Mediation im Vergleich zum Zivilprozess
Eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile beider Konfliktlösungsverfahren
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Carolin Adamski
- Abgabedatum: Februar 2009
- Umfang: 94 Seiten
- Dateigröße: 507,7 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Hochschule Pforzheim Deutschland
- Bibliografie: ca. 89
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2911-9
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Adamski, Carolin Februar 2009: Mediation im Vergleich zum Zivilprozess, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Mediation, Zivilprozess, Konfliktlösungsverfahren, Streiterledigung, Zivilverfahren
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Diplomarbeit von Carolin Adamski
Einleitung:
„Altes Fundament ehrt man, darf aber das Recht nicht aufgeben, irgendwo wieder einmal von vorn zu gründen.“ Johann Wolfgang v. Goethe.
Unternehmen stehen in einer sich globalisierenden Welt auf immer komplexere Art und Weise miteinander in Beziehung. Diese vielschichtige Vernetzung birgt neben interessanten Geschäftsfeldern und neuen Märkten auch Konfliktpotential. Hinzu kommt, dass vom Gesetzgeber ständig neue Verordnungen und Gesetze erlassen werden - Regelverstöße sind vorprogrammiert. So werden Konflikte mehr und mehr Teil des Wirtschaftsalltags und das Thema Konfliktbewältigung gewinnt an Bedeutung. Im Extremfall können Streitigkeiten Existenzen zerstören, deshalb scheint für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg ein funktionierendes Konfliktmanagement unerlässlich. Geschäftsleute tun gut daran, verschiedene Konfliktbearbeitungsverfahren zu kennen, um einschätzen zu können, bei welchen Gegebenheiten welches Verfahren zu bevorzugen ist.
Die Mediation als alternative Streitbeilegungsmethode steht derzeit verstärkt im Blickpunkt der Öffentlichkeit, insbesondere aufgrund der am 21. Mai 2008 verabschiedeten Richtlinie 2008/52/EG des Europäischen Parlaments über bestimmte Aspekte der Mediation in Zivil- und Handelssachachen. Die Familienmediation hat sich in Deutschland bereits etabliert und auch in Erbrechtsangelegenheiten und bei Konflikten an Schulen konnten durch Mediation bereits beeindruckende Erfolge verbucht werden. Da sich die Wirtschaftsmediation aus der Familienmediation entwickelt hat, wird der Mediation gerne ein emotionaler Touch zugeschrieben und ein Laie mag denken, es soll ein weltfremd angehauchter Versöhnungsgedanke in der Wirtschaft salonfähig gemacht werden. Deshalb stellt sich die Frage, ob die Mediation auch bei wirtschaftlichen Konflikten hilfreich sein kann. Ist es der bessere Weg vor Gericht zu ziehen und einen Richter, der Ansehen von beiden Seiten genießt, mit einer Entscheidung zu beauftragen?
In diesem Buch werden das Gerichtsverfahren und die Wirtschaftsmediation als zwei Konfliktbeilegungsverfahren miteinander verglichen. Dazu werden der übliche Weg der Konfliktbewältigung, der Gang vor die Gerichte, sowie die Wirtschaftsmediation genauer betrachtet. Vor und Nachteile werden herausgearbeitet, um zu untersuchen was diese beiden Modelle generell und speziell im Hinblick auf Konflikte zwischen Unternehmen leisten können.
