Nachhaltige Nutzung der Elbregion unter besonderer Berücksichtigung des Klimawandels
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefanie Skiba
- Abgabedatum: Juli 2009
- Umfang: 88 Seiten
- Dateigröße: 640,4 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 170
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3599-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Skiba, Stefanie Juli 2009: Nachhaltige Nutzung der Elbregion unter besonderer Berücksichtigung des Klimawandels, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Ökosystem, Biodiversität, Flussgebietsmanagement, Tourismus, Geografie
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Diplomarbeit von Stefanie Skiba
Einleitung:
Die Elbe ist eines der größten Fließgewässer Mitteleuropas. Weitgehend frei fließend und naturnah durchquert sie den größten zusammenhängenden Auenwald Mitteleuropas.
Sie ist als einzigartiges Ökosystem, das zahlreiche Tiere und Pflanzen beherbergt, eine elementare Komponente der Natur. Aufgrund ihrer spezifischen Biodiversität erbringt sie verschiedene natürliche Leistungen, die wiederum eine anthropogene Nutzung der Elberegion ermöglichen.
Allerdings gefährden verschiedene Aspekte das Ökosystem Elberegion, sodass Einschränkungen der Biodiversität und der Leistungen resultieren und folglich die anthropogenen Nutzungen beeinträchtigt werden.
Die Biodiversität der Elberegion muss geschützt werden, weil sie als Grundlage des Lebens den Menschen zu Existenz und Wohlbefinden befähigt.
Bereits 1990 wurde deshalb die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe gegründet, um die Qualität dieser Flusslandschaft zu verbessern.
Derzeit hat die Bundesrepublik Deutschland den Vorsitz dieser Kommission, die sich für die Erstellung eines Bewirtschaftungsplans, der die Notwendigkeit einer ökologieverträglichen Nutzung der Elbe berücksichtigen soll, engagiert. Hierbei ist eine komplexe, sowohl nationale, als auch internationale Kooperation mit Umweltverbänden und Elbe-Nutzern notwendig.
Auf der internationalen Ebene liegt bereits ein als Teil A des Bewirtschaftungsplans bezeichneter Entwurf vor. Er legt fest, dass die Gesamtheit aller Bewirtschaftungskonzepte, die im nationalen Kontext durch die jeweiligen Mitgliedstaaten erarbeitet werden sollen, Teil B des Bewirtschaftungsplans bildet.
Folglich bedarf es eines Bewirtschaftungskonzeptes für die Elberegion, bei dessen Erarbeitung durchaus Gefahren, wie mangelnde Objektivität sowie ungenügende Weitsicht bestehen können, die beispielsweise auf Partialinteressen zurückzuführen sind.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist deshalb, Kriterien einer nachhaltigen Nutzung der Elberegion zu entwickeln, die langfristige klimawandelbedingte Nutzungsveränderungen berücksichtigen.
Gang der Untersuchung:
Nach einer kurzen Vorstellung der Elberegion in Kapitel 1, sollen in Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit die maßgeblichen natürlichen Leistungen des Ökosystems Elberegion erörtert werden. Des Weiteren folgt eine Vorstellung ausgewählter Nutzungen der Elberegion. Diese werden im Hinblick auf ihre Abhängigkeit von den natürlichen Leistungen der Elberegion untersucht, um herauszufinden, auf welchen ökosystemaren Leistungen welche anthropogenen Nutzungen basieren. Außerdem soll analysiert werden, ob sich einzelne anthropogene Nutzungen zueinander konfliktionär verhalten und auf welche Mechanismen dies gegebenenfalls zurückzuführen ist.
In Kapitel 3 dieser Arbeit sollen Klimawandelaspekte in die Untersuchung integriert werden, sodass im Ergebnis festgehalten werden kann, inwieweit wechselseitige Abhängigkeiten zwischen Klimawandel und dem Ökosystem Elberegion bestehen, wobei anthropogene Nutzungen der Elberegion implementiert werden sollen. Demnach bedarf es zuvor der Analyse, welche klimawandelbedingten Folgen die natürlichen Leistungen betreffen und welche Entwicklungstendenzen sich hieraus für die Nutzungsmöglichkeiten der Elberegion ergeben.
