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Finanzausgleich im Sportwettbewerb

Finanzausgleich im Sportwettbewerb
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Kutzner
  • Abgabedatum: Oktober 2009
  • Umfang: 88 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 53
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4413-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kutzner, Stefan Oktober 2009: Finanzausgleich im Sportwettbewerb, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sportökonomie, Contest Theory, Salary Cap, Invarianzprinzip, Revenue Sharing

Diplomarbeit von Stefan Kutzner

Einleitung:

‘Die Wahrheit liegt auf dem Platz’. Wohl einer der am häufigsten gebrauchten Ausrufe auf den Fußballplätzen, in den Spielerkabinen sowie an den Stammtischen von Flensburg bis Garmisch. Doch was steckt wirklich hinter solch einer mal eben daher gesagten Floskel? Auf den ersten Blick will der, der es sagt vermutlich darauf hinweisen, dass eine Entscheidung über einen Spielausgang in einem sportlichen Vergleich zumeist auf einem Spielfeld fällt und nicht im Vorfeld bestimmt wird.

Bei genauerem Hinsehen erfährt man sehr schnell, dass sehr viel mehr dahinter steckt, die Frage zu klären, wo genau denn nun die Wahrheit liegt. Ob auf dem Platz, neben Platz oder in anderen Ebenen. Zu diesem und vielen weiteren, auch weitaus tiefgründigeren Themen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein eigener Forschungsbereich entwickelt. Die Sportökonomie bzw. Sportökonomik. Diese junge Wissenschaft verknüpft im weitesten Sinne die Sportwissenschaften mit denen, der Wirtschaftswissenschaften. Dabei entzweit sich die Forschung in zwei Hauptstränge. Zum einen die präskriptiv arbeitende, normative Ebene, wo ökonomische Modelle auf den Sport übertragen werden, um dann anhand von Wirkungsanalysen Sportverbände und Organisationen beraten zu können. Zum anderen die deskriptive Analyse, welche Sportergebnisse sammelt und (statistisch) auswertet, um so mögliche Einflussfaktoren auf Entwicklungen im Sport erklären zu können. Die meisten Sportökonomen legen dabei wert auf eine Abgrenzung zum Sportmanagement. Hier ist der Fokus auf einen stärkeren Praxisbezug gerichtet und hat zumeist in irgendeiner Funktion organisierenden oder vermarktenden Charakter. Dabei liefert die Sportökonomie u. U. dienliche Ansatzpunkte für das ‘tägliche Brot’ eines Sportmanagers.

Diese Arbeit soll sich, so wie es die Überschrift zu diesem einleitenden Kapitel bereits andeutet, mit einer ausgewählten Fragestellung der Sportökonomie beschäftigen. Im Speziellen steht das Thema Finanzausgleich im Sportwettbewerb zur Diskussion. Die Beachtung derartiger Fragestellungen hat in den letzten beiden Jahrzehnten erheblich an Inhalt zugenommen. In Deutschland und ebenso international.

Damit im Zusammenhang stehend nimmt der Sport auch eine immer größer werdende Bedeutung in der Gesellschaft und als Wirtschaftsfaktor ein und sorgt somit eigenständig für eine Professionalisierung des Sports auf vielen Ebenen. Die Abbildungen 2 und 3 veranschaulichen dies anhand der Entwicklungen auf dem Jobmarkt Bundesliga, sowie den von den Bundesligisten generierten Gesamteinnahmen. Laut Statistischem Bundesamt betrug 2008 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2.495,80 Milliarden Euro. Die Erlöse machen somit nahezu ein Promille der Bruttowertschöpfung im gesamten Land aus. Es scheint nicht sonderlich viel zu sein, wird aber umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass dieser Beitrag zum BIP von lediglich 36 spielenden Vereinen zu je elf Spielern erzeugt wird. Damit ist zwangsläufig auch das Interesse der (Wirtschafts-)Wissenschaften für dieses Fachgebiet zu erklären.

Diese Arbeit wird, aus Gründen der Anschaulichkeit, während ihrer theoretischen Abhandlungen immer wieder einmal versuchen den Bezug zur Praxis herzustellen. Obwohl die Modelle und ihre Aussagen oftmals Allgemeingültigkeit besitzen und auf viele Sportarten übertragbar sind, werden die Beispiele überwiegenden Teils aus dem europäischen Fußball, insbesondere der 1. Bundesliga stammen.