Um einen Bezug zur Praxis herzustellen, wird in diesem Buch der Prozess Firma F/Firma T vorgestellt. Es wird dieser Streitfall als Beispiel herangezogen, um verschiedene Aspekte des Zivilprozesses wie Prozesskosten und Prozessdauer zu verdeutlichen. Zum Abschluss wird anhand des Streitfalles, welcher durch alle Instanzen ging, ein fiktives Szenario entwickelt in dem die Mediation zur Anwendung kommt. Es wird eine Einschätzung gegeben, ob die Mediation in diesem Fall eine befriedigende Konfliktlösungsalternative gewesen wäre.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Abkürzungsverzeichnis | IV |
| 2. | Abbildungsverzeichnis | VI |
| 3. | Einleitung | 1 |
| 3.1 | Gegenstand und Ziel dieses Buches | 1 |
| 3.2 | Zusammenfassung des BGH Urteils | 2 |
| 3.3 | Definition und Aspekte des sozialen Konflikts | 3 |
| 3.4 | Zur juristischen Arbeitsweise | 5 |
| 3.5 | Einführung in die Wirtschaftsmediation | 6 |
| 3.6 | Beziehungen im juristischen Kontext | 9 |
| 4. | Hauptteil | 11 |
| 4.1 | Der Zivilprozess | 11 |
| 4.1.1 | Merkmale des Zivilprozesses | 11 |
| 4.1.2 | Prozesskosten | 13 |
| 4.1.2.1 | Erster Rechtszug | 14 |
| 4.1.2.2 | Zweiter Rechtszug | 16 |
| 4.1.2.3 | Dritter Rechtszug | 17 |
| 4.1.3 | Vorzüge | 18 |
| 4.1.3.1 | Großes Vertrauen der Deutschen in die Justiz | 18 |
| 4.1.3.2 | Rechtssicherheit und formales Verfahren | 18 |
| 4.1.3.3 | Rechtsweggarantie und Rechtskraft | 19 |
| 4.1.4 | Nachteile | 20 |
| 4.1.4.1 | Austragung nicht rein rechtlicher Streitigkeiten vor Gericht | 20 |
| 4.1.4.2 | Belastung der Parteibeziehungen | 21 |
| 4.1.4.3 | Delegation der Verfahrensautonomie | 21 |
| 4.1.4.4 | Gefahren des Richterrechts und Nullsummenspiel | 22 |
| 4.1.4.5 | Vernachlässigte Einzelfallgerechtigkeit | 24 |
| 4.1.4.6 | Die Notwendigkeit Rechtspositionen einzunehmen | 24 |
| 4.1.4.7 | Rückwärtsgewandtheit und Unflexibilität des Richterrechts | 26 |
| 4.1.4.8 | Risiken von Prozessen und der juristischen Methodik | 26 |
| 4.1.4.9 | Verfahrenskosten | 27 |
| 4.1.4.10 | Dauer von Zivilverfahren | 28 |
| 4.1.4.10.1 | Dauer von Zivilverfahren im Allgemeinen | 28 |
| 4.1.4.10.2 | Dauer des Zivilverfahrens in der Sache Firma F/Firma T | 29 |
| 4.1.4.11 | Problemfeld Anwalt, Zeuge und Sachverständiger | 29 |
| 4.2 | Das Mediationsverfahren | 32 |
| 4.2.1 | Definition | 32 |
| 4.2.1.1 | Grundsätze der Meditation | 32 |
| 4.2.1.1.1 | Freiwilligkeit | 32 |
| 4.2.1.1.2 | Informiertheit und Eigenverantwortlichkeit | 33 |
| 4.2.1.1.3 | Vertraulichkeit | 34 |
| 4.2.1.2 | Das Verfahren | 34 |
| 4.2.1.2.1 | Das klassische Phasenmodell | 34 |
| 4.2.1.2.2 | Vorphase | 36 |
| 4.2.1.2.3 | Erste Phase | 36 |
| 4.2.1.2.4 | Zweite Phase | 37 |
| 4.2.1.2.5 | Dritte Phase | 38 |
| 4.2.1.2.6 | Vierte Phase | 38 |
| 4.2.1.2.7 | Fünfte Phase | 40 |
| 4.2.1.3 | Qualifikation und Funktion des Mediators | 41 |
| 4.2.2 | Philosophie der Mediation | 44 |
| 4.2.2.1 | Das Harvard-Konzept | 44 |
| 4.2.2.2 | Ziele der Mediation | 45 |
| 4.2.2.3 | Problematik von Einzelgesprächen | 45 |
| 4.2.2.3.1 | Chancen | 47 |
| 4.2.2.3.2 | Risiken | 48 |
| 4.2.2.3.3 | Fazit | 49 |
| 4.2.3 | Vorzüge | 50 |
| 4.2.3.1 | Flexibilität, Parteizufriedenheit und interessengerechtes Memorandum | 50 |
| 4.2.3.2 | Erhalt der Parteibeziehungen und Zukunftsorientierung | 52 |
| 4.2.3.3 | Vertraulichkeit und nichtöffentliches Verfahren | 53 |
| 4.2.3.4 | Wirtschaftlichkeit des Verfahrens | 53 |
| 4.2.3.4.1 | Ergebnisqualität | 53 |
| 4.2.3.4.2 | Zeitersparnis | 54 |
| 4.2.3.4.3 | Kostenvorteil | 55 |
| 4.2.3.5 | Gesamtwirtschaftliche Vorteile und Veränderung der Streitkultur | 57 |
| 4.2.3.6 | Empirische Untersuchung | 58 |
| 4.2.3.7 | Studie „Commercial Dispute-Resolution – Konfliktbearbeitungsverfahren im Vergleich“ | 61 |
| 4.2.3.8 | Nachteile | 63 |
| 4.2.3.8.1 | Psychologische Nachteile und Grenzen der Mediation | 63 |
| 4.2.3.8.2 | Fehlende Vollstreckbarkeit | 66 |
| 4.2.3.8.3 | Missbrauch des Verfahrens | 66 |
| 4.2.3.8.4 | Keine sofortige Regelung und Öffentlichkeitswirkung | 69 |
| 4.3 | Szenario | 71 |
| 4.3.1 | Mögliche Anwendung der Mediation im Konflikt Firma F/Firma T | 71 |
| 4.3.2 | Analyse der Parteipositionen- und Interessen | 71 |
| 4.3.3 | Mögliche Mediationsvereinbarung | 72 |
| 4.3.3.1 | Analyse der Mediationsvereinbarung | 73 |
| 4.3.3.1.1 | Vorzüge | 73 |
| 4.3.3.1.2 | Nachteile | 75 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 77 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 79 |
Textprobe:
Kapitel 4.2.2.3.2, Risiken:
Es gibt jedoch auch Stimmen, die Einzelgespräche kritisieren, da sie Misstrauen zwischen den Parteien fördern. Während der Mediator mit der einen Partei im Einzelgespräch ist, besteht die Gefahr, dass in der Wartezeit Misstrauen in das Mediationsverfahren bei der Gegenpartei geschürt wird und der mit Einzelgesprächen einhergehende Mangel an Transparenz kann Skepsis gegenüber der neutralen Haltung des Mediators hervorrufen. Womöglich wird vermutet, dass der Mediator sich mit der Gegenseite verbündet oder das Abwarten wird als nervenaufreibend empfunden. Es sollte deshalb darauf geachtet werden, dass die wartende Partei nicht ihre Zeit untätig verstreichen lässt, sondern „sinnvoll“ beschäftigt wird, damit nicht eine Einigung gefährdet wird. Es können allerdings auch mit den Parteien getrennte Termine für Einzelgespräche vereinbart werden, dies ist besonders bei sehr komplexen Konflikten anzuraten.
Weiterhin wird in der Literatur angeführt, dass ein Risiko des etwaigen Missbrauchs von Einzelgesprächen besteht. Dies kann dergestalt geschehen, dass eine Partei während des Gesprächs versucht, den Mediator für sich zu gewinnen oder es kann durch Verdrehen der Tatsachen versucht werden den Mediator zu manipulieren. Jedoch ist davon auszugehen, dass ein geschulter Mediator solche Taktiken durchschaut. Zudem tritt diese Problematik nicht nur speziell bei Einzelgesprächen auf, sondern ist eine Gefahr während des gesamten Verfahrens und daher kein Argument gegen Einzelgespräche.
Mit der Trennung der Parteien geht eine Begrenzung von Ideenreichtum einher, da die Kreativität in der Lösungssuche nur voll ausgeschöpft werden kann, wenn die Parteien direkt miteinander kommunizieren. Daher kann auch das Risiko bestehen, dass die Parteien die am Ende der Mediation gefundene Konfliktlösung als Vermittlungserfolg des Mediators sehen und nicht als gemeinsam erarbeitetes Produkt - dies macht es schwerer, Vertrauen zur Gegenseite zu fassen. Einzelgespräche stehen daher dem Gedanken der gemeinsamen Erarbeitung einer Konfliktlösung im Wege. Wollen die Parteien jedoch ihre Geschäftsbeziehungen aufrechterhalten, ist Vertrauen eine wichtige Grundlage dafür.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836629119
Arbeit zitieren:
Adamski, Carolin Februar 2009: Mediation im Vergleich zum Zivilprozess, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Mediation, Zivilprozess, Konfliktlösungsverfahren, Streiterledigung, Zivilverfahren



