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Demenz im Alter

Soziale Arbeit mit Betroffenen und Angehörigen

Demenz im Alter
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ozan Baba
  • Abgabedatum: Juli 2009
  • Umfang: 73 Seiten
  • Dateigröße: 582,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 57
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3466-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Baba, Ozan Juli 2009: Demenz im Alter, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Demenz, Angehörige, Pflege, Lebensqualität, Alzheimer

Diplomarbeit von Ozan Baba

Einleitung:

In Deutschland leben derzeit etwa 1,2 Mio. Menschen mit einer Demenz. Der Betroffene hat zuerst kognitive Störungen und verliert innerhalb von wenigen Jahren, bisher ganz alltägliche Fähigkeiten. Seine Orientierungs- und Urteilsfähigkeit lassen immer weiter nach, so dass er nicht mehr in der Lage ist, seine Umwelt objektiv wahrzunehmen und sein Handeln auf der Grundlage des logischen Denkens zu vollziehen. Empfindungen wie Angst, Frust und Unsicherheit nehmen nun immer weiter Einzug in sein Leben. Sein Wesen und seine Persönlichkeit verändern sich in den folgenden Jahren so sehr, dass es für die Angehörigen mit großen Schwierigkeiten und Leid verbunden ist, ihn in dieser Lebensphase zu begleiten.

Einer kürzlich im Britisch Medical Journal veröffentlichten Studie zufolge, sind Singles im Alter doppelt so oft von einer Demenz betroffen, als andere Hochbetagte in einer Partnerschaft. Das Risiko steigt demnach um das Dreifache, wenn Menschen im mittleren Alter geschieden oder verwitwet leben. In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, wurden durch ein schwedisches Institut etwa 2000 Menschen mit rund 50 Jahren befragt. Diese Befragung wurde bei 1400 von ihnen 1998 erneut durchgeführt. Als ein Grund für dieses Resultat, wird die in Partnerschaften intensivere kognitive und soziale Herausforderung angeführt. Zudem sind gleichaltrige Single-Frauen weniger betroffen als Single-Männer. Eine signifikante Beziehung zwischen intellektueller Leistungsfähigkeit und dem Risiko an einer Demenz zu erkranken, wird schon seit Jahren vermutet. In der gleichen Fachzeitschrift wurde am 7. April 2009 eine andere Studie mit 4809 Teilnehmern von über 50 Jahren veröffentlicht. Darin sahen britische und US-amerikanische Forscher einen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und dem Risiko an einer Demenz zu erkranken. Laut dieser Studie war das Krankheitsrisiko um 44% erhöht.

Demenzen stellen für das Gesundheitssystem einen bedeutenden Kostenfaktor dar, denn die mittleren Kosten für einen Patienten lagen 2006 bei jährlich 40 Tsd. Euro und mit 26,6 Mrd. Euro gehören psychische- und Verhaltensstörungen zu den teuersten Bereichen. In Anbetracht dieser Lasten, wächst der Druck einer möglichen Epidemie schnell beizukommen, auch weil mit einer weiteren Zunahme der Krankenzahlen in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen ist. Anlässlich großer Gefahren für die Gesellschaft, rückt dieses Thema immer wieder in den Blick des öffentlichen Interesses. Ein besonderes Merkmal von Demenzerkrankungen ist ihre große Vielfalt, weshalb fundiertes Wissen darum wenig verbreitet ist. Den heute sehr heterogenen Formen von Altersdemenz, stehen nur mäßige Erfolge in der Forschung nach Heilungsmöglichkeiten gegenüber bzw. befinden sich erste Durchbrüche noch in den Startlöschern.

Das Fachwissen in diesem Bereich ist sehr weit gefächert und so gehen auch Meinungen von Experten des Öfteren eigene Wege. Hier ist ein deutliches Vorankommen nur durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik möglich.

