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Das Selbstbild deutscher und französischer Mütter

Eine empirische Studie zur Familienpolitik

Das Selbstbild deutscher und französischer Mütter
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katharina Heilmann
  • Abgabedatum: September 2009
  • Umfang: 69 Seiten
  • Dateigröße: 993,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Westsächsische Hochschule Zwickau Deutschland
  • Bibliografie: ca. 40
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4520-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Heilmann, Katharina September 2009: Das Selbstbild deutscher und französischer Mütter, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Frankreich, Kinder, Kultur, Selbstbild, Fremdbetreuung

Diplomarbeit von Katharina Heilmann

Einleitung:

Deutschland unterliegt einem gravierenden demographischen Wandel. Eine niedrige Geburtenrate und eine steigende Lebenserwartung führten zu einer Verschiebung der Alterspyramide hin zu einer überalterten Gesellschaft mit sinkender Zahl an Erwerbspersonen. Volkswirtschaftlich stellt dies ein großes Problem dar. Das Wachstumspotential einer Volkswirtschaft wird bestimmt durch die Qualität und die Quantität der erwerbstätigen Bevölkerung, vorhandenes Kapital und technischen Fortschritt. Dies bestätigt auch der ehemalige französische Familienminister Philippe Bas: ‘Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und demographischer Entwicklung ist unbestritten. Ein Land, das viele Kinder hat, genießt normalerweise ein höheres Wirtschaftswachstum’. Das Durchschnittsalter in Deutschland wird steigen, der prozentuale Anteil an erwerbstätigen Personen sinkt, wenn weiterhin zu wenige Kinder geboren werden.

Deutschland hatte eine Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau im Jahr 2006. Diese ist deutlich niedriger als die natürliche Reproduktionsrate von 2,1 Kindern pro Frau. Letztere jedoch ist nötig, um eine konstante Bevölkerungszahl zu gewährleisten. Deutschlands niedrige Geburtenrate kann einer der Gründe für ein zukünftig niedriges Wachstumspotential sein. Deshalb ist der demographische Wandel eine große Herausforderung für die deutsche Familienpolitik. Die Erhöhung der Geburtenrate muss eines der Hauptziele sein. Weiterhin hat auch die Integration von Müttern auf dem Arbeitsmarkt positive Effekte, sowohl auf Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge als auch auf die Kaufkraft der Familien. Eine wichtige Voraussetzung, um die deutsche Familienpolitik hinsichtlich einer erhöhten Geburtenrate auszurichten, ist zu wissen, wie deutsche Mütter ihre eigene Rolle und die Rolle des Staates bezogen auf die Kinderbetreuung und Familienfinanzierung eigentlich einschätzen. Hierzu kann das Selbstbild von Müttern eine Hilfe sein. Wenn dieses Selbstbild und familienpolitische Maßnahmen analysiert werden, kann man feststellen, wo Probleme oder Hindernisse in der aktuellen Familienpolitik liegen. Um die Analyse effektiver zu gestalten, sollte sie für mehrere Länder durchgeführt werden. Durch einen Vergleich der Ergebnisse können genauere Schlüsse gezogen werden. Frankreich charakterisiert sich durch eine der höchsten Geburtenraten Europas, einhergehend mit einer hohen Frauenerwerbstätigkeit und einem Ruf als familienfreundliches Land und bietet sich deshalb als zweites Land zur Analyse an.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn der Arbeit werden Aufbau, Forschungsfragen und Methoden der Forschung darlegt. Den Rahmen der Arbeit stellt das in Kapitel 2 erläuterte ‚impact model’ nach Klaus Peter Strohmeier dar. Es schließt sich eine Untersuchung wesentlicher Bestandteile der französischen und deutschen Familienpolitik an. Hierbei wird als erstes auf deren Entwicklung eingegangen und zweitens auf heutige Richtlinien in beiden Länder. Kapitel 4 stellt die Forschungsarbeit in Orléans und in Regensburg dar. Nach einer Definition des Begriffs ‚Selbstbild’ wird gezeigt, wie die, für die Forschung verwendeten deutschen und französischen Fragebögen aufgebaut sind (vgl. Kapitel 4.2). In der Folge wird darauf eingegangen, wie die Umfrage in den Vergleichsstädten Regensburg und Orléans verlaufen ist. Die von den Probanden ausgefüllten Fragebögen werden in Kapitel 4.4 ausgewertet und anhand deren Auswertung wird in Kapitel 4.5 das Selbstbild einer deutschen und in Kapitel 4.6 das Selbstbild einer französischen Mutter erstellt. In Kapitel 5 werden deutsche und französische Lebensmodelle, unter Berücksichtigung, dass beide Staaten Wohlfahrtsstaaten sind, dargelegt. Eine Analyse der Familienpolitik in Bezug auf das Selbstbild und die Lebensmodelle in Deutschland und Frankreich schließt sich in Kapitel 6 an. Es werden wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Staaten formuliert. Kapitel 7 rundet die Arbeit mit einem Resümee und einem Ausblick auf weitere Forschungsfelder ab.