Ausgeglichener Wettbewerb, zu Englisch Competitive Balance wird dabei eines der Schlagwörter dieser Arbeit sein. Einerseits ob es erwünscht ist und andererseits welche Folgen ein ausgeglichener Wettbewerb hat. Dabei wird darauf eingegangen ob schon von Natur aus Ausgeglichenheit bzw. Unausgeglichenheit determiniert ist und wie man, und ob man überhaupt für ein Mehr an Ausgewogenheit sorgen kann. Die Abhandlung, anschließend an diese Einführung, beginnt mit der Vorstellung eines allgemeinen Modells der Contest & Tournament Theory, welches sich in der Sportökonomie etabliert hat. Daran anknüpfend werden einige Regulationsmechanismen benannt und dessen Einfluss auf den Wettbewerb untersucht. Dazu werden einige Ergebnisse aus der in der ökonomischen Literatur des Sports, welche nicht immer der Intuition folgen, vorgestellt. Die wohl bekanntesten Elemente, weil in der Öffentlichkeit und in den Organisationsgremien heiß diskutiert, werden sein: Der Salary Cap, eine Gehaltobergrenze, sowie das Revenue Sharing, eine Aufteilung von Einnahmen, welcher besonderer Bedeutung heutzutage zukommt in der Frage Zentral- oder Einzelvermarktung von Übertragungsrechten. Vor einem abschließenden Resümee wird die Bedeutung der Spannung und Nichtvoraussagbarkeit von Wettkämpfen hervorgehoben. Dabei sollen einige Messverfahren und empirische Befunde, darunter auch eigene, vorgestellt und die Ergebnisse zu den Voraussagen der Theorie verglichen werden. Dass dabei die Wahrheit nicht immer nur auf den Plätzen zu finden ist, sei vorweggenommen.

Inhaltsverzeichnis:

A DANKSAGUNG I
B INHALTSVERZEICHNIS II
C TABELLEN- UND ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
D ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
1. EINFÜHRENDE WORTE ZUR SPORTÖKONOMIK 1
2. MODELL-ÖKONOMIE DES SPORTS 8
2.1 ÖKONOMISCHES DENKEN VERSUS SPORTLICHEM VERHALTEN 8
2.2 INDIVIDUALSPORTARTEN UND PREISSTRUKTUR 13
2.3 TEAMSPORTARTEN 17
2.3.1 TRANSATLANTISCHER VERGLEICH DER SPORTSYSTEME 18
2.4 KLASSISCHES MODELL UND INVARIANZPRINZIP 21
2.5 DAS OFFENE MODELL 28
3. MÖGLICHKEITEN DES FINANZIELLEN AUSGLEICHS UND DEREN WIRKUNG 31
3.1 LIGAINTERNE MECHANISMEN 31
3.1.1 AUF- UND ABSTIEGSREGELUNGEN 32
3.1.2 OPTIMALE LIGAGRÖßE 34
3.2 EXTERNE MECHANISMEN 37
3.2.1 ERLÖSAUFTEILUNG, (GATE)REVENUE SHARING UND ZENTRALVERMARKTUNG 37
3.2.2 SALARY CAP UND LUXURY TAX 45
4. WETTBEWERBSINTENSITÄT UND SPANNUNG 51
4.1 BEDEUTUNG DER WETTBEWERBSINTENSITÄT 51
4.2 MESSVERFAHREN UND GEEIGNETE INDIKATOREN 54
4.3 EMPIRISCHE BEFUNDE 57
4.4 FAZIT ZUR EMPIRIE 64
5. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN 66
6. ANHANG 69
7. LITERATURVERZEICHNIS 81

Textprobe:

Kapitel 2.3, Teamsportarten:

Mannschaftssport hat die Eigenschaft, im Gegensatz zu den Individualsportarten, dass eben nicht Einzelne gegen einander antreten, sondern eine Ansammlung von Individuen gemeinsam versucht eine andere Gruppe zu besiegen. Dabei kommt es in den meisten Fällen im besonderen Maße auf das Zusammenspiel der einzelnen Individuen an. Es kommen Elemente wie Kommunikation oder auch Taktik ins Spiel, was dieses zugleich komplizierter macht als die meisten Einzelsportarten. In einigen Sportarten ist das Zusammenspiel entscheidend: Beim Fußball, Handball, Basketball etc. Bei anderen, wie Schwimm- oder Leichtathletik-Staffeln sind die aufsummierten Einzelleistungen ausschlaggebend für den Erfolg. Mitunter gibt es auch Mischformen aus Mannschafts- und Einzelsport. Tennis kann im Einzel- oder Doppel gespielt werden, aber auch im Einzel und trotzdem kann man einem Team angehören, nämlich einem Nationalteam, wie z. B. im Daviscup. Nationalteams kann es natürlich in jedem Sport geben. In der weiteren Analyse spielt eine Unterscheidung keine Rolle. Es ist eher eine Angelegenheit der reinen Sportwissenschaften. Die Probleme der Teamproduktion liegen auf der Hand. Doping einzelner Spieler hat einen ebenso geringen Einfluss auf den Erfolg einer Mannschaft, wie ein einzelner Starspieler. Welcher durchaus als Zuschauermagnet andere positive Effekte auslösen kann. Nach dem Demsetz-Gesetz ist der Output eines Teams nicht gleich der Summe der individuellen Leistungen. So kann ein Spieler sehr erfolgreich und bspw. Torschützenkönig werden, aber die Mannschaft trotzdem absteigen. Zudem besteht die Gefahr von Moral Hazard und des Shirking. Weniger Anstrengung bzw. eine Leistungszurückhaltung steigert den privaten Nutzen, und schließt trotzdem eine Beteiligung am sozialen Erfolg nicht aus. Einen Mannschaftssport, der geprägt ist von Zusammenhalt und Teamgeist auf die ökonomischen Effizienzkriterien zu abstrahieren und in ein normatives Modell zu packen, lässt Szymanski zu der Aussage kommen, dass es eine eigenartige Ökonomik ist, mit welcher er sich selber befasst. Dabei kann hier die ökonomische Theorie, wie in vielen anderen Bereichen auch, zur Hilfe herangezogen werden. Wenn ein Organisator eben wissen möchte, wie er seinen Wettkampf ausgestalten soll, um seine Ziele zu erreichen. Neben der Theorie ist das Wettkampf-Design auch eine Frage der Einstellung und der Tradition. Bestes Beispiel dazu sind die unterschiedlichen Transfersysteme und die Spielermobilität in Nordamerika und Europa.

