Bachelor + Master Publishing
765 Bachelorarbeiten, 508 Masterarbeiten, 10.071 Diplomarbeiten

Maladaptive Schemata, Emotionserleben und Emotionsregulierung bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen

Maladaptive Schemata, Emotionserleben und Emotionsregulierung bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tanja Höllrigl
  • Abgabedatum: Januar 2009
  • Umfang: 129 Seiten
  • Dateigröße: 6,7 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
  • Bibliografie: ca. 53
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4954-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Höllrigl, Tanja Januar 2009: Maladaptive Schemata, Emotionserleben und Emotionsregulierung bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Dysfunktionale Schemata, Schematherapie, Psychologie, Borderline, Depression

Diplomarbeit von Tanja Höllrigl

Einleitung:

Bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen ist das Selbstwertgefühl stark vermindert. Laut Grawe wurden die Grundbedürfnisse der Betroffenen in Kindheit und Jugend nicht ausreichend befriedigt und diese Niederschläge früherer Beziehungserfahrungen führen laut Young, Klosko und Weishaar zu negativen emotionalen Erlebenszuständen, die sich in Form von negativen emotionalen Schemata manifestieren. Um diese negativen Erlebenszustände zu verhindern, entwickeln Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung dysfunktionale Bewältigungsstrategien, die eine gesunde Selbstwertentwicklung nicht möglich machen. Folglich wird laut Roediger der Selbstwert der Betroffenen durch negative, innere Selbstattributionen sehr belastet. Durch ihre dysfunktionalen Beziehungsinteraktionen sind sie in ihrem Verhalten oft eher wenig kompetent und dies führt wiederum zu negativen Rückmeldungen. Es entsteht ein Teufelskreis. Die negativen sozialen Erfahrungen festigen das bereits beeinträchtigte Selbstwertgefühl und erhalten die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit aufrecht. Gelingt es nicht, die dysfunktionalen Bewältigungsstrategien zu ändern, laufen Betroffene Gefahr, durch Intensivierung der dysfunktionalen Lösungsversuche in manifeste psychische Störungen zu dekompensieren.

Diese Arbeit untersucht das Thema Persönlichkeitsstörungen in Hinblick auf dysfunktionale Schemata, Emotionserleben und Emotionsregulierung. Ziel dieser Arbeit soll es sein, eine klinische Stichprobe mit Persönlichkeitsstörungen und einer Kontrollgruppe auf ihre dysfunktionalen Schemata zu untersuchen und auf ihre Unterschiede im Ausmaß der vorhandenen Schemata, deren Ausprägung und die Art der Emotionsregulation hin zu prüfen.

Die Arbeit wird in verschiedene Abschnitte gegliedert. Zu Beginn des theoretischen Teils werde ich ausführlich auf die Persönlichkeitsstörungen eingehen. Es werden einige grundlegende Begriffe definiert, ein Gesamtbild der Persönlichkeitsstörungen geschaffen und schließlich wird detailliert auf die einzelnen Persönlichkeitsstörungen eingegangen. Darauf folgt der Abschnitt des Modells der Schematherapie, in dem die Entstehung und die verschiedenen dysfunktionalen Schemata beschrieben werden.

Aktuelle Forschungsergebnisse zu diesem Thema liegen derzeit keine vor. Es gibt einige Studien zu dem Thema des Young Schema Questionnaire, aber keine untersucht Zusammenhänge der dysfunktionalen Schemata und der Emotionsregulation bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen. Es liegt eine Arbeit von Ball und Cecero vor, die Zusammenhänge zwischen dem klinisch strukturierten Interview (SKID II), Schweregrad und Persönlichkeitseigenschaften, frühe maladaptive Schemata und gemeinsame Symptome der antisozialen, Borderline-, vermeidend-selbstunsicheren und depressiven Persönlichkeitsstörung untersucht. Die Untersuchung zeigte, dass der Schweregrad der einzelnen Persönlichkeitsstörungen mit einem einzigartigen Profil der Symptome zusammenhängt, dem Eigenschaften und Schemata zugrunde liegen. Diese Arbeit ist demnach für die Untersuchung von Bedeutung, da die Patienten alle nach dem klinisch strukturierten Interview SKID I und SKID II diagnostiziert wurden und es nachweislich Zusammenhänge zwischen dem SKID II und psychischer Störungen zugrunde liegender maladaptiver Schemata zu geben scheint.

