Rechtsrock im Wandel
Eine Analyse der Texte am Beispiel der Bands 'Landser' und 'Die Lunikoff Verschwörung'
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thomas Naumann
- Abgabedatum: März 2009
- Umfang: 127 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) Deutschland
- Bibliografie: ca. 110
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2901-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Naumann, Thomas März 2009: Rechtsrock im Wandel, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rechtsrock, Rechtsextremismus, Landser, Recht, Musik
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Diplomarbeit von Thomas Naumann
Einleitung:
‚Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache.’ Friedrich Schiller (1759 - 1805).
Obiges Zitat soll als Leitgedanke dieser Arbeit dienen, da dessen Quintessenz meiner Meinung nach das meint, was in der Kommunikationstheorie mit dem Vier- Seiten- Modell von Schulz von Thun beschrieben wird und somit die Grundlage dieser Abhandlung bildet: die Mehrschichtigkeit der menschlichen Äußerung. Dem folgend beinhaltet jede verbale Artikulation gleichzeitig vier Botschaften:
- eine Sachinformation, d.h. worüber informiert wird; - eine Selbstkundgabe, d.h. was der Sender von sich zu erkennen gibt; - einen Beziehungshinweis, d.h. wie Sender und Empfänger zu einander stehen; - einen Appell, d.h. was der Sender bei dem Empfänger erreichen möchte.
Da die Sprache als Teil der menschlichen Kommunikation den zentralen Stellenwert im Thema dieser Arbeit einnimmt, soll das obige Modell den Ausgangspunkt bzw. das Fundament der folgenden Ausführungen bilden.
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit rechtsextremistischen Tendenzen in der deutschen Rechtsrockszene. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, den Fragestellungen nachzugehen, wie sich die Rechtsrockszene innerhalb der letzten 40 Jahre entwickelt und gewandelt hat und mit welchen textlichen Mitteln Rechtsrockbands politische Botschaften transportieren. Daraus ergibt sich, dass diese Arbeit sowohl Bestandsaufnahme als auch Analyse darstellen soll und somit in zwei Bereiche unterteilt ist.
Die erste der beiden Fragen wird im Rahmen der Bestandsaufnahme bearbeitet. Dazu werden in Kapitel 1 zunächst die im Folgenden verwendeten Begrifflichkeiten aufgezeigt und geklärt.
Kapitel 2 beschäftigt sich mit den Entwicklungstendenzen der Rechtsrock- und Skinheadszene. Da sich die Rechtsrockszene in und aus der Skinheadszene entwickelt hat, werden hier, unterteilt in jeweilige Abschnitte, die länderspezifischen Besonderheiten der jeweiligen Szenen unter Berücksichtigung der gesamtgellschaftlichen Rahmenbedingungen dargestellt. Dabei wird insbesondere im letzten Abschnitt des Kapitels auf die starke Ausdifferenzierung der Szene in Deutschland eingegangen.
Kapitel 3 fungiert als eine Art Verbindungsstück zwischen Bestandsaufnahme und Analyse. Hier werden zum einen grundlegende demokratische Werte und rechtsstaatliche Maßnahmen vermittelt sowie zum anderen das Verhältnis zwischen Rechtsstaat und Rechtsextremismus, besonders hinsichtlich der Musikszene, erörtert. Der letzte Abschnitt des Kapitels dient der kritischen Auseinandersetzung mit den repressiven Staatsmaßnahmen.
In dem darauf folgenden Analyseteil dieser Arbeit erfolgt in Kapitel 4 anhand von Textbeispielen der Bands Landser und Die Lunikoff Verschwörung eine Bearbeitung der zweiten oben genannten Frage. Die Analyse bezieht sich ausschließlich auf die Liedtexte. Besonderheiten der Musikform oder der Art und Weise des Gesangs, welche bestimmte inhaltliche Aussagen unzweifelhaft verstärken können, finden in dieser Arbeit keine Beachtung. Unter der besonderen Berücksichtigung der Feindbilder, welche in den Texten von den Bands aufgebaut werden, sollen die individuellen Charakteristika beider Bands veranschaulicht und somit der Wandel der Texte verdeutlicht werden. Da hinter beiden Bands derselbe ideologische Kopf steckt, sind zudem die Fragen relevant, ob aus dem Textwandel ein Gesinnungs- oder Wertewandel abgeleitet werden kann und ob bzw. in wie weit sich das Verhältnis des Texters zum Rechtsstaat gewandelt hat.
In Kapitel 5, welches diese Arbeit abschließt, werden Fazit und Schlussfolgerungen der Analyse dargelegt.
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass eine Arbeit dieser Art zu diesem Thema keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Im Rahmen dieser Arbeit kann lediglich ein sehr begrenzter Einblick in die komplexe Materie der Rechtsrockszene gegeben werden.
Aus Gründen der Lesbarkeit wird in dieser Diplomarbeit die maskuline Geschlechtsform verwendet. Damit sollen Frauen weder ausgeschlossen noch diskriminiert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| A | Bestandsaufnahme | 4 |
| 1. | Begriffsklärung | 4 |
| 1.1 | Rechtsextremismus | 4 |
| 1.2 | Rechtsrock | 10 |
| 2. | Historische Entwicklung der Skinhead- und Rechtsrock- Szene | 12 |
| 2.1 | Ursprung in Großbritannien (GB) | 12 |
| 2.2 | Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) | 19 |
| 2.3 | Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) | 26 |
| 2.4 | Entwicklung im wiedervereinigten Deutschland (D) | 32 |
| 3. | Rechtslage in Deutschland | 43 |
| 3.1 | Das Grundgesetz (GG) | 45 |
| 3.2 | Das Strafgesetzbuch (StGB) | 48 |
| 3.3 | Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) | 54 |
| 3.4 | Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) | 56 |
| 3.5 | Zwischenanmerkungen | 61 |
| B | Analyse | 67 |
| 4. | (Feind)bilder der Rechtsrockbands | 70 |
| 4.1 | Landser | 71 |
| 4.1.1 | Selbstverständnis | 71 |
| 4.1.2 | Ideale | 73 |
| 4.1.3 | Feindbilder | 78 |
| 4.2 | Die Lunikoff Verschwörung | 90 |
| 4.2.1 | Selbstverständnis | 90 |
| 4.2.2 | Ideale | 93 |
| 4.2.3 | Feindbilder | 97 |
| 5. | Schlussbemerkung | 107 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 113 |
Textprobe:
Kapitel 2.4, Entwicklung im wiedervereinigten Deutschland (D):
Der Prozess der Wiedervereinigung in den Jahren 1989/90 modifizierte die Skinheadszenen im Osten und Westen Deutschlands ebenso grundlegend wie die gesamte gesellschaftliche Situation.
Nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 weitete sich der durch die Massendemonstrationen in Leipzig und Berlin initiierte verloren gegangene Führungsanspruch der SED zu einem Machtvakuum aus.
Diese administrative politische Inhaltslosigkeit gepaart mit der damit einher gehenden partiellen Orientierungslosigkeit erwies sich als ein optimales Konstrukt für die erfolgreiche Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts. Dieser Umstand konnte erst in den folgenden Jahren durch einen sukzessiven Import westdeutscher Strukturen gemildert werden.
Dennoch bleibt zu konstatieren, dass die Einführung der Demokratie nur unzureichend mit dem gewohnheitsmäßigen Alltag der ostdeutschen Bevölkerung verwoben wurde. Daraus ergaben sich zwei bis heute anhaltende Tendenzen: zum einen kamen insbesondere bei Menschen aus wirtschaftlich schwachen Gebieten Ostdeutschlands mit dem Verlust der sozialen Sicherheit und Berechenbarkeit auch zuvor ungekannte Existenzängste auf. Zum anderen verstärkten sich ausländerfeindliche und rassistische Stimmungen durch die Anfang der 90er Jahre geführte Debatte um das Grundrecht auf Asyl sowie durch Verfehlungen in der Asyl- und Ausländerpolitik: die unvorbereitete Zuweisung von Asylbewerbern in die neuen Bundesländer ab 1990 intensivierte die Gefühle der vermeintlichen Bedrohung und Blockade von Lebenschancen.
Die gesellschaftlich- politischen Rahmenbedingungen für den Erfolg und die Existenz des Rechtsextremismus in Ostdeutschland zeigen sich dabei in vier Bereichen:
‘- der gewünschte und bewusst herbeigeführte, in seinen konkreten sozialen und psychischen Auswirkungen auf das Individuum aber nicht absehbare Systemwechsel vom Sozialismus zum Kapitalismus, vom Stalinismus zur Demokratie; - die Entwicklung der inneren Einheit Deutschlands, deren Verlauf sich die meisten Ostdeutschen völlig anders vorgestellt haben und die in einen handfesten Ost-West-Gegensatz mündete; - der soziale Wandel, die technologische Modernisierung der Produktionsprozes-se und die wirtschaftliche und politische Globalisierung, die alle westlichen Gesellschaften prägen und mit der Einheit Deutschlands zu einer zusätzlichen Belastung für die neuen Bundesländer geworden sind; - die Fortwirkung psychischer Dispositionen und politisch-kultureller Faktoren (Sozialisationsverläufe, Lebenserfahrungen, Lernprozesse, Wertorientierungen, politische Einstellungen und Verhaltensweisen), die mit den neuen gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen nicht kompatibel sind und Abwehrreaktionen stimulieren’.
