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Vorschläge zur Veränderung der Regulierung im Zuge der Finanzmarktkrise

Die Arbeit wurde im Juli 2010 mit dem Wissenschaftspreis der Sparkasse Vest Recklinghausen ausgezeichnet.
Vorschläge zur Veränderung der Regulierung im Zuge der Finanzmarktkrise
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Karsten Knippelmeyer
  • Abgabedatum: Dezember 2009
  • Umfang: 138 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 193
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4228-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Arbeit wurde im Juli 2010 mit dem Wissenschaftspreis der Sparkasse Vest Recklinghausen ausgezeichnet.
  • Arbeit zitieren: Knippelmeyer, Karsten Dezember 2009: Vorschläge zur Veränderung der Regulierung im Zuge der Finanzmarktkrise, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bankenaufsicht, Gläubigerschutz, Liquidität, Basel II, Rating

Diplomarbeit von Karsten Knippelmeyer

Problemstellung:

Seit Ausbruch der Finanzmarktkrise im Jahr 2007 befinden sich die Finanzmärkte im Umbruch. Glaubte man anfangs noch, die Subprime-Kredite seien der einzige Grund für die Turbulenzen auf den globalen Finanzmärkten, so weiß man heute, dass weitaus mehr Faktoren dazu beitrugen, dass die Wirtschaft derzeit mit der wohl schwersten Rezession seit Anfang der 1930er Jahre zu kämpfen hat. Unkontrollierte Kreditschöpfungsprozesse sowie das Streben nach der höchsten Rendite haben schließlich dazu geführt, dass es zum Platzen der Kreditblase kam.

Zwei Jahre nach der verpflichtenden Anwendung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung steht dieses Rahmenwerk heute in der Kritik. Wie konnte es trotz umfangreicher Eigenkapitalanforderungen und qualitativer Aufsichtsinstanzen zu dieser Finanzmarktkrise kommen? Haben die Baseler Eigenkapitalregeln versagt? Derzeit wird nach Lösungen gesucht, wie man das Gerüst für stabile Finanzmärkte verbessern kann. Ebenso wie sich die Finanzmärkte weltweit ausgerichtet haben, müssen sich entsprechend auch Aufsichts- und Regulierungsinstanzen neu orientieren - denn globale Märkte benötigen eine globale Aufsicht.

Die vorliegende Arbeit stellt vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzmarktkrise Lösungsansätze verschiedener nationaler wie internationaler Institutionen für eine Stabilisierung der Finanzmärkte vor und wertet diese aus. Mit den daraus gewonnen Erkenntnissen werden schließlich Vorschläge für eine Veränderung der Bankenaufsicht und –regulierung präsentiert, um zukünftigen Krisen vorzubeugen.

Gang der Untersuchung:

Im zweiten Kapitel dieser Arbeit werden zunächst die Grundlagen staatlicher Regulierung erörtert. Dazu erfolgt in Kapitel 2.1 eine Abgrenzung des Regulierungsbegriffs. Kapitel 2.2 und 2.3 liefern anschließend die normativen sowie positiven Theorieansätze für staatliche Eingriffe. In Kapitel 2.4 werden darauf aufbauend theoretische Ansätze für den speziellen Fall der Bankenregulierung herausgearbeitet. Ausgehend von vertragstheoretischen Grundlagen wird zunächst eine Existenzberechtigung für Banken erarbeitet, um dann vor dem Hintergrund des Gläubiger- und Funktionenschutzes die Notwendigkeit für eine Bankenregulierung aufzuzeigen. Daraufhin folgt eine Darstellung bankbetrieblicher Risiken. Der letzte Punkt des zweiten Kapitels stellt schließlich die Aufsicht in Europa und deren Entwicklung im Rahmen von Basel I und Basel II im Hinblick auf quantitative sowie qualitative Anforderungen an das Eigenkapital und das Risikomanagement in Banken dar.

Das dritte Kapitel arbeitet die seit 2007 herrschende Finanzmarktkrise auf. Zunächst wird der Begriff der Finanzmarktkrise abgegrenzt, um anschließend die Entstehung der Krise vor dem Hintergrund des Subprime-Marktes in den USA zu verdeutlichen. Zunächst werden Aufbau und Funktion von strukturierten Finanzinstrumenten vorgestellt, um darauf aufbauend den Risikotransfer an die internationalen Kapitalmärkte zu veranschaulichen. Kapitel 3.2.3 und 3.3 zeigen schließlich den Übergriff der Finanzmarktkrise auf das europäische Bankensystem sowie auf die Realwirtschaft, speziell am Beispiel Deutschland, auf.

Kapitel 4 präsentiert Vorschläge und Diskussionsansätze für eine Veränderung der Regulierung in Europa. Zunächst werden regulatorische Vorschläge des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, der Europäischen Union sowie Deutschland vorgestellt. Anschließend folgt die Darstellung institutioneller Vorschläge für eine Verbesserung der Regulierung auf europäischer und auf deutscher Ebene.