Anschließend soll in Kapitel 4 nach einer kurzen Begriffsklärung von Nachhaltigkeit ermittelt werden, ob und warum eine nachhaltige Nutzung der Elberegion notwendig ist. Außerdem soll erörtert werden, welche charakteristischen Merkmale die anthropogene Nutzung der Elberegion aufweisen muss, um Nachhaltigkeitsaspekte zu erfüllen. Hierbei sollen die in Kapitel 3 erzielten Erkenntnisse über Interdependenzen zwischen dem Klimawandel und dem Ökosystem Elberegion berücksichtigt werden. Zudem soll erarbeitet werden, welche Anspruchsgruppen an eine nachhaltige Nutzung der Elberegion bestehen.
Letztendlich sollen in Kapitel 5 der vorliegenden Arbeit ausgewählte Nutzungen auf die Erfüllung der in Kapitel 4 erarbeiteten Nachhaltigkeitstatbestände untersucht werden. Wenn hierbei Abweichungen festgestellt werden, sollen, wenn möglich, Handlungsalternativen aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Einführung | 1 | |
| 1. | Geografie, Klima und Morphologie der Elberegion | 4 |
| 1.1 | Geografie | 4 |
| 1.2 | Klima | 6 |
| 1.3 | Morphologie | 7 |
| 2. | Überblick über Leistungen und Nutzungen der Elberegion | 8 |
| 2.1 | Wesentliche Leistungen der Elberegion als Ökosystem | 8 |
| 2.2 | Ausgewählte Nutzungen der Elberegion | 11 |
| 2.2.1 | Fischerei | 11 |
| 2.2.2 | Landwirtschaft | 13 |
| 2.2.3 | Wasserwirtschaft | 13 |
| 2.2.4 | Binnenschifffahrt | 15 |
| 2.2.5 | Tourismus/Naherholung | 19 |
| 2.3 | Zusammenfassung | 23 |
| 3. | Interdependenz zwischen Klimawandel und Elberegion | 25 |
| 3.1 | Präsenz und Wesen des Klimawandels | 25 |
| 3.2. | Dynamik der Elberegion als Folge des Klimawandels | 28 |
| 3.2.1 | Konsequenzen für Leistungen | 28 |
| 3.2.2 | Konsequenzen für Nutzungen | 30 |
| 3.3 | Klimawandelbedingte Regelkreise | 35 |
| 4. | Notwendigkeit nachhaltiger Nutzungen der Elberegion | 37 |
| 4.1 | Allgemeine Definition von Nachhaltigkeit | 37 |
| 4.2 | Charakteristika der nachhaltigen Nutzung der Elberegion | 38 |
| 4.3 | Anspruchsgruppen an eine nachhaltige unternehmerische Nutzung der Elberegion | 42 |
| 4.4 | Überblick über ökologiebezogene rechtliche Rahmenbedingungen der Elbe-Nutzung | 44 |
| 4.5 | Zusammenfassung | 50 |
| 5. | Eckpfeiler einer nachhaltigen Nutzung der Elberegion | 50 |
| Fazit | 58 | |
| Anhang | III | |
| Literaturverzeichnis | X |
Textprobe:
Kapitel 3.2.2, Konsequenzen für Nutzungen:
Fischerei:
Die zuvor beschriebene durch Klimawandel hervorgerufene Beeinträchtigung der Biodiversität gefährdet die Leistung des ‚natürlichen Artenbestandes’, zu dem auch Fischarten zählen.
Ein Erklärungsansatz ist, dass aufgrund der höheren Wassertemperaturen und niedrigeren Wasserstände die Durchflussmengen- und Geschwindigkeiten des Wassers abnehmen und die Wasserqualität leidet.
