Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Graswurzelfeuilleton

Eine explorative Studie zur journalistischen Kunstkritik in Zeiten des Web 2.0

Graswurzelfeuilleton
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Konstantin Bikos
  • Abgabedatum: April 2010
  • Umfang: 95 Seiten
  • Dateigröße: 622,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
  • Bibliografie: ca. 68
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0368-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bikos, Konstantin April 2010: Graswurzelfeuilleton, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kulturjournalismus, Online-Journalismus, Feuilleton, Kulturblogs, Kunstkritik

Diplomarbeit von Konstantin Bikos

Einleitung:

Das Feuilleton, so hört man immer wieder, befindet sich in der Krise. Darin scheinen sich selbst die Akteure dieses streitbaren Ressorts ausnahmsweise mal alle einig zu sein. Zwar kommt Bonfadelli aufgrund mehrerer quantifizierender Inhaltsanalysen zu einem scheinbar beruhigenden Ergebnis: ‘Die Kulturberichterstattung im weitern (sic) und das Feuilleton im engern (sic) Sinn sind in den vergangenen 25 Jahren nicht abgebaut worden’. Doch das Vokabular, dessen sich manch ein Teilnehmer der Debatte über Sinn und Unsinn des Feuilletons bedient, wirft unweigerlich die Frage auf: wie lange noch? Von ‘Degeneration’ spricht der Feuilleton-Chef der Tageszeitung Die Zeit, Jens Jessen. Gerhard Stadelmaier, Theaterexperte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, beschwört den Untergang der Theaterkritik, den die wachsende Ökonomisierung der Medien mit sich bringe; Heß prophezeit kurzerhand das nahende ‘Ende der Kultur, dem der Untergang des Abendlandes auf den Fuß folgt, kurz nachdem das Ende der Kritik, der Kultur-Kritik (...) gekommen war. Kulturverlust durch Kulturinflationierung, Verlust der Qualität durch Anbiederung an die Masse.’. Es wirkt also fast wie eine logische Schlussfolgerung, wenn Franziska Augstein, Kulturredakteurin der Süddeutschen Zeitung, konstatiert, das Zeitungsfeuilleton sei ‘eine Institution, die sich auf dem Wege zu ihrer Abschaffung befindet’.

Die Liste der Symptome, die dem Kulturressort unterstellt werden, ist lang. Von ‘inhaltlicher Nivellierung und Einheitssauce’ ist da etwa die Rede, von einem Ressort, das sein Heil angesichts der kulturell entgrenzenden Auswirkungen des postmodernen Zeitgeists und folglich sinkender Leserzahlen in traditionell ausgerichteten Feuilletons in der thematischen Grenzenlosigkeit sucht - und sich dabei inhaltlich in Luft aufzulösen droht. ‘Wir haben Aufmacher über die Tour de France’, so der Kulturkritiker Lothar Müller, ‘aber wir haben keine Aufmacher über den gegenwärtigen Stand der Schauspielkunst in Deutschland’. Heß zufolge leidet das Ressort angesichts seiner thematischen Zusammensetzung schlicht an ‘Realitätsverlust’. Gleichzeitig attestieren Beobachter den Kulturkritikern, deren demokratische Pflicht es nicht zuletzt ist, eine öffentliche kulturelle Debatte anzuregen und zu begleiten, ‘einen Hang zur von Außenstehenden kaum nachvollziehbaren Selbstinszenierung.’ Schulz beklagt eine ‘Abnahme der kritischen Qualität’. Als Autorität in Sachen Kunst und Kultur habe das Feuilleton folglich ausgedient. Die Liste könnte scheinbar endlos weitergeführt werden. Diese Mängel haben jedoch nicht nur Folgen auf publizistischer und gesellschaftlicher Ebene: Fast scheint es so, als könnten sie mittelfristig das Ressort insgesamt ins Wanken bringen. Denn der inhaltlichen Misere steht eine wirtschaftliche gegenüber. Das Zeitungsfeuilleton gilt, in besonderen Maße wohl im Kontext der aktuellen Wirtschaftskrise, immer mehr als ‘Ressort, das kein Geld bringt, aber viel Geld kostet’.

