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Therapiemotivation und deren Einflussfaktoren bei Anorexia und Bulimia nervosa

Eine retrospektive Studie

Therapiemotivation und deren Einflussfaktoren bei Anorexia und Bulimia nervosa
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Anna Bill
  • Abgabedatum: April 2010
  • Umfang: 202 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Regensburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 69
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4715-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bill, Anna April 2010: Therapiemotivation und deren Einflussfaktoren bei Anorexia und Bulimia nervosa, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Essstörung, Pathogenese, Psychoanalyse, Gesprächstherapie, Selbsthilfe

Diplomarbeit von Anna Bill

Einleitung:

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Therapiemotivation und deren Einflussfaktoren bei Menschen mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa.

In Kapitel 1, Essstörungen, werden die Krankheitsbilder Anorexia nervosa und Bulimia nervosa vorgestellt. Dieser Abschnitt setzt sich mit den diagnostischen Kriterien, der Verbreitung, den Risikofaktoren, der Diagnostik und dem Verlauf und der Prognose der beiden Krankheitsbilder auseinander. Auch die verschiedenen Therapieansätze bei Essstörungen werden vorgestellt.

In Kapitel 2, Therapiemotivation, wird das hypothetische Konstrukt Therapiemotivation näher beschrieben. Allgemeine Aspekte der Therapiemotivation und deren Einfluss auf den therapeutischen Prozess werden erläutert. Des Weiteren werden die verschiedenen Ansätze der Therapiemotivation z.B. von unterschiedlichen therapeutischen Schulen und das Transtheoretische Modell ausgeführt. Am Ende dieses Abschnitts werden Instrumente vorgestellt, die der Erfassung der Therapiemotivation dienen.

In Kapitel 3, Methodik der Untersuchung, wird auf die Fragebogenentwicklung und den Ablauf der prospektiven Studie eingegangen. In diesem Abschnitt werden die der Diplomarbeit zugrunde liegenden Hypothesen aufgestellt.

Kapitel 4, Beschreibung der Untersuchungsergebnisse, beschreibt die Resultate der einzelnen Abschnitte des Fragebogens und die Ergebnisse in Bezug auf die Hypothesen.

Eine Diskussion der Ergebnisse findet in Kapitel 5, Diskussion, statt. Eine theoretische Einordnung der wesentlichen Erkenntnisse wird vorgenommen und methodisch kritische Aspekte diskutiert. Praktische Implikationen der Ergebnisse und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten werden ebenfalls vorgenommen.

Im Literaturverzeichnis sind alle im Text dieser Arbeit erwähnten Literaturquellen aufgeführt. Der Anhang (Kapitel 7) beinhaltet den entwickelten Fragebogen.

