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Erbschaftsteuer

Steuerprinzipielle Begründbarkeit, wirkungsanalytische Beurteilung und spezifische Ausgestaltungsfragen

Erbschaftsteuer
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Mirko Richtsteig
  • Abgabedatum: Juni 2008
  • Umfang: 70 Seiten
  • Dateigröße: 522,7 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität der Bundeswehr München Deutschland
  • Bibliografie: ca. 45
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2317-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Richtsteig, Mirko Juni 2008: Erbschaftsteuer, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Erbschaftsteuer, Erbe, Erbanfallsteuer, Nachlasssteuer, Finanzamt

Diplomarbeit von Mirko Richtsteig

Einleitung:

Das Thema der Vermögens-Ungleichheit steht zunehmend im Rampenlicht der internationalen politischen Bühne. Sicher bewegt es sich immer noch etwas im Schatten der Diskussionen über die Ungleichheit in der Einkommensverteilung, aber gerade die Vermögens-Ungleichheit weist einen erheblich größeren Umfang auf, als es die Einkommens-Ungleichheit tut. Das gesamte Vermögen wird von einer Generation an die nächste weitergegeben und verschafft einem Teil der Nachkommen einen enormen Vorteil gegenüber dem anderen. Betrachtet man den weltweiten Gini-Koeffinzienten, welcher die gesamte Vermögensverteilung der Welt misst, dann stellen wir fest, dass er mit einem Wert von 0,892 unglaublich hoch ist und sich somit fast 90 Prozent des Weltvermögens in der Hand einiger wenigen befindet. Sicher existieren in den entwickelten Staaten markante Unterschiede. So besitzt Japan mit einem Gini von 0,547 eine wesentlich ausgeglichenere Vermögensverteilung, als zum Beispiel die USA mit einem Gini von 0,801. Aufbauend auf diese Situation werden Steuern auf Erbschaften oder allgemein auf den Vermögenstransfer oft als Instrument für eine gerechte Verteilung von Vermögen herangezogen.

Die Erbschaftsteuer ist eine Steuerart welche sich in den meisten Steuersystemen der entwickelten Industriestaaten wiederfindet und durch ihre Einnahmen zur Finanzierung der öffentlichen Ausgaben beiträgt. Neben diesen fiskalischen Gründen sind es auch die verteilungs-, allokations- und beschäftigungspolitischen Erwägungen, die eine Existenz der Erbschaftsteuer stützen. In Bezug auf Erbschaften wird häufig auch der Begriff intergenerationaler Transfer benutzt. Einige Autoren beziehen bei ihren Untersuchungen von Vermögenstransfers außerdem intragenerationale Transfers wie Schenkungen oder sogar nicht monetäre Transfers, wie Investitionen in die Bildung der Kinder, ein.

Die jungen Menschen von heute, besonders die in den entwickelten Industrienationen, werden auch als die Erbengeneration bezeichnet, weil sie nicht zuletzt den Vorteil besitzen, zu den geburtenschwachen Jahrgängen zu zählen und gleichzeitig von deren Elterngeneration ein großzügiges Erbe zu erhalten, da diese nicht wie deren Eltern einen Einschnitt im Vermögen durch Kriege erfahren haben und somit über den gesamten Lebenszyklus die Möglichkeit hatten Kapital ohne Unterbrechung zu akkumulieren. Mit der Zunahme in der Höhe des übertragenen Vermögens rückt auch die Erbschaftsteuer immer stärker in den Mittelpunkt. Aus diesem Grund erscheint eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik als besonders aktuell und erforderlich. In dieser Arbeit soll eine Analyse der Erbschaftsteuer in Bezug auf ihre steuerprinzipielle Begründbarkeit, auf ihre ökonomischen und sozialen Auswirkungen und die spezifischen Ausgestaltungsfragen durchgeführt werden.

In Kapitel 2 wird zu Beginn ein kleiner Überblick über das Wesen der Erbschaftsteuer gegeben, um eine Basis für die weitere Betrachtung zu bilden. Im Anschluss daran findet eine Auseinandersetzung mit den einzelnen Begründungsmöglichkeiten dieser Steuer statt, wobei das Ziel darin besteht, die einzelnen in der Literatur aufgeführten Argumente gegen und für die Besteuerung von Erbschaften zusammenzutragen und möglicherweise eine Aussage über ihre Legitimation zu treffen. Den Kernpunkt dieser Untersuchung wird das Kapitel 3 bilden, welches den Schwerpunkt auf die wirkungsanalytische Betrachtung der Erbschaftsteuer legt. Geprüft werden muss, inwieweit mit einer Besteuerung von Erbschaften außer fiskalische Effekten auch ökonomische Anreizwirkungen und Verzerrungseffekte verbunden sind.

Zur analytischen Betrachtung der Vermögenstransferbesteuerung werden das Lebenszyklusmodell und ein Zwei-Perioden Modell überlappender Generationen nach Diamond verwendet. Da bestimmte Verhaltensreaktionen der beteiligten Individuen von deren Transfermotiven abhängig sind und man sich damit in der Analyse der Erbschaftsteuer öfter konfrontiert sieht, wird die Klärung dieser Motive an den Anfang dieses Kapitels gestellt. Abschließend werden im Kapitel 4 spezifische Ausgestaltungsfragen geklärt, welche sich von einer Festlegung der Bemessungsgrundlage über den Tariftyp bis hin zu möglichen Ausgestaltungskonzepten erstrecken. Das Resultat dieser Arbeit soll sein, eine Aussage darüber treffen zu können, welche expliziten Implikationen eine Erbschaftsteuer mit sich bringt, ob sie überhaupt eine Steuerlegitimation erfährt und wie eine optimale Ausgestaltung aussehen könnte.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Steuerprinzipielle Begründbarkeit der Erbschaftsteuer 3
2.1 Einordnung der Erbschaftsteuer 4
2.2 Die Begründung der Nachlasssteuer 5
2.3 Die Begründung der Erbanfallsteuer 9
2.4 Fazit 15
3. Wirkungsanalytische Beurteilung der Erbschaftsteuer 16
3.1 Charakterisierung der Transfermotive 17
3.2 Steuerinzidenz und Verzerrungswirkung 23
3.2.1 Allgemeine Wirkungen der Erbschaftsteuer 24
3.2.2 Vermögenstransferbesteuerung im Lebenszyklusmodell 27
3.3 Die optimale Besteuerung von Vermögenstransfers 33
3.3.1 Modell überlappender Generationen nach Diamond 33
3.3.2 Ein dynamisches Modell mit Vererbung 41
3.4 Fazit 50
4. Spezifische Ausgestaltungsmöglichkeiten 51
4.1 Grundelemente zur Gestaltung einer Erbschaftsteuer 52
4.2 Das Modell der realen Erbschaftsteuer 54
4.3 Einheitlicher Transfersteuer oder Kombisteuer 56
4.4 Fazit 59
5. Zusammenfassung 60
Literaturverzeichnis VI

Textprobe:

Kapitel 3., Wirkungsanalytische Beurteilung der Erbschaftsteuer:

Die distributive Wirkung wie auch die Verhaltensreaktionen der Individuen auf die Steuerpolitik des Staates sind die wichtigsten Ansatzpunkte einer Wirkungsanalyse. Die distributiven Folgen können aus intergenerationaler oder intragenerationaler Sicht betrachtet werden und die Steuerpolitik legt Schwerpunkte bei intergenerationalen öffentlichen Transferleistungen und privaten Vermögenstransfers. In dieser Arbeit soll das Hauptaugenmerk auf einer wirkungsanalytischen Betrachtung der Erbschaftsbesteuerung liegen. Eine solche Besteuerung kann allokative und distributive Auswirkungen mit sich ziehen, welche hauptsächlich von den einzelnen Motiven der Beteiligten abhängen. Aus diesem Grund beleuchtet dieses Kapitel zunächst mögliche Transfermotive, bevor es sich der wirkungsanalytischen Beurteilung zuwendet. Bei der Wirkungsanalyse werden vor allem Behauptungen von Kritikern, dass eine Erbschaftsteuer das Sparverhalten reduziere, das Arbeitsangebot verringere und den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen gefährde, angesprochen. Es ist deshalb von Vorteil die Vererbungsmotive voranzustellen, um somit eine Grundlage für die weitere Untersuchung der Erbschaftsteuer zu schaffen. Man kann feststellen, dass die größten Unterschiede im Hinblick auf die Wirkungen zwischen dem altruistischen Motiv und allen anderen Motiven auftreten. Zum Thema Erbschaften und Erbschaftsbesteuerung sind in der Literatur zahlreiche Untersuchungen durchgeführt wurden, welche auf unterschiedlichen Ansätzen und Modellen mit unterschiedlichen Annahmen basieren.

In diesem Kapitel wird nach der Charakterisierung der Transfermotive auf die Inzidenz und Verzerrungswirkung der Erbschaftsteuer eingegangen. Ein Überblick über die möglichen Auswirkungen soll dabei den Einstieg in die wirkungsanalytische Betrachtung dieser Steuer erleichtern. Anschließend werden anhand einer Untersuchung von Atkinson, auf der Basis des Lebenszyklusmodells, die Effekte einer solchen Besteuerung von Vermögenstransfers analysiert. Im letzten Teil dieses Kapitels wird die Möglichkeit einer optimalen Besteuerung von Vermögenstransfers geprüft. Als Grundmodell wird das überlappende Generationenmodell von Diamond aufgegriffen. Es wird betrachtet, welchen Einfluss die Annahme eines langfristigen gleichgewichtigen Wachstums einer Volkswirtschaft auf die Produktion einer Wirtschaft und die Steuereinnahmen des Staates hat, ohne dabei bereits den Fall der Vererbungen und eine Steuer auf diese Erbschaften einzubeziehen. Für die Untersuchung einer optimalen Besteuerung von Vermögenstransfers wird unter Berücksichtigung der einzelnen Transfermotive in dieses Wachstumsmodell die Vererbung von Vermögen und dessen Besteuerung integriert. Zwischen den beiden, in Kapitel 2, kennengelernten Grundformen lassen sich keine grundlegenden Unterschiede feststellen und eine separate Wirkungsbetrachtung ist deshalb nicht nötig. Eine optimale Besteuerung von Vermögenstransfers ist erst möglich, wenn die Belastungswirkungen der betrachteten Erbschaftsteuer bekannt sind.

Arbeit zitieren:
Richtsteig, Mirko Juni 2008: Erbschaftsteuer, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Erbschaftsteuer, Erbe, Erbanfallsteuer, Nachlasssteuer, Finanzamt

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