Das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung im Wohnheim unter besonderer Berücksichtigung der Selbstbestimmung
Theorie und praktische Datenerhebung in zwei Wohnheimen mit anschließendem Vergleich
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jasmin Gutenberger
- Abgabedatum: Februar 2010
- Umfang: 321 Seiten
- Dateigröße: 1,0 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
- Bibliografie: ca. 100
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4864-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gutenberger, Jasmin Februar 2010: Das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung im Wohnheim unter besonderer Berücksichtigung der Selbstbestimmung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Selbstbestimmung, geistige Behinderung, Wohnheim, praktische Erhebung, Interviews
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Diplomarbeit von Jasmin Gutenberger
Einleitung:
Primärer Gegenstand vorliegender Arbeit ist die Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung in Wohnheimen.
Die Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung ist zum großen Teil abhängig ‘von den gegebenen Möglichkeiten und Chancen, die von der unmittelbaren und der mittelbaren Umwelt (...) eingeräumt werden.’ Genannter Personenkreis hat demnach nicht die gleichen Voraussetzungen und Möglichkeiten wie Menschen ohne Behinderung, die in der Regel ab einem bestimmten Alter das Elternhaus verlassen und ihren Weg selbst bestimmt und selbstständig gehen können.
Mehr als die Hälfte der erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung wohnen noch im Elternhaus.
Dafür ist nicht nur das oft anhängliche Verhalten der Eltern, sondern auch der Mangel an Platzangeboten sowie der Umgang mit dieser Personengruppe in Wohneinrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung verantwortlich.
Wie eigene Erfahrungen bei der Betreuung von Freizeiten für Menschen mit geistiger Behinderung zeigten, hat eine große Anzahl dieser Menschen den Wunsch, aus dem Elternhaus auszuziehen, um ihr Leben unabhängig von diesem führen zu können. Ihnen sollte diese Möglichkeit ebenso – wie jungen Erwachsenen ohne Behinderung – gegeben werden.
Die meisten Menschen mit geistiger Behinderung sind nicht fähig, alleine zu wohnen und daher auf die Hilfe anderer angewiesen. Sie begeben sich aus der Abhängigkeit von den Eltern in die Abhängigkeit neuer Personen. Es gibt für sie – abgesehen von wenigen Ausnahmen – nur die Möglichkeit, in einem Wohnheim oder in einer ähnlichen Wohnform zu leben.
Daher soll in dieser Arbeit exemplarisch untersucht werden, inwieweit Menschen mit geistiger Behinderung, die in Einrichtungen wohnen, tatsächlich über ihr Leben bestimmen und dieses genießen können. Fraglich ist, inwiefern sie der Fremdbestimmung durch Grenzen und Regeln einer Einrichtung unterliegen.
In vorliegender Arbeit wird ansatzweise dargestellt, was Selbstbestimmung und auch die damit verbundene Normalisierung generell – und besonders in Bezug auf Menschen mit geistiger Behinderung in Wohnheimen – bedeuten und voraussetzen. Es wird also ein so genannter Soll-Zustand beschrieben.
Diesem angedachten Soll-Zustand soll ein beschriebener Ist-Zustand gegenüber gestellt werden. Um die Realität, die in Wohneinrichtungen vorherrscht, exemplarisch aufzu- zeigen, ist es notwendig, einen Blick direkt in das Milieu hinein zu werfen. Dazu werden für diese Arbeit – im Zuge einer eigenen Erhebung – Interviews mit Bewohnern und eine Fragebogenerhebung bei den pädagogischen Fachkräften in zwei Wohnheimen für Menschen mit geistiger Behinderung durchgeführt.
Es werden zehn Bewohner zu den Themen Selbstbestimmung, Zufriedenheit und zwischenmenschliche Beziehungen in den Wohneinrichtungen befragt.