Da die Betroffenen bei der Anorexia nervosa zu ca. 80% und bei der Bulimia nervosa zu ca. 90% weiblich sind, wird im Folgenden überwiegend die weibliche Form verwendet. Bei allen Bezeichnungen sind immer sowohl männliche als auch weibliche Vertreter gemeint.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSÜBERSICHT 4
1. Essstörungen 5
1.1 Definition und klinische Charakteristika 5
1.1.1 Anorexia nervosa 5
1.1.2 Bulimia nervosa 8
1.2 Epidemiologie 10
1.3 Ätiologie und Pathogenese 11
1.3.1 Psychosoziale Risikofaktoren 12
1.3.2 Biologische Risikofaktoren 14
1.3.3 Kognitiv-verhaltenstheroretisches Störungsmodell 15
1.4 Diagnostik 17
1.5 Verlauf und Prognose 19
1.5.1 Anorexia nervosa 19
1.5.2 Bulimia nervosa 20
1.6 Behandlung und Therapie 22
1.6.1 Einzelpsychotherapien 24
1.6.1.1 Psychodynamische Psychotherapie 24
1.6.1.2 Verhaltenstherapie 25
1.6.1.3 Körperpsychotherapie 26
1.6.1.4 Kreative Therapien 27
1.6.1.5 Familien- und Paartherapie 27
1.6.2 Gruppentherapie 28
1.6.3 Selbsthilfe 28
1.6.4 Stationäre Psychotherapie 29
1.6.5 Psychopharmakologie 30
1.6.6 Therapeutische Wohngruppen 31
1.6.7 Forschungsstand 32
2. Therapiemotivation 34
2.1 Allgemeine Aspekte von Therapiemotivation 34
2.2 Therapiemotivation und ihr Einfluss auf den therapeutischen Prozess und Erfolg 36
2.3 Therapiemotivation in unterschiedlichen therapeutischen Schulen 38
2.3.1 Therapiemotivation in der Psychoanalyse 38
2.3.2 Therapiemotivation in der Gesprächspsychotherapie 38
2.3.3 Therapiemotivation in der Verhaltenstherapie 39
2.3.4 Das Kosten-Nutzen-Modell 40
2.3.5.1 Grundannahmen 41
2.3.5.2 Stages of Change 42
2.3.6 Therapiemotivation im Rahmen der Selbstmanagement-Therapie 45
2.3.6.1 Änderungsmotivation 46
2.3.6.2 Intrinsische (selbstregulatorische) Motivation 47
2.4 Erfassung der Therapiemotivation 47
2.4.1 Fremdbeurteilungsinstrumente 48
2.4.2 Selbstbeurteilungsinstrumente 50
3. Methodik der Untersuchung 57
3.1 Fragebogenentwicklung 57
3.1.1 Fragebogenart 57
3.1.2 Inhalte des Fragebogens 58
3.1.3 Hypothesenbildung 61
3.2 Beschreibung der Erhebungsphase 62
3.1.4 Gewinnung der Stichprobe 62
4. Beschreibung der Untersuchungsergebnisse 64
4.1 Grundsätzliches zur Auswertung der Daten 64
4.2 Beschreibung der Ergebnisse der einzelnen Bereiche 65
4.2.1 Beschreibung der demographischen Daten 65
4.2.2 Beschreibung der Daten über die Essstörung 70
4.2.3 Beschreibung der Daten über die Therapiemotivation 73
4.2.3.1 Gründe für die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe 80
4.2.3.2 Hauptgrund oder Auslöser für die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe 93
4.2.3.3 Hilfreiche Gegebenheiten in der Therapie 94
4.2.3.4 Gegebenheiten, die ein früheres Aufsuchen von Hilfe verhindern 100
4.2.3.5 Gegebenheiten, die eine frühere Inanspruchnahme von Hilfe erleichtern 115
4.2.3.6 Abbruch der Inanspruchnahme von fachlicher Hilfe 119
4.2.3.7 Gründe für die Therapieabbrüche 121
4.3 Beschreibung der Ergebnisse der Hypothesen 136
4.3.1 Hypothese 1 136
4.3.2 Hypothese 2 138
4.3.3 Hypothese 3 139
4.3.4 Hypothese 4 141
4.3.5 Hypothese 5 143
4.3.6 Hypothese 6 149
4.3.7 Hypothese 7 150
4.3.8 Hypothese 8 152
4.3.9 Hypothese 9 157
5. Diskussion der Untersuchungsergebnisse 159
5.1 Diskussion der Ergebnisse der einzelnen Bereiche 159
5.1.1 Diskussion der demographischen Daten 159
5.1.2 Diskussion der Daten über die Essstörung 160
5.1.3 Diskussion der Daten über die Therapiemotivation 161
5.2 Diskussion der Ergebnisse der Hypothesen 166
5.3 Praktische Ansatzpunkte zur Förderung der Therapiemotivation 171
5.4 Diskussion des methodischen Vorgehens 175
5.5 Ausblick 176
ZUSAMMENFASSUNG 178
LITERATURVERZEICHNIS 180
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 185
TABELLENVERZEICHNIS 186
ANLAGENVERZEICHNIS 190

Textprobe:

Kapitel 2.3.6, Therapiemotivation im Rahmen der Selbstmanagement-Therapie:

Der Selbstmanagement-Ansatz der von Kanfer, Reinecker und Schmelzer 1991 entwickelt wurde, stellt einen weiteren wichtigen Ansatz dar. Der Ansatz beruht auf einem systemorientierten Selbstregulationsmodell, welches drei Ebenen menschlichen Verhaltens unterscheidet. Das Modell unterscheidet die Alpha-Ebene (bezieht sich auf beobachtbare Elemente und die äußere Umgebung), die Beta-Ebene (beschreibt kognitive Vorgänge) und die Gamma-Ebene (beschäftigt sich mit biologisch-physiologischen Verhaltensaspekten).

Selbstregulation bedeutet, ‘dass eine Person ihr eigenes Verhalten im Hinblick auf selbst gesetzte Ziele steuert’. Selbstregulation ist die Fähigkeit, durch Selbstkontrolle die Bedingungen, die das problematische Verhalten begünstigen und aufrechterhalten, unberücksichtigt zu lassen, um so die gesetzten Ziele zu erreichen. Durch die Veränderung des Verhaltens oder die Beeinflussung der Bedingungen, die das Verhalten verursachen, ist eine Regulierung und Steuerung möglich. Der Selbstmanagement-Ansatz betont die Fähigkeit des Menschen selbstständig zu handeln und zielt darauf ab intrinsische oder selbstregulatorische Motivation aufzubauen.

Die meisten Selbstregulationskompetenzen werden durch Beta-Variablen dargestellt. Die Beta-Variablen stehen in Wechselwirkung mit den Alpha- und Gamma-Variablen und werden durch den soziokulturellen Kontext beeinflusst. Die Beta-Variablen sind für den Therapeuten sehr wichtig. Wenn die therapeutische Behandlung weder auf Basis der Alpha-Variablen (Veränderung der Umgebung) noch auf der Basis von Gamma-Variablen (z.B. die Behandlung durch Medikamente) durchgeführt wird, dann stellen die Beta-Variablen den Ansatzpunkt für die Veränderungen dar.