Im methodischen Teil wird auf die Operationalisierung, den Untersuchungsinstrumenten und den verwendeten inferenzstatistischen Verfahren eingegangen. Die Untersuchung ist hypothesengenerierend. Anschließend wird die Stichprobe beschrieben, die Hypothesen dargestellt und die Ergebnisse der Untersuchung vorgelegt. Den Abschluss der Arbeit bildet die Zusammenfassung der Ergebnisse.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 5
2. DIE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN 6
2.1 Grundlegende Begriffe 7
2.1.1 Die Persönlichkeit 7
2.1.2 Die Persönlichkeitsentwicklung 8
2.1.3 Definition von Störung 8
2.1.4 Persönliche Stile 8
2.1.5 Ich-Syntonie 9
2.2 DSM-IV Diagnostik 9
2.3 Die Persönlichkeitsstörungen nach DSM IV 14
2.3.1 Die Paranoide Persönlichkeitsstörung 14
2.3.2 Die Schizoide Persönlichkeitsstörung 17
2.3.3 Die Schizotypische Persönlichkeitsstörung 20
2.3.4 Die Antisoziale Persönlichkeitsstörung 23
2.3.5 Die Borderline Persönlichkeitsstörung 26
2.3.6 Die Histrionische Persönlichkeitsstörung 35
2.3.7 Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung 37
2.3.8 Die Vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung 42
2.3.9 Die Dependente Persönlichkeitsstörung 45
2.3.10 Die Zwanghafte Persönlichkeitsstörung 47
2.3.11 Die Negativistische Persönlichkeitsstörung 50
2.3.12 Die Depressive Persönlichkeitsstörung 52
2.4 Die Bedeutung von Scham, Schuld und Aggression bei Persönlichkeitsstörungen 54
2.5 Alexithymie als Dimension von Persönlichkeitsstörung 56
3. DAS MODELL DER SCHEMATHERAPIE 57
3.1 Definition Schema 58
3.1.1 Frühe maladaptive Schemata 59
3.1.2 Ursprünge der Schemata 60
3.1.3 Schemadomänen und frühe maladaptive Schemata 61
3.2 Drei maladaptive Bewältigungsstile 67
3.2.1 Überkompensation 68
3.2.2 Vermeiden 69
3.2.3 Sich-Fügen 69
3.2.4 Schemata, Bewältigungsreaktionen und Achse-II-Diagnosen 69
3.3 Schemamodi 72
3.3.1 Entwicklung des Moduskonzeptes 74
3.3.2 Zehn Schemamodi 75
4. STAND DER FORSCHUNG 76
4. KRITIK 77
5. FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESENGENERIERUNG 77
5.1 Fragestellungen in Bezug auf die dysfunktionalen Schemata 77
5.2 Fragestellung in Bezug auf das Emotionserleben 78
5.3 Fragestellungen in Bezug auf die Emotionsregulation 78
5.4 Fragestellung in Bezug auf Zusammenhänge der Skalen des Young Schema Questionnaire und der Skalen des Fragebogen zu Emotionserleben und Emotionsregulation 78
6. UNTERSUCHUNGSMETHODE 78
6.1 Durchführung der Untersuchung 79
6.2 Kriterien für die Aufnahme in die Stichprobe 79
6.3 Operationalisierung der abhängigen und unabhängigen Variable 79
6.4 Erhebungsinstrumente 80
6.4.1 Das Strukturierte Klinische Interview für das DSM-IV (Wittchen, Zaudig und Fydrich, 1997) 80