Die zentrale Erkenntnis, zu der auch Dobson und Goddard kommen, muss lauten, dass Erlösaufteilung oder Umverteilung zwischen Teilnehmern eines Contests keinen Einfluss hat auf die Ausgeglichenheit des Wettbewerbs. Auch hier gilt das Invarianzprinzip. Aber: Wie Szymanski feststellt, gilt dies nur in einer Walras-Welt (Standard-Modell nach z. B. Vrooman), aber nicht wenn man Eigennutzstreben nach Nash und individuelle Gewinnmaximierung als abgeänderte Annahmen unterstellt. Nash-Gleichgewichte gelten als Benchmark für nicht-kooperative Spiele. Weiterhin gilt das fixe Angebot an Talent. Alle Teams sind abhängig von den Entscheidungen anderer Teams. Bei n-Teams entscheiden (n-1)-Teams und für das n-te Team ist die Wahl über die eigenen Anstrengungen keine Wahl mehr. Bei nur zwei Teams ist also ein Team entscheidend. Das ist aber nicht typisch Nash. Dieser suchte immer nach besten Antworten auf die Strategien des Anderen. Auf die Wahl von Team 1 hat Team 2 nur eine mögliche Antwort, das ist dann automatisch die beste Antwort. Wenn man sagt, dass man aber aus mindestens zwei Alternativen Antworten wählen können muss, dann existiert also überhaupt kein Nash-Gleichgewicht. Weil eben die gegenseitige Abhängigkeit die Wahlfreiheit beschneidet. Deswegen formuliert Szymanski das Spiel um. Man entscheidet nicht mehr direkt über Siegwahrscheinlichkeiten, sondern zunächst über seinen Anteil an der Gesamtmenge an Talent.

Auch hier entsteht ein Gleichgewicht. Das nun ein quasi Cournot-Nash-Gleichgewicht eines Duopols abbildet. Der wichtigste Punkt ist in Abbildung 11 grün gekennzeichnet. Dieser Punkt ist so hervorhebenswürdig weil er links vom Ausgangsgleichgewicht liegt. Die Grenzerlöse der Investments sind gleich, aber nicht die Grenzerlöse der Gewinnwahrscheinlichkeit. Das bedeutet für gleiche Investitionen im Jahr n folgt nicht, dass das große Team 1 (z. B. Bayern) und das kleine Team 2 (z. B. Freiburg) gleiche Chancen auf den Sieg haben. Weitere Faktoren, vor allem frühere Investitionen spielen eine Rolle. Das Gleichgewicht verschiebt sich nach links. Dies kommt in der Grafik zustande, weil sich die Grenzerlöse aus dem Talentestock des großen Teams um einiges weiter nach unten verschieben als die des kleinen Teams. Dies kommt zustande, weil bei Erlösaufteilung, die beiden Grenzerlöse interdependent sind. Soll heißen die Erlöse des einen beinhalten auch einen Teil der Erlöse des anderen, die er abgeben muss, falls dieser gewinnt. Dieser Effekt aufgrund der größeren Gesamterlöse beim großen Club natürlich größer als beim kleinen Club, deswegen die größere Verschiebung. Die Verschiebung ist nicht das eigentlich Interessante. Sie deutet zwar auf eine Veränderung der Competitive Balance hin, aber entscheidend ist die Verschiebung nach links. Dies zeigt nämlich, dass sich bei Nash-Verhalten und einer Erlösaufteilung, der Wettbewerb

Arbeit zitieren:
Kutzner, Stefan Oktober 2009: Finanzausgleich im Sportwettbewerb, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sportökonomie, Contest Theory, Salary Cap, Invarianzprinzip, Revenue Sharing

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