Der psychoanalytische Ansatz der Übertragung und Gegenübertragung nach Freud und seine Anwendung in der Sozialen Arbeit
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Konstantin Niehaus
- Abgabedatum: Juli 2008
- Umfang: 81 Seiten
- Dateigröße: 439,1 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, Standort Emden Deutschland
- Bibliografie: ca. 37
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2356-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Niehaus, Konstantin Juli 2008: Der psychoanalytische Ansatz der Übertragung und Gegenübertragung nach Freud und seine Anwendung in der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sigmund Freud, Psychoanalyse, Übertragung, Gegenübertragung, Soziale Arbeit
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Diplomarbeit von Konstantin Niehaus
Einleitung:
Eine Grundannahme der Psychoanalyse ist die Annahme des Bestehens und Wirkens unbewusster Prozesse. Damit ist gemeint, dass menschliches Erleben, Selbsterleben und Verhalten nicht nur von unbewussten Intentionen, sondern auch von unbewussten oder genauer von unbewusst gewordenen Erfahrungen, Wünschen oder Ängsten bestimmt wird.
Diese Grundannahme der Psychoanalyse, wie sie vor allem von Stemmer-Lück vertreten wird, ist eine entscheidende Basis der vorliegenden Arbeit. In dieser werden psychoanalytische Grundannahmen und Themen aufgezeigt und miteinander verglichen. Im Hauptteil wird sich besonders dem psychoanalytischen Ansatz der Übertragung und Gegenübertragung nach Freud gewidmet.
Dieser Bereich der Psychoanalyse bildet das Herzstück dieser Arbeit. Es wird ausführlich über die Theorie des Ansatzes gesprochen, bevor im Weiteren die Anwendung in der Sozialen Arbeit tiefgründiger erörtert wird.
Ziel dieser Ausarbeitung ist es, die Anwendung des psychoanalytischen Ansatzes in der Sozialen Arbeit darzulegen. Ebenso soll geklärt werden, inwieweit heutige Sozialarbeiter mit der Theorie der Übertragung und Gegenübertragung vertraut sind und wie sich die Umsetzung in der Praxis gestaltet.
Hierfür wird schließlich ein Ausblick für die Soziale Arbeit angeführt, der auf Basis einer wissenschaftlichen Erhebung innerhalb dieser Arbeit aufgestellt wird.
In Kapitel 2 werden zunächst die Grundbegriffe und das Wesen der Psychoanalyse erläutert, um dem Leser einen Überblick zu verschaffen, mit dem er Gedankengänge, die innerhalb dieser Arbeit aufgestellt werden, zu verstehen vermag.
Im Folgenden wird in Kapitel 3 der Ansatz der Übertragung und Gegenübertragung dargestellt. Es werden hierzu Definitionen gegeben und diese mit Zugangspunkten in der Therapie verknüpft.
Der psychoanalytische Ansatz wird im Kapitel 4 mit der praktischen Anwendung in der Sozialen Arbeit zusammengeführt. Es wird überprüft, ob bereits eine Zusammenarbeit zwischen Psychoanalyse und Sozialer Arbeit besteht. Deshalb werden in der Folge praktische Anwendungsgebiete für den theoretischen Ansatz von Freud erschlossen sowie die Bedeutung für die Soziale Arbeit ersichtlich gemacht.
Nach der Darstellung der theoretischen Grundlagen werden die gewonnenen Erkenntnisse in Kapitel 5 mit Hilfe einer wissenschaftlichen Erhebung überprüft und evaluiert.
Anschließend werden im sechsten Kapitel die Folgen von misslungener Übertragung und Gegenübertragung anhand eines Beispiels dargestellt und bewertet.
Die Legitimität der Anwendung des Ansatzes der Übertragung und Gegenübertragung in der Sozialen Arbeit wird in Kapitel 7 dargelegt. Einher geht hier die Frage, ob und wenn ja, was für eine Zusatzausbildung ein Sozialarbeiter innehaben sollte, um bei vorkommenden Übertragungen richtig und adäquat reagieren und die Eindrücke und Einblicke in das Bewusstsein des Gegenübers richtig deuten und behandeln zu können.
