Die Grundausbildung der Pflege in Frankreich - Ein Modell für Deutschland?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ali Lahouaoui
- Abgabedatum: Mai 2001
- Umfang: 96 Seiten
- Dateigröße: 463,1 KB
- Note: 2,5
- Institution / Hochschule: Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 45
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2273-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lahouaoui, Ali Mai 2001: Die Grundausbildung der Pflege in Frankreich - Ein Modell für Deutschland?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Pflegeausbildung, Frankreich, Bildungssystem, Pflegeschulen, Pflege
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Diplomarbeit von Ali Lahouaoui
Einleitung:
Gerade in der gegenwärtigen Diskussion über die Reform der Grundausbildung in Pflegeberufen in Deutschland kann es hilfreich sein, über den eigenen Horizont zu schauen und die Verhältnisse in einem anderen europäischen Land zu kennen und zu berücksichtigen. Außerdem wird die Kenntnis der Ausbildungsarten in den Nachbarländern Deutschlands vor dem Hintergrund der engen europäischen Zusammenarbeit auch im Bereich der Pflege immer wichtiger. So kam ich zu der Entscheidung, die Grundausbildung der Pflege in Frankreich zum Thema meiner Diplomarbeit zu machen.
In dieser Arbeit geht es nicht darum die Pflegeausbildung in Frankreich und in Deutschland systematisch zu vergleichen, sondern darum die Grundausbildung der Pflege in Frankreich darzustellen und zu gucken welche Aspekte dieser Ausbildung für Deutschland ein Modell sein können, z.B. die Rahmenbedingungen, das Curriculum, die Unterrichtsmethoden, die Art der Pflegeschulen.
Bei jedem Abschnitt der Ausbildung habe ich Pflegestudenten nach ihrer Erfahrung gefragt und sie zum Teil zitiert. Ich habe versucht, nicht nur die Pflegeausbildung in Frankreich darzustellen, sondern sie auch kritisch zu beurteilen. Die Antwort auf meine Frage, ob die Pflegeausbildung in Frankreich ein Modell für Deutschland sein kann, fließt von Anfang an in die Arbeit mit ein.
Ich habe die Pflegeausbildung in Frankreich gewählt, da ich mehrere Jahre in Paris gelebt habe und fließend Französisch spreche. Die Kenntnis von Land und Sprache waren also der Anlass, die Pflegeausbildung in Frankreich zu untersuchen und Ideen zur Verbesserung der Pflegeausbildung zu gewinnen.
Warum braucht die deutsche Pflegeausbildung ein Modell?
Die Zahl der älteren Menschen steigt ständig an, die chronischen und infausten Erkrankungen nehmen zu und die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie weiten sich ständig aus. Außerdem die Entwicklung und Verbreitung neuer Pflegemodelle ebenso wie die neuen Herausforderungen an die Pflege aller Fachbereiche machen es notwendig die Pflegeausbildung zu reformieren. Denn die Strukturen der Grundausbildung der Pflege in Deutschland sind nicht mehr zeitgemäß. In einer Denkschrift der Robert Bosch-Stiftung zur Zukunft der Pflegeausbildung in Deutschland ist in diesem Zusammenhang folgendes zu lesen:
Während bleiben die Ausbildungen in den Pflegeberufen generell älteren, überholten Strukturen verhaftet. Erforderliche Änderungen der zu vermittelnden Inhalte, der Zielsetzung und der Unterrichtsgestaltung sind nur in geringem Umfang zu erkennen. Auch die beruflichen Veränderungen und die gestiegenen Anforderungen an die Berufsangehörigen werden in den Ausbildungen nur unzureichend berücksichtigt.
Seit Jahren wird auf mannigfaltigen Diskussionen auf die Notwendigkeit die Pflegeausbildung in Deutschland zu modernisieren hingewiesen. So wurden neue Konzepte zur Modernisierung der Grundausbildung der Pflege in Deutschland von nahezu allen politischen Parteien, Gewerkschaften, Fach- und Berufsverbänden entwickelt. Trotz langjähriger Debatten konnte allerdings eine umfassende Reform der Grundausbildung der Pflege in Deutschland bis heute nicht erreicht werden.
Um die aktuelle Struktur der Grundausbildung der Pflege in Frankreich verstehen zu können halte ich es für wichtig das Bildungssystem und die Rolle der Kultur und der Geschichte bei der Entwicklung der Pflegeausbildung in diesem Land kennen zulernen.
