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Textprobe:
Kapitel 3.1.2, Ausweitung der Kreditvergabe:
Eine Ausweitung der Kreditvergabe erfolgte, durch die Vergabe von Subprime-Krediten. Es wurden immer mehr Kredite an Kunden mit geringer Bonität vergeben, wobei die Rückzahlung der Kredite nicht absehbar war. Kunden mit geringerer Bonität konnten sich diese Kredite aufgrund des geringen Zinsniveaus leisten. Somit war die Möglichkeit zur Kreditaufnahme für jeden, also auch für denjenigen ohne Arbeit, Einkommen und Sicherheiten, gegeben. Der Makler oder eine Bank füllte die erforderlichen Dokumente aus und der Kreditnehmer bekam sofort einen Kredit, auch in einer Höhe von einer halben Million Dollar oder mehr. Die Kredite wurden ohne Vorlage und Prüfung irgendwelcher Nachweise, z. B. über Einkommen, Eigenkapital oder Verdienstbescheinigungen, vergeben. Die Subprime-Kredite machten im Jahr 2006 bereits zwanzig Prozent des gesamten Hypothekenmarktes aus.
Mit dieser Kreditvergabe war es aber möglich, die Euphorie, den Boom, am Immobilienmarkt aufrecht zu erhalten. Werte für Immobilien stiegen weiter, und somit auch die Kreditsicherheiten. Die Kreditnehmer in Amerika hatten den Vorteil, dass sie nun aufgrund des Wertanstiegs der Immobilie höhere Kredite bekommen konnten. Im Falle der Zahlungsunfähigkeit, war durch den Anstieg des Immobilienwertes ein höherer Marktpreis erzielbar. So führte dieser Boom zu der Schaffung von Arbeitsplätzen z. B. in der Baubranche, und regte somit die Konsumnachfrage an.
Um diesen Boom weiterführen zu können war es notwendig gewesen, weiteres Kapital bereitzustellen. Das Baseler Abkommen zwingt die Banken eine Mindestreserve in Höhe von acht Prozent des Kredites zu halten. Zur Umgehung des Abkommens und Schaffung von Kapital für neue Kredite wurden die Kreditforderungen der Banken nun verbrieft, und standen somit nicht mehr in den Bilanzen der Banken. Die Verbriefung der Kreditforderungen erfolgte auf den Kreditmärkten. Käufer dieser Verbriefungen waren die, von den Banken errichteten Zweckgesellschaften. Diese Zweckgesellschaften geben nun besicherte Wertpapiere, z. B. ABS, MBS oder CDO heraus. Die ursprünglichen Kredite, die nicht an der Börse gehandelt werden dürfen, werden von Zweckgesellschaften in festverzinsliche Wertpapiere umgewandelt und somit am Markt verkaufen zu können. Die festverzinslichen Wertpapiere werden, vor dem Verkauf an Investoren, von einer Ratingagentur hinsichtlich der Ausfallwahrscheinlichkeit der Zurückzahlung des Kreditnehmers bewertet. Als Sicherheiten gilt der eigentliche Kredit. CDO kaufen eine ABS oder eine MBS und entwickeln dadurch neue Wertpapiere die sie an Investoren weiterverkaufen. CDOs können wiederum CDOs kaufen, und diese weiterverkaufen. Dieser Prozess kann weitergeführt werden, die Entfernung zwischen dem eigentlichen Kreditnehmer und dem neuen Investor wird immer größer.
Die Zweckgesellschaften SIV kaufen die Finanzen am Geldmarkt. Diesen Geldmarkt nennt man ABCP (Asset-Backed Commercial Papers). Diese Finanzen werden auch wieder in neue Wertpapiere umstrukturiert, und an Investoren weiterverkauft. Bei diesen neu entstandenen Wertpapieren, die aus den ursprünglichen Krediten resultieren, handelt es sich vorwiegend um Bonds oder Rentenpapiere.
Der Häusermarkt der amerikanischen Ost- und Westküste begann 2006 zu stagnieren. Die Preise für die Immobilien stagnierten, in einzelnen Gebieten sanken die Preise leicht. Diese Situation war noch nicht dramatisch, außer für Einkommensschwache Schuldner. Durch die Zinserhöhungen waren diese Schuldner, durch die gestiegenen Zinsen, nicht mehr in der Lage, ihre Kredite zurückzuzahlen. Viele waren gezwungen ihre Immobilien zu verkaufen. Die zunehmenden Immobilienverkäufe führten im Juli 2006 zu Preissenkungen. Da die Immobilien als Sicherheiten für die Banken dienten waren durch den Preisverfall der Immobilien nun viele Kreditforderungen ungesichert. Dies traf nicht nur die Banken, sondern auch die Zweckgesellschaften und Investoren, die die zusammengestellten Wertpapiere verkauften und kauften.
Im Frühjahr 2007 entwickelten die Akteure der Finanzkrise einen neuen Firmenkredit. Dieser Firmenkredit wurde für Unternehmen mit einer schlechten Kreditwürdigkeit entwickelt. Somit konnten diese Unternehmen ohne jegliche Kontrolle über deren Vermögensverhältnisse Kredite aufnehmen. Man nennt diese Kredite auch Covenant light-Kredit, was soviel wie eine lockere vertragliche Regelung bedeutet. Covenant light-Kredite sind mit Subprime-Kredite gleichzustellen. Der einzige Unterschied liegt beim Kreditnehmer.
Zahlungsausfälle:
Im Jahre 2007 hatte sich der Preisverfall für Immobilien stark beschleunigt, und dies verbreitete sich über ganz Amerika. Der zweitgrößte Subprime-Kreditgeber, New Century, meldete Anfang 2007 hohe Verluste. Das Problemfeld bestand nun aber nicht mehr nur aus den Subprime-Krediten, sondern auch aus Kreditpapieren, die nichts mit den Immobiliensektor zutun hatten. Ursache hierfür ist, dass nicht nur Immobilien- sondern auch Unternehmens- und Autokredite verbrieft worden waren. New Century ist durch die Zahlungsausfälle der Subprime-Kredite in große Schwierigkeiten geraten und hat Anfang April 2007 das amerikanische Insolvenzverfahren eröffnet.
Moody`s stufte, am 15. Juni 2007, 131 Wertpapiere, hauptsächlich aus Subprime-Krediten bestehend, herab und machte gleichzeitig die Ankündigung 250 weitere Wertpapiere auf eine Herabstufung zu untersuchen. Dieser Bekanntmachung folgten offene Kampfhandlungen zwischen den weltgrößten und mächtigsten Investmentbanken an der Wall Street.
Die Immobilienpreise fielen im zweiten Quartal weiter nach unten. Viele Subprime-Kreditnehmer verschuldeten sich, sie konnten durch die Zinserhöhungen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Ein Hausverkauf zur Abdeckung der aufgenommenen Kredite war durch den Verfall der Immobilienpreise nicht möglich. Von diesen Zahlungsausfällen waren die SIVs betroffen, aber nicht die Banken, die ihre Kredite an SIV schon weiterverkauft hatten.
In ernste Zahlungsschwierigkeiten gerieten, am 18. Juni 2007, zwei Hedgefonds der großen US-Bank Bear Stearns. Gerettet wurden diese Hedgefonds von der Muttergesellschaft, die eine Finanzspritze in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar gab. Investoren der beiden Hedgefonds verloren ihr gesamtes Kapital. Bear Stearns musste in diesem Jahr Abschreibungen in Höhe von 9,4 Milliarden Dollar tätigen und dem Chinesischen Staatsfonds CIC eine Beteiligung in Höhe von zehn Prozent einräumen.
Nachdem diesem Zusammenbruch von Bear Stearns wurden CDOs kaum noch gehandelt. Der Preis für CDOs bestimmt sich nicht durch Angebot und Nachfrage, dieser wird anhand mathematischer Berechnungsmodelle ermittelt. Ein Geschäft kommt nur durch die Verhandlungen zwischen Verkäufer und Käufer bei einer Übereinstimmung der Bewertungen zustande. Preise, die anhand der Kreditversicherungen, den CDS, berechnet wurden, weisen einen starken Preisverfall auf. Dieser erfasste nun auch die Tranchen Senior und Mezzanine, also die besser bewerteten Tranchen, von CDOs. Im Jahr 2006 wurden CDOs im Wert von mehr als 500 Milliarden Dollar verkauft. Der Einbruch dieser Tranchen führte zu hohen Wertberichtigungen. Investmentbanken, in dieser Situation, versuchen nun die Papiere noch zu verkaufen. Lehmann Brothers engagierte den ehemaligen Gouverneur von Florida. So verkaufte Bear Stearns zufällig im Juli und August strukturierte Anleihen für 842 Millionen Dollar an einen öffentlichen Geldmarktfonds aus Florida. Dieser Geldmarktfonds der als risikofrei eingestuft war, musste im November, aufgrund der gekauften Papiere, die Auszahlungen einstellen. Die Papiere tauchten somit nicht mehr in der Bilanz der Lehmann Brothers auf.
Viele Fonds waren aufgrund des Preisverfalls auch der risikofreien Tranchen zu Notverkäufen gezwungen. Am schwerwiegendsten traf diese Situation, die verbrieften und strukturierten Kredite für Immobilien, die MBS. Der Markt brach in dieser Zeit komplett ein. Es wurden nur noch erstklassige Staatsanleihen gekauft, die in einer Krise als sehr sicher gelten.
Im Juli 2007 machte Standard & Poor´s die Bekanntmachung, dass die Hypotheken mit unterlegten ABS, aus 2006, auf die Beobachtungsliste gesetzt wurden und auf eine Herabstufung untersucht werden. Die Summe dieser Hypotheken belief sich auf zwölf Milliarden Dollar. Am selben Tag berichtete Moody´s von einer Herabstufung von Subprime-Anleihen und der Neuuntersuchung von 184 CDO-Tranchen. Der Wert dieser Herabstufungen belief sich auf fünf Milliarden Dollar. Nur einen Tag später wurde die Zahl der Zwangsversteigerungen von Eigenheimen bekannt gegeben. Sie lag um 87 Prozent höher, als im Vorjahr.
Vertrauenskrise des Interbankenmarktes:
Am 09. August 2007 kam es in Europa zu einem Streik der Verkäufer, auf den Interbankenmärkten. Normalerweise sind die Zinsen auf diesem Markt sehr stabil, und bewegen sich auf dem Niveau des Zinssatzes der Zentralbank. Je größer die Zinsdifferenz an diesem Markt ist, desto größer ist das Misstrauen der Banken untereinander. An diesem Tag sprang der Marktzins für Tagesgeld über den Zinssatz der Zentralbank. Banken waren plötzlich nicht mehr bereit sich gegenseitig Geld zu leihen. Aber auch die privaten und institutionellen Anleger nahmen ihr Geld vom Kapitalmarkt, und waren nicht mehr bereit in risikoreiche Anlagen zu investieren. Dieses Handeln der Investoren machte die Refinanzierung der Conduits und SIV unmöglich. Es kam zu einer Vertrauenskrise unter den Banken - dieser Tag gilt auch als eigentlicher Beginn der Finanzkrise, in Amerika und Europa.
Es ist die Rede von einem Credit Crunch und einer systemischen Finanzmarktkrise. Credit Crunch bedeutet eine Einschränkung der Kreditvergabe, die sogenannte Kreditklemme. Nachdem im Verlauf der ganzen Woche die Zinssätze sehr hoch gewesen waren, brachte die EZB an diesem Tag Liquidität in Höhe von 94,8 Milliarden Euro zusätzlich auf den Interbankenmarkt. Fed und andere Zentralbanken unternahmen ähnliche Maßnahmen, um die Zinsen zu senken und den Markt zu stabilisieren. Die Stabilisierung des Geldmarktes erfolgte auch Wochen später noch nicht. In der gesamten Finanzwirtschaft wurde die Zinsdifferenz zwischen Geldmarkt- und Leitzinsen noch größer, es war ein weltweites Liquiditätsproblem vorhanden.
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