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Textprobe:
Kapitel 3.4, Der Erbschaftsrechner als Prototyp:
Natürlich bleibt bei jedem Neuprojekt, bei dem auf keinerlei Erfahrungswerte von artverwandten oder zurückliegenden Projekten zurückgegriffen werden kann, immer ein Restrisiko. Jederzeit können unkalkulierbare Probleme oder Schwierigkeiten während der Entwicklung auftreten, die das Vorhaben zum Scheitern verurteilen können oder die vorgesehene Entwicklungszeit deutlich in die Länge ziehen. Um dies möglichst zu vermeiden, werden nachstehend Methoden des Prototypings vorgestellt.
3.4.1 Methode des Rapid Prototypings:
Bei Rapid Prototyping wird, nachdem der Prototyp den Anforderungsstand erreicht und mit diesem abgeglichen wurde, die Erstversion gänzlich verworfen. Das bedeutet in dem Zusammenhang, dass die eigentliche Anwendung erst jetzt entwickelt wird. Trotzdem wird während der Entwicklungsphase so getan, als sei es das fertige Endprodukt. Es wird somit unter realen Bedingungen konzipiert und entwickelt.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Probleme und Fehler, die während der ausgegliederten Entwicklung gemacht wurden nicht im Endprodukt enthalten sind.
Dies führt wiederum zu einer saubereren, strukturierten Arbeitsweise und optimierter, übersichtlicher Programmierung bei der Endprodukterstellung, da man weiß, wie man vorzugehen hat.
Der Nachteil dabei ist, dass bereits einmal durchgeführte Arbeiten erneut angegangen werden müssen. Dadurch kann sich das Projekt deutlich in die Länge ziehen, vor allem dann, wenn während des Prototypings kaum Schwierigkeiten auftraten und die Implementierung reibungslos verlief.
3.4.2 Methode des Evolutionäres Prototypings
Ein in der Entwicklung befindliches Softwareprodukt wird hier nie als abgeschlossen betrachtet sondern befindet sich meist in einem fortlaufendem Entwicklungs- und Verbesserungsprozess. Bei einem auf diesem Wege entstandenen und ausgereiften Prototypen wird nach Erreichen der Anforderungsrichtlinien nicht mehr zwischen einem in der Endwicklung befindlichen Produkt und dem Endprodukt unterschieden. Das bedeutet, dass nicht wie im vorherigen Abschnitt von Neuem mit der Programmierung begonnen werden muss.
Evolutionäres Prototyping bietet den Vorteil, dass dem Kunden bereits sehr früh ein Produkt präsentiert wird, dass sich noch in der Entwicklungsphase befindet. Es dient dann vor allem als Kommunikationsplattform zwischen Kunde und Hersteller. Weil der Kunde in das Entwicklungsprojekt frühzeitig und aktiv eingebunden wird, erfreut sich dieser einer erhöhten Akzeptanz. Durch seine aktive Mitarbeit reduziert sich die Gefahr einer Fehlentwicklung, da der Auftraggeber frühzeitig entsprechende Fehler oder Abweichungen an den Hersteller zurückgeben kann.
Allerdings beinhaltet evolutionäres Prototyping auch sehr viele Gefahren beim späteren Produktvertrieb. Es ist durchaus denkbar, dass das Endprodukt Schwachstellen der folgenden Art hat:
Falsche Bewertung seitens des Kunden:
Durch das frühzeitige Präsentieren einer ersten Version, könnte der Kunde denken, dass das Produkt schon fertig sei bzw. nicht mehr weiter entwickelt werden könnte.
Ewiges Projekt:
Die Gefahr der ständigen Ausmerzung von Fehlern oder Verbesserungen erhöht die Gefahr, dass das Projekt nie zum Abschluss kommt und dadurch die Kosten in die Höhe getrieben werden.
Unübersichtlicher Programmcode:
Das Endprodukt kann unübersichtlichen Programmcode enthalten, der während der Entwicklungstätigkeit des Prototypen zwar funktionsfähig ist, aber umständlich implementiert wurde. Darunter leidet mitunter auch die Performance.
Fehleranfälligkeit:
Während der Entwicklungstätigkeit sind vielfach noch nicht alle Spezialfälle abgedeckt worden. Das Programm funktioniert zwar vielleicht in Standardsituationen korrekt, könnte aber bei speziellen Eingaben in nicht definierbare Zustände gelangen.
Überflüssige Codezeilen:
Während der Konzeption wird vielfach experimentiert um nach einer Lösung des Problems zu suchen. Eine Vielzahl von stillgelegten Programmzeilen können noch im Programmcode enthalten sein, die aus einer anderen Überlegung des Programmierers stammen, aber nicht zur Lösung beigetragen haben.
3.4.3 Auswahl des geeigneten Prototypings für dieses Projekt:
R&S Software hat sich bei der Wahl des Prototyps entschieden, diesen unabhängig von der späteren Endversion zu entwickeln. Der Prototyp wird also höchstwahrscheinlich verworfen.
Der Grund hierfür liegt darin, dass es sich um eine völlig neue Software handelt. Man hat zudem keinerlei Erfahrungswerte oder Produkte, die irgendwelche Ähnlichkeiten besitzen. Auf Kundenfeedback lässt sich auch nicht zurückgreifen, da die R&S Klientel bis jetzt noch nicht mit so einem Tool konfrontiert wurde bzw. irgendwelche Erfahrungen sammeln konnten. Es liegen auch nur ansatzweise Kundenwünsche vor.
Ferner wäre es fatal, sofort mit der Implementierung der Endversion zu beginnen. Denn es ist noch nicht einmal klar, wie die gesetzliche Erbfolge als Basis der Erbschaftssoftware durch ein mathematisches Modell bzw. als Datenstruktur sinnvoll darstellbar ist. Das Projekt könnte dadurch jederzeit scheitern.
Es ist auch nicht vorgesehen, die erste Version zum Testen an die Kundschaft heraus-zugeben. Die Testphase erfolgt rein betriebsintern.
Die Geschäftsleitung hat vorläufig zwar grünes Licht für diesen Prototypen gegeben. Wann aber das Tool später einmal vertrieben wird, steht noch nicht fest. Zunächst sollen also nur interne Erfahrungswerte gesammelt werden.
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