6.4.2 Das Young Schema Questionnaire (Berbalk, H., Grutschpalk, J., Parfy, E. & Zarbock, G., 2006) 84
6.4.3 Der Fragebogen zur Erfassung von Emotionserleben und Emotionsregulation (Benecke, Vogt, Bock, Peham & Koschier) 85
6.5 Verwendete statistische Verfahren (Signifikanztests) 88
6.5.1 Der Kolmogorov-Smirnov-Test 89
6.5.2 Der Produkt-Moment-Korrelations-Koeffizient nach Pearson 89
6.5.3 Die einfaktorielle Varianzanalyse 90
7. ERGEBNISDARSTELLUNG 90
7.1.1 Beschreibung der Untersuchungsgruppe 90
7.1.2 Die dysfunktionalen Schemata der untersuchten Stichprobe 91
7.1.3 Das emotionale Erleben der untersuchten Stichprobe 95
7.1.4 Die Emotionsregulierung der untersuchten Stichprobe 98
7.1.5 Zusammenhänge der Skalen zum Emotionserleben des EER und der Skalen des Young Schema Questionnaire (YSQ-S3) 103
7.1.6 Zusammenhänge der Skalen zur Emotionsregulation des EER und der Skalen des Young Schema Questionnaire (YSQ-S3) 109
8. ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE 114
8.1 Die dysfunktionalen Schemata der untersuchten Stichprobe 115
8.1.1 Borderline-Persönlichkeitsstörung versus Kontrollgruppe 115
8.1.2 Borderline-Persönlichkeitsstörung versus selbstunsichere, zwanghafte und paranoide Persönlichkeitsstörung 115
8.1.3 Depressive Persönlichkeitsstörung versus Kontrollgruppe 115
8.1.4 Depressive Persönlichkeitsstörung versus selbstunsichere, zwanghafte und paranoide Persönlichkeitsstörung 115
8.1.5 Selbstunsichere, zwanghafte und paranoiden Persönlichkeitsstörung versus Kontrollgruppe 116
8.2 Das emotionale Erleben der untersuchten Stichprobe 116
8.2.1 Borderline-Persönlichkeitsstörung versus depressive Persönlichkeitsstörung 117
8.2.2 Borderline-Persönlichkeitsstörungen versus Kontrollgruppe 117
8.2.3 Depressive Persönlichkeitsstörungen versus Kontrollgruppe 117
8.2.4 Depressive Persönlichkeitsstörungen versus selbstunsichere, zwanghafte und paranoide Persönlichkeitsstörung 117
8.2.5 Selbstunsichere, zwanghafte und paranoide Persönlichkeitsstörungen versus Kontrollgruppe 118
8.3 Die Emotionsregulierung der untersuchten Stichprobe 118
8.3.1 Borderline-Persönlichkeitsstörung versus depressive Persönlichkeitsstörung 118
8.3.2 Depressive Persönlichkeitsstörung versus Kontrollgruppe 119
8.3.3 Depressive Persönlichkeitsstörungen versus selbstunsichere, zwanghafte und paranoide Persönlichkeitsstörungen 119
8.3.4 Selbstunsicher, zwanghafte und paranoide Persönlichkeitsstörung versus Kontrollgruppe 119
8.4 Zusammenhänge der Skalen des Fragebogens zu Emotionserleben und Emotionsregulation (EER) und der Skalen des Young Schema Questionnaire (YSQ-S3) 119
ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS 122
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 122
TABELLENVERZEICHNIS 122
LITERATURVERZEICHNIS 124