Derzeit ist das Alter selbst der wichtigste Risikofaktor um an einer Demenz zu erkranken. Und durch die Verbesserung des Lebensstandards in den Industrienationen, steigt auch die Lebenserwartung der Menschen. Der Vorfreude über einen langen und glücklichen Lebensabend, steht heute aber auch die Besorgnis gegenüber, selbst einmal betroffen zu sein. Menschen mit Demenz stehen besonders in der Anfangsphase schnell vor großen Hürden, schwierigen Fragen und Unsicherheiten vor einer ungewissen und betrübenden Zukunft. In vielen Fällen wird dieser Zustand von einem Schamgefühl begleitet, der sich schnell mit dem gesellschaftlichen Rückzug ausdrückt und so den Mut offen Hilfen zu nutzen versperrt. Die Antwort liegt also neben einer positiv verlaufenden Forschung auch in der allgemeinen Mentalität im Umgang mit Demenz.

Für Menschen mit Demenz und ihre Pflegepersonen, gibt es gegenwärtig verschiedene Anlaufstellen und Therapiekonzepte oder Selbsthilfegruppen. Dort können sie regelmäßig zusammenkommen, um sich auszutauschen und Entlastung zu finden. Viele kommen aber erst, wenn der Grad an Erschöpfung und das Gefühl allein gelassen zu sein schon fühlbar sind. Denn zu Beginn herrscht auch die Einstellung, fähig zu sein, eigenständig mit der Situation zurechtzukommen. Aber so einfach scheint es dann auch nicht zu sein. Denn viele Menschen mit Demenz sind bei den ersten Anzeichen der Krankheit noch voll im Berufsleben eingegliedert und verschließen sich den nahenden Vorboten. Sie sind im Stande alles zu ignorieren, was einige Zeit später ihr ganzes Leben verändern wird. Sogar können sie recht lange in der Lage sein, ihrer Umwelt eine heile Welt vorzumachen. Sie gestehen sich nicht ein, dass etwas nicht stimmt. Dabei wäre es gerade jetzt an der Zeit den Arzt aufzusuchen, um eine umgehende Versorgung zu ermöglichen. Es ist die Angst vor der Wahrheit. Die Sorge vor den ungewissen Konsequenzen und keine Vorstellung darüber zu haben, was sie nun erwartet.

Das Berufsfeld Soziale Arbeit steht besonders im Umgang mit Altersdemenz vor großen Herausforderungen. Denn Menschen mit Demenz leben in ihrer eigenen Welt und dabei entbehrt ihr Verhalten neben unzähligen Defiziten auch einer gewissen Rationalität. Deshalb muss sich ein Sozialarbeiter zunächst ein über Grundlagen deutlich hinausgehendes Wissen über Diagnostik, Therapie und Zukunftsperspektiven betreffend demenzieller Erkrankungen aneignen. Neben ihren Aufgaben in der Beratung, haben sie eine begleitende Funktion. Sie unterstützen sowohl Menschen mit Demenz, als auch die Pflegeperson. Dabei geht es nebst Alltagsgestaltung und Lebensbewältigung, auch um die Aufklärung hinsichtlich Hilfen bei der Versorgung, behördlichen Angelegenheiten, finanziellen Möglichkeiten sowie um das Anbieten und vermitteln von unterstützenden Maßnahmen und weiteren Ansprechpartnern. Soziale Arbeit ist ein Instrument, das durch institutionsübergreifendes Wissen, Wege verkürzen kann, um den Prozess von Hilfe und Unterstützung zu beschleunigen.

Durch ihre fachlichen Kenntnisse in der Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen, soll Soziale Arbeit ein hohes Maß an Kompetenzen hinsichtlich Aufgabenverständnis und Handlungsmethoden bieten. Diese Prozesse geschehen nicht etwa willkürlich, sondern werden schon im Vorfeld als Aufgabenfeld und in Form einer Tätigkeitsbeschreibung definiert und vertraglich festgehalten. Da er seine Tätigkeit zudem dokumentiert, können in der Zukunft Verbesserungen in der Betreuungsqualität und Handlungsstrategien, auch anderen Berufsfeldern zugutekommen.

Ziele der Arbeit:

Soziale Arbeit gewinnt im Bereich der Altersdemenz immer mehr an Bedeutung. Ein Ziel dieser Arbeit, liegt in der Untersuchung der Möglichkeiten, die sich grundsätzlich in der Betreuung und Beratung dementer Menschen und ihrer Pflegeperson ergeben.

