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Olfaktorische Komponenten des Sozialverhaltens Indischer Löwen (Panthera leo persica)

Olfaktorische Komponenten des Sozialverhaltens Indischer Löwen (Panthera leo persica)
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Grit Hoffmann
  • Abgabedatum: Juni 2008
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 1,6 MB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
  • Bibliografie: ca. 52
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2012-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hoffmann, Grit Juni 2008: Olfaktorische Komponenten des Sozialverhaltens Indischer Löwen (Panthera leo persica), Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Indischer Löwe, Verhalten, Ätherische Öle, Environmental enrichment, Melisse

Diplomarbeit von Grit Hoffmann

Einleitung:

‘Die Angaben über die Zahl der Indischen Löwen im Gir-Reservat in Kathiawar in Nordwestindien schwankt zwischen 120 und 250 Tieren. Es bedurfte ziemlicher Anstrengungen über 10 Jahre hin, um endlich echte Indische Löwen zu erhalten, eine kleine ebenmäßig gebaute, nicht besonders stark bemähnte Löwenunterart. Inzwischen hat der Tierpark 34 Junge gezüchtet. [.] Junglöwen sind für mich die nettesten Raubtierkinder der Welt’.

So schrieb Dathe damals über seine Erfahrungen mit Indischen Löwen. Obwohl es schon sehr lange Indische Löwen in Berlin gibt, verwechseln auch heute noch viele der Besucher die ausgestellten Löwen mit ihren afrikanischen Vettern.

Für die meisten von uns ist der Löwe (Panthera leo) ein Charaktertier der afrikanischen Savanne. Jedoch gibt es auch noch andere wildlebende Löwen, rund 2500 Kilometer von Afrika entfernt.Diese leben in Indien im Gir-Wald auf der Kathiawar Halbinsel, nördlich von Bombay an Indiens Westküste. Dort lebt die letzte kleine Population des Asiatischen Löwen (Panthera leo persica), welcher einst über weite Bereiche des südlichen Asiens verbreitet gewesen ist.

Aufgrund der großen Bedrohung und des endemischen Auftretens sind die Asiatischen Löwen (Indischen Löwen) im Europäischen Zuchtprogramm (EEP). Diese seltenen Tiere sind mit 76 Vertretern in indischen Zoos und 359 Tieren im Gir-Wald nur noch sehr rar vorhanden. Deshalb ist es sehr wichtig, den Arterhalt mit Zuchtprogrammen in Zoos zu gewährleisten.

Eine mit zunehmender Begeisterung verwandte Methode zur Verbesserung der ‘Lebensqualität’ von Zootieren ist das Environmental Enrichment. In dieser Diplomarbeit wird es vor dem Hintergrund der Stimmungsverbesserung und Beruhigung bearbeitet.