Textprobe:

Kapitel 3, Das Modell der Schematherapie:

Die Schematherapie wurde von Jeffrey E. Young im Hinblick auf schwer behandelbare Persönlichkeitsstörungen und andere komplexe und chronische psychische Störungen entwickelt. Sie verbindet Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie, der Objektbeziehungstheorie, der konstruktivistischen Psychotherapie, der Bindungstheorie, der Gestalttherapie und der psychoanalytischen Schulen zu einem Gesamtkonzept Zu dem neuen Modell gehört auch die Erweiterung um die Entwicklungsthemen, wie die Schemata entstanden sind, die in der kognitiven Verhaltenstherapie noch immer fehlen.

Die Schematherapie befasst sich mit den typischen Themen von Patienten mit charakterologischen Problemen. Diese zentralen Probleme werden frühe maladaptive (hinderliche) Schemata genannt. Das Modell verfolgt diese Schemata von der frühen Kindheit bis in die Gegenwart des Patienten, wobei das Augenmerk vor allem auf die zwischenmenschlichen Beziehungen gerichtet wird. Die Schematherapie zielt darauf ab, die chronifizierten Probleme als ich-dyston zu sehen, was den Patienten die Möglichkeit gibt, sie aufzugeben. Dabei verbündet sich der Therapeut mit dem Patienten und versucht mit kognitiven, verhaltensbezogenen, affektiven und interpersonellen Strategien die frühen maladaptiven Schemata zu durchbrechen. Mittels begrenzter nachträglicher elterlicher Fürsorge bekommt der Patient ein Gegenmittel in die Hand, um jene Bedürfnisse teilweise erfüllt zu bekommen, die in der Kindheit zu kurz gekommen sind.

3.1, Definition Schema:

Ein Schema wird laut Young et al. als Muster verstanden, das der Wirklichkeit auferlegt wird. Das hilft dem Menschen die Wirklichkeit oder das Erlebte zu erklären und darauf zu reagieren. Ein Schema ist demnach eine abstrakte Repräsentation besonderer Elemente eines Ereignisses. Im Bereich der Psychologie und der Psychotherapie ist es ist ein organisierendes Prinzip, das Menschen hilft, zu verstehen was geschieht. Meistens entstehen Schemata früh im Leben und werden weiterentwickelt und auch auf spätere Ereignisse angewendet, auch wenn sie eigentlich überholt sind. Diese könnte man auch als Bedürfnis ‘kognitiver Konsistenz’ benennen; eine stabile Sicht über die Welt und sich selbst, auch wenn diese in Realität nicht mehr zutrifft oder verzerrt ist. Ein Schema kann positiv oder negativ sein, adaptiv oder maladaptiv sein und sie können in der Kindheit oder später im Leben entstehen.

3.1.1, Frühe maladaptive Schemata:

Nach Young sind Schemata, vor allem jene, die aufgrund schwerer Traumata entstanden sind, die zentrale Ursache von vielen Achse-I Störungen, schweren Persönlichkeitsstörungen und leichteren charakterologischen Problemen. Er bezeichnet diese Untergruppe der Schemata als frühe maladaptive Schemata. Diese definiert er als schädigende emotionale und kognitive Muster, die früh im Leben entstanden sind und ein Leben lang erhalten bleiben. In Reaktion auf diese entwickelt der Mensch dysfunktionale Verhaltensweisen und wird von diesen getrieben. Young et al. betonen jedoch, dass diese aber kein Bestandteil des Verhaltens sind. Bestehen bei einer Person z.B. die Schemata Verlassenheit/Instabilität und Emotionale Entbehrung kann man davon ausgehen, dass diese als Kind vernachlässigt und im Stich gelassen wurde. Diese Schemata werden im Erwachsenenalter durch Ereignisse aktiviert und werden unbewusst ähnlich empfunden und rufen starke negative Emotionen wie Ärger, Scham, Frucht oder Trauer hervor. Allerdings betonen die Autoren, dass nicht notwendigerweise alle Schemata auf Kindheitstraumata basieren, sondern dass auch Überbehütung Ursache dafür sein kann. Es entstehen demnach nicht alle Schemata aufgrund traumatischer Erlebnisse, dennoch wirken sie alle destruktiv und aufgrund der regelmäßigen Wiederholung der schädlichen Erlebnisse bewirken sie gemeinsam die Entstehung eines voll ausgeprägten Schemas.

Ein Schema beinhaltet das, was ein Mensch weiß. Es ist vertraut und deshalb in einer Art auch angenehm, auch wenn es Leiden verursacht. Frühe maladaptive Schemata kämpfen sozusagen, um ihr überleben. Grund dafür ist, wie vorhin erwähnt, das Streben des Menschen nach Konsistenz. Ein Schema fühlt sich richtig an, deshalb fühlen sich Menschen davon angezogen. Das wiederum aktiviert ihre Schemata und deshalb lassen sie sich so schwer verändern. Betroffene sehen die Schemata als Wahrheit an, beeinflussen die Verarbeitung von Ereignissen und wirken sich auch in zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Unter Umständen bringen sie andere dazu, sich ihnen gegenüber genauso schädlich zu verhalten, wie sie es aus der Kindheit gewohnt sind und so werden die Schemata reaktiviert. Je schwerer ein Schema ist, desto mehr Ereignisse können es aktivieren.