Diese Punkte werden in Kapitel drei und vier behandelt. Aufgrund der Wichtigkeit des engen Zusammenhangs zwischen dem Pflegeberuf und der Pflegeausbildung habe ich das fünfte Kapitel dem Pflegeberuf in Frankreich gewidmet.
Im sechsten Kapitel beschäftige ich mich mit der Pflegeausbildung in Frankreich, ihre Organisation, das Curriculum und die Abschlussprüfung. Im siebten Kapitel stelle ich eine Pflegeschule in Paris vor. Diese Schule soll ein Beispiel für die Pflegeschulen in Frankreich ihre Strukturen, Arbeitsmethoden darstellen.
Die Studienbedingungen der Auszubildenden der Pflegeausbildung in Frankreich ist ein aktuelles Thema in Frankreich, deshalb habe ich mich mit diesem Thema im Kapitel acht beschäftigt. Die Qualität einer Ausbildung hängt unter anderem auch von der Art und der Qualität der Ausbildung der Ausbilder ab. So beschäftige ich mich in Kapitel neun mit der Ausbildung der Pflegelehrerinnen und Pflegelehrer in Frankreich.
Die Grundausbildung ist eine Basis auf die man aufbauen kann, um durch eine Weiterbildung möglicherweise Karriere zu machen oder sich weiter zu spezialisieren.
Wie viele Weiterbildungsmöglichkeiten nach einer Ausbildung möglich sind trägt auch zur Attraktivität eines Berufes bei. Diese Weiterbildungsmöglichkeiten können auch ein wichtiges Kriterium für die Wahl einer Ausbildung sein. Aus diesem Grund habe ich auch die Weiterbildungsmöglichkeiten in Frankreich in Kapitel zehn dargestellt.
Ich erhoffe mir von diesem Einblick in ein anderes Ausbildungssystem und in eine andere Kultur Anregungen für die Pflegeausbildung in Deutschland, die reformbedürftig ist. Die Arbeit schließt ab mit einer Diskussion der Aspekte der Pflegeausbildung in Frankreich.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Arbeitsmethode | 3 |
| 3. | Das Bildungswesen in Frankreich | 6 |
| 3.1 | Die Schulbildung | 6 |
| 3.2 | Das französische Hochschulsystem | 7 |
| 3.2.1 | Das universitäre Studium in Frankreich | 8 |
| 4. | Die historische Entwicklung der Krankenpflegeausbildung in Frankreich | 11 |
| 4.1 | Die Pflegeausbildung im 19. Jahrhundert | 11 |
| 4.2 | Die ersten Pflegeschulen | 12 |
| 4.3 | Reformen der Pflegeausbildung | 14 |
| 5. | Der Pflegeberuf in Frankreich | 15 |
| 5.1 | Die Pflege als Profession | 17 |
| 6. | Die Pflegeausbildung in Frankreich. | 19 |
| 6.1 | Der rechtliche Status der I.F.S.I. und der Lernenden | 21 |
| 6.2 | Ziele der Ausbildung | 22 |
| 6.2.1 | Wertung und Vergleich | 23 |
| 6.3 | Charakteristika des Ausbildungsprogramms | 24 |
| 6.3.1 | Das berufliche Projekt ( le projet professionel) | 25 |
| 6.3.2 | Eine generalisierte Ausbildung. | 26 |
| 6.4 | Die Zuständigkeit. | 28 |
| 6.5 | Die Zulassungsvoraussetzung | 29 |
| 6.5.1 | Die Zulassung zur Aufnahmeprüfung | 29 |
| 6.5.2 | Zur Aufnahmeprüfung | 30 |
| 6.5.3 | Wertung und Ausblick | 32 |
| 6. 6. | Das Curriculum | 33 |
| 6. 6.1 | Der theoretische Unterricht. | 34 |
| 6.6.1.1 | Interpretation und Vergleich | 38 |
| 6.6.2 | Die praktischen Einsätze | 41 |
| 6.6.2.1 | Die Probleme der praktischen Ausbildung | 44 |
| 6.6.3 | Fazit. | 45 |
| 6.6.6 | Die Leistungsnachweise. | 46 |
| 6.7 | Das Abschlussexamen | 48 |
| 6.7.1 | Die Bewertung der Abschlussprüfung | 50 |
| 7. | Die Pflegeschule Suzanne Pérouse in Paris. | 51 |
| 7.1 | Die personellen und organisatorischen Strukturen | 53 |
| 7.2 | Der pädagogische Plan „le projet pédagogique“ | 54 |
| 7.2.1 | Wertung und Vergleich | 54 |
| 7.3 | Die räumliche Situation und Ausstattung mit Medien | 55 |
| 7.4 | Das Studienprogramm | 56 |
| 7.4.1 | Der theoretische Unterricht. | 57 |
| 7.4.2 | Die Aufteilung der praktischen Einsätze in den drei Ausbildungsjahren | 62 |
| 7.4.3 | Die pädagogischen Methoden | 64 |
| 8. | Zur politischen Situation der Pflegestudenten in Frankreich | 64 |
| 9. | Die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer für die Pflegeberufe in Frankreich | 67 |
| 9.1 | Wertung und Vergleich | 69 |
| 10. | Die Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten | 71 |
| 10.1 | Spezialisierungen | 71 |
| 10.1.1 | infirmière anesthésiste (Anästhesie-Krankenschwester oder -Pfleger) | 72 |
| 10.1.2 | Infirmière de bloc opératoire (OP-Krankenschwester oder -Pfleger) | 73 |
| 10.1.3 | Infirmière puéricultrice (Kinderkrankenschwester oder -Pfleger) | 73 |
| 10.2 | Kaderschulen | 74 |
| 10.2.1 | Das Institut d'enseignement supérieur de cadres hôspitaliers (Institut für höhere Bildung für Führungskräfte im Krankenhaus) | 74 |
| 10.2.2 | L'École nationale supérieure de la santé publique (die nationale „hohe“ Schule für öffentliche Gesundheit) | 75 |
| 10.3 | Weitere Qualifizierungsmöglichkeiten in Universitäten | 76 |
| 10.4 | Fazit. | 77 |
| 11. | Diskussion | 78 |
| Anhangsverzeichnis | 82 | |
| Tabellenverzeichnis | 83 | |
| Literaturverzeichnis | 84 |
Textprobe:
Kapitel 4.2, Die ersten Pflegeschulen: 1878 wurde die Ecole de la Salpêtrière de l'Assistance publique in Paris von Dr. Désiré Bourneville gegründet. In dieser Schule wurde der erste bekenntnisfreie Pflegeunterricht gegeben. Die Schule war in das Krankenhaus integriert und wurde von den Krankenschwestern abends nach der Arbeit besucht. Ähnliche Schulen wurden auch in anderen staatlichen Krankenhäusern in Paris gegründet: Die Pflegeschule l'école de Bicêtre am 20.05.1878 und die Pflegeschule de la Pitié 1881. Der theoretische Unterricht bestand aus Grundkenntnissen in der Anatomie und Physiologie, in Krankenhausverwaltung und Buchhaltung, in Wundbehandlung, Hygiene, Medikamentenlehre, Säuglings- und Wöchnerinnenpflege. Der praktische Unterricht fand jeden Tag in den Behandlungsräumen der Krankenhäuser, Pitié, la Salpêtrière und Bicètre statt. Die Pflegeschüler wurden in allen Bereichen des Krankenhauses eingesetzt.
Diese Schulen stellten die ersten Diplome für Krankenschwestern in Paris aus. Trotz der Bemühungen Désiré Bournevilles, den Krankenschwestern eine qualifizierte Pflegeausbildung zu ermöglichen, haben viele von ihnen die Abendkurse nicht besuchen können, weil sie nach einem harten Arbeitstag in der Klinik erschöpft waren. Im Jahr1889 hatten im Krankenhaus Bicêtre von 68 Krankenschwestern nur 32 am Pflegeunterricht teilgenommen, 27 erhielten ihr Diplom. Insgesamt wurden 1118 Pflegediplome von der staatlichen Wohlfahrtspflege für Krankenschwestern ausgestellt.
Die Ideen Florenz Nightingales über die Pflege Notes on Nursing wurden 1862 übersetzt, hatten aber im Gegensatz zu Deutschland und einigen skandinavischen Ländern keinen großen Einfluß auf die Pflege in Frankreich. Nightingale sah die Krankenschwester als die einzige Verantwortliche für die Pflege der Patienten. In Frankreich wurden die Krankenschwestern weiterhin als Hilfskräfte betrachtet, die die Ärzte unterstützen sollten. Erst 1922 durften die Krankenschwestern nach einer regulären Ausbildung den Titel le Diplôme d'état d'infirmiers, staatlich diplomierte Krankenschwester, tragen.