Inhaltsverzeichnis Seite 4
Abkürzungsverzeichnis Seite 6
1. EINLEITUNG Seite 7
1.1. Fragestellungen und Hypothesen Seite 8
1.1.1. Fragestellungen Seite 8
1.1.2. Hypothesen Seite 8
1.2. Biologie der Indischen Löwen Seite 9
1.2.1. Systematik Seite 9
1.2.2. Körperliche Merkmale Seite 10
1.2.3. Natürlicher Bestand Seite 12
1.2.4. Bedrohung des Indischen Löwen Seite 14
1.2.5. Aktivität Seite 16
1.2.6. Das Sozialverhalten und Sozialsystem Seite 16
1.2.7. Sinnessystem Seite 17
1.2.8. Fortpflanzung und Entwicklung Seite 20
1.2.9. Nahrung Seite 21
1.2.10. Mensch - Löwe Konflikt Seite 21
1.2.11. Projekte zur Arterhaltung Seite 22
1.3. Zoobestand Indischer Löwen Seite 24
2. MATERIAL UND METHODEN Seite 27
2.1. Material Seite 27
2.1.1. Düfte Seite 27
2.1.1.1. Auswahlkriterien und die Idee Seite 27
2.1.1.2. Borretsch Seite 28
2.1.1.3. Johanniskraut Seite 29
2.1.1.4. Melisse Seite 29
2.1.1.5. Rosmarin Seite 29
2.1.1.6. Vanille Seite 30
2.1.1.7. Zimt Seite 30
2.1.1.8. Zitrone Seite 30
2.1.2. Tiere Seite 31
2.1.3. sonstige Materialien Seite 32
2.2. Methoden Seite 33
2.2.1. Beobachtungsmethoden Seite 33
2.2.2. Einzeltest Seite 34
2.2.3. Präferenztest Seite 34
2.2.4. Beobachtungszeitraum Seite 35
2.2.5. Statistische Auswertung Seite 36
3. ERGEBNISSE Seite 38
3.1. Ergebnis des Einzeltests Seite 38
3.1.1. Allgemein Seite 38
3.1.2. Individuelle Ergebnisse zum Einzeltest Seite 41
3.2. Ergebnisse des Präferenztests Seite 45
3.3. Einfluss der Gruppengröße Seite 49
3.4. Einfluss der Temperatur Seite 51
4. DISKUSSION Seite 56
4.1. Düfte - Auswahl, Verabreichung und Darbietung Seite 56
4.1.1. Johanniskraut Seite 57
4.1.2. Die anderen Düfte Seite 58
4.1.3. Dauer der Duftdarbietung Seite 58
4.1.4. Häufigkeit der Duftdarbietung Seite 61
4.2. Bevorzugte Düfte im Einzeltest Seite 62
4.3. Bevorzugte Düfte im Präferenztest Seite 63
4.4. Vergleich Einzeltest - Präferenztest Seite 64
4.4.1. Düfte Seite 64
4.4.2. Verhaltensweisen Seite 67
4.5. Gruppengröße - Welchen Einfluss hat Keera? Seite 69
4.6. Temperatureinfluss Seite 70
4.7. Methodenkritik Seite 72
4.8. Literaturvergleich Seite 74
4.9. Fazit Seite 75
5. ZUSAMMENFASSUNG Seite 77
6. LITERATURVERZEICHNIS Seite 81
7. ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS Seite 86
7.1. Abbildungsverzeichnis Seite 86
7.2. Tabellenverzeichnis Seite 87
8. ANHANG Seite 88

Textprobe:

Kapitel 4; DISKUSSION Der folgende Abschnitt enthält die kritische Auseinandersetzung mit den vorhandenen Ergebnissen. Es wird im Speziellen noch einmal auf die verwendeten Düfte eingegangen. Außerdem werden die Ergebnisse des Einzel- und Präferenztests miteinander verglichen. Im Anschluss daran werden noch Anmerkungen über die äußeren Faktoren wie Gruppengröße und Temperatur gemacht. Abschließend wird die verwendete Methodik diskutiert, weiterführende Literatur vorgestellt, ein Fazit abgegeben und ein Ausblick auf weitere mögliche Arbeiten gegeben.

Düfte–Auswahl, Verabreichung und Darbietung:

Nach GATTERMANN sind Präferenzen angeboren oder auch erworben. Sie sind art-, geschlechts- und individuenspezifisch, vom Entwicklungs-, Gesundheits- oder allgemeinen Zustand abhängig und können mit dem Alter, der Jahres- und Tageszeit wechseln. Oft sind es aber nicht nur einzelne Faktoren, sondern Faktorenkomplexe, die über Präferenzen entscheiden.

Generell lassen alle in dieser Arbeit erzielten Ergebnisse die Folgerung zu, dass die vier Individuen sehr unterschiedlich auf die einzelnen Düfte reagieren. Die individuenspezifischen Präferenzen können natürlich noch durch die Alters- und Geschlechtsunterschiede innerhalb der Familie verstärkt worden sein.

Die ausgewählten Düfte wurden aufgrund der Wirkungsweise beim Menschen ausgewählt. Natürlich ist bereits vor Beginn der Versuchsreihe klar, dass die Wirkung der Düfte und die eventuelle Präferenz der Löwen auf diese nicht mit der des Menschens übereinstimmen muss.

Die 7 ausgewählten Düfte wurden von den vier Indischen Löwen akzeptiert. Es gab keinerlei Situationen, die darauf hinwiesen, dass den Löwen einer der Düfte unangenehm ist. So wurde keiner der Düfte grundsätzlich gemieden oder darüber markiert. Außerdem haben alle vier Großkatzen auf die Düfte in irgendeiner Art reagiert. Anhand der Ergebnisdarstellung steht.

DISKUSSION:

fest, dass das Muttertier Keera mit Abstand am meisten auf die Düfte reagiert hat. Dies wird in 4.4. noch ausführlich besprochen.