Da die zehn Befragten keine zahlenmäßig repräsentative Gruppe darstellen, handelt es sich eher um eine Stichprobe, die Aufschluss über die subjektive Meinung dieser Bewohner geben soll. Wichtig sind dabei ihre situationsbedingte Zufriedenheit sowie die ihnen gegebenen Möglichkeiten zur Selbstbestimmung.
Die befragten Bewohner gehören nicht einer bestimmten Altersgruppe an, sondern es wird Wert darauf gelegt, dass erwachsene Menschen verschiedenen Alters zu Wort kommen. Denn vor allem in Wohnheimen für Menschen mit geistiger Behinderung leben unterschiedliche Generationen zusammen.
Darüber hinaus werden die pädagogischen Mitarbeiter der Wohnheime gebeten, Fragebögen auszufüllen, in welchen die oben genannten Themen behandelt werden. Somit kann letztendlich eine Meinung Dritter mit in das Gesamtergebnis einfließen.
Das Ziel vorliegender Arbeit soll es sein, herauszufinden, inwieweit die befragten Menschen mit geistiger Behinderung in den zwei – für diese Arbeit willkürlich ausgewählten Wohnheimen – ein Leben nach den Kriterien der Selbstbestimmung führen können. Eventuell sind schlussendlich Verbesserungsvorschläge möglich.
Gang der Untersuchung:
Im zweiten Kapitel wird der Personenkreis der Menschen mit geistiger Behinderung beschrieben. Es wird die Geschichte verschiedener Bezeichnungen und Begrifflichkeit dargestellt. Anschließend werden Definitionen und Ansätze bezüglich des Begriffes ‘Geistige Behinderung’ aus verschiedenen Sichtweisen genannt. Letztendlich wird in dem zweiten Kapitel die Geschichte des Schicksals der Menschen mit geistiger Behinderung in Bezug auf den Einstellungswandel in der Gesellschaft dargestellt. Die Informationen dieses Kapitels sollen dem Leser vermitteln, von welchem Personenkreis – aus verschiedenen wissenschaftlichen Sichtweisen – die Rede ist und einen kurzen Blick in die Vergangenheit ermöglichen.
Im dritten Kapitel werden dem Leser die aktuellen Leitideen der Pädagogik vorgestellt. Da unterschiedliche Leitideen zusammenhängen, werden hier die der Normalisierung, der Selbstbestimmung und der Inklusion beschrieben. Es wird neben der Bedeutung der jeweiligen Idee auf deren Entwicklungsgeschichte eingegangen.
Da in vorliegender Arbeit auf die Selbstbestimmung das Hauptaugenmerk gelegt wird, wird insbesondere diese Leitidee thematisiert. Im Zuge dessen wird auf Konzepte für Menschen mit geistiger Behinderung eingegangen, die aus dem Selbstbestimmungs- gedanken hervorgegangen sind.
Gegenstand des vierten Kapitels ist das Wohnen. Es wird zu Beginn auf das Wohnen allgemein eingegangen, dann speziell auf das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung in Wohneinrichtungen.
Zunächst wird erläutert, welche Bedeutung eine Wohnung für den Menschen hat und welche Kriterien erfüllt sein sollten, damit Wohnqualität gegeben sein kann. Auch die sozialen Funktionen einer Wohnung werden erläutert.
Anschließend wird darauf eingegangen, wie Menschen mit geistiger Behinderung im Laufe der Geschichte untergebracht waren und gewohnt haben und dies gegenwärtig tun. Auch wird erläutert, welche Notwendigkeiten und Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, damit Menschen mit geistiger Behinderung selbst bestimmt leben können. An dieser Stelle wird also der oben beschriebene Soll-Zustand für eine mögliche Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung beim Wohnen aufgezeigt.