Kapitel 8 enthält schließlich ein Fazit dieser Ausarbeitung sowie einen Ausblick auf die Soziale Arbeit auf Basis der dargestellten Erkenntnisse
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | II | |
| Vorwort und Danksagung | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Grundbegriff Psychoanalyse | 3 |
| 2.1 | Der Grundbegriff | 3 |
| 2.2 | Die Stellung innerhalb der Wissenschaften | 5 |
| 2.3 | Die psychoanalytischen Grundannahmen | 7 |
| 3. | Darstellung der Übertragung und Gegenübertragung | 9 |
| 3.1 | Der geschichtliche Grundriss | 9 |
| 3.2 | Die Definition | 10 |
| 3.2.1 | Übertragung | 11 |
| 3.2.2 | Gegenübertragung | 15 |
| 3.3 | Die Zugangspunkte zum inneren Konflikt des Klienten | 17 |
| 3.3.1 | Der Zugang über das Grundproblem des Klienten | 17 |
| 3.3.2 | Der Zugang über die Lebensgeschichte des Klienten | 18 |
| 3.3.3 | Der Zugang über das Verständnis der aktuellen sozialpädagogischen Beziehung | 19 |
| 3.3.4 | Das Fazit der Zugänge | 21 |
| 3.4 | Die Beispielgebung | 22 |
| 3.4.1 | Die Übertragung | 22 |
| 3.4.2 | Die Gegenübertragung | 25 |
| 4. | Anwendung in der Sozialen Arbeit | 27 |
| 4.1 | Die Bedeutung für die Soziale Arbeit | 27 |
| 4.2 | Das psychoanalytisch- sozialpädagogische Arbeitsbündnis | 28 |
| 4.3 | Die aktuelle Diskussion | 29 |
| 4.4 | Die Anwendungsgebiete | 30 |
| 5. | Wissenschaftliche Erhebung zur Anwendung in der Sozialen Arbeit | 31 |
| 5.1 | Die Motivation und die Vorgehensweise | 31 |
| 5.2 | Die Vorstellung der Befragungsgruppe | 32 |
| 5.3 | Die Fragestellungen | 34 |
| 5.4 | Die Auswertungsschritte nach der Grounded Theory | 35 |
| 5.5 | Die Hypothesenbildung | 39 |
| 5.6 | Die Ergebnisdarstellung | 40 |
| 6. | Misslingende Übertragung und Gegenübertragung am Beispiel Breuer | 48 |
| 6.1 | Das Beispiel Breuer | 49 |
| 6.2 | Die Folgen für die Patientin | 50 |
| 6.3 | Die Folgen für den Analytiker | 50 |
| 6.4 | Die Folgen für die Beziehung, die Therapie sowie das Gesprächzwischen Patientin und Analytiker | 52 |
| 7. | Die Legimität der Anwendung des Ansatzes von Übertragung und Gegenübertragung in der Sozialen Arbeit | 54 |
| 8. | Fazit und Ausblick für die Soziale Arbeit | 56 |
| Literaturverzeichnis | 59 | |
| Anlage | 62 |
Textprobe:
Kapitel 3.2, Die Zugangspunkte zum inneren Konflikt: Um den Aspekt zu festigen, dass der psychoanalytische Ansatz und die Gedanken um ihn nicht nur im therapeutischen Setting aktiv sind, wird in diesem Kapitel von Sozialpädagogen und deren Klienten an Stelle von Therapeuten und Patienten gesprochen.
Nachdem im ersten Schritt bei der Arbeit mit einem Klienten ein Arbeitsbündnis zwischen Klient und psychoanalytisch arbeitenden Pädagogen entstand, wird dieser nun nach dem Konflikt des Klienten suchen. Hierbei wird nachfolgend davon ausgegangen, dass die vorherrschenden Konflikte immer unbewusster Natur sind, d.h. wie im Schaubild Abb. 3 gezeigt im Unterbewusstsein liegen. So kann der Sozialpädagoge nun aus drei potentiellen Zugängen wählen, um den inneren, unbewussten Konflikt zu identifizieren und behandeln zu können.Diese werden nachfolgend kurz erläutert.
Kapitel 3.3.1, Der Zugang über das Grundproblem des Klienten: Der erste Weg beinhaltet, den Anlass zu betrachten, aus dem der Klient den Weg zum Sozialarbeiter gefunden hat. Diese Situation ergibt sich jedoch nicht in allen sozialpädagogischen Angeboten. Er ist begrenzt auf das direkte Arbeiten am Klienten, nicht auf Beratungsangebote.
Hierbei hat der Pädagoge schon die Vorahnung, dass der Klient, im Gegenstand der sozialpädagogischen Situation eine Lösung seines inneren Konfliktes sucht, da dieser Konflikt ihn, unbewusst oder bewusst, beschwert. Es ist klar ersichtlich, dass diese Herangehensweise als die leichteste erscheint, denn ein umständliches Heranwagen an einen blockenden Klienten muss hier nicht stattfinden. Der Klient wünscht hier selbst, über den Anlass seines Kommens, bzw. den Konflikt zu sprechen, oder er rechnet zu mindest damit, dass dieser Konflikt zur Sprache gebracht wird.
Kapitel 3.3.2, Der Zugang über die Lebensgeschichte des Klienten: Der zweite Weg beinhaltet, die frühere Lebensgeschichte des Klienten zu durchleuchten, sich ein Bild darüber zu machen und mögliche Auffälligkeiten und„Wirkungen belastender sozialer Erfahrung aufzuspüren.
Hier ist zunächst klar, dass dieser Weg nicht so einfach zu beschreiten ist wie der erste, bei dem der Klient durch seine eigene Motivation zur Bereinigung seines Konflikts dem Pädagogen die Konfliktidentifikation erleichtert. In dieser Zugangsmöglichkeit ist es nun zunächst an dem Pädagogen, möglichst viel über das Leben des Klienten zu erfahren, speziell über soziale Kontakte und bisherige soziale Lebensformen. Hier ist jedoch zu beachten und in die Gedanken des Pädagogen mit einzubeziehen, dass es sich immer um Geschichten und Erzählungen des Klienten handelt, und nicht um harte Fakten. Es wird davon ausgegangen, dass ein noch nicht bewältigter, größtenteils unbewusst gewordener Konflikt die Wahrnehmungen und das Handeln eines Menschen auf immer wieder ähnliche Weise prägt.
Treten nun Wiederholungen oder Kontinuität in den Lebensgeschichten des Klienten auf, so schließt der Pädagoge daraus den inneren Konflikt. Hierbei gibt der Klient seiner Erzählung eine thematische Ordnung, wodurch sich Wiederholungen und Kontinuität erst erkennen lassen.
Der psychoanalytisch arbeitende Pädagoge versucht hierbei das Verhalten des Klienten in den jeweiligen Wiederholungen zu deuten. Dabei ist jedoch wieder zu beachten, dass es sich um Deutungen und nicht um Wissen handelt. Erwähnt sei auch, dass sich bei schweren traumatischen Erfahrungen, wie etwa Missbrauch, der Interpretationsspielraum der Erlebnisse des Klienten relativ gering ist. Hier gibt diese Methode und damit dieser Zugang zum Konflikt des Klienten eine sehr gute Möglichkeit, mit dem bestehendem Konflikt zu arbeiten und ihn zu verarbeiten, auch wenn dieses jahrelanger einfühlsamer Begleitung durch eine Fachperson bedarf.
So zeichnet sich schon in diesen Ansätzen ab, dass dieser Zugang zum inneren Konflikt des Klienten ein sehr schwieriger ist, da so gut wie keine harten Fakten aus dem Leben des Klienten abzuleiten sind. Nichtsdestotrotz ist er ebenso ein häufig angewandtes Modell der Zugangspunkte.
Kapitel 3.3.3, Der Zugang über das Verständnis der sozialpädagogischen Beziehung: Der dritte Weg lässt schließlich den Pädagogen sich selbst mit einbeziehen. Er schaut rückwirkend auf die Entfaltung der Beziehung des Klienten mit ihm innerhalb der fortgeschrittenen Therapie und sucht innerhalb dieser den Konflikt des Klienten. In diesem Zugang handelt es sich im natürlichen Sinne um das Verstehen des bisher Gesagten und Getanen beider, Klient und Pädagoge. Ebenso seiner Auswertung mit den Konzepten der Übertragung und Gegenübertragung als Stütze.
Wie in den Definitionen von Übertragung und Gegenübertragung bereits dargelegt worden ist, müssen sowohl der Klient und der Pädagoge sich darauf „einigen“, die komplette bisherige sozialpädagogische Situation und Verbindung aufzuarbeiten und die Ergebnisse zu evaluieren. Es existieren hier unterschiedliche Manifestationen der Übertragung. Nachfolgend werden die drei Methoden vorgestellt, die in einem psychoanalytischen und psychoanalytisch-pädagogischem Setting bei einer auftretenden Übertragung üblicherweise angewendet werden.
Es wird einerseits auf die Sichtweise, wie der Klient den Pädagogen wahrnimmt, geachtet, denn diese ist meist charakteristisch für den Klienten selbst und kann auch einen unbewussten Konflikt beinhalten.
Eine andere Weise ist der Versuch, Übertragungen des Klienten auszuwerten. In diesem fühlt sich der Pädagoge oft zu einer Antwort auf die Übertragung des Klienten gedrängt und reagiert hierbei optimalerweise mit einer kontrollierten Gegenübertragung in die Beziehungsgestaltung beider Personen. Der Pädagoge muss sich dabei jedoch im Klaren sein, dass er mit seiner Gegenübertragung einen aktiven Part innerhalb dieser Beziehung einnimmt und er somit nicht objektiv über die Übertragung von dem Klienten auf seinen Konflikt schließen kann. Er muss seine Gegenübertragung aus einer Position außerhalb der Beziehung als eine Reaktion auf die Übertragung des Klienten sehen und in diesem subjektiven Verfahren versuchen, sich eine objektive Meinung über den vorherrschenden Konflikt zu bilden.
Der dritte Versuch, einen Zugang zum Konflikt des Klienten über ein Verständnis der aktuellen sozialpädagogischen Beziehung zu erlangen, ist der, das bisher vom Klienten Gesagte zu interpretieren. Dieser Ansatz ähnelt in seinem Inhalt, aber auch in seinen Risiken, der Methode des Zugangs zum Klienten über dessen Lebensgeschichte. Er birgt den Nachteil, dass alles, was der Pädagoge auf diesem Weg auswertet, nur Interpretation bleibt. Denn eine Bildung objektiver Fakten ist auf Grund dieses Gesagten nicht möglich und wäre bei einer Fehleinschätzung fatal für die weitere Behandlung des Klienten und die Beziehung zwischen ihm und dem Pädagogen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836623568
Arbeit zitieren:
Niehaus, Konstantin Juli 2008: Der psychoanalytische Ansatz der Übertragung und Gegenübertragung nach Freud und seine Anwendung in der Sozialen Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sigmund Freud, Psychoanalyse, Übertragung, Gegenübertragung, Soziale Arbeit