Johanniskraut:

Wie bereits im Material- und Methodenteil beschrieben, ist für Johanniskraut beim Menschen eine antidepressive und stimmungsaufhellende Wirkung nachgewiesen. Allerdings tritt diese Wirkung beim Menschen nur dann ein, wenn das Johanniskrautpräparat regelmäßig über mehrere Wochen hinweg oral eingenommen wird.

Diese Art der Gabe der Düfte war im Rahmen der Diplomarbeit nicht möglich. Einerseits konnte den Löwen nur in einer begrenzten Zeit die Düfte dargeboten werden und andererseits war es im Rahmen der Arbeit nicht gestattet, den Löwen etwas oral zu verabreichen. Der Kompromiss war also das Anbieten der Düfte auf den Holzscheiben. So konnte gewährleistet werden, dass sich am Folgetag keinerlei Reste eines anderen Duftes auf der Anlage befinden. Jedoch kann die lediglich nasale ‘Aufnahme’ der Düfte nicht die gleiche Wirkung haben, wie die orale Einnahme. Außerdem ist die regelmäßige ‘Aufnahme’ des Duftes auch nicht gewährleistet, da aufgrund der Zufallszahlen die Reihenfolge der Düfte durcheinander war. Sodass die Darbietung des Johanniskrautöls evtl. nicht ausgereicht hat, um trotz nasaler ‘Verabreichung’ eine mögliche Wirkung zu entfalten.

Bei der Literaturrecherche sind keinerlei Arbeiten aufgefallen, bei denen Johanniskraut als Duft für Tiere eingesetzt wurde. Ein möglicher Grund hierfür kann die (bei Wildtieren schwierige) Verabreichung sein. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Johanniskraut, trotz nachgewiesener Therapieerfolge immer noch umstritten ist.

Eine Studie diskutiert die vorhandenen Johanniskraut-Extrakte im Handel (Delini-Stula, et al., 2002). Sie geben zu bedenken, dass es viele Präparate im Handel gibt, jedoch deren Qualität wesentlich durch das Drogenmaterial (und dessen Qualität) und das Herstellungsverfahren bestimmt wird. Weiterhin sind die meisten Präparate auf den Gehalt an Gesamt-Hypericin (Wirkstoff) standardisiert. Leider sind für das im Test verwendete ätherische Öl keine Angaben über den Gesamt-Hypericin-Gehalt vorhanden, um diese evtl. miteinander zu vergleichen.

DISKUSSION:

Die anderen Düfte:

Auch die anderen 6 Düfte müssen spezifisch angewandt werden, um beim Menschen den gewünschten Effekt zu erreichen. So kann auch hier aufgrund der lediglich nasalen Gabe und der Verwendung von ätherischen Ölen (und keinen Medikamenten oder den jeweiligen hochdosierten Wirkstoffen) nicht grundsätzlich von der gleichen Wirkung wie beim Menschen ausgegangen werden.

Bei Borretsch wird bspw. der aus den Frischpflanzen gewonnene Saft oder die jungen Blätter eingenommen. Auch dies war bei den Löwen aus oben bereits genannten Gründen nicht möglich.

Dauer der Duftdarbietung:

In Abbildung 27 ist die Summe der absoluten Anzahl aller Aktionen des Einzeltests abgebildet. Dabei wurden alle Aktionen von allen 4 Individuen pro Zeitintervall (je 5 min) der Beobachtungszeit (1 h pro Beobachtungstag) aufsummiert und in Form eines Balkendiagramms dargestellt. Diese Abbildung soll verdeutlichen, wann der Großteil der Aktionen, die für die Auswertungen verwandt wurden, statt fanden. In Abbildung 27 ist deutlich zu erkennen, dass mit mehr als 650 Aktionen die höchste Aktivität in den ersten 5 min des Beobachtungszeitraums zu beobachten war. In den restlichen 11 Zeitintervallen fanden jeweils deutlich weniger als 100 Aktionen statt.

Aufgrund dieser Ergebnisse wäre es nicht produktiver gewesen, die Beobachtungszeit zu verlängern. Für weitere Tests, die mit ätherischen Ölen gemacht werden, könnte man evtl. die Beobachtungszeit noch verkürzen, aufgrund dieses Vorwissens.

Wenn man eine Zeit lang einen bestimmten Geruch wahrgenommen hat, empfindet man ihn nicht mehr. Diese Form der Gewöhnung beruht auf der Adaption der Sinneszellen, die nur noch abgeschwächt oder gar nicht mehr auf den Reiz reagieren. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum die Löwen stark in den ersten 5 min der Beobachtungsstunde an den Düften interessiert waren.