Kapitel 5 gibt schließlich internationale Vorschläge für eine Veränderung der Regulierung, sowohl auf regulatorischer als auch institutioneller Basis, wieder. Dazu werden in Kapitel 5.1 die im Hinblick auf die Finanzmarktkrise abgehaltenen G20 Gipfeltreffen ausgewertet. Kapitel 5.2 fasst schließlich die entscheidenden Ergebnisse der Kapitel 4 und 5 noch einmal zusammen. Die Ergebnisse werden anschließend kritisch beleuchtet, deren Zielkonformität hinterfragt sowie offene Punkte angesprochen.

Kapitel 6 beinhaltet ein abschließendes, kurzes Fazit und gibt einen Ausblick für weitere Entwicklungen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis IX
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit 1
1.2 Gang der Untersuchung 1
2. Theorie und Grundlagen staatlicher Regulierung 4
2.1 Zum Regulierungsbegriff 4
2.2 Die normative Theorie der Regulierung 5
2.3 Die positive Theorie der Regulierung 6
2.4 Theoretische Begründung einer Bankenregulierung 8
2.4.1 Vertragstheoretische Grundlagen 9
2.4.1.1 Informationsverteilungen und vollständige vs.unvollständige Verträge 9
2.4.1.2 Banken- und Finanzintermediation 12
2.4.2 Gläubigerschutz 15
2.4.3 Funktionenschutz 19
2.4.4 Bankbetriebliche Risiken 21
2.4.4.1 Adressenrisiken 22
2.4.4.2 Marktpreisrisiken 23
2.4.4.3 Operationelle Risiken 24
2.4.4.4 Liquiditätsrisiken 25
2.5 Die Aufsicht in Europa seit 1988 26
2.5.1 Von Basel I zu Basel II 27
2.5.2 Ziel und Aufbau von Basel II 30
2.5.2.1 Die erste Säule: Quantitative Eigenkapitalanforderungen 31
2.5.2.2 Die zweite Säule: Der Supervisory Review Process 36
2.5.2.3 Die dritte Säule: Erweiterte Offenlegung 38
3. Die Finanzmarktkrise ab 2007 40
3.1 Zum Begriff Finanzmarktkrise 40
3.2 Die Entstehung der Krise 42
3.2.1 Der Subprime-Markt in den USA 42
3.2.2 Risikotransfer an internationale Kapitalmärkte 47
3.2.3 Übergriff der Krise auf das europäische Bankensystem 50
3.3 Die weitere Entwicklung der Krise in Deutschland und Ausblick 51
4 Vorschläge zur Veränderung der Regulierung in Europa 54
4.1 Regulatorische Reaktionen auf die Krise 54
4.1.1 Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht 55
4.1.1.1 Änderungen der Säulen I bis III 55
4.1.1.2 Zu ‘Cliff Effekten’ durch externe Ratings 58
4.1.1.3 Prozyklizität 58
4.1.1.4 Eigenkapitaldefinition 60
4.1.1.5 Die Verwendung einer ergänzenden Kennziffer 61
4.1.1.6 Zur Liquidität in Banken 62
4.1.1.7 Bilanzielle Behandlung von Finanzinstrumenten 63
4.1.2 Die Europäische Union 65
4.1.2.1 Erstes Änderungspaket zur Banken- und Kapitaladäquanzrichtlinie 66
4.1.2.2 Zweites Änderungspaket zur Banken- und Kapitaladäquanzrichtlinie 69
4.1.2.3 Drittes Änderungspaket zur Banken- und Kapitaladäquanzrichtlinie 70
4.1.3 Deutschland 72
4.2 Institutionelle Reaktionen auf die Krise 74
4.2.1 Die Europäische Union 74
4.2.1.1 Die mikroprudentielle Aufsicht 74
4.2.1.2 Die makroprudentielle Aufsicht 77
4.2.2 Deutschland 78
4.2.2.1 Die Einlagensicherung 78
4.2.2.2 Regulierung von Rating-Agenturen 81
4.2.2.3 Ziel und Aufbau der Finanzmarktstabilisierungsanstalt 82
5 Internationale Reaktionen auf die Krise 85
5.1 Die Rolle der G20-Staaten 85
5.1.1 G20-Gipfel in Washington 85
5.1.2 G20-Gipfel in London 87
5.1.3 G20-Gipfel in Pittsburgh 89
5.2 Zusammenfassender Überblick und kritische Würdigung 90
6 Fazit 95
7 Summary 97
8 Anhang 99
9 Literaturverzeichnis 107

Textprobe:

Kapitel 3.2.3, Übergriff der Krise auf das europäische Bankensystem:

Die Probleme an den Hypotheken- und Finanzmärkten sowie die damit verbundenen Verluste bei den Subprime-Krediten breiteten sich zunächst in den USA rasant aus.Die mit Krediten besicherten Vermögenswerte konnten zum Teil nicht mehr refinanziert werden. Dies führte schließlich dazu, dass das Vertrauen am Interbankenmarkt sank. Zunächst geriet 2007 die Investmentbank Bear Sterns in Liquiditätsschwierigkeiten und wurde schließlich von J.P. Morgan Chase übernommen. Die USA bewegten sich in eine immer tiefer gehende Rezession, der mit Hilfe eines Rettungspaketes sowie mit der Übernahme der Agenturen Fannie Mae und Freddie Mac durch die FHFA Abhilfe geschaffen werden sollte. Auch der US-Versicherer AIG geriet aufgrund seines CDS-Portfolios über 440 Mrd. USD ins Wanken und musste von der US-Regierung mit Liquidität i.H.v. 85 Mrd. USD gestützt werden. Die unerwartete Insolvenz der Lehman Brothers Holdings Inc. am 15. September 2008 sorgte schließlich für einen endgültigen Vertrauensbruch auf den Märkten weltweit. Die ‘Too-big-to-fail-Hypothese’ wurde damit gebrochen.

