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Textprobe:
Kapitel 3.3, Bausteine des Wissensmanagements:
PROBST, RAUB und ROMHARDT unterteilen Wissensmanagement in drei Ebenen, die normative, die strategische und die operative Ebene. Bei der normativen Ebene handelt es sich um die Schaffung einer ‘wissensbewussten und wissensfreundlichen’ Unternehmenskultur, welche dazu dient, die Motivation zu fördern, sich mit Wissen auseinanderzusetzen. Unter der strategischen Ebene im Wissensmanagement wird die Erweiterung der langfristig gesetzten, ‘gewöhnlichen’ strategischen Managementziele verstanden. Es geht hierbei ‘(…)um die langfristige Sicherung von Wettbewerbsvorteilen durch Entwicklung organisationaler Fähigkeiten(…)’. Die operative Ebene beschäftigt sich schließlich mit der Eingliederung des Wissensmanagements in das operative Geschäft des Unternehmens.
‘Es ist Aufgabe des operativen Wissensmanagement, dafür zu sorgen, dass jegliches in der Wertschöpfungskette befindliches Wissen an der richtigen Stelle der Ablauforganisation in der erforderlichen Menge und Qualität verfügbar ist’.
PROBST, RAUB und ROMHARDT haben auf Grundlage dieser Ebenen einen Kreislauf des Wissensmanagements kreiert, welcher in der Praxis große Popularität genießt. Dieser Kreislauf besteht aus den acht Bausteinen Wissensziele, Wissensidentifikation, Wissensgenerierung, Wissensentwicklung, Wissensverteilung, Wissensnutzung, Wissensbewahrung und Wissensbewertung, die im Folgenden kurz erklärt werden sollen.
Wissensziele:
Mit der Festlegung von Wissenszielen wird der Kurs der einzelnen Handlungen des Wissensmanagements definiert. Hierbei wird wieder in normative, strategische und operative Ziele unterschieden. Die normativen Wissensziele streben die Gründung einer wissensbewussten Unternehmenskultur an, welche besonders auf die Teilung und Weiterentwicklung der eigenen Fertigkeiten abzielt, was wiederum als Voraussetzung für durchgreifendes Wissensmanagement gilt. Das Definieren des organisatorischen Kernwissens sowie die Bestimmung des zukünftigen Kompetenzbedarfs des Unternehmens erfolgt durch die Festlegung der strategischen Wissensziele. Die operativen Wissensziele helfen bei der Umsetzung des Wissensmanagements sowie der Präzisierung der normativen und strategischen Wissensziele.
Identifikation von Wissensquellen:
Bei der Wissensidentifikation geht es um die Erkennung der internen und externen Wissensquellen. Unternehmen verlieren heutzutage schnell den Überblick über die Daten, Informationen und Fähigkeiten innerhalb und außerhalb der Unternehmung. Daher ist es wichtig, Transparenz über die internen und externen Wissensquellen zu schaffen und die Mitarbeiter bei ihren Suchaktivitäten zu unterstützen.
Wissensgenerierung:
Bei der Wissensgenerierung wird Wissen aus externen Wissensquellen in das Unternehmen importiert. Dies stellt mittlerweile einen großen Teil des Wissens in Unternehmen dar. Das Wissen kann beispielsweise aus den Beziehungen zu anderen Marktteilnehmern, durch Rekrutierung von Spezialisten oder Akquisition von Unternehmungen erschlossen werden. Bei der Umsetzung des Wissensmanagements müssen die Möglichkeiten der Erschließung dieses Wissens beachtet werden.
Wissensentwicklung:
Die Wissensentwicklung ist ein ergänzender Baustein zur Wissensgenerierung. Im Vordergrund steht die Entwicklung neuer Fähigkeiten und Produkte sowie verbesserter Ideen und Prozesse im Unternehmen, welche bisher noch nicht im Unternehmen vorliegen. In den Bereichen Forschung und Entwicklung oder der Marktforschung sind traditionell verschiedene Wissensentwicklungsaktivitäten zu beobachten. Neben diesen klassischen Bereichen kann Wissen auch in anderen Bereichen des Unternehmens entstehen. Daher muss bei diesem Baustein Wissensentwicklung ‘[…] der allgemeine Umgang des Unternehmens mit neuen Ideen und die Nutzung der Kreativität der Mitarbeiter untersucht werden’.
Wissensverteilung:
Damit individuell vorhandenes Wissen und Fähigkeiten für die gesamte Organisation nutzbar gemacht werden können, ist deren Verteilung im Unternehmen eine elementare Voraussetzung. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Verteilung nach ökonomischen Prinzipien dirigiert wird. Ein Mitarbeiter muss nicht alles wissen. Er muss nur das wissen, was ihm zur Wissensmultiplikation dient. Daher ist eine Analyse der Übertragung der Wissensbestände von der individuellen auf die Gruppen- und Organisationsebene enorm wichtig.
Wissensnutzung:
Nachdem das Wissen identifiziert und verteilt wurde, muss es jetzt genutzt werden. Dies stellt eine zentrale Aufgabe des Wissensmanagements dar. Leider ist die Nutzung des identifizierten, verteilten Wissens nicht immer sichergestellt. Die Nutzung fremden Wissens scheitert oft an psychologischen und strukturellen Hindernissen, welche zu identifizieren und zu beseitigen sind.
Wissensbewahrung:
Die Wissensbewahrung stellt sicher, dass auch in Zukunft auf die einmal erlernten Fähigkeiten zurückgegriffen werden kann. Dies erfolgt, indem das vorab selektierte, erhaltungswürdige Wissen kontinuierlich gespeichert und aktualisiert wird. Damit die Wissensbewahrung einer effizienten Nutzung entspricht, stehen dem Unternehmen verschiedene Speichermedien auf individueller, kollektiver und elektronischer Ebene zur Verfügung.
Wissensbewertung:
Der letzte und sicherlich einer der wichtigsten Bausteine des Wissensmanagements ist die Wissensbewertung. Die Wissensbewertung ist ein Controlling-Prozess, welcher Methoden zur Messung von normativen, strategischen und operativen Wissenszielen beinhaltet. Bei der Festlegung der Ziele werden immer auch die Chancen der abschließenden Erfolgsbewertung festgelegt, daher dient die Wissensbewertung der Qualitätsbeurteilung der verfassten Ziele. Wie andere Controlling-Prozesse auch, ist die Wissensbewertung eine grundlegende Voraussetzung für die Identifikation von Zielabweichungen und der daraus resultierenden Einleitung von Gegenmaßnahmen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die oben aufgeführten Bausteine die potentiellen Interventionsfelder für Wissensmanagementmaßnahmen in Unternehmungen umreißen. Die folgende Abbildung soll die Zusammenhänge der einzelnen Bausteine nochmals darstellen.
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