Ab dem fünften Kapitel beginnt die eigene Erhebung dieser Diplomarbeit. In diesem Kapitel werden zunächst die Trägerschaft der beiden Wohnheime, der Internationale Bund, und die beiden Wohnheime vorgestellt, in welchen die Erhebung stattfinden soll. Dabei wird über Zahlen, räumliche und faktische Gegebenheiten, über die Bewohner und über die Mitarbeiter Auskunft gegeben. Diese Fakten aufzuzeigen, ist aus zwei Gründen wichtig: Der Leser soll die Möglichkeit haben, sich ein Bild von den zwei Wohnheimen zu machen. Zum anderen sind die gegebenen Umstände eines Wohnheims die Voraussetzung für ein selbst bestimmtes Leben der Bewohner.
Im sechsten Kapitel werden die einzelnen Interviewpartner anonymisiert vorgestellt, um dem Leser deren Vorgeschichte zu eröffnen. Durch das Wissen über die Vergangenheit eines Menschen können die späteren Antworten auf die Interviewfragen besser nachvollzogen werden.
Im Weiteren werden die Forschungsmethodik, das Vorgehen beim Interview und die Rahmenbedingungen bei diesem geschildert. Auch nach welchen Kriterien und in welchen Schritten die Auswertung der Interviews stattfindet, wird in diesem Kapitel veranschaulicht.
Das siebte Kapitel stellt die Ergebnisse der Interviews mit den Bewohnern dar. Die Ergebnisse werden in verschiedene Themenbereiche unterteilt, in welchen die Aussagen aus den verschiedenen Interviews komprimiert werden. In den Themenbereichen selbst sind erneut kleinere Themenabschnitte untergebracht. Somit hat der Leser zunächst einen Gesamtüberblick und kann letztendlich durch eingebrachte Zitate aus den Interviews bis ins Detail die Aussagen und Ergebnisse verfolgen.
In diesem Kapitel werden darüber hinaus die Fragebögen und deren Ergebnisse vorgestellt. Die eigens entwickelten Fragebögen wurden mit den pädagogischen Fachkräften durchgeführt um auch deren Meinung über die Selbstbestimmung der Bewohner zu ermitteln.
Im achten Kapitel findet eine Reflexion und Interpretation der gesammelten Ergebnisse statt. Hier fließen sowohl die Ergebnisse der Interviews und der Fragebögen mit den pädagogischen Mitarbeitern als auch die gewonnen Informationen über die beiden Wohnheime ein. Das Gesamtbild aus den drei genannten Komponenten lässt eine weitgehende Beurteilung über die Selbstbestimmung der Menschen mit geistiger Behinderung in den zwei Wohnheimen zu. Dabei wird Bezug zu dem in vorherigen Kapiteln erläuterten Soll-Zustand bezüglich der Selbstbestimmung genommen.
Das neunte Kapitel bildet das Fazit der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| Band I: | ||
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Motivation und Gegenstand | 1 |
| 1.2 | Vorgehensweise und Aufbau | 2 |
| 2. | Der Personenkreis der Menschen mit geistiger Behinderung | 5 |
| 2.1 | Bezeichnungen | 6 |
| 2.2 | Der Versuch einer Begriffsklärung | 6 |