Das Selbstregulationsmodell ist die Weiterentwicklung des klassischen S-O-R-K-Modells, welches vor allem kognitiven Prozessen große Aufmerksamkeit schenkt. Dieses Modell betrachtet die Komponenten Stimulus, Organismus, Reaktion und Konsequenz.

Unter Therapiemotivation versteht dieses Modell ‘ein multidimensionales Konstrukt, dem ein dynamischer interpersonaler Prozess zwischen den Determinanten Therapeut, Klient und Umgebung des Klienten zugrunde liegt’.

Der Ansatz geht von drei zentralen Leitlinien aus:

- Die aktive Beteiligung der Patientin im therapeutischen Prozess ist sehr wichtig.

- Die therapeutischen Ziele werden individuell konkretisiert.

- Die Probleme werden vor dem Hintergrund des bisherigen Lebens analysiert, um der Klientin bei der aktiven Gestaltung der Zukunft zu helfen.

Des Weiteren geht der Ansatz von folgenden motivationsfördernden Grundbedingungen aus:

- Motivierung durch Maximierung des Ausmaßes an persönlicher Kontrolle bei der Klientin (Selbstbeteiligung und -bestimmung der Klientin im Therapieprozess).

- Selbst gesetzte Ziele als Motivationsquelle (die Klientin wählt ihre Ziele selbst).

- Motivierung durch Steigerung von ‘self-efficacy’ (Erfahrung, dass eigenes Verhalten wirksam ist).

- Motivierung durch Selbststeuerung und Selbstmotivation des Verhaltens (die Fähigkeit Verhalten zu regulieren wirkt motivierend).

- Motivierung durch maximale Transparenz (Klientin kann den Therapieprozess einsehen und nachvollziehen).

- Motivierung durch das Prinzip der Freiwilligkeit (die Klientin macht die Therapie freiwillig und kann sie jederzeit abbrechen).

- Motivierung durch die Reduktion von Demoralisierung (Therapeut bietet eine sichere Bindung und Optimismus).

2.3.6.1, Änderungsmotivation:

Die Änderungsmotivation ist ein Teilbereich der Therapiemotivation und in diesem Selbstregulationsmodell von großer Bedeutung. Ein Mensch ist veränderungsbereit, wenn der Veränderungswunsch des momentanen Zustands begründet ist und er sich befähigt fühlt, diese Veränderungen umzusetzen. Folgende drei Ansatzpunkte beeinflussen die Art der Motivationsstrategie:

wenn der momentane Zustand von der Person als unangenehm und unerwünscht empfunden wird, wenn die Klientin über Mittel und Wege verfügt, um das Verhalten in Richtung des Zielzustandes zu ändern und wenn die Person eine Vorstellung über den erwünschten Zielzustand hat.

Die Theorie unterscheidet zwischen der ‘Druck’-Motivation und der ‘Zug’-Motivation. Ersteres entsteht durch die Beendigung eines momentanen oder durch die Vermeidung eines künftigen unangenehmen Zustandes. Zweiteres kommt durch das Hervorrufen bzw. Aufrechterhalten von angenehmen Zuständen zustande. Beide Motivationsarten können wirksam sein, die ‘Zug’-Motivation ist jedoch zu bevorzugen, da diese auch anwendbar ist, wenn die negativen Zustände nicht mehr regelmäßig auftreten.

2.3.6.2, Intrinsische (selbstregulatorische) Motivation:

Die Motivation kann intrinsisch oder extrinsisch sein. Eine Person ist intrinsisch motiviert, wenn sie das Verhalten von innen heraus bzw. um seiner selbst willen zeigt. Das bedeutet, dass das Verhalten selbst auf die Klientin eine motivierende Wirkung hat, die Tätigkeit also einen inneren Belohnungswert besitzt. Das Verhalten wird ohne zusätzliche externe Belohnung gezeigt und aufrechterhalten.

Eine extrinsische Motivation bedeutet, dass Tätigkeiten nicht um ihrer selbst willen ausgeführt werden, sondern nur, weil eine externe Bekräftigung z.B. Anerkennung, Lob oder Geld zu erwarten sind.

Beide Formen der Motivation sind hilfreich. Kanfer, Reinecker und Schmelzer bevorzugen jedoch die intrinsische Motivation. Diese Form der Motivation hat im therapeutischen Prozess eine besondere Bedeutung, da das angestrebte Verhalten von sich aus einen Anreiz darstellt. ‘Dies ist dann der Fall, wenn der Schwerpunkt statt auf dem speziellen Inhalt auf dem Aspekt einer persönlichen Herausforderung zu liegen kommt oder wenn die Möglichkeit betont wird, eigene Fähigkeiten oder eigenes Können unter Beweis zu stellen’.

Arbeit zitieren:
Bill, Anna April 2010: Therapiemotivation und deren Einflussfaktoren bei Anorexia und Bulimia nervosa, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Essstörung, Pathogenese, Psychoanalyse, Gesprächstherapie, Selbsthilfe

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