Während dieser Zeit bestand die Aufgabe der Krankenschwestern und Pfleger darin, sich um die psychosoziale Betreuung der Patienten, die an Geschlechtskrankheiten, Alkoholismus, Tuberkulose oder anderem litten, zu kümmern.
Trotz der Versuche von Bourneville und anderen, die Religion und die Ausübung des Pflegeberufs zu trennen, sahen viele Krankenschwestern in Frankreich bis Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Arbeit als religiöse Aufgabe.
Kapitel 4.3, Reformen der Pflegeausbildung: Das Gesetz Nr 15 vom 15. Juli 1943 definierte die Arbeitsbereiche der Krankenschwester, die nur unter ärztlicher Verordnung durchgeführt werden durften. Vor 1943 war die Krankenschwester in Frankreich Mädchen für alles, sie sollte alle Aufgaben übernehmen, die nicht gerne von den Ärzten ausgeübt wurden.
Seit 1945 hat die Pflegeausbildung diverse Änderungen erlebt. 1946 wurde die Krankenpflege als Beruf gesetzlich definiert und seitdem ist der Titel IDE (infirmier diplômé d'état), staatlich examinierte Krankenschwester, gesetzlich geschützt. Während dieser Zeit und bis zu den siebziger Jahren arbeiteten die Krankenschwestern vorwiegend als Hilfskräfte der Ärzte in den Krankenhäusern, ihre Aufgabe beschränkte sich auf die Ausführung der ärztlichen Verordnungen. 1951 dauerte die Pflegeausbildung zwei Jahre und basierte auf die Beobachtung des Patienten und die Durchführung ärztlicher Verordnungen.
Der Fortschritt der Medizin im Bereich der Therapie und Diagnose prägte die Rolle der Krankenschwester in Frankreich. Denn mit der Verordnung von 1961 bezüglich des Ausbildungsprogramms war der Aufgabenbereich einer Krankenschwester erheblich erweitert worden. Sie hatte nun nicht mehr nur pflegerische Maßnahmen durchzuführen, sondern sollte sich in der Gesundheit und Krankheit, der Therapie, der Physiologie und der Psyche des Menschen auskennen, um den Arzt bei der Diagnose und Therapie des Patienten unterstützen zu können.
Die Verordnung vom 15. 09.1972 erhöhte die Dauer der Pflegeausbildung auf 28 Monate und die Gesundheitserziehung wurde in das Ausbildungsprogramm aufgenommen. Die Verordnung vom 8.04.1977 schreibt eine Aufnahmeprüfung in den Pflegeschulen vor. 1978 wurde der staatliche Pflegeabschluss Diplôme d'état mit dem Abschluss brevet de technicien supérieur gleich gestellt. Im selben Jahr kam das Gesetz der Krankenschwester als le role propre de l'infirmière auf. Dieses Gesetz stellte die pflegerischen Tätigkeiten dar, die von einer Krankenschwester selbständig durchgeführt werden müssen und solche, die einer ärztlichen Anordnung bedürfen. Mit diesem Gesetz werden der Krankenschwester eigenverantwortliche Aufgaben übertragen, sie ist nicht mehr nur ausführende Kraft nach Anweisungen des Arztes.
Gemäß der EU-Verordnung vom 27. Juni 1977 (Richtlinie 77/EWG, S. 103.) zur Freizügigkeit der Krankenschwestern innerhalb der EU-Länder, wurde 1979 die Dauer der Ausbildung auf 33 Monate (4640 Unterrichtsstunden) erhöht und Begriffe wie Pflegeplanung, Organisation und Bewertung in das Ausbildungsprogramm integriert.
Um einen Überfluss an Krankenschwestern zu vermeiden, hat das Gesetz von 1981 eine Quote für die Aufnahme in den Pflegeschulen eingeführt, seitdem wird per Dekret vom Gesundheitsminister alljährlich die Zahl der Studenten festgelegt, die zur Pflegeausbildung zugelassen werden können.
