Die Bedeutung der Breast Care Nurse für die Qualität der stationären Versorgung von Mammacarcinompatientinnen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Anja Hagel
- Abgabedatum: Mai 2008
- Umfang: 76 Seiten
- Dateigröße: 575,9 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hamburger Fern-Hochschule Deutschland
- Bibliografie: ca. 70
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2159-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hagel, Anja Mai 2008: Die Bedeutung der Breast Care Nurse für die Qualität der stationären Versorgung von Mammacarcinompatientinnen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Breast Care Nurse, Qualitätsmanagement, EFQM, Krankenhausmanagement, Pflege
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Diplomarbeit von Anja Hagel
Problemstellung:
Die demographische Entwicklung in Deutschland lässt einen enormen Zuwachs der älteren Bevölkerung erwarten. Chronische Erkrankungen wie Krebserkrankungen nehmen im Alter stark zu und werden deshalb in Zukunft vermehrt unsere Aufmerksamkeit fordern. Weltweit erkrankten nach Schätzungen der WHO im Jahr 2000 über eine Million Frauen an einem Mammacarzinom. Die bestmögliche medizinische und pflegerische Versorgung von Brustkrebspatientinnen ist damit zu einer großen medi-zinischen und gesundheitspolitischen Herausforderung geworden. Die deutschen Krankenhäuser sind jedoch zunehmend mit ökonomischen Sachzwängen, wie knappen Ressourcen und der Einführung des DRG-Systems, konfrontiert. Wirtschaftlichkeitssteigerungen und Qualitätsver-besserungen sowie Effizienzerhöhung sind Grundvoraussetzungen, um als Unternehmen am Markt bestehen zu können. Darüber hinaus zwingen die rechtlichen Rahmenbedingungen die Leistungserbringer zur Qualitätssicherung. Die freiwillige Teilnahme an Zertifzierungen, die die Qualität der Dienstleistung mitarbeiter- und kundenorientiert in den Vordergrund stellen, nutzen viele Kliniken als Mittel der Außendarstellung und somit als Marketinginstrument. Die Rolle der Pflegenden ist maß-geblich durch den Anteil, den sie im Wertschöpfungsprozess Kranken-behandlung leisten, definiert. Der immer komplexer werdendenDynamik in der Versorgung der Patienten begegnet die Pflegewissenschaft in den letzten Jahren mit Weiterbildungsmaßnahmen, die Pflegefachkräfte zu spezialisierten Pflegefachkräften werden lassen. Als Beispiel wird in dieser Arbeit die Tätigkeitder Breast Care Nurse mit ihrer Wirkung auf die Versorgungsqualität von Brustkrebspatientinnen dargestellt, um folgende Frage zu untersuchen: Können speziell ausgebildete Breast Care Nurses den Patientinnen und Kliniken in der Qualitätssteigerung und -darstellung dienen? Dies impliziert auch die ökonomischen Facetten der Wirkung eines Imagegewinns durch eine gelungene Außendarstellung - denn: Fallzahlen sind die Lebensader der Kranken-häuser.
Die vorliegende Arbeit behandelt zunächst die Erkrankung Brustkrebs mit ihrer Epidemiologie sowie die Krankheitsverarbeitung. Dabei bildet im Besonderen die Recherche zu den Bedürfnissen der betroffenen Patientinnen deren Versorgungswunsch ab. Der Darstellung der Versorgungswirklichkeit folgt das Aufzeigen von Versorgungslücken, wobei die psychosoziale Betreuung im Vordergrund steht. Darüber hinaus wird den Pflegenden als zentralen Akteuren in der Versorgung von Mamma-Ca-Patientinnen besondere Aufmerksamkeit gewidmet - einschließlich einer Darstellung der Weiterbildung zur Breast Care Nurse.
Nachfolgend werden die Grundlagen des Qualitätsmanagements im Krankenhaus dargestellt - mit den Schwerpunkten Qualitätsdimension nach DONABEDIAN und Qualitätsmanagementsysteme mit dem übergeord-neten Qualitätskonzept des EFQM-Modells für Excellence. Diese sind Basis der Untersuchung des Einflusses der Breast Care Nurse auf die Pflegequalität in der stationären Versorgungssituation. Eine empirische Untersuchung der Fragestellung ist nicht Gegenstand dieser Arbeit. Entlang der Gliederung der EFQM-Kriterien erfolgt auf einem hohen Abstraktionsniveau eine Sammlung geeigneter Indizien für den Einsatz der Breast Care Nurse im Rahmen der Qualitätsentwicklung im stationären Bereich.
Ein Fazit der Untersuchungen sowie Empfehlungen für den künftigen Einsatz der BCN schließen diese Arbeit ab, die sich einer Fragestellung annimmt, die im Hinblick auf die Professionalisierung der Pflege eine stetig wachsende Bedeutung gewinnt.
Zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird häufig die grammatikalisch männliche Sprachform gewählt, wobei darunter sowohl die männliche alsauch die weibliche Sprachform zu verstehen sind.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | 5 | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | 7 | |
| 1 | EINLEITUNG | 8 |
| 1.1 | Problemstellung | 8 |
| 1.2 | Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit | 9 |
| 2 | EPIDEMIOLOGIE DES MAMMACARZINOMS | 10 |
| 2.1 | Inzidenz | 10 |
| 2.1.1 | Begriff | 10 |
| 2.1.2 | Inzidenz des Mamacarzinoms in Deutschland | 10 |
| 2.2 | Prävalenz | 11 |
| 2.2.1 | Begriff | 11 |
| 2.2.2 | Prävalenz des Mammacarzinoms | 12 |
| 2.3 | Mortalität | 12 |
| 2.3.1 | Begriff | 12 |
| 2.3.2 | Mortalität des Mammacarzinoms in Deutschland | 12 |
| 3 | DIE BEWÄLTIGUNG DER DIAGNOSE „BRUSTKREBS“ | 14 |
| 3.1 | Therapieverlauf | 14 |
| 3.2 | Depression und Angst | 14 |
| 3.3 | Das posttraumatische Belastungssyndrom | 16 |
| 3.4 | Die Bedürfnisse betroffener Patientinnen | 17 |
| 3.4.1 | Ergebnisse der Literaturstudie | 17 |
| 3.4.2 | Eine eigene Erhebung der subjektiven Befindlichkeit von Brustkrebspatientinnen | 20 |
| 4 | AKTUELLE VERSORGUNGSSITUATION UND IHRE LÜCKEN | 23 |
| 4.1 | Prävention | 23 |
| 4.1.1 | Begriff | |
| 4.1.2 | Formen der Prävention und deren Implementierung bei Mammacarzinom | 23 |
| 4.2 | Die medizinische Versorgungslandschaft | 25 |
| 4.3 | Die Notwendigkeit psychosozialer Betreuung | 27 |
| 5 | DIE ROLLE DER PFLEGE IN DER VERSORGUNG VON BRUSTKREBS-PATIENTINNEN | 30 |
| 5.1 | Pflegekonzepte in der Onkologie | 30 |
| 5.2 | Die Ausbildung zur Breast Care Nurse | 31 |
| 5.2.1 | Aktuelle Weiterbildungen | 31 |
| 5.2.2 | Die Guidelines der EUSOMA | 32 |
| 6 | SICHERUNG DER DIENSTLEISTUNGSQUALITÄT IM KRANKEN-HAUS | 35 |
| 6.1 | Gesetzliche Grundlagen | 35 |
| 6.2 | Begriffsdefinitionen | 37 |
| 6.2.1 | “Qualität“ | 37 |
| 6.2.2 | “Qualität der Pflege als Dienstleistung“ | 38 |
| 6.3 | Dimensionen von Qualität nach Donabedian | 42 |
| 6.3.1 | Strukturqualität | 42 |
| 6.3.2 | Prozessqualität | 42 |
| 6.3.3 | Ergebnisqualität | 43 |
| 6.3.4 | Kritik an Donabedian‘s Dimensionen | 44 |
| 6.4 | Der PDCA-Zyklus als Instrument des Total QualityManagements (TQM) | 46 |
| 6.5 | Qualitätsmanagementsysteme | 47 |
| 6.5.1 | Vorteile von QM-Systemen | 47 |
| 6.5.2 | Überblick | 48 |
| 6.5.3 | Das EFQM-Modell für Business-Excellence | 50 |
| 7 | DER EINFLUSS DER BREAST CARE NURSE AUF DIE PFLEGE-QUALITÄT | 54 |
| 7.1 | Vorbemerkung | 54 |
| 7.2 | Die Relevanz der BCN für die Ergebnisqualität | 54 |
| 7.2.1 | Gesellschaftsbezogene Ergebnisse | 54 |
| 7.2.2 | Mitarbeiterbezogene Ergebnisse | 55 |
| 7.2.3 | Schlüsselergebnisse | 56 |
| 7.2.4 | Kundenbezogene Ergebnisse | 58 |
| 7.3 | Die Relevanz der BCN für die Prozessqualität | 60 |
| 7.4 | Die Relevanz der BCN für die Strukturqualität | 64 |
| 7.4.1 | Politik und Strategie | 64 |
| 7.4.2 | Partnerschaften und Ressourcen | 65 |
| 7.4.3 | Die Mitarbeiter als Befähiger | 67 |
| 7.4.4 | Führung | 68 |
| 8 | FAZIT UND EMPFEHLUNGEN FÜR DEN EINSATZ DER BCN | 70 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 73 |
Textprobe:
Kapitel 4.3, Die Notwendigkeit psychosozialer Betreuung:
MUTHNY hat in einem Essay über die Implementierung psychoonkologischer Leistungen in der Akutversorgung drei Argumentationsebenen als wesentliche Begründung der Bedeutsamkeit psycho-sozialer Versorgung hervorgehoben: Die ethische Verpflichtung, der Bedarf an Unterstützungsmaßnahmen und die Wirksamkeit derselben. Dies soll im Folgenden kurz erläutert werden:
Die ethische Verpflichtung ergibt sich aus dem Bild der Krebserkrankungen in der Gesellschaft, die - entgegen den tatsächlichen Zahlen - eine höhere Verbindung zu Leid und Sterben sieht als bei Herzerkrankungen. Die Krebskrankheit als solche und die Nebenwirkungen der Therapie bedrohen die sozialen Rollen der Betroffenen und verdeutlichen die Einschränkungen von Leistung und Wohlbefinden. Der nachgewiesene Bedarf an Unterstützungsmaßnahmen gründet sich zum einen auf die von den Patientinnen formulierten Wünsche, und zum anderen auf die Betonung der Dringlichkeit durch die Leistungserbringer. 96% der Ärzte und 91% der Pflegekräfte wünschen sich, dass psycho-onkologische Fachkräfte mit besonders belasteten Patienten arbeiten sollen. Hieraus kann der Rückschluss einer empfundenen Überforderung gezogen werden.
Die Wirksamkeit psychosozialer Betreuung wurde in unterschiedlichen Studien nachgewiesen. ZIMMER beschreibt eine Longitudinalstudie von Watson et al., die das Gefühl der Hilfs- und Hoffnungslosigkeit anhand der MAC-Skala bei Brustkrebspatientinnen über 10 Jahre beobachtet haben. Sehr deutlich wird der positive Einfluss, den ein nur gering ausgeprägtes Gefühl der Hilf- und Hoffnungslosigkeit auf das Überleben der Betroffenen hat. Der kausale Zusammenhang ist in dieser Untersuchung jedoch offen geblieben. Im Zeitraum von 1991 bis 2003 hat SCHUPPERT die Daten von 274 Brustkrebspatientinnen statistisch aufbereitet, um die Wirksamkeit komplementärer Behandlung nachzuweisen. In diesem Zusammenhang wurde der psychischen Betreuung verstärkte Aufmerksamkeit und somit den Patientinnen mehr Zeit und Zuwendung gewidmet. SCHUPPERT hat die Auswirkung nicht empirisch untersucht, gibt jedoch an, dass eine Nichtbeachtung der Psyche ein wesentlicher Grund für schlechte Therapieergebnisse sei. Diese Aussage erscheint sehr subjektiv. Die Wirkung psychischer Betreuung auf die Lebensverlängerung ist empirisch schwer nachweisbar, da unterschiedliche Determinanten die Genesung bedingen, und Emotionen subjektiv sind. Dennoch ist der allgemeine Tenor der Fachwelt, dass es dafür einige Hinweise gäbe. Psychische Interventionen können dazu beitragen, den Gesundheitszustand von Brustkrebspatientinnen zu stabilisieren, ihre Lebensqualität zu verbessern und die Überlebenschancen zu erhöhen.
Die Wichtigkeit, die psychosoziale Verfassung der Patienten von Anfang an zu beachten, wurde auch in dem Versuch herausgestellt, eine psychoonkologische Basisdokumentation zu entwickeln (PO-Bado). Ein Forschungsprogramm sollte eine Fremdeinschätzungsskala für das subjektive Befinden von Krebspatienten entwickeln. Dieses Screeninginstrument wird heute in vielen Kliniken eingesetzt, wobei die Resultate von den Kompetenzen der einschätzenden Person abhängig sind. Voraussetzung ... ist, ... eine fachlich begründete professionelle Erfassung psychosozialer Belastungsfaktoren, maladaptiver Krankheitsbewältigungsmuster sowie prä- und komorbider psychischer Erkrankung.
SCHMID-BÜCHI et al. haben in einer qualitativen Studie zehn betroffene Frauen nach ihren Erfahrungen befragt, an Brustkrebs erkrankt zu sein, und wie sie ihr Leben wieder unter Kontrolle bringen. Die Patientinnen gaben an, die Therapie als einschneidend, langwierig und kräfte-raubend zu empfinden, wobei die Operation nicht als schwierigster Teil empfunden wird, sondern die Folgetherapien. Da diese überwiegend ambulant durchgeführt werden, betonen die Patientinnen die Rolle der Angehörigen hinsichtlich der emotionalen Unterstützung und der Alltagsbewältigung. Zum zeitlichen Zusammenhang zwischen Auftreten von psychischen Symptomen und dem Krankheitsverlauf betonen DITZ et al., dass viele Patientinnen nach Abschluss der Anschlussheilbehandlung in ein psychisches Loch fallen. Es konnte keine Abnahme der psychischen Belastungssymptomatik im Zeitverlauf festgestellt werden.
Auch nach der Akutbelastung der Primärtherapie - wenn viele Verar-beitungsprozesse häufig stärker einsetzen, und gegebenenfalls Neuorientierungen unterstützt werden müssen - sollten für alle Stationen der Versorgungskette individuell angepasste, für die Patienten zugängliche psychosoziale Betreuungskonzepte entwickelt werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836621595
Arbeit zitieren:
Hagel, Anja Mai 2008: Die Bedeutung der Breast Care Nurse für die Qualität der stationären Versorgung von Mammacarcinompatientinnen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Breast Care Nurse, Qualitätsmanagement, EFQM, Krankenhausmanagement, Pflege




