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Maladaptive Schemata und dysfunktionale Selbstaufmerksamkeit

Maladaptive Schemata und dysfunktionale Selbstaufmerksamkeit
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Alice Bonewitz

Einleitung:

Der schematherapeutische Ansatz ist ein neues therapeutisches Verfahren, welches Aspekte und Methoden unterschiedlichster Richtungen miteinander verbindet: kognitiv-verhaltenstherapeutische, psychoanalytische und gestalttherapeutische Methoden werden mit Aspekten der Bindungs- und Objektbeziehungstheorie zusammengebracht. Grundlegende Annahme ist, dass frühe maladaptive Schemata klinischen Erkrankungen zugrunde liegen. Die Forschungen der letzten Jahre haben signifikante Zusammenhänge zwischen einzelnen maladaptiven Schemata und klinischen Erkrankungen wie z.B. Persönlichkeitsstörungen aufgezeigt. Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass ein weiteres Merkmal klinischer Störungen die Art und Weise der Selbstaufmerksamkeit von Patienten ist. Hoyer und Kunst haben aus den Forschungen der 30 Jahre ein Modell der dysfunktionalen Selbstaufmerksamkeit entwickelt.

In dieser Diplomarbeit stelle ich die Entwicklung der Forschung zur Selbstaufmerksamkeit und das Modell zur dysfunktionalen Selbstaufmerksamkeit von Hoyer et al. dar, sowie das Verständnis des Schemakonzeptes und des neuen Schemaansatzes von Young.

Da es signifikante Korrelationen zwischen maladaptiven Schemata sowie dysfunktionaler Selbstaufmerksamkeit jeweils mit klinischen Erkrankungen gibt, untersuche ich, ob es Zusammenhänge zwischen dem Ausprägungsgrad einzelner maladaptiver Schemata und dem Ausmaß dysfunktionaler Selbstaufmerksamkeit gibt.

Gang der Untersuchung:

Die Untersuchung bestand aus zwei Fragebögen, die von jeweils 101 ambulanten Psychotherapiepatienten im Zeitraum von Oktober 2007 bis Dezember 2007 in Osnabrück ausgefüllt worden sind. Der erste Fragebogen war der deutschsprachige Young Schema Fragebogen- Kurzfassung 3. Der zweite Fragebogen war der Fragebogen zur Erfassung der dysfunktionalen Selbstaufmerksamkeit von Hoyer. Alle Berechnungen wurden mit SPSS Version 15 durchgeführt. Zuerst wurden die Häufigkeitsverteilungen der demographischen Daten ausgerechnet. Auf Grundlage der Common Factor Analysis (CFA) mit schiefwinkliger Promax Rotation, der internen Konsistenz (Cronbachs α), der Trennschärfe und inhaltlicher Bedeutung wurden 16 Skalen gebildet. Anhand dieser 16 Skalen wurde mithilfe der Sekundärfaktorenanalyse überprüft, ob sich die theoretisch übergeordneten Bereiche von Young zeigen. Weiter wurden Zusammenhänge und Unterschiede in Bezug auf die demographischen Daten berechnet. Die Hypothesen wurden anhand von Korrelationen zwischen dysfunktionaler, sowie funktionaler SAM und den 16 Skalen überprüft. Exploratorisch wurden diese Zusammenhänge mithilfe der schritt- und blockweisen Regression weiter überprüft. Zum Schluss wurden auf Grundlage der korrigierten Skalenbildung von Weingartz Gruppenunterschiede sowie Zusammenhänge zwischen dysfunktionaler/ funktionaler SAM mit diesen Skalen berechnet.

Inhaltsverzeichnis:

Danksagung 2
Inhaltsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 6
Tabellenverzeichnis 7
1. Einleitung 9
2. Der Begriff der Selbstaufmerksamkeit 10
2.1 Die Theorie der objektiven Selbstaufmerksamkeit 11
2.2 Private versus öffentliche Selbstaufmerksamkeit 12
2.3 ‘ Aufmerksamkeit auf innere Zustände’versus‘ Selbst-Reflexion’ 16
2.4 ‘ Private Selbstaufmerksamkeit ‘ versus ‘ Selbstkenntnis’ 18
2.5 Selbstaufmerksamkeit und Selbstregulation 21
2.6 Die Theorie der selbstregulatorischen Perseveration 24
2.7 Der Fragebogen zur Dysfunktionalen Selbstaufmerksamkeit (DFS) 25
3. Begriff des Schemas 33
3.1 Was ist ein Schema? 34
3.2 Der Prozess der Schema - Aktivierung. 35
3.3 Welche Funktionen haben Schemata? 36
3.4 Maladaptive Schemata 37
4. Das Schemamodell nach Young 39
4.1 Frühe maladaptive Schemata 40
4.2 Ursprünge von Frühen Maladaptiven Schemata 40
4.3 Entwicklung und Aufrechterhaltung von Frühen Maladaptiven Schemata 42
4.4 Schemaheilung 42
4.5 Schemabereiche und die dazugehörigen Frühen Maladaptiven Schemata 43
4.6 Maladaptive Bewältigungsreaktionen und Bewältigungsstile 49
4.7 Schemamodus 50
4.8 Der Young Schema Questionnaire (YSQ) 51
4.9 Die deutsche Übersetzung desYoung Schema Questionnaire (YSF-K3) 56
5. Fragestellungen und Hypothesen 60
5.1 Hypothese 1 60
5.2 Hypothese 2 61
6. Ergebnisse 63
6.1 Vorgehen 63
6.2 Stichprobenbeschreibung 63
6.3 Faktorenanalyse des YSF- K3 68
6.3.1 Sekundärfaktorenstruktur 79
6.4 Faktorenanalyse des DFS 80
6.5 Schemata und Selbstaufmerksamkeit in Bezug auf Demographische Daten 82
6.5.1 Korrelationen mit Alter 82
6.5.2 Gruppenunterschiede 82
6.6 Korrelationen zwischen Schemata und dysfunktionaler sowie funktionaler Selbstaufmerksamkeit 87
6.7 Hierarchisch -Sequenzielle multiple Regression 90
6.7.1 Zusammenhänge zwischen Schemata und dysfunktionaler Selbstaufmerksamkeit 90
6.7.2 Zusammenhänge zwischen Schemata und funktionaler Selbstaufmerksamkeit 92
6.8 Ergebnisse anhand der Zuordnung von 83 Items zu 19 Faktoren nach Weingartz 94
6.8.1 Gruppenunterschiede 95
6.8.2 Korrelationen zwischen Schemata und dysfunktionaler sowie funktionaler Selbstaufmerksamkeit (Skalenbildung nach Weingartz) 97
6.8.3 Hierarchischsequenzielle multiple Regression: Zusammenhänge zwischen Schemata und dysfunktionaler Selbstaufmerksamkeit (Skalenbildung nach Weingartz) 99
6.8.4 Hierarchischsequenzielle multiple Regression: Zusammenhänge zwischen Schemata und funktionaler Selbstaufmerksamkeit (Skalenbildung nach Weingartz) 101
7. Diskussion 104
8. Ausblick 108
9. Zusammenfassung 110
10. Anhang 111
Literaturverzeichnis 171

Textprobe:

Kapitel 4.6, Maladaptive Bewältigungsreaktionen und Bewältigungsstile:

Young et al. unterscheiden zwischen dem Schema an sich und der Strategie, welche ein Individuum entwickelt, um mit dem Schema fertig zu werden. Da aktivierte EMS intensive, schmerzhafte Emotionen auslösen und eine Bedrohung darstellen, werden schon früh in der persönlichen Entwicklungsgeschichte maladaptive Bewältigungsmechanismen entwickelt. Kinder reagieren auf die Bedrohung, die sie durch die Frustration der Kernbedürfnisse erleben, mit Bewältigungsmechanismen, die erst einmal als gesunde Überlebensmechanismen betrachtet werden können, aber im späteren Verlauf maladaptiv werden. Diese stellen ein Versuch da, sich den negativen Schemata anzupassen, um so den mit ihnen verbundenen schmerzhaften Emotionen nicht ausgesetzt zu sein. Aus einzelnen maladaptiven Bewältigungsreaktionen (states), welche immer wieder angewandt werden, bildet sich ein maladaptiver Bewältigungsstil (traits) heraus. Der Bewältigungsstil wie auch das damit verbundene Verhalten gehören nicht zu dem Bereich der Schemata. Das Verhalten gehört zu dem Bereich der Bewältigungsstile, sowie auch kognitive oder emotionale Strategien zur Bewältigung. Ein und dasselbe Schema kann also bei verschiedenen Personen mit unterschiedlichen Bewältigungsstilen verbunden sein und in einer konkreten Situation verschiedene Bewältigungsreaktionen auslösen.

Durch den Bewältigungsstil entsteht immer wieder eine ähnlich Interaktion mit bestimmten Situationen und Personen. Es werden drei maladaptive Bewältigungsstile aufgeführt:

- 1. Ergebung: Dies bedeutet, sich dem Schema auszuliefern, den Inhalt als wahr zu akzeptieren ohne es zu bekämpfen oder zu vermeiden. Der damit verbundene emotionale Schmerz wird direkt erfahren und das Verhalten verstärkt wiederum das Schema. Es werden Entscheidungen getroffen, die immer wieder alte Kindheitserfahrungen replizieren, besonders im Bereich der Partnerwahl.

- 2. Schemavermeidung: Hier wird versucht, das Schema aus dem Bewusstsein zu verdrängen und eine Aktivierung zu vermeiden. Gefühle und Gedanken, die mit dem Schema verbunden sind, werden automatisch zurückgedrängt. Es werden Situationen vermieden, die bestimmte Schemata auslösen könnten. Dies kann zu Vermeidung ganzer Lebensbereiche wie Beruf und Partnerschaft führen.

- 3. Schemaüberkompensation: Überkompensation bedeutet, dass versucht wird, sich gegenteilig zum Schema zu verhalten: es wird so gedacht, gefühlt und gehandelt, als ob das Gegenteil dessen wahr wäre, was das Schema beinhaltet. So können soziale Ängste mit einem übermäßigen Selbstbewusstsein überspielt werden. Teilweise kann Überkompensation ein gesunder Versuch sein, gegen ein Schema anzukämpfen, aber oft wird dabei über das Ziel hinausgeschossen und das Schema eher wiederholt als geheilt. So kann Überkompensation in Beziehungen wiederum zu sozialer Isolation führen.

Schemamodus:

Ein Schemamodus beschreibt eine Konstellation spezifischer maladaptiver und auch adaptiver Schemata, die zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einer bestimmten Situation aktiv sind. Andere Schemata sind zu diesem bestimmten Zeitpunkt inaktiv. Die aktivierten Schemata gestalten den emotionalen Zustand einer Person, und ebenso bestimmen sie die Bewältigungsstrategien, die jetzt herangezogen werden. Dieser Wechsel zwischen verschiedenen Schemata Konstellationen findet fortwährend statt und kann durch interne aber auch externe Reize ausgelöst werden. Wichtig für die Heilung ist zum einem das Verständnis davon, welche Konstellation von bestimmten Schemata zu einem bestimmten Zeitpunkt manifestiert wird und zum anderen das Erlangen der Fähigkeit von einem dysfunktionalen Modus in einen funktionalen Modus zu springen. Durch den Wechsel in einen anderen Schemamodus werden Schemata aktiviert, die bis zu diesem Zeitpunkt ‚schlafen’ waren.

Dysfunktionale Schemamodi als dissoziierte Zustände:

Ein dysfunktionaler Schemamodus ist ein nicht voll integrierter Aspekt des Selbst, wobei das Selbst von Young et al. betrachtet wird als die Gesamtheit aller Schemamodi. Das Ausmaß in dem ein Schemamodus von dem Rest der Person getrennt ist, lässt sich einordnen anhand einer Dissoziationsdimension, welche sich aufspannt von der Integration in das Selbst bis hin zur vollkommenen Dissoziation vom Selbst. Dissoziation bedeutet, dass es nicht möglich ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr als einen Schemamodus zu erleben. Am äußeren Punkt der Dissoziation ist eine Person, welche sich, wenn sie sich in einem Schemamodus befindet, nicht mehr bewusst darüber ist, dass noch andere Schemamodi existieren. Je besser eine Person in der Lage ist, mehr als einen Schemamodus gleichzeitig zu erfahren und diese auch zu kombinieren, desto höher liegt das Integrationsniveau. Die Dimension ‚Integration bis Dissoziation’ eines Schemamodus ist somit auch ein Strukturmerkmal von Persönlichkeit, in dem Sinne der Integration von auch gegenläufigen Gefühlen, Wünschen, Wahrnehmungen und Gedanken zu einer kohärenten Persönlichkeit.

Arbeit zitieren:
Bonewitz, Alice Juni 2008: Maladaptive Schemata und dysfunktionale Selbstaufmerksamkeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Maladaptive Schemata, dysfunktionale Selbstaufmerksamkeit, Persönlichkeitsstörung, Anspruchshaltung, Pessimismus

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