Auf der anderen Seite geht gewissermaßen ein Konkurrent ins Rennen, der scheinbar viele Schwächen der Zeitung und ihrer Kulturberichterstattung ausgleichen kann: Das Internet ist ein schnelleres Medium, und es kann Texte und Bilder ebenso transportieren wie Audio- oder Videoaufnahmen, was besonders in der Kulturberichterstattung vorteilhaft ist: Der Rezipient ist nicht mehr ausschließlich darauf angewiesen, die ‘Übersetzung’ künstlerischer Zeichen in verbale Ausdrücke zu verstehen und zu deuten - er kann sich selbst ein Bild vom Kunstwerk machen. In seiner aktuellen Ausprägung, dem sogenannten Web2.0, erlaubt es dem Empfänger journalistischer Botschaften außerdem, mit den Kommunikatoren journalistischer und pseudo-journalistischer Angebote und anderen Usern direkt in Kontakt zu treten oder sogar in die Berichterstattung einzugreifen: Hier kann der Rezipient zum Kommunikator avancieren. Neben der größeren Aktualität, Multimedialität und Interaktivität leistet das Medium aber vor allem eines: Es senkt die Schwelle zur Teilnahme am Prozess der Herstellung von Öffentlichkeit; es eröffnet Zugänge zur journalistischen Nachrichtenproduktion für die Allgemeinheit - für Individuen, die bisher in diesem Prozess nur als Rezipienten - also weitestgehend passive Nachrichten-Empfänger, Abnehmer publizistischer Produkte - agieren konnten.

Entsprechend spricht Neuberger von einem Wandel der massenmedialen Öffentlichkeit zur Internet-Öffentlichkeit, und vom Prozess der Disintermediation, also jener durch technische Neuerungen bedingten Entwicklung, durch die direkte Kanäle von den Nachrichtenquellen zum Nutzer entstehen - und vice versa. Ein Nachrichten-Vermittler also ein Redakteur als ‘Gatekeeper’ der Information - sei in diesem Kontext zunächst nicht mehr vonnöten. Natürlich greift diese Aussage in der Realität zu kurz: Auch in einer vollständig demokratisierten Nachrichtenproduktion ist diese Funktion notwendig, auch wenn sich die Modalitäten ändern können. Neuberger etwa spricht, in Anlehnung an Bruns, vom ‘Gatewatching’ - also dem ‘nachträglichen Selektieren von bereits Publiziertem’. Trotzdem hat das Web2.0 den Prozess der Herstellung von Öffentlichkeit im Allgemeinen und die Produktion und Popularisierung journalistischer Inhalte im Besonderen revolutioniert: Mit nur geringem technischen Aufwand kann jetzt jeder daran teilnehmen, Öffentlichkeiten herstellen (wenn auch meist sehr kleine), sich als Journalist betätigen - auch als Kulturjournalist. Im Web2.0 treffen sich folglich Graswurzel-Journalismus und Feuilleton - auch, wenn der Begriff Graswurzelfeuilleton für manchen Puristen ein Oxymoron darstellen mag.

In welchem Ausmaß dieses Angebot speziell im kulturjournalistischen Wirkungsbereich tatsächlich angenommen wird, hängt vor allem von der Definition und funktionalen Abgrenzung dieses Wirkungsbereichs ab. Im Internet existiert eine Unmenge sehr kleiner Angebote, die sich im weitesten Sinne mit Kultur beschäftigen: Klassische Themen des Feuilletons wie Oper, Ballett und klassische Musik werden etwa in der sogenannten ‘Blogosphäre’ - also der Gesamtheit aller Weblogs - genauso ausgiebig behandelt wie Architektur, Breakdance und Esoterik. Zudem finden vor allem sogenannte ‘Fan-Seiten’ regen Zulauf, auf denen sich die Bewunderer eines Künstlers über digitale Foren austauschen. Bei den meisten dieser Angebote sei allerdings der Bloggerin und Medienwissenschaftlerin Rebecca Blood zufolge unter anderem ‘die auf einer eigenständigen Recherche beruhende Berichterstattung, welche die Essenz des Journalismus sei, nicht gegeben’.

Es gibt allerdings auch im kulturjournalistischen Bereich mittlerweile durchaus ‘Plattformen, welche strukturell dem Journalismus näher kommen’. Zu nennen sind - neben den Internetseiten etablierter Medien (z.B. www.nmz.de) und reinen Online-Angebote mit professionell-redaktionellen Abläufen (z.B. www.nachtkritik.de) - dabei etwa auch partizipativ ausgerichtete Angebote wie www.netzfeuilleton.de, die sich nicht nur in ihrem Anspruch dem klassischen Feuilleton annähern, sondern scheinbar auch auf vielen Ebenen imstande sind, diesen Anspruch zu erfüllen. Im Spannungsfeld zwischen professioneller und partizipativer Nachrichtenproduktion macht Engesser zudem ein relativ neues Phänomen aus: Professionell-partizipative Formate wie www.opinio.de veröffentlichen Beiträge von sogenannten ‘Bürgerjournalisten’ - allerdings erst, nachdem sie von einer professionellen Redaktion kontrolliert und redigiert wurden. Im kulturjournalistischen Bereich existieren entsprechende Angebote allerdings noch nicht.

Was bedeuten nun diese neuartigen Angebote für das - angeblich schwächelnde - klassische Feuilleton? Stehen die beiden Angebotstypen überhaupt in direkter Konkurrenz?Könnten einschlägige Online-Angebote mittelfristig gar eine existenzielle Bedrohung für das klassische Feuilleton darstellen, indem sie den etablierten Medien junge Lesergenerationen abspenstig machen? Oder haben sich die beiden Formate, einstweilen jedenfalls, auf eine Koexistenz geeinigt, in der sich die von ihnen hergestellten Öffentlichkeiten komplementieren? Diese Fragen sollen in der vorliegenden Studie beantwortet werden. Bevor jedoch die zentrale Forschungsfrage formuliert werden kann, muss der Forschungsbereich eingegrenzt und einige zentrale Begriffe definiert und erläutert werden. Diese Funktion soll das folgende Kapitel erfüllen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Das Feuilleton und die neue Konkurrenz aus dem Internet 1
1.2 Eingrenzung des Forschungsbereichs und Begriffsdefinitionen 4
1.3 Gang der Arbeit 7
2. Theoretischer Teil: Kulturjournalismus in der Zeitung und im Internet 9
2.1 Funktionen des Feuilletons und der journalistischen Kunstkritik 9
2.2 Voraussetzungen für die Erfüllung der Funktionen 18
2.2.1 Funktion 1: Kulturjournalismus als Berichterstattung 19
2.2.2 Funktion 2: Kulturjournalismus als Kontrolle der künstlerischen Qualität 20
2.2.3 Funktion 3: Kulturjournalismus als Bildungsinstrument 21
2.2.4 Funktion 4: Kulturjournalismus als ‘Motor des kulturellen Diskurses’ 22
2.3 Kulturjournalismus in der Zeitung und im Internet - ein Vergleich auf funktionaler Ebene 24
2.3.1 Zu Funktion 1: Die Variable ‘Kapazität’ 25
2.3.2 Zu Funktion 1: Die Variable ‘Motivation’ 29
2.3.3 Zu Funktion 1: Die Variable ‘Einhaltung journalistischer Standards’ 33
2.3.4 Zu Funktion 2: Die Variable ‘Geistiger und emotionaler Zugang’ 36
2.3.5 Zu Funktion 2: Die Variable ‘Wissen’ 40
2.3.6 Zu Funktion 2: Die Variable ‘Fähigkeit zur sprachlichen Umsetzung’ 41
2.3.7 Zu Funktion 2: Die Variable ‘Motivation’ 43
2.3.8 Zu Funktion 3: Die Variable ‘Motivation / Sendungsbewusstsein’ 44
2.3.9 Zu Funktion 3: Die Variable ‘Fähigkeit zur journalistischen Vermittlung’ 46
2.3.10 Zu Funktion 4: Die Variable ‘Motivation und geistiger Zugang’ 47
2.3.11 Zu Funktion 4: Die Variable ‘Verfügbarkeit von Rückkanälen und ihre tatsächliche Nutzung’ 48
2.4 Zusammenfassung der Erkenntnisse 50
3. Empirischer Teil: Befragung der Akteure 54
3.1 Hypothesenentwicklung 54
3.2 Operationalisierung 56
3.3 Die befragten Akteure und ihre kulturjournalistischen Angebote 58
3.4 Aus Sicht der Akteure - ausgewählte Ergebnisse der Leitfadengespräche 60
3.5 Ergänzung oder Konkurrenz? - Ein Ausblick 68
4. Schlussteil 71
4.1 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse 71
4.1.1 Ergebnisse des Vergleichs auf funktionaler Ebene 71
4.1.2 Ergebnisse der Kommunikatorenbefragung 73
4.1.3 Partizipative kulturjournalistische Online-Angebote als Ergänzung 74
4.1.4 Partizipative kulturjournalistische Online-Angebote als Bedrohung 75
4.2 Vorschläge für einen neuen Kulturjournalismus 76
4.3 Ausblick 78

Textprobe:

Kapitel 2.3.5, Zu Funktion 2: Die Variable ‘Wissen’:

Bei der Erfüllung von Funktion 2 ist der Experte dem Laien vor allem durch ein Mehr an Wissen überlegen. Den Kunstkritikern muss es auch darum gehen, zu erkennen, ‘was das besondere ist an der Veranstaltung, über die sie schreiben’; sie müssen das Kunstwerk, den Künstler und sein Lebenswerk ‘rezeptionsgeschichtlich einordnen’ und, soweit mit den Rezipientenbedürfnissen vereinbar, kunsttheoretisch analysieren. ‘Möglichst breite Repertoirekenntnisse sind ebenso unerlässlich wie das Wissen um aktuelle Interpretationsrichtungen’.

Zur Erlangung dieses Wissens ist eine formelle Ausbildung zwar nach wie vor der Königsweg - mit ausreichend Eigeninitiative geht es jedoch auch ohne, denn noch nie war Wissen so verfügbar, wie im Internet-Zeitalter. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Punkt, denn auch aufgrund von Variable 2b kann nicht jeder kulturjournalistische Akteur im Internet als Laie bezeichnet werden - auch wenn viele von ihnen keine einschlägige formelle Ausbildung genossen haben und somit im Volksmund gemeinhin ‘nur’ als ‘Kunstliebhaber’ bezeichnet werden. Im Gespräch mit Baumberger merkt Verena Kuni entsprechend bezüglich partizipativer kulturjournalistischer Online-Angebote an: ‘Man kann ja nicht einfach ein Medienformat mit Hobbyismus gleichsetzen, bloß weil es andere Zugänge ermöglicht’.

Entsprechende empirische Befunde liegen zwar nicht vor. Doch schon anhand der oben genannten Berufsanforderungen kann man wohl im Normalfall davon ausgehen, dass die Kunstkritiker des klassischen Feuilletons einen entsprechenden fachlichen Hintergrund haben. Andererseits muss auch eine generelle Tendenz innerhalb der journalistischen Profession beachtet werden: Die Aufgaben, die Journalisten, auch Kulturjournalisten, wahrnehmen müssen - sowohl in inhaltlicher Hinsicht als auch im journalistischen Arbeitsablauf - vervielfältigen sich zusehends. Der ‘Kritikerpapst’ entwickelt sich im Zuge der finanziellen Krise der Printmedien immer mehr zum Allround-Kritiker. Wie oben erwähnt, kann dies durchaus eine Absenkung der kritischen Qualität zur Folge haben.

Zu Funktion 2: Die Variable ‘Fähigkeit zur sprachlichen Umsetzung’:

Die mangelnde Fähigkeit, ein Kunsterlebnis in angemessene Worte zu fassen, wird oft bei kulturjournalistischen Angeboten im Internet kritisiert. Diese Kritik ist natürlich bei besagten ‘Fan-Seiten’ und manchen anderen partizipativen Angeboten oftmals durchaus angebracht. Die haben jedoch im Normalfall nicht den Anspruch einer journalistischen Berichterstattung. Fragwürdiger erscheint sie im Hinblick auf die aus der Perspektive klassischer Medienangebote recht gewöhnungsbedürftige Textstruktur, die das Merkmal vieler Blogs ist - und zwar auch solcher Angebote, die journalistische Ansprüche hegen. Auch hier gilt: ‘Ein Post kann fragmentarisch, offen, unvollständig sein’. Was nämlich zunächst als Manko erscheint, kann durchaus einen Sinn ergeben innerhalb eines Nachrichtenangebotes, das die Spontaneität und Schnelligkeit der Blogosphäre mit der Subjektivität des Kulturjournalismus im Allgemeinen verbinden soll. Ein solcher Schreibstil kann von den Akteuren und Usern auch als adäquater empfunden werden als der literarische Charakter vieler Texte, die im klassischen Feuilleton erscheinen: Meist befassen sich Blogs mit der künstlerischen Thematik einer Subkultur, in der ein laxerer Umgangston herrscht und eine tiefgreifende kunstanalytische Herangehensweise ohnehin unangebracht wäre - zum Beispiel Punkmusik. Ein experimenteller Schreibstil, wie ihn manche Blogs pflegen, kann natürlich auch an sich eine künstlerische Qualität annehmen (etwa in Anlehnung an die Kunstform ‘Performance Writing’), bzw. zum kritisierten Kunstwerk oder zur Begegnung des Autoren mit dem Kunstwerk eine direktere Verbindung aufbauen. Inwiefern der Rezipient mit solchen Texten tatsächlich etwas anfangen kann, hängt freilich vom Einzelfall ab und wurde noch nicht empirisch untersucht.

Für die Akteure des klassischen Feuilletons gehört eine im weitesten Sinne ‘kultivierte’ Ausdrucksweise hingegen zum journalistischen Anspruch dazu. Die Sprache des Feuilletons stellt eine historisch bedingte Besonderheit innerhalb des Journalismus' dar: In seinen frühen Jahren, also im 18. und 19. Jahrhundert, war das Feuilleton eine Beilage der Zeitungen, in der ‘unterm Strich’ Kurzgeschichten und Fortsetzungsromane erschienen. Entsprechend bemerkt Haake ‘Anleihen des Journalismus bei der Literatur zugunsten seiner Feuilletongestaltung’. Später wurde es immer mehr auch zu einer Plattform für Intellektuelle - eine Entwicklung, die in den 1920er Jahren mit Akteuren wie Siegfried Karacauer und Kurt Tucholsky ihren Gipfel erreichte, bevor der Nationalsozialismus ‘diesen hintergründigen Kulturjournalismus’ zerstörte.

Auch wenn über den Schreibstil der Feuilletonisten vor allem Kritik laut wird: In den meisten Fällen gelingt es ihnen dabei, die adäquaten künstlerischen Kategorien verbal zu erfassen und diese im Rahmen der Analyse, Interpretation und Evaluation des Kunstwerks angemessen zu bedienen. In einem guten Feuilletonbeitrag - und davon gibt es trotz oft geäußerter Kritik und Häme viele! - wird die Information des Lesers mit einem anregenden und mitunter innovativen Schreibstil verbunden. Trotzdem besteht hier schlimmstenfalls die Gefahr einer übermäßig abstrakten Darstellungsweise - und damit einem Verlust der Verständlichkeit. Zudem verleitet besonders in der Lokalpresse die im Feuilleton ausnahmsweise gestattete formelle Freiheit auch solche Autoren zu stilistischen Experimenten, deren Talente nicht unbedingt im literarischen Bereich liegen: ‘Die Elaborate dieser Amateurschreiber strotzen dann auch häufig vor Allgemeinplätzen’.

Arbeit zitieren:
Bikos, Konstantin April 2010: Graswurzelfeuilleton, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kulturjournalismus, Online-Journalismus, Feuilleton, Kulturblogs, Kunstkritik

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren