Weltmusik in Deutschland
Medienstrukturanalyse eines Genres
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Frank Lücke
- Abgabedatum: August 2009
- Umfang: 103 Seiten
- Dateigröße: 3,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Mittweida (FH) Deutschland
- Bibliografie: ca. 46
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4758-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lücke, Frank August 2009: Weltmusik in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Weltmusik, Medienstrukturanalyse, Medienkanäle, Deutschland, Worldmusic
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Diplomarbeit von Frank Lücke
Einleitung:
Es gibt eine Reihe von Publikationen, die sich mit dem Thema Weltmusik beschäftigen, die für Medienmacher jedoch nicht wirklich zufriedenstellend sind. Dort wird sich auf ethno-soziologischer Ebene an der Begrifflichkeit aufgehalten oder gesellschaftlich-kulturelle Probleme diskutiert, anstelle einer Charakterisierung der Musikerscheinungen. Den Versuch einer Analyse dieses Genres kann man aber auch aus medienwissenschaftlicher Perspektive unternehmen. Diese Arbeit soll eine Strukturanalyse der Medien in Deutschland bezüglich des Genres Weltmusik darstellen.
Um eine Begriffsdefinition kommt diese Arbeit natürlich nicht herum, doch soll das Genre als Kategorie, die von Medienmachern geschaffen wurde akzeptiert werden, um die mit ‚Weltmusik’ etikettierten Erscheinungsformen zu charakterisieren.
Daher spielt die historische Entwicklung von Technik, Marktstrukturen, gesellschaftlichen Gegebenheiten, Kulturforschung sowie die Beziehungen zwischen lokalen Plattenverlagen und transnationalen Medienkonzernen eine große Rolle. Entwicklungen von Tonträgermarkt, Rundfunk-, Print- und Onlinemedien schlagen sich in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen nieder. Entwicklungsansätze der Neuen Medien, NGOs, Verbände und Vereine sowie Festivals und Messen mit Weltmusikinhalt sollen berücksichtigt werden.
Der nötige geschichtliche Überblick wird in die Arbeit einfließen. Somit zeichnet sich ein Bild des Genres ab, die Entwicklungen der Medien auf diesem Gebiet werden aufgetragen und in Kontext gesetzt und letztendlich Rückschlüsse und Prognosen ermöglicht. Es wird aufgezeigt, wie Weltmusik in Geschichte und Gegenwart produziert und rezipiert wird und wie die Entwicklungen im Kontext zu sehen sind. Die Arbeit soll somit einen medienwissenschaftlichen Überblick zu der Medienlandschaft des Genres Weltmusik im Zusammenhang geben und ein Gesamtbild darstellen.
Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, konzentriert sich das Augenmerk auf die Medienstruktur Deutschlands. Geschichte und Technik wird nur in thematisch relevanten Bezügen aufgezeigt werden, damit eine eingehende Untersuchung der einzelnen Kanäle (wie Hörfunk, Fernsehen, Print, Neue Medien, etc.) vorgenommen werden kann.
Gründe für Forschung sehe ich in einem Bedarf medienwissenschaftlicher Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der Thematik, beispielsweise zu erkennen an dem jüngst gescheitertem Radiosender ‚Radio Multikulti’ des RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg).
Die Arbeit bedient sich dabei einer breit gefächerten Methodenvielfalt, die an den Erfordernissen der darzustellenden Problematik orientiert ist. Weder analysiert diese Arbeit ausschließlich wirtschaftlich noch verfolgt sie einen ausschließlich musiksoziologischen Ansatz. Stattdessen liegt eine fachübergreifende Betrachtungsweise zugrunde, die auf einem erweiterten Musikbegriff basiert. Auf die einfachste Formel gebracht, besteht die dabei angewandte Methodik darin, Informationen und Beobachtungen durch die im Studium erworbene medienwissenschaftliche Praxis zu einem Bild zusammenzufügen und stellt einen Querschnitt der in meinem Studium aufgenommenen Disziplinen dar. Zur Musik gehören dabei nicht nur die musikalischen Produkte selbst, sondern auch die jeweiligen Entstehungsbedingungen. Ziel ist es, die verschiedenen Facetten in ein Gesamtmodell zu integrieren, welches es erlaubt, einen Überblick über das Phänomen eines Genres in der Gegenwart zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | VIII | |
| Vorwort & Danksagung | IX | |
| Einleitung | X | |
| 1. | Der Begriff ‚Weltmusik' | 1 |
| 1.1 | Der historische Begriff | 1 |
| 1.2 | Der Begriff im Diskurs | 5 |
| 1.3 | Begriffsklärung | 7 |
| 2. | Weltmusik - ein historischer Rückblick | 10 |
| 2.1 | Anfang 20. Jahrhundert bis Zweiter Weltkrieg | 10 |
| 2.2 | Der Zweite Weltkrieg | 17 |
| 2.3 | Die Nachkriegszeit bis Ende der 1950er Jahre | 18 |
| 2.4 | Die 1960er und 1970er Jahre | 19 |
| 2.5 | Die 1980er Jahre | 22 |
| 2.6 | Die Entwicklung des Genres seit seiner Einführung | 24 |
| 2.7 | abschließende geschichtliche Betrachtungen | 28 |
| 3. | Medienstruktur | 29 |
| 3.1 | Technik | 36 |
| 3.2 | Tonträgermarkt | 39 |
| 3.2.1 | Majors | 42 |
| 3.2.2 | Independents | 44 |
| 3.2.3 | Vernetzung in der Tonträgerindustrie | 47 |
| 3.3 | Fernsehrundfunk | 49 |
| 3.4 | Hörfunk | 51 |
| 3.4.1 | Der Chartgedanke | 53 |
| 3.4.2 | Migrantenradios | 55 |
| 3.4.3 | Öffentlich-Rechtliche Radiosender | 58 |
| 3.4.4 | Kommerzielle Radiosender | 60 |
| 3.4.5 | Offene Kanäle und Bürgerfunk | 61 |
| 3.5 | Printmedien | 62 |
| 3.5.1 | Magazine | 63 |
| 3.5.2 | Zeitungen | 68 |
| 3.5.3 | Buchmarkt | 69 |
| 3.6 | Messen & Festivals | 69 |
| 3.7 | Organisationen | 76 |
| 3.8 | Internet | 78 |
| 4. | Fazit | 82 |
| Literaturverzeichnis | X | |
| Anlagen | XIV |
Textprobe:
Kapitel 3.2, Tonträgermarkt:
Bevor man einen Blick auf Weltmusik-Tonträgerfirmen wirft, sollte man die allgemeinen Gegebenheiten dieses Bereichs der Musikindustrie näher betrachten.
Zunächst kann man nach klassischer Repertoireplanung die Weltmusik dem speziellen Repertoire zuordnen: „Jenes Repertoire, das von einem hinreichenden Teil des Publikums mehr oder weniger problemlos akzeptiert wird, wollen wir als Standartrepertoire bezeichnen; wo es hingegen Schwierigkeiten gibt, wollen wir von speziellem Repertoire sprechen.“ Auf dem Tonträgermarkt platziert sich Weltmusik gegenwärtig in Nischen analog zum Jazz oder der Klassik mit sehr wenigen Hits.
Als Quelle für Weltmusikrepertoire und damit der wichtigen Rolle des Angebots neuer Talente und Inspiration kann (aufgrund der Größe) primär die Musikindustrie Nordamerikas und an zweiter Stelle (eher aufgrund der Artist & Repertoire Abteilungen) Großbritannien und Frankreich gesehen werden. Deutschland bleibt in dieser Funktion deutlich zurück, obwohl der Musikmarkt Deutschland von der Gesamtgröße der von Frankreich und Großbritannien nicht nachsteht. Gründe könnten die für Weltmusik extrem hohen Hürden von fehlender Hörerfahrung sowie mangelnde Kenntnis seitens der Akteure in der Musikindustrie und damit eine fehlende Akzeptanz gegenüber fremden Einflüssen sein.
Während in Großbritannien die größte ethnische Gruppe der Asiaten zum Entstehen der Asian-Underground-Szene und zu Produktionen mit insbesondere südasiatischem Einfluss führte, stellt seit Mitte der 1980er Jahre unbestritten Paris das europäische Aufnahmezentrum afrikanischer Musik dar.
Es lassen sich bei den Weltmusikerscheinungen wie auch im Veranstaltungsbereich im Weltmusikgeschehen immer wieder Trends beobachten. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Afrobeat- und Raï-Welle, der Asian Underground Trend sowie der für Weltmusik äußerst starke Kuba-Boom mit dem großen Phänomen des Buena Vista Social Club beobachtet. Doch bleibt zu bemerken, dass durch die subjektive Prägung der Medienakteure in ihrer auf den westlichen Geschmack ausgerichteten Auswahl und Reflektionen (Print) von Weltmusikveröffentlichungen, die damit entstehenden Bewegungen innerhalb der Weltmusikszene oft mit denen der jeweiligen Musikkulturen der Länder verwechselt werden. Die gegenwärtig stärkste Ausprägung ist in dieser Hinsicht der Balkan-Hype, der sich seit etwa der Jahrtausendwende in einer größeren Anzahl von Tonträgererscheinungen sowie Veranstaltungen niederschlägt und sich gegenwärtig in der Stilistik unterschiedlichster Bands von Rock, Dance über Jazz bis Ska und auch traditioneller Balkanmusik fortsetzt.
Gleichzeitig tauchen in allen populären Genres weiterhin Tonträgererscheinungen mit Exotismus- bzw. Orientalismuscharakter auf. Vor allem ein signifikanter Zuwachs orientalisch anmutender CD-Kompilationen sind auf dem europäischen Musikmarkt zu festzustellen. Solchen Formen liegen sowohl genreübergreifende als auch außermusikalische Kräfte zugrunde. In derartigen Veröffentlichungen spiegeln sich andauernde kulturell-politische Spannungen der verschiedenen Kulturräume wider. Solche spannungs- und klischeebeladenen Erscheinungen lassen andererseits den Bedarf für neue indigene Kulturerzeugnisse mit authentischem Charakter und Beruhigungspotential wachsen.
Innerhalb solcher Popularitätswellen und Trends erlangt Weltmusik immer wieder größere Bekanntheit über das Kernpublikum hinaus, was sich auch auf die Verkaufszahlen auf dem Tonträgermarkt auswirkt.
In Großbritannien zum Beispiel wird ein sich gut verkaufendes Album bei ca. 5.000 bis 10.000 Verkaufsexemplaren gesehen. Hier wird allerdings auch das Problem der Definition bei Statistiken unterstrichen. Jedoch wird als wichtiger Aspekt genannt, dass erfolgreiche Weltmusikproduktionen sich über einen längeren Zeitraum gleichbleibend gut verkaufen, während vergleichbare Pop-Produktionen des sogenannten Mainstream sich nur über einen kurzen Zeitraum im Verkaufsregal halten (short shelf-life).
Hochpunkte weltmusikalischer Erscheinungen waren sicherlich unter anderem Salif Keita’s Soro (1987; Stern’s); Nusrat Fateh Ali Khan: Musst Musst (1990; Real World), jedoch das meistverkaufte Album dürfte Buena Vista Social Club (1997; World Circuit) sein, was sich international über 6,5 Millionen Mal verkaufte.
Doch durch die allgemein niedrigen Verkaufszahlen solcher Weltmusik-Produktionen, stellt der Konzertbereich die wichtigste Einnahmequelle dar (siehe 3.6). Dies bestätigten auch die Erfahrungsberichte von Musikern, die im Laufe dieser Arbeit gesammelt werden konnten. In diesem Punkt wird der Unterschied zur Rock- und Popindustrie deutlich, wo der Veranstaltungsbereich eher als Promotionmaßnahme zum Anregen von Tonträgerverkäufen gesehen wird.
Dennoch ist zu verzeichnen, dass der Tonträgergroßhandel für die Sparte ‚Weltmusik’ in seinen Regalen den Platz erweitert hat. Die Sparte ist im Gegensatz zur Situation um die Jahrtausendwende in sämtlichen Ketten präsent, der Weltmusik-Fachhandel hat stark darunter zu leiden, aber eine Wahrnehmung von Weltmusik im Tonträgerverkauf hat weitgehend zugenommen.
Im Folgenden soll ein Überblick darüber gegeben werden, wie sich die Gegebenheiten im Bereich des Tonträgermarktes für das Genre Weltmusik verhält. Dazu werden die Tonträgerfirmen zuerst in die Major Companies (im Folgenden Majors) und Independent Labels (im Folgenden Independents) eingeteilt, und Erkenntnisse auf Weltmusik bezogen, dargestellt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836647588
Arbeit zitieren:
Lücke, Frank August 2009: Weltmusik in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Weltmusik, Medienstrukturanalyse, Medienkanäle, Deutschland, Worldmusic