Das Anliegen zur Verbesserung der Lebensqualität des Dementen, stellt sozialpädagogische Bemühungen vor eine beachtliche Aufgabe. Denn auch wenn die Notwendigkeit der Unterstützung für einen Menschen mit Demenz nicht in Frage steht, möchte ich die maßgeblichen Unterschiede der sozialen Arbeit gegenüber einer reinen Hilfstätigkeit aufzeigen. Also ob der Fundus an Kompetenzen und Fachwissen überhaupt nötig ist oder dies vielleicht sogar von einer nur angelernten Hilfskraft bewerkstelligt werden kann.

Weiterhin möchte ich Konzepte und Ansätze von sozialer Arbeit aufzeigen sowie ein Grundverständnis über Ethik und Moral näher bringen und ihre Anwendbarkeit untersuchen. Dies bezüglich wird der Begriff des Therapeuten von mir ganz bewusst mit dem des Sozialarbeiters in einer ganz nahen Beziehung gesehen und verwendet. Denn ein Sozialarbeiter kann sich durch den Erwerb von immer mehr Kenntnissen und Qualifikation auch weitere Tätigkeitsfelder erschließen. Zugleich möchte ich herausfinden, wie sich Soziale Arbeit in den nächsten Jahrzehnten orientieren dürfte und welche Möglichkeiten die derzeitigen Ressourcen bieten.

Ein wichtiger Kerngedanke dieser Arbeit ist auch, dass sich die Meinungsbildung über Altersdemenz stark auf ihren Krankheitscharakter bezieht. Demenz bringt Leid, macht Menschen unglücklich! Sie zerstört Familien, es gibt keinen Ausweg und alles ist verloren! Ich möchte verdeutlichen, welche Konsequenzen dieses Denken zur Folge hat. Ob eventuell andere Einstellungen und Perspektiven günstigere Voraussetzungen für das zukünftige Geschehen bilden und sich damit sinnvollere Alternativen ergeben.

Gang der Untersuchung:

Bei meinen Ausführungen habe ich mich zwecks angenehmerer Lesbarkeit und damit der höheren Effizienz, für die männliche Form entschieden. Es sind also beide Geschlechter gemeint. Ferner beziehen sich meine Aussagen stets auf Deutschland und auf Abweichungen hiervon, werde ich im Text hinweisen. Aufgrund bisheriger Nachforschungen, wurde ich auf teilweise große Differenzen bei Zahlen und Daten aufmerksam. Hierzu nutze ich möglichst aktuelle Quellen, denen ich zugleich besondere Seriosität unterstelle. Eine hohe Verlässlichkeit bleibt aber oft zu wünschen. Die Gründe hierfür werde ich später erläutern.

Um dem Rahmen der Arbeit überschaubar zu halten, habe ich mich auf die häufigsten Demenzen beschränkt, dies soll jedoch über die Vielfalt der Krankheitsbilder nicht hinwegtäuschen. Der Begriff Alzheimer ist nicht stellvertretend für alle Demenzformen. Deshalb verwende ich vorzugsweise Mensch mit Demenz, dementer Mensch, Altersdemenz, Dementer und Demenzpatient. Begriffe wie Demenzerkrankung oder demenzielle Krankheit sehe ich als angebracht. Auch wenn ich sie schon im Vorfeld als Meinungsbildend und -prägend betrachte, sind sie wegen ihrer Gebräuchlichkeit auch wichtig für die bessere Lesbarkeit. Jedoch seltener um den Blick erhöht auf den Menschen, die Person zu richten und weniger auf die Krankheit. Der Begriff der Pflegeperson, steht zugleich für den pflegenden Angehörigen und im rechtlichen Sinne für den Betreuer.

Bei meinen Ausführungen zu Therapiemethoden, habe ich mich auch auf die gute Praktizierbarkeit berufen und selektiere deshalb. Da die Komplexität zum Thema Demenz nur schwer überschaubar ist, werde ich meine Ausführungen auf der Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens möglichst präzise und sachlich halten.

Bei Recherche der Literatur, steht die Bibliothek der Universität Duisburg-Essen (Campus Essen), an oberster Stelle. Das Literaturverzeichnis und genutzte Internetquellen sowie alle genutzten PDF Dateien/Broschüren, liegen als CD bei. Zur besseren Darstellung von Abbildungen, wurde von mir OCR-Software zur Texterkennung eingesetzt, um die Darstellung angenehmer zu gestalten.