| 2.3 | Definitionen und Ansätze aus verschiedenen Sichtweisen | 9 |
| 2.3.1 | Rechtliche und sozial rechtlich Sichtweise | 11 |
| 2.3.2 | Medizinische Sichtweise | 12 |
| 2.3.2.1 | Pränatale Ursachen | 12 |
| 2.3.2.2 | Perinatale Ursachen | 13 |
| 2.3.2.3 | Postnatale Ursachen | 13 |
| 2.3.3 | Pädagogische Sichtweise | 14 |
| 2.3.4 | Soziologische Sichtweise | 15 |
| 2.3.5 | Psychologische Sichtweise | 16 |
| 2.3.5.1 | Adaptives Verhalten | 17 |
| 2.3.5.2 | Intelligenzdiagnostik | 18 |
| 2.3.6 | Verschiedene Sichtweisen – Schlussbetrachtung | 22 |
| 2.4 | Einstellungswandel gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung | 22 |
| 2.5 | Verhalten der Bevölkerung im Laufe der Geschichte | 23 |
| 2.6 | Zusammenfassung | 27 |
| 3. | Aktuelle Leitideen in der Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung | 29 |
| 3.1 | Das Normalisierungsprinzip | 29 |
| 3.1.1 | Entstehung des Normalisierungsgedankens | 29 |
| 3.1.1.1 | Normalisierung nach Nils Erik Bank-Mikkelsen | 30 |
| 3.1.2.2 | Normalisierung nach Bengt Nirje | 31 |
| 3.1.3.3 | Normalisierung nach Wolf Wolfenberger | 34 |
| 3.1.2 | Zusammenfassung der Forderungen des Normalisierungsprinzips | 35 |
| 3.1.3 | Das Normalisierungsprinzip in Deutschland | 36 |
| 3.1.4 | Aktuelle Entwicklungen | 37 |
| 3.1.5 | Der Zusammenhang von Normalisierung und Selbstbestimmung | 38 |
| 3.2 | Das Paradigma der Selbstbestimmung | 38 |
| 3.2.1 | Der Begriff der Selbstbestimmung | 39 |
| 3.2.2 | Entstehungsgeschichte der Selbstbestimmung | 40 |
| 3.2.2.1 | Independent-Living-Bewegung | 40 |
| 3.2.2.2 | Self-Advocacy-Bewegung | 41 |
| 3.2.3 | Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung | 43 |
| 3.2.3.1 | Die neue Rolle des Helfenden | 44 |
| 3.2.3.2 | Vorstellung neuer Konzepte | 45 |
| 3.2.3.2.1 | Das Konzept des Empowerments | 45 |
| 3.2.3.2.2 | Das Konzept der persönlichen Assistenz | 47 |
| 3.2.3.2.3 | Das Kundenmodell | 49 |
| 3.2.3.3 | Mehr Selbstbestimmung durch rechtliche Betreuung | 50 |
| 3.2.3.4 | Auswirkungen des Selbst bestimmt-Leben-Konzeptes | 51 |
| 3.3 | Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung am gesellschaftlichen Leben: Komponenten der Inklusion | 52 |
| 3.3.1 | Barrierefreiheit | 53 |
| 3.3.2 | Das Gleichbehandlungsgesetz | 54 |
| 3.3.3 | Die Konvention der Vereinten Nationen | 56 |
| 3.3.3.1 | Perspektivenwechsel | 57 |
| 3.3.3.2 | Zweck der BRK | 57 |
| 3.3.3.3 | Verpflichtungen | 57 |
| 3.3.3.4 | Forderungen der BRK | 58 |
| 3.4 | Zusammenfassung | 59 |
| 4 | Wohnen | 61 |
| 4.1 | Bedeutung des Wohnens | 61 |
| 4.2 | Wohnqualität und Wohnbedürfnisse | 63 |
| 4.3 | Zentrale soziale Funktionen einer Wohnung | 66 |
| 4.4 | Wohnen bei Menschen mit geistiger Behinderung | 66 |
| 4.4.1 | Geschichte der Unterbringung | 66 |
| 4.4.2 | Gegenwärtige Wohnformen | 68 |
| 4.4.3 | Charakterisierung eines Wohnheims | 71 |
| 4.4.3.1 | Aufnahme in ein Wohnheim | 71 |
| 4.4.3.2 | Finanzierung | 72 |
| 4.4.3.3 | Personal | 74 |
| 4.5 | Selbst bestimmtes Leben in Wohnheimen für Menschen mit geistiger Behinderung | 75 |
| 4.5.1 | Kriterien für das selbst bestimmte Wohnen | 75 |
| 4.5.1.1 | Bestimmung des Wohnorts und Wahl des Wohnheims | 75 |
| 4.5.1.2 | Interne Notwendigkeiten in der Einrichtung | 76 |
| 4.5.1.3 | Notwendige Gegebenheiten in der Umgebung der Einrichtung | 78 |
| 4.5.1.4 | Bildung von Bedürfnissen | 78 |
| 4.5.1.5 | Veränderung der Beziehung zwischen Bewohnern und Betreuern | 79 |
| 4.5.2 | Gesetzliche Rahmenbedingungen als Voraussetzung | 81 |
| 4.5.2.1 | Allgemeine Gesetze und Bestimmungen | 81 |
| 4.5.2.2 | Bestimmungen und Verordnungen für das Wohnen | 82 |
| 4.5.3 | Qualitätsmessung in Wohnheimen | 85 |
| 4.5.4 | Schwierigkeiten bei der Umsetzung | 86 |
| 4.6 | Zusammenfassung | 87 |
| Eigene Erhebung in zwei Wohnheimen | ||
| 5 | Vorstellung der Trägerschaft und der Wohnheime | 89 |
| 5.1 | Der Internationale Bund (IB) | 89 |
| 5.1.1 | Gründung | 89 |
| 5.1.2 | Geschichtliche Entwicklung | 90 |
| 5.1.3 | Zahlen: Mitarbeiter/ Einrichtungen/ Hilfeempfänger | 91 |
| 5.1.4 | Arbeitsfelder des IB | 91 |
| 5.1.5 | Die IB-Behindertenhilfe | 92 |
| 5.1.5.1 | Leitlinien und Menschenbild | 93 |
| 5.1.5.2 | Wohnformen für Menschen mit Behinderung | 94 |
| 5.1.5.3 | Stationäre Einrichtungen | 94 |
| 5.1.5.3.1 | Anzahl der Einrichtungen | 95 |
| 5.1.5.3.2 | Finanzierung der Einrichtungen | 95 |
| 5.1.5.3.3 | Gesetze als Voraussetzung für die Aufnahme in ein Wohnheim | 95 |
| 5.2 | Vorstellung der Wohnheime | 97 |
| 5.2.1 | Wohnheim I | 97 |
| 5.2.1.1 | Fakten und Zahlen | 97 |
| 5.2.1.2 | Lage und Räumlichkeiten | 98 |
| 5.2.1.3 | Bewohner | 98 |
| 5.2.1.4 | Werkstatt und Tagesförderstätte | 100 |
| 5.2.1.5 | Tagesablauf | 104 |
| 5.2.1.6 | Freizeit und Urlaub | 105 |
| 5.2.1.7 | Allgemeine Gegebenheiten | 106 |
| 5.2.1.8 | Mitarbeiter | 108 |
| 5.2.1.9 | Qualitätsmessung | 110 |
| 5.2.1.10 | Finanzierung | 111 |
| 5.2.2 | Wohnheim | 111 |
| 5.2.2.1 | Fakten und Zahlen | 111 |
| 5.2.2.2 | Lage und Räumlichkeiten | 112 |
| 5.2.2.3 | Bewohner | 112 |
| 5.2.2.4 | Werkstatt und Tagesförderstätte | 114 |
| 5.2.2.5 | Tagesablauf | 116 |
| 5.2.2.6 | Freizeit und Urlaub | 117 |
| 5.2.2.7 | Allgemeine Gegebenheiten | 118 |
| 5.2.2.8 | Mitarbeiter | 120 |
| 5.2.2.9 | Qualitätsmessung | 122 |
| 5.2.2.10 | Finanzierung | 122 |
| 5.3 | Zusammenfassung | 123 |
| 6. | Die Interviews mit den Bewohnern | 124 |
| 6.1 | Vorbereitungen | 124 |
| 6.2 | Vorstellung der Interviewpartner | 124 |
| 6.2.1 | Bewohner des Wohnheims I | 125 |
| 6.2.2 | Bewohner des Wohnheims II | 128 |
| 6.3 | Die Forschungsmethodik | 132 |
| 6.3.1 | Wahl des Interviews als Befragungsmethode | 132 |