In diesem Kontext ist darauf zu verweisen, dass im Zuge des Wiedervereinigungsprozesses die Forderung nach der nationalen Einheit Deutschlands sowohl von der westdeutschen CDU/CSU- FDP- Koalition als auch von den Medien popularisiert wurde. Damit wurde eine bis heute anhaltende Entwicklung in Gang gesetzt: die ehemals auf extrem rechte Fraktionen beschränkten Themen ‘Deutsche Einheit’ und ‘Nationalstolz’ rückten peu à peu in den Diskurs der gesellschaftlichen Mitte und wurden so zur ‘Normalität’.
In dieser Phase setzte auch die Verknüpfung des westdeutschen organisierten Rechtsextremismus mit den ostdeutschen subkulturellen Elementen ein. Beginnend mit einem massenhaften Verteilen von Propagandamaterial von REP, NPD und DVU auf den Leipziger Montagsdemonstrationen schwärmten die Werber der Parteien gen Osten aus, um neue Mitglieder zu rekrutieren – auf Grund der Starrheit im Organisationsaufbau sowie der völligen Fehleinschätzung der Stimmungslage mit nur mäßigem Erfolg, was sich auch in den Folgejahren in der Wahlergebnissen widerspiegelte. ‘Die wirklich aktiven Rechtsextremisten und vor allem die Jugendlichen sammelten sich stattdessen in kleineren Neonazi-Organisationen – etwa der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front (GdNF) und ihren Untergruppen sowie der Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP), der Nationalen Alternative (NA) oder der Nationalistischen Front (NF) und später in lose strukturierte Kameradschaften’.
Unmittelbar nach der Wiedererlangung der staatlichen Einheit setzten dann jene Ereignisse ein, welche die Skinheads in den Mittelpunkt des Medieninteresses rücken ließen. Kurz nach der Wiedervereinigung erschütterte eine Welle rechtsextremistischer Gewalt das Land, die ihre Höhepunkte in den Ausschreitungen von Eberswalde (25.11.1990), Rostock- Lichtenhagen (22.08.1992) und den Anschlägen in Hoyerswerda (30. 09.1991), Hünxe (03.10.1992), Mölln (23.11.1992) und Solingen (29.05.1993) fand. Im Zuge des gesamtgesellschaftlichen Rechtsrucks gaben die Medien mit reißerischen Schlagzeilen und Artikeln den Tätern ein Gesicht: dem rechtsextremistischen Skinhead mit Glatze, Stiefel und Bomberjacke. Wohl auch, da die gesamtdeutsche Skinheadszene Anfang der 90er Jahre einen, quantitativ wie qualitativ unvorhergesehenen, Aufschwung erlebte. Dass die Fokussierung des Themas ‘Rechtsextremismus’ allein auf die Szene der Skinheads zu kurz gegriffen war, zeigten allein schon die Tatumstände: einerseits gehörten die Täter von Hünxe und Mölln nicht zur Skinheadszene, andererseits wurden die Täter in Rostock- Lichtenhagen von zahlreichen zuschauenden Eltern und Nachbarn angefeuert.
Die explosionsartige Radikalisierung und Politisierung der Skinheadszene war im Endeffekt das Resultat zweier Prozesse: zum einen wurde die, in der dominant maskulinen Szene, schon immer vorhandene Gewaltakzeptanz und Unnachgiebigkeit von einer Vielzahl der Skinheads mit einer zunehmenden Orientierung an rechtsextremistischen Feindbildern verbunden. Zum anderen fand sowohl im Westen als auch im Osten ein Generationswechsel in der Szene statt. Gemäßigte ältere Skinheads verließen unter dem Druck der Öffentlichkeit die Szene; die nachrückenden Jugendlichen, zum Teil sogenannte ‘Mode- Skins’, orientierten sich primär an dem durch die Medien vermittelten Bild.
Die nachfolgenden Abbildungen verdeutlichen auf der Grundlage der Verfassungsschutzberichte nochmals den oben skizzierten Boom der Skinheadszene sowie den Anstieg der Gewalttaten zu Beginn der 90er Jahre. Überdies lassen sie noch eine andere Tendenz, welche sich bis zum heutigen Tag hält, erkennen: Der in Parteien organisierte Rechtsextremismus ist deutlich rückläufig bei einem gleichzeitigen Anstieg der Angehörigen der subkulturellen Szene. Parallel dazu nimmt die Anzahl der rechtsextremistischen Straftaten konstant zu und hat sich in den letzten 20 Jahren nahezu verzehnfacht.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836629010
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Naumann, Thomas März 2009: Rechtsrock im Wandel, Hamburg: Diplomica Verlag
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Rechtsrock, Rechtsextremismus, Landser, Recht, Musik