3.1.2, Ursprünge der Schemata:

Der Ursprung jedes Schemas sind zentrale emotionale Bedürfnisse. Dies sind sichere Bindungen zu anderen Menschen (eingeschlossen Sicherheit, Stabilität, nährende Zuwendung und Akzeptiertwerden). Weiteres beinhaltet es Autonomie, Kompetenz, Identitätsgefühl und die Freiheit, berechtigte Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken. Dazu gehören auch Spontaneität und Spiel, realistische Grenzen setzen und selbst die Kontrolle innehaben.

Grawe nennt vier Grundbedürfnisse des Kindes: Bindung, Kontrolle, Lust/Unlustvermeidung und Selbstwerterhöhung. Das Kind versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten die Befriedigung dieser Grundbedürfnisse herbeizuführen, um die Inkongruenzspannung zu reduzieren. Dies führt zu einem positiven Selbsterleben. Werden die Grundbedürfnisse frustriert, versucht es durch aktive Strategien, wie beispielsweise schreien, lächeln usw. einen spannungsarmen Zustand herzustellen. Hat das Kind damit Erfolg, lernt es, wie es durch gezielte Handlungen selbst für sich sorgen kann. Das heißt aber auch, dass das Kind von der Kooperation des Umfeldes abhängig ist. Ein rigides, abwertendes Umfeld führt folglich laut Grawe zu negativen emotionalen Aktivierungszuständen, die sich im emotionalen Gedächtnis als Schema niederschlagen. Da eine sichere Bindung und Kontrolle für ein Kind unabdingbar sind, passt es sich so an die Umweltbedingungen an, dass die Bedürfnisse zumindest minimal erfüllt werden. Dafür wird das Grundbedürfnis nach Lusterleben und Selbstwerterhöhung zurückgestellt. So kommt es, dass diese Menschen später Gefahr laufen, ihren Selbstwert zu sehr von externen Attributionen abhängig zu machen und folglich sehr anfällig für negative Rückmeldung sind. Daraus entstehen die später im Detail beschriebenen dysfunktionalen, Selbstwert mindernden Copingstrategien.

Auch Young et al. nennen schädigende Kindheitserlebnisse primär als Ursache früher maladaptiver Schemata. Die stärksten entstehen laut Autoren meist in der Kernfamilie, aber auch andere Einflüsse wie die der Schule, der Kultur, der Gleichaltrigen und der Gemeinschaft können zur Entstehung von Schemata führen. Allerdings sind später entstehende Schemata nicht so mächtig. Nach Beobachtungen von Young et al. fördern vier Arten von frühen Erlebnissen die Entstehung von Schemata: die schädigende Nichterfüllung von Bedürfnissen, Traumatisierung oder Viktimisierung, zu viel des Guten, selektive Internalisierung oder die Identifikation mit wichtigen Bezugspersonen. Letztlich spielt auch das emotionale Temperament (z.B. labil vs. nichtreaktiv usw.) eine grundlegende Rolle.

Kagan, Reznick & Snidman konnten beobachten, dass die schon in der frühen Kindheit vorhandenen Charakteristika des Temperaments, sich im weiterem Leben sehr stabil erweisen.

So wirkt das emotionale Temperament bei der Entstehung von Schemata mit traumatischen Ereignissen zusammen. Man kann sich das so vorstellen, dass ein beispielsweise aggressives Kind einen gewalttätigen Elternteil eher zu Misshandlungen bringt, als ein angepasstes, passives Kind.

Arbeit zitieren:
Höllrigl, Tanja Januar 2009: Maladaptive Schemata, Emotionserleben und Emotionsregulierung bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Dysfunktionale Schemata, Schematherapie, Psychologie, Borderline, Depression

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren