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Baumpflege in Österreich - Eine Zustandsanalyse seit der ÖNORM L 1122

Baumpflege in Österreich - Eine Zustandsanalyse seit der ÖNORM L 1122
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christoph Klingan
  • Abgabedatum: Juni 2010
  • Umfang: 168 Seiten
  • Dateigröße: 24,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität für Bodenkultur Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 94
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4849-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Klingan, Christoph Juni 2010: Baumpflege in Österreich - Eine Zustandsanalyse seit der ÖNORM L 1122, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Baumschutz, Pflegemaßnahmen, Düngemittel, Baumwertberechung, Stammschutz

Diplomarbeit von Christoph Klingan

Einleitung:

Bäume und der Umgang mit ihnen wird in unterschiedlichen Gesetzen, Rechts- und Verwaltungsvorschriften der EU, des Bundes, der Länder sowie der Gemeinden geregelt. Die damit verbundenen Festlegungen sind von den Wertvorstellungen unserer Gesellschaft abhängig. So wie moralische, rechtliche und ökologische Wertvorstellungen einem Wandel unterliegen, so lässt sich dieser Wertewandel auch beim Umgang mit Bäumen feststellen und muss auch erkennbar sein. Deshalb stelle ich mir in dieser Arbeit Fragen wie: Welchen „Wert“ haben Bäume heute? Welchen Umgang pflegen wir mit dem Wert Baum? Das gegenwärtige Verhältnis der Menschen zum Baum in Österreich möchte ich anhand des Baumpflegezustandes abbilden. Die Zustandsanalyse basiert auf den ÖNORMEN L 1121 (Schutz von Gehölzen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen) und L 1122 (Baumpflege und Baumkontrolle), die für die Baumpflege in Österreich seit 2003 die Mindeststandards in Form von qualifizierten Empfehlungen festlegen.

Meine erste studienbegleitende Arbeit war den besseren Standortbedingungen der Alleebäume in der Bahnhofstraße der Kärntner Bezirksstadt Spittal gewidmet, nun beende ich mein Studium wieder mit dem Thema Baumpflege.

In voller Ehrfurcht staune ich immer wieder, wie Bäume Jahreszeiten, Stürme, Krankheiten, Beschattung, Klimaschwankungen, Bodenverdichtung, -versiegelung, Wassermangel und -überschuss, Staubbelastung, Luftverschmutzung und Salzbelastung überleben. Und trotzdem hilft die ganze perfekte Anpassung nichts, wenn mit der Motorsäge Wunden in den Baum geschnitten werden, auf die er nicht schnell genug reagieren kann.

Ist das Ziel der fachgerechten Baumpflege in Österreich bereits erreicht? Es ist Zeit bestimmte Dinge einfach auch einmal infrage zu stellen. Es hat ja Gründe, warum die Stadtbäume so ausschauen, wie sie ausschauen. Ohne Berührungsängste soll der Pflegezustand im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Die alltäglichen Herausforderungen wie Preisdruck, mangelndes Fachpersonal sind nicht Teil dieser Analyse. Es wird keine Vollständigkeit angestrebt, vielmehr steht im Vordergrund eine gute Basis für neue Initiativen in Richtung Verbesserung der Baumpflege in Österreich zu bieten.

Das generelle Ziel war eine bundesweite Befragung per Internet über den Bereich „Baumpflege“ durchzuführen, um eine Basis für eine Zustandsanalyse zu haben. Hieraus ergaben sich folgende Einzelziele:

- Ermittlung des Datenmaterials, das für die Baumpflege in Österreich zur Verfügung steht.

- Gewinnung einer Planungsgrundlage für vorhandene und neue Baumpflegepraktiken auf Basis der Wünsche und Anforderungen der Beteiligten.

- Bundesweite Gesamtanalyse der Ergebnisse für alle beteiligten Gemeinden.

- Neue Erkenntnisse an alle Entscheidungsträger herantragen und über die Fachliteratur verbreiten.

- Zur gemeinsamen Diskussion und zum Erfahrungsaustausch anregen.

- Das Bewusstsein über die Bedeutung der richtigen Pflegetechniken bei der Baumpflege schärfen/schaffen.

- Fortsetzung der Bemühungen um eine fachgerechtere Baumpflege - nachhaltige Entwicklung.

- Ein Baumschutzpaket für eine bessere Baumpflege in Österreich.

Inhaltsverzeichnis:

Danksagung 8
Zusammenfassung 9
Abstract 10
1. Einleitung 11
2. Arbeitsmethoden 13
2.1 Aufgabenstellung 13
2.2 Auswahl der Teilnehmer/innen 13
2.3 Wahl der Befragungsmethode 14
2.4 Erstellung der Fragebögen und Pretests 14
3. Durchführung der Befragung 16
3.1 Durchführung der Befragung 16
3.2 Erfolgskontrolle der Befragung 17
4. Ergebnisse der Umfragen und Interpretation 18
4.1 Werden die Ziele der Baumpflege der ÖNORM L 1122 in Österreichs Städten erreicht? 19
4.2 Wer führt die Baumpflege im öffentlichen Raum durch? 20
4.3 Wie viele Bäume stehen in Ihrer Gemeinde auf öffentlichem Grund? 20
4.4 Wie viele Straßenbäume haben Sie zu erhalten? 21
4.5 Wie viele Baumpflegefirmen werden durch die Gemeinden pro Jahr beauftragt? 21
4.6 Ausführungsvorschriften für Baumpflegebetriebe 22
4.7 Anwendung der Normen 23
4.8 Verkehrssicherheitsüberprüfung 25
4.9 Sichtkontrolle 26
4.10 Überprüfung der Pflegemaßnahmen 27
4.11 Anzahl der Pflegemaßnahmen 27
4.12 Untersuchungsgeräte für weiterführende Untersuchung 28
4.13 Baumalter 29
4.14 Düngemethoden 30
4.15 Düngemittelprodukte 30
4.16 Beseitigung von Bodenverdichtung 30
4.17 Maßnahmen gegen die Bodenverdichtung 32
4.18 Bodenaustausch 33
4.19 Baumscheibenentsiegelung 34
4.20 Belüftungs- und Entwässerungsanlagen 35
4.21 Unterpflanzung 36
4.22 Wurzelvorhang 38
4.23 Lichtraumprofil 39
4.24 Grünastschnitt 40
4.25 Wundbehandlungsstoffe 42
4.26 Kroneneinkürzungen 44
4.27 Gekappte, eingekürzte Kronen und die fachgerechte Pflege gekappter Kronen 45
4.28 Entwässerungsrohre 46
4.29 Baumwunden 47
4.30 Starkastschnitte 48
4.31 Grobastschnitte 49
4.32 Rindenschäden 50
4.33 Stammschutz 50
4.34 Kronensicherungsysteme 52
4.35 GALK-Straßenbaumliste 54
4.36 Baumscheiben-, Baumstreifengrößen 57
4.37 Versorgungsleitungen 58
4.38 Baumschutz auf Baustellen 60
4.39 Schutz gegen Anfahrschäden an Stadtbäumen 63
4.40 Kontrolle der Pflegemaßnahmen 64
4.41 Baumwertberechnungen im Schadensfall 65
4.42 Vitalität 65
4.43 Änderung der Baugesetze 67
4.44 Öffentlichkeitsarbeit 69
4.45 Eigene Änderungsvorschläge 70
4.46 Baumkataster 71
4.47 Fazit 71
5. Stellungnahmen von Baurechtsexperten und den verantwortlichen Landesräten aus den Bundesländern 72
5.1 Stellungnahme aus dem Burgenland 73
5.2 Stellungnahme aus Kärnten 73
5.3 Stellungnahme aus Niederösterreich 73
5.4 Stellungnahme aus Oberösterreich 73
5.5 Stellungnahme aus Salzburg 74
5.6 Stellungnahme aus der Steiermark 74
5.7 Stellungnahme aus Tirol 74
5.8 Stellungnahme aus Vorarlberg 75
5.9 Stellungnahme aus Wien 75
5.10 Fazit 75
6. Reelle Beispiele versus Umfrageergebnisse 77
6.1 Wie wird in Österreich geplant? 77
6.2 Wie wird in Österreich gebaut? 80
6.3 Baumpflege an der L 2137 - Die Lindenstraße in Tulln 86
6.4 Die fehlende Allee von Villach bis Lienz 88
6.5 Leitungsbau in Österreich 89
6.6 Baumschutz bei öffentlichen Aufträgen 91
6.7 Baumpflege in einem Wiener Privatgarten 94
7. Schlussfolgerungen 96
7.1 Spielt die Standortoptimierung in der Baumpflege nur eine untergeordnete Rolle? 96
7.1.1 Die Standortoptimierung als Basis eines gesunden Baumbestandes 97
7.1.2 Verlängerung der Lebenserwartung durch Standortoptimierung 97
7.2 Die ÖNORMEN L 1121 und L 1122 - Zahnlose Instrumente gegen das Kettensägenmassaker? 98
7.3 Baumpflege oder Sachbeschädigung? 100
7.3.1 Der Baum als volkswirtschaftliches Vermögen 101
7.3.2 Wird dieses Vermögen durch falsche Baumpflege zerstört? 104
7.4 Bonsai-Gefäße in Pflanztrögen oder gesunde Stadtbäume in einem großen Wurzelraum? 106
7.5 Brauchen wir ein Bundesbaumschutzgesetz in Österreich? 108
8. Empfehlungen - 12 Bausteine für eine bessere Baumpflege 110
8.1 Baustein 1 - Vermittlung des Baumwertes durch öffentlichkeitswirksame Aktionen 111
8.2 Baustein 2 - Planungshandbuch „Stadtbaum“ – Moderne Vegetationstechnik im Straßenbau durch Dienstanweisung 113
8.3 Baustein 3 - Facility-Management für das Stadtgrün 113
8.4 Baustein 4 - Das Baumpflegekonzept als Antwort auf das Billigstangebot 114
8.5 Baustein 5 - Änderung der standardisierten Leistungsbeschreibung für mehr Baumschutz in Österreichs Städten 115
8.6 Baustein 6 - Aktualisierung der ÖNORMEN und der RVS 117
8.7 Baustein 7 - Weitsichtige Bauleitung zur Erhaltung von Altbaumbeständen bei Bauvorhaben 117
8.8 Baustein 8 - Der Bebauungsplan 118
8.9 Baustein 9 - Baumschutzsatzungen und deren Reformbedarf 118
8.10 Baustein 10 - Förderungen für die Erstellung von Straßenbaumkatastern und die Erstellung einer nationalen Baumdatei als Grundlage für die Baumpflege 120
8.11 Baustein 11 - Die Baumpflegekoordination 121
8.12 Baustein 12 - Der Baumwertrechner 122
9. Resümee und Ausblick 124
10. Quellen-, Abbildungsverzeichnis 126
10.1 Literaturquellen 126
10.2 Internetquellen 132
10.3 Persönliche Mitteilungen 133
10.4 Abbildungsverzeichnis 134
11. Anhang 136
11.1 Begleitbrief zu den Online-Umfragen
11.2 Fragebogen an die Gartenamtsleiter
11.3 Fragebogen an die Gerichtssachverständigen
11.4 Fragebogen an die Baumpflegebetriebe

Textprobe:

Kapitel 7.3, Baumpflege oder Sachbeschädigung?:

„Zu fällen einen schönen Baum braucht´s eine halbe Stunde kaum.

Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk´ es, ein Jahrhundert“.

Die Baumchirurgie vor der ÖNORM L 1122, (die seit 2003 gültig ist), entsprach dem damaligen Stand der Technik, aber heutzutage muss man das Kappen, Ausfräsen und Drainagieren als Sachbeschädigung bezeichnen und die vermeintlich guten Absichten mancher Baumpfleger nicht mehr als Rechtfertigung akzeptieren. Der Wissensstand über die baumschädigenden Eingriffe ist wissenschaftlich fundiert und in der praktischen Baumpflege nicht mehr zu akzeptieren. Stammparalleler Schnitt, großflächiger Einsatz von Wundverschlussmitteln, Ausfräßen von Wunden, spitzovales Ausformen, Einbau von Gewindestangen und Entwässerungsröhrchen, gebohrte Kronensicherungen, starke Kronenauslichtungen, Kappungen, Einbau von Plomben in Höhlungen waren einmal Stand der Technik. Somit sollte seit in Kraft treten der ÖNORMEN L 1121 und L 1122 im Jahre 2003 ein neues Verständnis für die Baumbiologie in Österreich herrschen.

Die meisten beobachtbaren Fehler entstehen bereits bei der Planung, weil nicht an die künftige Pflege gedacht wird. Falsche Standortwahl, nicht vorhandene Pflanzgrubengröße, Leitungsnähe, falsche Sortenwahl, ungeeignete Pflanzware, nicht durchwurzelbares Substrat, zu geringe Abstände der Bäume und keine Regelung über die Herstellung des benötigten Lichtraumprofils sind Fehler, die durch die Baumpflege nicht mehr korrigiert werden können. Unterirdische Versorgungsleitungen, Schadstoffeinträge und mechanische Beschädigungen sind die Herausforderungen für die Baumpflege. Unterlassene Arbeiten wirken sich als Folgefehler jahrzehntelang bis zur Fällung aus. Auch die handwerklich qualifizierte Pflege ist in ihrem Wirkungsbereich eingeschränkt, wenn kein Pflegeplan vorhanden ist und die Pflege nur anlassbezogen durchgeführt wird. Wenn die Pflege erst nach einem Anfahrschaden beginnt, ist eine qualifizierte Baumpflege nur mehr eingeschränkt durchführbar.

Durch Verkehrsunfälle entstehen an Straßenbäumen jedes Jahr bundesweit tausende Anfahrschäden, wodurch neben dem menschlichen Leid am Straßenbegleitgrün Schäden in unbekannter Höhe entstehen. Über die künstlich angelegten Wunden mittels Motorsäge wird geschwiegen, wobei die Verletzungen tiefer ins Holz hineinragen als durch einen Anfahrschaden. Somit ist die Bildung von Flächenkallus nicht möglich. Das Gewebe unter einem Flächenkallus kann weiterhin für den Transport von Wasser und Nährstoffen sowie für die Speicherung von Reservestoffen zur Verfügung stehen.

Durch die unsachgemäße Pflege wird der Baum einer akuten Stresssituation ausgesetzt, die auch als Sachbeschädigung bezeichnet werden muss. Noch immer sind Kappungen nicht aus der Praxis verschwunden. In den letzten Jahrzenten sind in vielen Parkanlagen und Stadtstraßen durch falsche oder unterlassene Pflege unwiederbringliche Verluste entstanden.

Nicht nur die Roßkastanienminiermotte, die Platanennetzwanze, die Ulmenwelke, der Feuerbrand oder der Platanenkrebs setzen unseren Bäumen stark zu, sondern auch unqualifizierte „Baumpfleger“, die mit Motorsägen ausgestattet, allzu große Wunden in die Bäume schneiden. Der Baumbestand im Siedlungsgebiet wird von Menschenhand geschädigt und ruiniert.

Der Baum als volkswirtschaftliches Vermögen:

Der deutsche Bundesgerichtshof hat mit dem Urteil vom 27.01.2006 u.a. festgestellt, dass „Verkrüppelung, Verunstaltung, äußerlich sichtbare Veränderungen, Einbuße der Vitalität und Funktionsverlust für das Grundstück, zu einer Wertminderung des Grundstücks führen können und dass der erhöhte Pflegeaufwand nach Wurzelabtrennungen schadenersatzpflichtig ist“.

Bäume sind mit Abstand das wichtigste Mittel zur Gestaltung von lebenswerten Städten. „Wohnen im Park“ und andere Werbeslogans von Immobilienfirmen machen deutlich, wie hoch der soziale Status eines Stadtteils sein kann.

Arbeit zitieren:
Klingan, Christoph Juni 2010: Baumpflege in Österreich - Eine Zustandsanalyse seit der ÖNORM L 1122, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Baumschutz, Pflegemaßnahmen, Düngemittel, Baumwertberechung, Stammschutz

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