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Besseres Quellengedächtnis für Betrüger - eine Frage der Valenz?

Besseres Quellengedächtnis für Betrüger - eine Frage der Valenz?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Désirée Renardy
  • Abgabedatum: März 2009
  • Umfang: 55 Seiten
  • Dateigröße: 889,7 KB
  • Note: 2,1
  • Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
  • Bibliografie: ca. 19
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3203-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Renardy, Désirée März 2009: Besseres Quellengedächtnis für Betrüger - eine Frage der Valenz?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Quellengedächtnis, Rekognition, Betrüger, Valenz, Gedächtnis

Diplomarbeit von Désirée Renardy

Zusammenfassung:

In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass das Quellengedächtnis für Betrüger besser ist als für vertrauenswürdige und neutrale Personen. In der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, ob das bessere Quellengedächtnis für Betrüger tatsächlich spezifisch für Betrug ist, wie unter anderem Cosmides annehmen, oder ob der Effekt durch die Valenz von Betrugsgeschichten vermittelt wird. Zu diesem Zweck wurden den Versuchspersonen unter dem Vorwand, dass Sympathieurteile untersucht werden sollten, Gesichter von Personen zusammen mit Beschreibungen von niedrig valentem betrügerischen, hoch valentem vertrauenswürdigem oder neutralem Verhalten gezeigt.

Anschließend folgte ein Wiedererkennenstest, in dem sich die Rekognitionsleistung für Betrüger, vertrauenswürdige und neutrale Personen nicht unterschied, das Quellengedächtnis für Betrüger jedoch besser war als das für vertrauenswürdige und neutrale Personen.

Inhaltsverzeichnis:

Zusammenfassung 3
1. Einleitung 4
2. Methoden 37
2.1 Stichprobe 38
2.2 Material 38
2.3 Durchführung 40
2.4 Versuchsdesign 40
3. Ergebnisse 42
4. Diskussion 47
5. Literaturverzeichnis 51
6. Anhang 53

Textprobe:

Auszug aus Kapitel 1, Einleitung:

Dass Valenz einen Einfluss auf Gedächtnisprozesse hat, lässt sich nicht nur anhand von Verhaltensbeobachtung, sondern auch anhand von neurologischen Untersuchungen zeigen. Maratos und Rugg untersuchten, ob die Prozesse beim Abruf von emotionalen und neutralen Informationen die gleichen sind oder ob sich diese Mechanismen unterscheiden. Eine mögliche Hypothese ist, dass ein gemeinsames neuronales Netzwerk sowohl den Abruf von emotionaler als auch von neutraler Information steuert. In diesem Fall müssten die Effekte von Emotion auf das Gedächtnis sich während der Enkodierungsphase oder während der Konsolidierung der Information abspielen. Es ist aber auch möglich dass Emotion sich unabhängig von eventuellen Unterschieden bei der Enkodierung und Konsolidierung auch auf Abrufprozesse auswirkt. Maratos und Rugg untersuchten diese These. Sie untersuchten nicht nur Rekognitionsleistung und Quellengedächtnis, sondern auch neuronale Prozesse. Zu diesem Zweck maßen Maratos und Rugg ebenfalls Ereigniskorrelierte Potentiale (event related potentials = ERPs). ERPs eignen sich gut für diesen Zweck, da sie eine sehr gute zeitliche Auflösung haben. Maratos und Rugg informierten ihre Versuchspersonen darüber, dass das Experiment die Präsentation emotional negativer Sätze beinhalten würde und dass ein Teil des Experimentes aus einer Gedächtnisaufgabe bestehen würde. Zuerst sollten die Versuchspersonen den Emotionsgehalt von Sätzen beurteilen. Anschließend wurde das kritische Wort allein präsentiert. Die Versuchspersonen wurden instruiert das Wort laut zu lesen und es sich im Kontext des Satzes zu merken, in dem es präsentiert worden war. In der Testphase sollten die Versuchspersonen jedoch nur beurteilen, ob das Wort zuvor präsentiert worden war. Die Wiedererkennensleistung für Worte aus neutralen und negativen Sätzen unterschied sich nicht. Maratos und Rugg fanden jedoch nach 800 msec einen rechten frontalen alt/neu Effekt bei negativen Worten, der bei neutralen Worten fehlte. Außerdem zeigte sich nach 300 msec ein alt/neu Effekt der bei Worten aus einem negativen Kontext stärker war und länger anhielt als bei Worten aus einem neutralen Kontext. In einem zweiten Experiment untersuchten Maratos und Rugg den Einfluss von Emotion auf die Erinnerung von Kontextinformationen. Die Versuchspersonen sollten beurteilen, ob das Wort in einem negativen oder neutralen Kontext präsentiert worden war. Diesmal wurden Worte aus einem negativen Kontext signifikant besser wiedererkannt als Worte aus einem neutralen Kontext. Dieser Befund ist konsistent mit dem Ergebnis von Kern et al., die ebenfalls zu dem Ergebnis kamen, dass negative Stimuli besser erinnert werden als neutrale. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Quelle eines korrekt identifizierten Wortes richtig zugeordnet wurde war bei Worten aus einem neutralen Kontext höher als bei Worten aus einem negativen Kontext. Auf den ersten Blick deutet dieser Befund darauf hin, dass neutrale Kontexte besser erinnert werden als negative. Dagegen spricht jedoch, dass 70 % der falschen Alarme bei neutralen Worten vorkamen. Wenn also keine Quelleninformation erinnert wurde, wurde eher geraten, dass das Wort aus einem neutralen Kontext stammt.

Smith et al. führten eine ähnliche Untersuchung durch wie Maratos und Rugg, mit dem Unterschied, dass sie statt Worten Bilder als Stimulusmaterial verwendeten. Auch Smith et al. wollten untersuchen, ob sich Abrufprozesse für Stimuli aus einem emotionalen Kontext von Abrufprozessen für Stimuli aus einem neutralen Kontext unterscheiden. Sie verwendeten ebenfalls Ereigniskorrelierte Potentiale, um zu testen, ob emotionale und Abrufprozesse gleichzeitig einsetzen. Wenn das der Fall ist, ist das eine Evidenz dafür, dass Emotionen einen Effekt auf den Abruf an sich haben. Wenn Emotionseffekte erst nach den Abrufeffekten auftreten, spräche das dafür, dass Emotionen Prozesse beeinflussen, die mit den Abrufprodukten operieren. Smith et al untersuchten, ob sich ein Effekt bei der Präsentation von neutralen Bildern in emotionalem versus neutralem Kontext in einem einfachen Wiedererkennenstest und in einem Quellengedächtnistest zeigt. Die Versuchspersonen erkannten signifikant mehr Bilder aus einem positiven als aus einem neutralen Kontext wieder, aber nicht signifikant mehr aus einem negativen als aus einem neutralen Kontext. Dieser Befund steht im Widerspruch zu der Beobachtung von Kern, dass negative Stimuli besser erinnert werden als positive. Insgesamt erkannten die Probanden Bilder aus einem neutralen Kontext leicht, aber signifikant besser. Nach 700 msec zeigte sich für richtig erkannte Bilder aus einem emotionalen Kontext ein Positivitätseffekt. Das relativ späte Einsetzen des Emotionseffektes deutet darauf hin, dass Emotionen Prozesse modulieren, die nach dem Abruf einsetzen. Es wird vermutet, dass dieses späte positive Potential (late positive potential = LPP) motivationales Engagement und eine erhöhte Aufmerksamkeit reflektiert. Die Effekte von Emotionen wurden auch in einer einfachen Rekognitionsaufgabe beobachtet, bei der expliziter Abruf von Kontextinformationen unnötig war. Die Emotionseffekte waren also vermutlich Folge eines inzidentellen Abrufs und der nachfolgenden Verarbeitung von Kontextinformationen. Smith et al. führten ein weiteres Experiment durch, in dem sie die Abrufaufgabe modifizierten, sodass der explizite Abruf von Kontextinformation notwendig war. Wenn die Emotionseffekte allein auf der größeren Salienz der inzidentell abgerufenen emotionalen Information beruhen, sollten die Effekte verschwinden, wenn Kontextinformation unabhängig von ihrer Valenz salient gemacht wird. Wenn die Effekte aber die Beteiligung emotions-spezifischer Effekte widerspiegeln, sollte sich durch die experimentelle Manipulation nichts an dem Effekt ändern. Bezüglich der Wiedererkennensraten für Bilder aus emotionalem und neutralem Kontext zeigten sich die gleichen Ergebnisse wie in Experiment 1. Das Quellengedächtnis für Bilder aus einem emotionalen Kontext war signifikant besser als das für Bilder aus einem neutralen Kontext. Dieser Befund unterscheidet sich von dem von Maratos und Rugg. Der Grund hierfür ist möglicherweise, dass Bilder stärkere Emotionen auslösen als Worte. Später zeigte sich ein zusätzliches positives Potential bei Bildern aus einem emotionalen Kontext. Die Befunde lassen vermuten, dass Items, die mit einem emotionalen Lernkontext assoziiert sind, außerdem Abrufprozesse auslösen, die sich qualitativ von den Abrufprozessen bei Items aus einem neutralen Lernkontext unterscheiden. Das Experiment von Smith et al. zeigt, dass nicht nur für emotionales Stimulusmaterial, sondern auch für Stimuli, die nur in einem emotionalen Kontext präsentiert wurden, ein besseres Quellengedächtnis besteht. Das ist relevant, da in der vorliegenden Studie nicht die Photos die den Versuchspersonen gezeigt wurden an sich, sondern die dazugehörigen Personenbeschreibungen emotional valent oder neutral waren.

Arbeit zitieren:
Renardy, Désirée März 2009: Besseres Quellengedächtnis für Betrüger - eine Frage der Valenz?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Quellengedächtnis, Rekognition, Betrüger, Valenz, Gedächtnis

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