| 6.3.2 | Vorgehensweise unter Berücksichtigung des Personenkreises | 132 |
| 6.3.2.1 | Wichtige Kriterien für die Durchführung der Interviews | 132 |
| 6.3.2.2 | Sprache und Umfang des Interviews | 133 |
| 6.3.3 | Das Leitfadeninterview | 133 |
| 6.3.4 | Die Interviewfragen | 134 |
| 6.4 | Durchführung der Interviews | 135 |
| 6.5 | Vorgehen bei der Auswertung der Interviews | 136 |
| 6.5.1 | Einteilung in Themenbereiche | 136 |
| 6.5.2 | Transkription | 137 |
| 6.5.3 | Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring | 137 |
| 6.6 | Zusammenfassung | 139 |
| 7. | Ergebnisse der Interviews und Ergänzung durch Fragebögen | 141 |
| 7.1 | Ergebnisse der Interviews | 141 |
| 7.1.1 | Wohlfühlfaktor im Wohnheim und Selbstbestimmung beim Ein-und Auszug | 142 |
| 7.1.2 | Privatsphäre | 144 |
| 7.1.3 | Selbstbestimmung im Alltag I (Zimmergestaltung/Ernährung/Bekleidung) | 145 |
| 7.1.4 | Selbstbestimmung im Alltag II (Freizeit/Urlaub/Schlafenszeiten) | 148 |
| 7.1.5 | Zwischenmenschliche Kontakte und Beziehungen | 151 |
| 7.1.6 | Umgang der Betreuer mit den Bewohnern | 153 |
| 7.1.7 | Verfügungsgewalt der Bewohner über das Taschengeld | 156 |
| 7.2 | Darstellung des Fragebogens für die Betreuer | 157 |
| 7.2.1 | Aufbau des Fragebogens | 158 |
| 7.2.2 | Die Fragen | 158 |
| 7.2.3 | Ergebnisse der Befragung | 159 |
| 7.2.3.1 | Darstellung in Tabellen | 159 |
| 7.2.3.2 | Schriftliche Darstellung der Ergebnisse | 162 |
| 7.3 | Zusammenfassung | 165 |
| 8. | Reflexion und Interpretation der Ergebnisse | 167 |
| 8.1 | Zusammenfassung | 177 |
| 9. | Fazit | 178 |
| 10. | Literaturverzeichnis | 180 |
| Band II: | ||
| Anhang | 193 |
Textprobe:
Kapitel 2.5, Verhalten der Bevölkerung im Laufe der Geschichte:
Anfang der Menschheitsgeschichte:
Wie kranke oder behinderte Menschen in den Anfängen der Menschheitsgeschichte behandelt wurden, weiß man nicht genau. Es wird aber angenommen, dass wenig Rücksicht auf diese genommen und kaum Unterstützung geleistet wurde.
Stein- und Bronzezeit:
Auch wenn in der jüngeren Stein- und Bronzezeit durch das Sesshaftwerden der Menschen eine Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung an sich möglich wurde, wird davon ausgegangen, dass eine Zuwendung diesen gegenüber nicht bestand.
Damals hing der Umgang mit dem Personenkreis der Menschen mit geistiger Behinderung ‘von den magischen, mythologischen und normativen Vorstellungen der jeweiligen Gruppe oder Gesellschaft ab.’. Als Ursache für die Behinderungen der Menschen wurden Dämonen verantwortlich gemacht oder man sah sie als Strafe Gottes. Menschen mit geistiger Behinderung wurden in der Regel ausgegrenzt. Die Gesellschaft sprach ihnen kein Recht auf ein normales Leben zu und ihre Menschenwürde wurde ihnen aberkannt. Verstoßung oder Tötung waren die Folge.
Mittelalter:
Auch im Mittelalter wurde aufgrund des Mangels an medizinischem Wissen die Behinderung eines Menschen als magisch und durch den Teufel verursacht gesehen. Von Werken des Teufels, also vor Behinderungen, hielten sich die Menschen fern. Insbesondere Schwangere sollten sich vor dem Anblick von Menschen mit Behinderungen schützen, damit sie keine Kinder mit Behinderungen auf die Welt brachten.
Von der Neuzeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts:
In dieser Zeit hat sich die gesellschaftliche Einstellung bis auf wenige Ausnahmen kaum geändert. Menschen mit geistiger Behinderung waren in Armenhäusern, Irrenanstalten oder anderen abgeschiedenen Orten untergebracht. Sie wurden dort unter unmenschlichen Bedingungen verwahrt und von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die Gesellschaft sollte vor deren Anblick geschützt werden. Ziel war weder ihr Schutz noch ihre Förderung.
Vom 19. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhundert:
Der Schutz der Menschen mit geistiger Behinderung, ihr Recht auf Bildung und der Zuspruch ihrer Menschenwürde wurden erst im 19. Jahrhundert zum Thema.
Die Menschen sollten zunächst aus ihren menschenunwürdigen Verwahrungsorten befreit und stattdessen ordentlich versorgt und gepflegt werden. Dies geschah in der Regel in privat initiierten Anstalten (vgl. ebd.). Besonderes Interesse galt nun auch der Erziehung und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung. Somit entstanden Bildungs- als auch Heil- und Pflegeanstalten.
BARBARA FORNEFELD hebt hervor, dass es in dieser Zeit für die Zuwendung gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung drei Gründe gab. Diese sei aus ‘medizinischem, pädagogisch-sozialem oder religiös-karitativem Interesse entstanden. Zudem habe ein optimistisch - aufklärerischer Zeitgeist geherrscht.
In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Hilfsschulen gegründet, deren Anzahl sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts stark erhöhte. Das System und die Organisation dieser Schulen veränderte sich ständig, da man versuchte, sowohl den Kindern und Jugendlichen mit leichter als auch denen mit schwerer geistiger Behinderung eine bestmögliche Förderung zu gewährleisten.
Zweiter Weltkrieg: Nationalsozialismus:
Ein wichtiges Kapitel in Bezug auf Menschen mit geistiger Behinderung und deren Behandlung ist die Ära der Nationalsozialisten. Wie HEINZ MÜHL es passend ausdrückt, herrschte eine ‘Ideologie und Praxis der Diskriminierung’. Er spricht außerdem von einer ‘Vernichtung lebensunwerten Lebens’, wobei hier ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass damit nicht seine eigene Meinung, sondern die der Nationalsozialisten dargestellt wird. Menschen mit geistiger Behinderung waren es also nach deren Meinung nicht wert, zu leben. Auch die Einstellung der damaligen Gesellschaft wurde über Jahre hinweg, bereits vor Beginn des zweiten Weltkrieges, vorbereitet.
Menschen mit geistiger Behinderung wurden als ‘unheilbar Blödsinnige’ und daher als ‘Ballastexistenzen’ gesehen. Es erfolgten darüber hinaus oft eine Einstufung dieser als schul- und bildungsunfähig und eine Aberkennung der bürgerlichen Rechte. Eine Folge war der Ausschluss vom Schulunterricht. Im Weiteren ordnete man Zwangssterilisationen für die damals als ‘Schwachsinnige’ bezeichneten Menschen an. Letztendlich wurden sowohl Neugeborene, als auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistiger Behinderung umgebracht.
Diese Tötungen liefen unter dem Deckmantel des ‘Gnadentods’ (Euthanasie) für ‘unheilbar Kranke’.
Die Geschehnisse aus der Zeit während des zweiten Weltkrieges führten zu nachhaltigen Vorurteilen gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung in der Bevölkerung.
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Gutenberger, Jasmin Februar 2010: Das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung im Wohnheim unter besonderer Berücksichtigung der Selbstbestimmung, Hamburg: Diplomica Verlag
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