Lehrern und muslimischen Eltern gefördert werden kann.

Schulumfeldbezogene Maßnahmen: Damit die ausländischen Eltern ein Interesse für die Schule entwickeln, sollte ihnen gezeigt werden, dass ihre Meinung zu bestimmten Dingen etwas Wert ist, und sie bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen können.

Schulhausbezogene Maßnahmen: Für die Kinder ist es von Bedeutung, dass es eine Verbindung zwischen Schule und Familie gibt. Daher ist der Austausch von schulhausbezogenen Informationen zwischen der Schule und den Eltern wichtig. Eltern haben auch oft aus den unterschiedlichsten Gründen Angst, überhaupt die Schule zu betreten. Es gibt eine Möglichkeit, den Eltern die Ängste etwas zu nehmen, indem man die Schule ihnen gegenüber öffnet, z. B. durch Einladungen zu einer Schulveranstaltung oder durch das Angebot eines ‚Deutschkurses für fremdsprachige Eltern.’ Ein weiterer Schritt um den Eltern zu signalisieren, dass die Türen der Schule für sie immer geöffnet sind, kann in der Einrichtung der Klassenzimmer und generell in der Gestaltung der Schule berücksichtigt werden. Eine angenehme Atmosphäre schafft die Grundvoraussetzungen für ein vernünftiges Gespräch zwischen dem Lehrer und den Eltern.

Schulklassenbezogene Maßnahmen: Das Elterngespräch ist für eine gute Beziehung zwischen Lehrer Eltern sehr wichtig. Durch regelmäßige Gespräche können ‚ungünstige Bedingungen beim Übergang von der Familie zur Schule kompensiert werden.’ Damit dies auch unter der Zufriedenheit beider Seiten möglich ist, bedarf es einer interkulturellen und interreligiösen Vorbildung des Lehrers. Weiters können Hausbesuche dazu dienen, um eine Vertrauensbasis aufzubauen. So besteht auch die Möglichkeit, mit den Müttern in Kontakt zu treten, da bei Elternabenden oder Elternsprechtagen oftmals nur die Väter erscheinen.

Der Kontakt zu den Eltern sollte auf jeden Fall nicht erst, aufgrund von schulischen Schwierigkeiten des Kindes aufgebaut werden, sondern so früh wie möglich. Eine frühe Kontaktaufnahme dient zum Abbau von Hemmungen und Ängsten. Ein wichtiger Punkt in der Elternarbeit oder dem Elterngespräch ist, dass dadurch Stereotypien und Vorurteile gegenüber der fremden Kultur und Religion abgelegt werden können. Weiters ist es für den Lehrer wichtig, zu wissen, wie die Zukunftspläne der Eltern aussehen, ob sie beabsichtigen, so schnell wie möglich wieder in die alte Heimat zurückzukehren, oder ob es darum geht, sich in unserem Land eine neue Zukunft aufzubauen. Somit ist die Ausgangslage des Lehrers gegenüber dem Kind und den Eltern eine völlig andere.

Kapitel 4.3, Sprachprobleme der muslimischen Schüler: Die frisch immigrierten Kinder versucht man sofort, egal ob Deutschkenntnisse vorhanden sind oder nicht, in die Schule zu integrieren. Dadurch kann ein behutsames und systematisches Heranführen an die fremde Sprache nicht verwirklicht werden. Die Lehrer beherrschen die von den Schülern gesprochene Sprache mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht, was natürlich nicht von Vorteil ist.

Das Sprachverständnis wächst bei den Kindern relativ schnell, im Gegensatz zum Sprachgebrauch. ‚Neben den typischen Aussprachefehlern sprechen sie meist in völlig falschen und verknappten Sprachstrukturen. Sie sprechen nach einiger Zeit fließend, aber falsch.’ In der so genannten ‚Sprachbadtheorie’ glaubte man, dass der ständige Gebrauch der deutschen Sprache die Fehler korrigieren würde, dies ist aber nicht eingetreten. Die Kinder, die schon von Geburt an in unserem Land wohnen, haben im Sprachgebrauch allgemein weniger Schwierigkeiten, ihre zweite Sprache in den richtigen Strukturen anzuwenden, doch beim Lesen von Texten erkennt man auch bei ihnen erhebliche Probleme. ‚Die deutsche Sprache, die Sprache des Unterrichts, ist vielen Jungen und Mädchen’ fremd geblieben, obwohl sie hier geboren und aufgewachsen sind. Rund die Hälfte der 15-Jährigen aus Einwandererfamilien versteht nur simpelste Texte – einige von ihnen nicht einmal das. Jugendliche mit ausländischem Hintergrund schnitten bei der Pisa-Studie sehr schlecht ab. In Deutschland schaffen nur 10 % das Abitur und jedes fünfte Kind verlässt die Schule ohne Abschluss.

Die Probleme im Sprachgebrauch bei den gerade erst immigrierten Schülern liegen darin, dass sie die Grammatik der deutschen Sprache noch nicht beherrschen und auf die Strukturen der Muttersprache zurückgreifen. Die islamischen Sprachen sind der deutschen Sprache völlig fremd. Trotzdem wäre es von Vorteil, wenn jeder Lehrer, der ausländische Kinder unterrichtet, wissen würde, wo die wesentlichen strukturellen und syntaktischen Unterschiede der beiden Sprachen liegen und somit die Schwierigkeiten der Schüler besser verstehen kann.

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Arbeit zitieren:
Altenberger, Oliver Johann März 2007: Muslimische Kinder im Unterricht, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Österreich, Muslim, Schüler, Interkulturelles Lernen, Interreligiöses Lernen

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