In Kapitel 2 beschreibe ich zunächst die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und den daraus resultierenden Konsequenzen für die Häufigkeit von Demenzen und mache Angaben zur Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten. Nach den Klassifikationen und Definitionen, fahre ich fort mit den Symptomen sowie den häufigsten Formen von Altersdemenz und einer ausführlichen Erklärung zum Hergang der jeweiligen Krankheitsstadien. Nach der Schilderung von Krankheitsbildern folgen schließlich gängige Testungsverfahren, die einem Arzt bei seiner Diagnosestellung, behilflich sein sollen.

Kapitel 3 gibt einen überschaubaren Einblick in den Alltag eines Dementen. Auf Beschreibungen von typischen Vorgängen, die bereits in anfänglichen Stadien vorkommen, folgen einfache Tipps und Hilfen zum besseren Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen. Darauf folgt ein näherer Einblick in die Situation des pflegenden Angehörigen sowie verschiedener Möglichkeiten die seiner Entlastung dienen können. Schließlich komme ich zum Feld der Beratung, ihrer Funktion und weiteren Möglichkeiten, die als unterstützende Elemente gelten.

In Kapitel 4 geht es um rechtliche Fragen, die möglichst früh geklärt werden sollten. Sie bilden im Vorfeld ein wichtiges Mittel, um später als Pflegeperson auch handlungsfähig zu bleiben. Hier geht es in erster Linie um die Wünsche und Anliegen des Patienten, die er jedoch in den späteren Stadien oft nicht mehr äußern kann. Er braucht nun jemanden, der diese Aufgabe in seinem Namen bzw. seiner Interessen übernimmt.

In Kapitel 5 beziehe ich mich zuerst auf die allgemeinen Funktionen und Konzeptionen sozialer Arbeit und befasse mich darauf folgend mit Besonderheiten, die sich aus der Arbeit mit dementen Menschen ergeben. Anschießend gehe ich auf die therapeutische Tätigkeit des Sozialarbeiters ein, stelle weitere Grundeinstellungen dar und gebe einen kurzen Einblick in verschiedene Therapieverfahren. Dieses Kapitel endet mit der Aufgabe und Funktion von Memory-Kliniken und Angehörigentreffen.

In Kapitel 6 fasse ich meine Arbeit zusammen. Dabei stelle ich nochmal jedes einzelne Kapitel kurz vor und erläutere wesentliche Kernaussagen. Weiterhin mache ich Ausführungen hinsichtlich der Erreichung meiner vorher beschriebenen Ziele. Durch eine letzte Betrachtung dieser Diplomarbeit, werfe ich einen Blick auf die soziale Arbeit und seiner Bedeutung in der Arbeit mit dementen Menschen. Anschließend schildere ich, welche Problematiken ich als besonders wichtig erachte. Dabei zeige einige Kernelemente im Umgang mit der Demenz und der Situation von Pflegepersonen auf. Zu guter Letzt beende ich das Thema, mit einem kurzen Bezug zur gesundheitspolitischen Betrachtungsweise von Altersdemenz und einem Fazit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
1.1 Hintergrund 4
1.2 Ziel der Arbeit 7
1.3 Aufbau der Arbeit 8
1.4 Gliederung der Arbeit 9
2. Diagnostik 11
2.1 Epidemiologie und demografischer Wandel 11
2.2 Prävalenz und Inzidenz der Demenzen 13
2.3 Definition 15
2.3.1 Medikamentöse Behandlung 15
2.3.2 Therapie ohne Medikamente 16
2.4 Klassifizierung 16
2.4.1 Nach ICD-10 16
2.4.2 Nach DSM 4 19
2.5 Formen der Demenz 19
2.5.1 Demenz vom Alzheimer-Typ 19
2.5.2 Vaskuläre Demenz 21
2.5.3 Weitere Formen 21
2.6 Symptome 22
2.7 Die 3 Stadien der Demenz 22
2.7.1 Leichte Demenz 22
2.7.2 Mittelschwere Demenz 23
2.7.3 Schwere Demenz 23
2.8 Screeningverfahren 24
3. Betroffene und pflegende Angehörige 26
3.1 Der Alltag eines Menschen mit Demenz 26
3.2 Spezifische Verhaltensweisen 29
3.3 Pflegende Angehörige 30
3.4 Beratung 32
4. Juristisches 37
4.1 Problemstellung 37
4.2 Betreuung 38
4.2.1 Vollmacht 40
4.2.2 Vorsorgevollmacht 40
4.2.3 Patientenverfügung 40
4.2.4 Pflegeversicherung 41
5. Soziale Arbeit 42
5.1 Die Aufgabe der sozialen Arbeit 42
5.1.1 Personenzentrierte Gesprächsführung 44
5.1.2 Humor 46
5.1.3 Langsamkeit 48
5.2 Dementia Care Mapping 48
5.3 Therapieformen 49
5.3.1 Integrative Therapie 50
5.3.2 Gedächtnistraining 51
5.3.3 Selbsterhaltungstraining 51
5.3.4 Biografiearbeit 52
5.3.5 Millieutherapie 53
5.3.6 Realitäts-Orientierungs-Training 55
5.3.7 Validation 55
5.3.8 Kunsttherapie 57
5.3.9 Physiotherapie und Bewegungstherapie 57
5.4 Memory-Klinik und Angehörigenarbeit 58
6. Zusammenfassung und Fazit 60
7. Abbildungsverzeichnis 67
8. Abkürzungsverzeichnis 68
9. Quellenverzeichnis 69
Anhang