So werden beispielsweise die in Sedimenten zuvor gebundenen Schadstoffe freigesetzt und der Sauerstoffgehalt des Wassers sinkt. Ferner wird die Wasserqualität durch Hochwasser beeinträchtigt, da diese Pestizide, Dünger, Industriechemikalien und Krankheitserreger aus Kanalisationen in den Fluss schwemmen.
Einem anderen Erklärungsansatz folgend, werden die im Zuge des Klimawandels steigenden Wassertemperaturen einen geringeren Fischbestand verursachen, da das Laichverhalten vieler Fische von der Wassertemperatur abhängt.
Werden Fischarten in Qualität oder Quantität beeinträchtigt, ergeben sich im Hinblick auf Fischerei zwangsläufig Nutzeneinbußen. Klimawandel wirkt demnach ausschließlich negativ auf die in Kapitel 2.2.1. bereits als gegenwärtig bedeutungsschwach eingestufte Fischerei.
Landwirtschaft:
Dagegen beeinflusst der Klimawandel die Landwirtschaft nicht nur negativ, sondern auch positiv. Zu den wenigen positiven Aspekten gehören die Pflanzenwachstumsförderung durch eine höhere Kohlendioxid-Konzentration in der Luft und die längere Vegetationsperiode durch höhere Temperaturen.
Daraus würden zunächst landwirtschaftliche Ertragssteigerungen hervorgehen.
Allerdings überwiegen die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft. So dehnen sich beispielsweise Wärme liebende Schädlinge oder von Insekten übertragene Viruskrankheiten aus, die Ertragsverluste nach sich ziehen. Außerdem werden durch Extremwetterereignisse wie z.B. Hitzewellen oder Starkniederschläge verstärkt Ernteeinbußen erwartet.
Im Hinblick auf tierische Erzeugnisse wird aufgrund zu hoher Temperaturen und neuer übertragbarer Krankheiten insbesondere die Milchviehhaltung von Ausfällen betroffen sein.
Die gleichwohl schwerwiegendste Problematik stellt allerdings die hohe Sensitivität der Landwirtschaft gegenüber klimawandelbedingter Trockenheit dar.
Hierdurch wird die grundlegende Abhängigkeit der Landwirtschaft von der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ erneut manifestiert. Denn mit klimawandelinduzierten häufigeren und ausgeprägteren Niedrigwasserperioden der Elbe geht ein Absenken ihres Grundwasserpegels einher.
Landwirtschaft, die überwiegend die inaktiven Elbauen aufgrund oberflächennahen Grundwassers nutzt, wird in Folge des Klimawandels durch das Austrocknen der Auen beeinträchtigt.
Insgesamt ist der Nutzen durch Landwirtschaft in der Elberegion zunehmend mit Unsicherheit behaftet, da durch den Klimawandel die Ertragsrisiken steigen. Szenariomodellierungen prognostizieren für die Elberegion innerhalb der nächsten fünfzig Jahre klimawandelbedingte Ertragsabnahmen der meisten Getreidearten in Höhe von mehr als 10 Prozent.
Wasserwirtschaft:
Eine weitere Nutzung der Elberegion, die ebenfalls von der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ abhängt, ist die Wasserwirtschaft.
Klimawandelinduzierte häufigere und ausgeprägtere Niedrigwasserperioden der Elbe und die damit einhergehende Absenkung ihres Grundwasserpegels führen dazu, dass die Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ gefährdet ist und demnach in diesem Bereich zeitlich und regional begrenzte Engpässe bei der Trinkwasserversorgung nicht ausschließbar sind. Außerdem werden höhere Aufwendungen hinsichtlich der Wasseraufbereitung erwartet. Der Autor ist dahingehend zu verstehen, dass die durch Pestizide, Dünger, Industriechemikalien und Krankheitserreger vermehrt beeinträchtigte Wasserqualität der Grund für diese zunehmenden Wasseraufbereitungskosten ist.