Die Reformen der Pflegeausbildung in Frankreich waren immer von den sozialen und gesundheitlichen Bedürfnissen der Gesellschaft geprägt. Der steigende Anteil an älteren Menschen, die rasche Entwicklung in der Therapie und Diagnostik verlangen nach qualifiziertem Pflegepersonal. Deshalb kam die Reform vom 23. März 1992, ein neues Ausbildungsprogramm trat in Kraft. Das Dekret von 1992 fordert die Pflegeinstitute auf, eigene pädagogische Projekte zu entwickeln und den Studenten Wahlfächer anzubieten. Die Pflegeschulen (écoles d'infirmiers) wurden in Bildungsinstitute (I.F.S.I.) umbenannt, und man spricht nicht mehr von „Krankenpflegeschülern“, sondern von Studenten. Vor 1992 gab es eine Ausbildung für die allgemeine Krankenpflege und eine Ausbildung für die Pflege in der Psychiatrie. Die neue Reform legt eine einheitliche Grundausbildung für alle Studenten fest.
Kapitel 5, Der Pflegeberuf in Frankreich: Auch wenn das Thema dieser Arbeit die Pflegeausbildung ist, halte ich es für wichtig, den Krankenpflegeberuf in Frankreich kennen zu lernen, denn auch das Bild des Berufes in der Gesellschaft und die praktische Ausübung des Berufes haben Einfluss auf die Ausbildung. Der Student lernt zwar die Theorie in der Schule und die Praxis erst in der Klinik kennen. Die praktischen Erfahrungen von der Pflege in der Klinik prägt auch sehr das Verständnis der Studenten für die Pflege.
Der Pflegeberuf in Frankreich ist immer noch ein Frauenberuf, 64% der 350 000 Pflegenden sind Frauen. Die französischen Krankenschwester sind sehr militant und politisch engagiert. 1988, als in französischen Krankenhäusern Personalknappheit herrschte und die Pflegearbeit ohne nennenswerte Erhöhung des Einkommens stieg, streikten sie so lange, bis Vereinbarungen mit der damaligen Regierung zur Verbesserung der Situation der Krankenschwestern getroffen wurde.
Die Krankenschwestern erreichten eine Gehaltserhöhung, die Einführung der 35-Stunden-Woche im Nachtdienst, die autonome Rolle der Pflege später mit dem Dekret vom 1993 und eine Verbesserung des Ausbildungsprogramms im Gesetz vom 30. März 1992. Das Dekret von 1993 öffnete den Weg der Professionalisierung für die Krankenschwestern in Frankreich. Viele Pflegenden sind trotzdem immer noch unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen.
Die Einschätzung der beruflichen Situation ist wenig positiv: die Pflegenden sind unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. Sie klagen über unsoziale Arbeitszeiten, mangelnde Anerkennung ihres Berufs und die schwierige Beziehung zu den Ärzten.“ Die schlechten Arbeitsbedingungen der Pflegenden haben dazu geführt, dass viele Krankenhäuser in Frankreich heute an Personalmangel leiden, denn der Pflegeberuf ist für viele junge Leute unattraktiv. Dominique, ein Pflegerlehrer in einem I.F.S.I., sagt in diesem Zusammenhang: „ il y a actuellement une clinique (privée) qui vient d'embaucher 12 infirmières espagnoles avec un traducteur pour fonctionner correctement.“ (Jetzt gibt es eine Privatklinik, die gerade 12 spanische Krankenschwestern mit Dolmetscher eingestellt hat, um gut funktionieren zu können.) 57% der Pflegenden arbeiten in staatlichen Kliniken, in privaten Kliniken und können sich auch selbständig machen. 10% der Diplomierten arbeiten in ihrer eigenen Praxis, wo sie Patienten nach ärztlicher Verordnung medizinisch versorgen durch beispielsweise Impfungen, Wundbehandlungen, die Verabreichung intravenöser, intramuskulärer oder subkutaner Medikamente. Andere Arbeitsfelder für die Krankenschwestern in Frankreich sind in der Arbeitsmedizin und in Schulen. Zu den Aufgaben der Krankenschwestern gehört auch die Versorgung der Patienten zu Hause.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836622738
Arbeit zitieren:
Lahouaoui, Ali Mai 2001: Die Grundausbildung der Pflege in Frankreich - Ein Modell für Deutschland?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Pflegeausbildung, Frankreich, Bildungssystem, Pflegeschulen, Pflege