Ziel der Arbeit und Forschungsfragen:

Hauptziel der Arbeit ist es, ein Selbstbild deutscher und französischer Mütter zu erstellen. Darauf aufbauend soll herausgefunden werden, ob die jeweilige Familienpolitik der beiden Länder auf diese Selbstbilder eingeht. Es wird unterstellt, dass die Erhöhung der Geburtenrate eines der Hauptziele der Politik sein muss.

Es stellen sich folgende Forschungsfragen:

- Wie gestalten sich die Selbstbilder der deutschen und französischen Mütter und welche Rolle spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

- Inwieweit gehen die deutsche und die französische Familienpolitik auf diese Selbstbilder ein?

- Worin bestehen wesentliche Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland bezüglich der Beachtung des Selbstbildes?

Methoden:

Die Arbeit stützt sich zum einen auf das ‚impact model’ von Klaus Peter Strohmeier. Auf dieses Modell wird im folgenden Kapitel gesondert eingegangen. Zum anderen basieren die Ergebnisse der Arbeit auf einer Fragebogenumfrage, welche in Kindergärten in Deutschland und in écoles maternelles in Frankreich gemacht wurden.

Ausgangsüberlegung war es, einen geeigneten Zugang zu der Meinung von Müttern zu erlangen. Da für die Arbeit eine Verallgemeinerung des Selbstbildes von Müttern vorgesehen war, musste eine Methode gefunden werden, mit welcher eine repräsentative Zahl an Probandinnen in die Auswertung eingebunden werden konnte. Interviews gestalteten sich daher zu zeitaufwendig und es war damit zu rechnen, dass viele Mütter kein Interesse oder auch keine Zeit für ein ausführliches Interview haben. Somit fiel die Wahl auf den Fragebogen als geeignete Methode, mit möglichst vielen Müttern Kontakt aufzunehmen. Um die Fragebögen letztendlich auch direkt an Mütter zu richten, bot die Einrichtung Kindergarten in Deutschland bzw. die école maternelle als equivalente Einrichtung in Frankreich die beste Basis. Es konnte so vermieden werden, auch Fragebögen an Frauen zu verteilen, welche gar keine Kinder haben. Im Rahmen der Einrichtung war außerdem zu erwarten, dass die Mütter die Fragebögen eher beantworten und abgeben, als sie bei einem Fragebogen zum Beispiel aus ihrem Briefkasten getan hätten.

Für die Fragebogenaktion dienten Regensburg (Deutschland) und Orléans (Frankreich) als Vergleichsstädte. Regensburg ist eine westdeutsche Stadt mit 132.495 Einwohnern. Sie bot sich als Ort für die Forschung eher an als eine ostdeutsche Stadt, da das System der ehemaligen DDR dem französischen sehr ähnlich war. Somit wären beim Vergleich wahrscheinlich keine signifikanten Unterschiede festzustellen. Die Wahl einer französischen Stadt fiel auf Orléans, da sie mit 113.237 Einwohnern etwa ebenso groß ist wie Regensburg. In verschiedenen ‚écoles maternelles’ in Orléans und Kindergärten in Regensburg wurden Mütter mit Hilfe von Fragebögen zum Thema Mutterrolle, staatliche Unterstützung, Ganztagsbetreuung und Karriere befragt. Die Fragebögen wurden in der jeweiligen Landessprache verfasst. Es ist zu beachten, dass die Kindergärten in beiden Städten zufällig ausgewählt wurden. Zur Auswertung der Fragebögen wurde mit dem Microsoft-Office-Programm EXCEL gearbeitet. Nicht alle Fragen wurden bei der Auswertung verwendet. Nähere Erläuterungen zu den Fragebögen und deren Auswertung sind in Kapitel 4 zu finden.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 3
Tabellenverzeichnis 4
1. EINLEITUNG 5
1.1 AUSGANGSÜBERLEGUNG 5
1.2 AUFBAU DER ARBEIT 6
1.3 ZIEL DER ARBEIT UND FORSCHUNGSFRAGEN 6
1.4 METHODEN 7
2. DAS ‚IMPACT MODEL' NACH KLAUS PETER STROHMEIER 8
3. FAMILIENPOLITIK IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH 11
3.1 ENTWICKLUNG DER FRANZÖSISCHEN UND DEUTSCHEN FAMILIENPOLITIK 11
3.1.1 Die Entwicklung der Familienpolitik in Deutschland 11
3.1.2 Die Entwicklung der Familienpolitik in Frankreich 13
3.2 HEUTIGE RICHTLINIEN DER FAMILIENPOLITIK IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH 16
3.2.1 Deutsche Richtlinien 16
3.2.2 Französische Richtlinien 19
4. DIE ERSTELLUNG DER SELBSTBILDER 22
4.1 WAS IST EIN SELBSTBILD? 22
4.2 AUFBAU DER FRAGEBÖGEN 23
4.3 DURCHFÜHRUNG UND RÜCKLAUF DER UMFRAGE 29
4.4 AUSWERTUNG DER FRAGEBÖGEN 30
4.5 DAS DEUTSCHE SELBSTBILD ALS ERGEBNIS DER UMFRAGE 48
4.6 DAS FRANZÖSISCHE SELBSTBILD ALS ERGEBNIS DER UMFRAGE 50
5. LEBENSMODELLE IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH 53
5.1 BEGRIFFSKLÄRUNG WOHLFAHRTSSTAAT 53
5.2 LEBENSMODELLE IN DEUTSCHLAND UND IHRE ENTWICKLUNG 54
5.3 LEBENSMODELLE IN FRANKREICH UND IHRE ENTWICKLUNG 56
6. ANALYSE VON FAMILIENPOLITIK UND SELBSTBILDERN 58
6.1 ANALYSE DER DEUTSCHEN SITUATION 58
6.2 ANALYSE DER FRANZÖSISCHEN SITUATION 61
6.3 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 63
7. RESÜMEE UND AUSBLICK 64
Literaturverzeichnis 66
Anhang 70

Textprobe:

Kapitel 5.3, Lebensmodelle in Frankreich und ihre Entwicklung:

Im Gegensatz zu Deutschland ist in Frankreich das Zwei-Verdiener-Modell vorherrschend. Die Entwicklung hin zu diesem Modell unterscheidet sich im Ursprung wenig mit der Entwicklung in Deutschland. Bis zur Zeit des Nationalsozialistischen Regimes sind keine wesentlich Unterschiede festzustellen. Jedoch entwickelte sich von 1933 bis 1945 nicht dasselbe Misstrauen gegenüber dem Staat wie in Deutschland. Der amerikanische Soziologe Talcott Parsons analysierte das französische Familienmodell und stellte 1938 fest, dass der Vater für die Kinder eine sehr marginale Rolle spielte und die Mutter im Haushalt das Sagen hatte. Der Mann sollte die Familie repräsentieren und die Frau erzog die Kinder und war ihre wichtigste Bezugsperson. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Bindung zwischen Mutter und Kind weiterhin sehr groß, die Väter sorgten für das Überleben der Familie und somit spielte die Frau die Hauptrolle in der Erziehung. Wie in Deutschland war also auch das Hausfrauenmodell vorherrschend, außerdem war es zu Zeit des Kalten Krieges nicht gern gesehen, sein Kind in die Krippe zu geben, da man nicht so sein wollte wie die Kommunisten im Osten. Der Modernisierungsschub der späten 1960er Jahre spielte aber auch in Frankreich eine große Rolle, die Frauen wollten zunehmend vom verbesserten Bildungssystem profitieren und im Verlauf der 1970er Jahre setzte eine starke Individualisierung ein. Es wurden immer mehr Bücher und Artikel veröffentlicht, in welchen Soziologen feststellten, dass eine Fremdbetreuung gar nicht so schädlich für Kinder sein konnte wie angenommen.

Der amerikanische Kinderpsychologe Bruno Bettelheim, die französische Autorin und Philosophieprofessorin Elisabeth Badinter, die französische Psychoanalytikerin Françoise Dolto ebenso wie zahlreiche amerikanische Soziologen zeigten in verschiedenen Werken auf, dass Fremdbetreuung, auch in Kindergärten, für die Sozialisation sehr förderlich sein kann. Mehr und mehr wurde Fremdbetreuung in der Gesellschaft akzeptiert, was der Mutter mehr Freizeit einräumte. Neyrand bezeichnet das aufstrebende Familienmodell der 1980er Jahre als ‘[.] ‚démocratique’, ‚antiautoritaire’, [und] ‚égalitariste’’. Die Rechte der Frauen stiegen, statt eines ‘[.] modèle patricentré’, in welchem der Vater das Familienoberhaupt war, entwickelte sich nun das ‘[.] modèle centré sur l’enfant’, in welchem vor allem die Gleichberechtigung eine große Bedeutung hat. In den 1990er Jahren gewann dieses Modell immer mehr an Bedeutung und wurde zum vorherrschenden Familienmodell in Frankreich. Die Meinung verschiedener Soziologen und Psychologen ging sogar soweit, dass sie einen zu großen Einfluss der Mutter auf ihr Kind kritisierten. Somit gewann die Frau mehr Zeit und hatte die Möglichkeit, arbeiten zu gehen. Nachdem der Staat seine Rolle in der Erziehung und Bildung der Kinder ausgebaut hat, kann die französische Mutter ohne schlechtes Gewissen arbeiten gehen und man spricht heute vom Zwei-Verdiener-Modell.

1982 wurde eine Berufstätigkeit von 54% erreicht. Im Jahr 2000 lag die Erwerbsquote von Müttern zweier Kinder, das letzte jünger als drei Jahre, bei 57,2%, wenn das letztgeborene Kind jünger als sechs Jahre ist, liegt die Erwerbsquote bei 80,1%. In Frankreich hat sich die Kultur, was die Familienmodelle und die Rolle der Frau betrifft, sehr verändert. Dies geschah vor allem durch den Einfluss von Soziologen und Psychologen. Traditionen waren nicht so fest verankert wie in Deutschland.

Arbeit zitieren:
Heilmann, Katharina September 2009: Das Selbstbild deutscher und französischer Mütter, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Frankreich, Kinder, Kultur, Selbstbild, Fremdbetreuung

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