Ein möglicher Grund für die hohe Attraktivität der Düfte in den ersten 5 min kann auch das generell hohe Explorationsverhalten der Löwen sein. Beim Betreten der Anlage hat das.

DISKUSSION:

Männchen, beispielsweise stets an sich wiederholenden Plätzen, die Anlage markiert. Außerdem sind alle vier Löwen entweder gleich zu den Holzscheiben gelaufen, um den aktuellen Duft ‘zu testen’ oder sind vorher die Anlage einmal abgelaufen.

Ein weiterer Aspekt der Dauer der Präsentation ist im Hinblick auf die Entwicklung der beiden Jungtiere zu betrachten. Da der Verlauf des Einzeltests über fast ein halbes Jahr ging, kann es in der Zeit auch zu einer Weiterentwicklung der Jungtiere gekommen sein.

Zu Beginn der Versuche waren die Jungtiere ca. anderthalb Jahre alt und konnten getrost als Jungtiere bezeichnet werden. Wie in der Einleitung bereits beschrieben (siehe Seite 20, 1.2.8.), werden Löwenweibchen mit ca. 2 Jahren geschlechtsreif und somit erwachsen. Da zum Ende der Versuchsreihe dieses Alter erreicht worden ist, wird im folgenden der mögliche Einfluss des Alters auf die Anzahl der Verhaltensweisen, bzw. die Reaktion auf die Holzscheiben diskutiert. Dieser Sachverhalt wurde nicht im Ergebnisteil aufgeführt, da er nicht unter die gestellten Fragestellungen fällt und nicht mit einem Einfluss gerechnet wurde.

DISKUSSION:

In der folgenden Abbildung 28 wurden die durchschnittlichen Aktionen im zeitlichen Verlauf des Einzeltests aufgetragen. Hierfür wurden für alle Aktionen gesamt, die pro Versuchstag von jedem Jungtier gezeigt worden sind, ein Durchschnittswert ausgerechnet. Dieser wurde dann entlang des Verlaufs der 100 Datenaufnahmetage abgetragen und mit Hilfe von Microsoft EXCEL je eine Trendlinie ausgerechnet.

Diese Trendlinien sollen helfen, die möglichen Veränderungen im zeitlichen Verlauf darzustellen. Auch in dieser Abbildung ist ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Geschwistern zu erkennen. So hat Churchilla wieder deutlich größere Werte (siehe ‘Ausschläge’ in Abb. 28, bspw. an den Datenpunkten zw. 26 und 46; Werte über 10) als ihre Schwester Shakira (Maximalwert bei knapp über 6 am ersten Beobachtungstag).

DISKUSSION:

Dies spiegelt sich auch in den Gleichungen der Trendlinien wider. Hier hat Churchilla einen Wert von 1,6 als Schnittpunkt mit der Y-Achse, Shakira hingegen nur von 0,6. Bei beiden Weibchen deutet die Trendlinie und deren Gleichung auf einen Abfall der Werte hin. Dies wird durch den Wert des Anstiegs in der Trendlinie deutlich gemacht. Auch hier ist dabei der Betrag des Anstiegs von Churchilla mit 0,016 größer, als der ihrer Schwester (0,005).

Warum bei beiden Löwen ein Abfall der Werte zu verzeichnen ist, kann mehrere Gründe haben. Einerseits könnte es an der Entwicklung der beiden Jungtiere liegen, allerdings ist auch der Einfluss der Habituation ein möglicher Grund. Da die Werte (negativer Anstieg) bei beiden Löwen jedoch relativ klein sind, sollte man von einer Überbewertung hinsichtlich der Entwicklung absehen.

Außerdem wurden während der Datenaufnahme keinerlei Anzeichnen einer möglichen (beginnenden) Geschlechtsreife der beiden Jungtiere beobachtet. Somit werden die beiden Indischen Löwen Churchilla und Shakira im Verlauf dieser Diplomarbeit als Jungtiere bezeichnet und als solche betrachtet.

Arbeit zitieren:
Hoffmann, Grit Juni 2008: Olfaktorische Komponenten des Sozialverhaltens Indischer Löwen (Panthera leo persica), Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Indischer Löwe, Verhalten, Ätherische Öle, Environmental enrichment, Melisse

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