Ergänzend werden durch klimawandelbedingte Starkniederschläge Überschwemmungen erzeugt, weil die Kanalisationsstruktur für solche Wassermassen nicht ausgelegt ist. Daraus resultieren vermehrt Hochwasserschäden, die entsprechende ökonomische Konsequenzen einschließen.
Binnenschifffahrt:
Die Nutzung der Elberegion durch die Binnenschifffahrt ist ebenfalls von der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ abhängig. Aufgrund der häufigeren und ausgeprägteren Niedrigwasserperioden, die der Klimawandel bewirkt, kann das Ökosystem Elberegion diese Leistung jedoch nicht mehr erbringen. Demnach werden für die Binnenschifffahrt auf der Elbe massive Probleme erwartet.
So wird die bereits in Kapitel 2.2.4. als gegenwärtig nicht einmal ganzjährig kostendeckend eingestufte Binnenschifffahrt im Zuge des Klimawandels noch unwirtschaftlicher werden.
Demnach wird sich die Wettbewerbsfähigkeit der Binnenschifffahrt auf der Elbe in Relation zu anderen Verkehrsträgern durch klimawandelbedingte Abnahme des Oberflächenwasserdargebots und Zunahme des Hochwasserrisikos weiterhin verschlechtern.
Der Gütertransport basiert auf einer exakten, außerordentlich bedeutungsvollen Zeitplanung. Verzögerungen auf dem Transportweg können geschäftsschädigend sein und stellen in Gestalt der risikobehafteten Tonnage-Kalkulation einen Unsicherheitsfaktor dar.
Darüber hinaus erhöhen sich die Unsicherheiten vor dem Hintergrund, dass das Risiko für Hochwasserperioden, bei denen Fahrverbote bestehen, zunimmt. Folglich sind mit diesen Risiken wirtschaftliche Verluste verbunden. Beispielhaft wurden im Jahr 2003 allein auf dem Rhein Verluste in Höhe von über 90 Mio. € festgestellt.
Ungeachtet dessen subventioniert der Bund die Binnenschifffahrt durch Steuerbefreiungen. Diesbezüglich wird vollständig auf die Besteuerung des eingesetzten Dieselkraftstoffes der Güterschiffe verzichtet.
Dadurch wurden in der Vergangenheit pro Jahr geschätzte 129 Mio. € Steuermindereinnahmen erzielt. Als Zweck dieser Steuerentlastung wird die Aufrechterhaltung der Binnenschifffahrt angegeben.
Allerdings wurden in dem Zeitraum der Jahre 1985 bis 2000 deutlich schwindende Beschäftigtenzahlen deutscher Güterbinnenschifffahrtsunternehmen festgestellt. Daraus lässt sich ein negativer Trend ableiten, der jedoch durch Beschäftigungszuwächse in der Personenschifffahrt etwas abgeschwächt wird. Weitere Statistiken belegen, dass sich dieser Trend fortsetzt.
In der Elberegion ist die Binnenschifffahrt im Hinblick auf ihre Beschäftigungswirkung eher bedeutungsarm.
Diese Entwicklungstendenzen reichen aus, um in Frage zu stellen, ob unter den oben genannten klimawandelinduzierten zusätzlich unwirtschaftlichen Bedingungen, die Güterschifffahrt auf der Elbe weiter erhalten werden sollte bzw. kann.
Demnach sollte überprüft werden, ob eine pauschale Subventionierung der Binnenschifffahrt sinnvoll ist. Denn dadurch wird sowohl wirtschaftliche als auch unwirtschaftliche Binnenschifffahrt unterstützt. Ein möglicher Lösungsansatz könnte darin bestehen, hinsichtlich der Subventionierung der Binnenschifffahrt zwischen einzelnen Wasserstraßen zu differenzieren und so die Rentabilität der Binnenschifffahrt einzubeziehen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836635998
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Schlagworte:
Ökosystem, Biodiversität, Flussgebietsmanagement, Tourismus, Geografie