Die Eurozone wurde daraufhin ebenfalls von den Entwicklungen in den USA getroffen. Aufgrund der stabilitätsorientierten Geldpolitik zunächst aber nicht in dem Maße wie die USA selber. In Europa waren die Länder Deutschland, Großbritannien, die Niederlande, Belgien und Island besonders betroffen. In Deutschland sind insbesondere die Fälle der IKB Deutsche Industriekreditbank, die über ihre Tochtergesellschaft (Rhineland Funding) am US Immobilienmarkt tätig war sowie die Sachsen LB (nun zur LBBW gehörig), die Bayern LB, die West LB und die Hypo Real Estate hervorzuheben. Aber auch die Northern Rock plc. (als Beispiel für einen klassischen Bank-Run), die Fortis-Bank sowie die Insolvenz der Kaupthing Bank, die sogar für enorme Liquiditätsprobleme eines ganzen Staates sorgte, sind Beispiele für den Übergriff der Finanzmarktkrise auf das europäische Bankensystem. Abschließend lässt sich festhalten, dass durch das schnelle und gemeinschaftliche Eingreifen der Mitgliedsländer der Eurozone sowie der Zentralbanken eine wahre Insolvenzflut von Banken verhindert werden konnte. Bspw. wurde in Deutschland im Rahmen des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes ein Maßnahmenpaket entwickelt, welches Garantien sowie die Zufuhr von Eigenmitteln beinhaltet. Im Vergleich dazu sind in den USA mittlerweile 153 Banken in die Insolvenz gegangen (Stand: 25.11.2009).

Die weitere Entwicklung der Krise in Deutschland und Ausblick Nachdem die Finanzmarktkrise auf europäische Finanzmärkte übergriff, brachen die DAX-Kurse ein und erreichten mit 3666,41 Punkten (06.03.2009) das niedrigste Ergebnis seit 2002 (2423,87 Punkte). (Die Entwicklungen schlugen auch auf die Konjunktur durch. Nachdem im Jahr 2008 zunächst optimistische Prognosen veröffentlicht wurden, mussten die Institute diese mehrfach nach unten korrigieren. Im April 2009 wurde zeitweise sogar ein Rückgang der deutschen Wirtschaft um bis zu 7% prognostiziert. Aktuell sagen die Wirtschaftsweisen in ihrem aktuellen Jahresgutachten für das Jahr 2009 einen Rückgang um 5% im Durchschnitt und für das Jahr 2010 eine leichte Erholung um 1,6% vorher. Bezeichnend für die negativen Konjunkturdaten waren insbesondere die Entwicklungen in der Industrie. Produktionseinbrüche in Höhe von 5% sowie exorbitante Rückgange im Export sowie im Bereich der Ausrüstungsinvestitionen stellten vor allem die Automobil- wie auch Maschinenbaubranche vor enorme Herausforderungen. Hinzu kommt die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe, die sowohl Großunternehmen als auch mittelständische Unternehmen vor enorme Schwierigkeiten stellte. Eine Kreditklemme ist jedoch nicht festzustellen. Trotzdem waren Kurzarbeit und eine Zunahme von Insolvenzen die Folge. Die Stimulierungsmaßnahmen des Konjunkturpaketes II (Umweltprämie, Kurzarbeit, Investitionsförderungen etc.) regten die Nachfrage vor allem beim privaten Konsum an. Aktuell zeichnet sich eine Erholung der Wirtschaftslage ab, wobei nicht vergessen werden darf, dass diese Erholung unter Zuführung von massiver Liquidität der Notenbanken stattfindet. Für den Arbeitsmarkt in Deutschland wird eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit von derzeit 7,6% auf 9,7% in 2011 vorausgesagt.

Insgesamt kann die Wirtschaftslage vor dem Hintergrund der oben prognostizierten Arbeitslosenzahlen sowie erneuter Unsicherheiten im Finanzsektor (Kurseinbruch bei Finanztiteln) noch nicht als hinreichend stabil angesehen werden. Abschließend muss man daher feststellen, dass die Finanzkrise final noch nicht als abgeschlossen erklärt werden kann, da das Ausmaß möglicher Nachwirkungen noch nicht mit Sicherheit einschätzbar ist.

Arbeit zitieren:
Knippelmeyer, Karsten Dezember 2009: Vorschläge zur Veränderung der Regulierung im Zuge der Finanzmarktkrise, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bankenaufsicht, Gläubigerschutz, Liquidität, Basel II, Rating

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