Textprobe:

Kapitel 5, Soziale Arbeit:

Die Aufgabe der sozialen Arbeit:

Die Soziale Arbeit hat sich inzwischen als Oberbegriff für die Sozialarbeit und Sozialpädagogik etabliert. Sie ist im Kern eine professionell ausgeübte Tätigkeit, betreffend direkter oder indirekter personenbezogener Dienstleistungen. Zu den herausragenden Merkmalen gehören das Prinzip der Wertorientierung, Menschenrechte und berufsethische Prinzipien. Diese basieren auf humanitären und demokratischen Idealen. Sie ist als Profession anzusehen, die den Menschen und Gruppen befähigt, ihr Leben zunehmend selbst zu gestalten und zu bewältigen. In Sozialgesetzbüchern finden sich zudem Leitlinien wie Solidarität, Subsidiarität und Selbstverantwortung. Sie dienen ihr zur rechtlichen und inhaltlichen Orientierung. In der Praxis werden individuelle Ziele stets in Zusammenarbeit mit einer Klientel ausgearbeitet und formuliert. Die Aufgabenbereiche der sozialen Arbeit definieren sich mit ihrer genauen Zielsetzung.

In der Betreuung dementer Menschen stehen der Mensch mit Demenz und seine Pflegeperson im Mittelpunkt. Der demente wird mit seiner Individualität und Lebensgeschichte als Person wahrgenommen. Er hat einen sozialen und kulturellen Hintergrund. Die Aufmerksamkeit einer sozialpädagogischen Tätigkeit bezieht sich auf seine vorhandenen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Probleme bei den Aktivitäten im Alltag. So soll ihm ein sinnerfülltes und zufriedenstellendes Leben ermöglicht werden. Dieses Handeln soll einen Rahmen zu schaffen, in dem der Mensch mit Demenz seine vorhandenen Handlungskompetenzen zur Selbstständigkeit nutzen kann und sich als handelndes und handlungsfähiges Individuum erlebt. Diese Fähigkeiten zu erkennen ermöglicht es, die Spielräume in seinem Handeln zu nutzen, um ihn so Unterstützung und Ermutigung zu bieten. Er wird in seinem Alltag kontinuierlich begleitet und das soll mit dem Streben bestärkt werden, einen Zugang zu seiner Person zu suchen. Mit ihm wird in einer würdevollen Art umgegangen, was ihm wiederum den nötigen Respekt erweist. Gefühle wie Freude, Geborgenheit und ein gutes Wohlbefinden fördern seine Existenz. Da die Formulierung von grundlegenden Voraussetzungen im Alltag, oft mit Schwierigkeiten in ihrer Umsetzung verbunden ist, gelten nachstehende Prinzipien und Grundeinstellungen als unabdingbar.

Selbstreflexion, also auch stets einen Blick auf sein eigenes Verhalten zu haben, ist gerade in der Arbeit mit dementen Menschen von großer Tragweite. Dies kann im richtigen Umgang helfen, Missverständnissen präventiv entgegenzuwirken und eine Klarheit über eigene Verhaltensmuster zu schaffen. Dabei aber auch mit Kritik umzugehen und sich selbst auch Kritisch zu betrachten. Selbstreflexion bildet im Kontakt mit dementen Menschen eine Schlüsselkompetenz.

Des Weiteren ist Kongruenz eine von Aufrichtigkeit und Echtheit getragene Grundhaltung. Menschen mit Demenz spüren in der Regel die Authentizität und ob ihnen wirkliche Wertschätzung entgegengebracht wird sehr gut. Ferner steht Kontinuität für eine Erfahrung von Dauerhaftigkeit und Zuverlässigkeit und für einen Menschen mit intensiven kognitiven Störungen enorm wichtig und dient dem Erhalt seiner Lebensqualität. Ein unter künstlichen oder auch institutionalisierten Bedingungen geführtes Leben, wie es in einem Heim oft der Fall ist, trägt einer Entfremdung erheblich bei. Das Normalisierungsprinzip soll die Muster und Bedingungen des täglichen Lebens verfügbar machen. Wenn also ein Mensch mit Demenz sich an einem Ort wie zu Hause fühlen soll, sollte dieser Ort auch möglichst wie eines wirken.

Soziale Arbeit hat in diesem Bereich das Ziel, Menschen mit einer demenziellen Erkrankung und ihren Angehörigen Unterstützung zu vermitteln und zugleich eine Stärkung der Handlungskompetenz zu erreichen. Diese Hilfe soll sie befähigen ihre Lebenskrise zu bewältigen und sie über ihre Möglichkeiten aufklären und Leben möglichst angenehm zu gestalten. Der Demenzkranke soll sich in seiner Lebenswelt gefördert und wertgeschätzt fühlen. Zudem ist es aber auch ein übergeordnetes Ziel im Gemeinwesen, die Rahmenbedingungen den schwierigen Lebensumständen anzupassen. Dabei bereitet die Vorstellung der Betroffenen selbst den Weg dafür, wie sie in Zukunft ihr Leben gestalten und ihre Lebenswelt erhalten möchten. Zunächst wird mit Erkrankten und Angehörigen auf der Grundlage des sozialen Assessments eine Bedarfsanalyse über die derzeitige Lebenslage durchgeführt, die gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Situation erfasst und psychische Aspekte wie Motivation und Selbsterleben einbezogen. Ferner werden Ressourcen und Hilfen, die aus dem professionellen Bereich und dem Gemeinwesen stammen, auf ihren Wirkungsgrad hin überprüft und eingeschätzt. Es folgt nun eine Auswertung und die Vereinbarung über einen Hilfeplan mit dem Dementen und seine Pflegeperson, so dass eine Vermittlung der vereinbarten Hilfsangebote gewährleistet wird. In diesem Sachverhalt ist zudem zu überprüfen, ob Unterstützungsleistungen auch den erwünschten Nutzen zeigen, aber auch in ihrer Struktur miteinander verknüpft sind und nicht etwa unabhängig stattfinden. Schließlich werden erreichte Verbesserungen in Form einer Evaluation festgehalten. Für die Soziale Arbeit haben sich grundsätzlich neue Arbeitsfelder entwickelt, wie z.B. in der Geriatrie oder in Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. Hier setzt sich immer weiter die Erkenntnis durch, dass professionelle Soziale Arbeit die Effektivität der Arbeit mit Hochbetagten in Bereichen verbessern kann, an denen sie bisher nur eine geringe Präsenz vorzuweisen hatte. Zudem ist eine kontinuierliche Ausdehnung der Behandlungsangebote und der fachlichen Grundlagenschaffung festzustellen.

Arbeit zitieren:
Baba, Ozan Juli 2009: Demenz im Alter, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Demenz, Angehörige, Pflege, Lebensqualität, Alzheimer

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