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Der Tango im Werk Julio Cortàzars

Der Tango im Werk Julio Cortàzars
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Viviana Alvarez-Schüller
  • Abgabedatum: Februar 2007
  • Umfang: 74 Seiten
  • Dateigröße: 521,6 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • Originaltitel: Der Tango im Werk Julio Cortàzars
  • Bibliografie: ca. 52
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0951-7
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Alvarez-Schüller, Viviana Februar 2007: Der Tango im Werk Julio Cortàzars, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Tango, Literaturwissenschaft, Musik, Jazz, Argentinische Literatur

Diplomarbeit von Viviana Alvarez-Schüller

Einleitung:

Julio Cortázar erweckte als einer der bedeutendsten hispano-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts während und nach seinem Leben große Aufmerksamkeit. Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit seinem Leben und Werk. Insbesondere die literarische Forschung widmete sich den Themen des Fantastischen, der metaphysischen Suche des Menschen und der Funktion der Sprache. Die Themen und Elemente, die Cortázar in seinem Werk anspricht beziehungsweise in sein Werk einbezieht, gehen weit über dieses Spektrum hinaus. Viele davon haben aber bisher kein großes Interesse in der wissenschaftlichen Literatur erweckt. Dies trifft auch auf die intermedialen Interaktionen mit anderen Kunstarten zu.

Neben der Literatur spielte die Musik eine zentrale Rolle im Leben Cortázars. Er äußerte sich in zahlreichen Interviews über seinen persönlichen Zugang zur Musik, definierte sich selbst als Musikliebhaber und zeigte, dass er weitgehende Kenntnisse über verschiedene Musikrichtungen besaß. In seinem Werk nimmt die Musik eine ebenso wichtige Stellung ein wie in seinem eigenen Leben. In einigen Erzählungen Cortázars wie El perseguidor und Las Ménades ist die Musik ein zentrales Thema beziehungsweise übernimmt eine strukturelle Funktion. Die klassische Musik bildet den Hintergrund eines bewaffneten Kampfes oder begleitet das Gespräch in einer Bar vor einer Sabotage.

In dem Roman Rayuela ist es der Jazz, der die metaphysischen Gespräche der Freunde einleitet und begleitet. In diesem und in anderen Texten werden häufig Jazzmusiker erwähnt, geehrt und sogar als Cronopios bezeichnet. Die Einbeziehung der Musik beschränkt sich aber nicht nur auf den Jazz und die klassische Musik. Der Tango als Volks- und damalige Modemusik des Rio de la Plata hat ebenfalls einen Platz in seinen Schriften gefunden. Während die Übertragung des Jazz und der klassischen Musik zumindest in einigen Texten Cortázars untersucht worden ist, hat sich die Forschung mit dem Tango bis lang kaum auseinandergesetzt Um dieses Defizit auszugleichen, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Einbeziehung des Tangos in das Werk Cortázars.

Gang der Untersuchung:

Drei Thesen sind es, die in dieser Arbeit formuliert und untersucht werden. Die erste These unterstellt, dass der Tango ein bedeutsames Gewicht in dem Werk Cortázars besitzt. Es gibt verschiedene Phänomene des Tangos, nämlich Musik, Tangotexte und Tanz, die immer wieder in der Literatur Cortázars auftauchen. Die zweite These behauptet, dass der Tango in der Hauptsache drei Auswirkungen auf die Literatur Cortázars hat: Auf Grund seiner Eigenschaften trägt er dazu bei, bestimmte Gefühle - und zwar dezidiert positive sowie dezidiert negative - literarisch darzustellen. Die dritte Wirkung des Tangos besteht in seinem Eigenschaft als Symbol der Argentinität, dementsprechend wird er von Cortázar verwendet, um Figuren und Orte zu charakterisieren. Die dritte These nimmt an, dass in bestimmten Texten Cortázars eine bewusste und intendierte Beziehung zu den Tangotexten hergestellt wird. Diese Verweise werden auf unterschiedliche Art und Weise markiert. Aufgabe des Lesers ist es, sie zu entdecken und zu interpretieren, um ein vollständiges Bild des Textes zu bekommen.

Im zweiten Kapitel der Arbeit werden zunächst die theoretischen Grundlagen, auf denen diese Arbeit aufbaut, skizziert. Im dritten Kapitel, Cortázar, ein Tangoliebhaber?, wird der Kontakt seiner Person mit der Musik des Rio de la Plata dargestellt. Danach werden drei Grundeinstellungen Cortázars zum Tango auf der Basis von Interviews, Briefen und eigenen Äußerungen erläutert.

Im vierten und umfangreichsten Kapitel dieser Arbeit, Der Tango im Werk Cortázars, geht es um die Überprüfung der drei Thesen anhand ausgewählter Texte. Die Untersuchung basiert auf derselben dreifachen Grundeinteilung, die bei der persönlichen Beziehung Cortázars zum Tango dargestellt wird, da vermutet wird, dass seine persönlichen Einstellungen Folgen für die Einbeziehung des Tangos in seine Literatur haben. In jedem dieser drei Unterkapitel des vierten Teils werden bestimmte Werke Cortázars betrachtet, in denen der Tango jeweils eine wichtige Funktion auszuüben scheint. Weitere Funktionen, die weniger relevant erscheinen, werden zugunsten der Darstellung der hier untersuchten Funktionen ausgeblendet.

In dem ersten Unterkapitel des vierten Teils der Arbeit, Der Tango, ein soziopolitisches Symbol, werden bestimmte Erzählungen und Gedichte Cortázars untersucht, in denen eine soziopolitische Konnotation des Tangos vermutet wird. Im zweiten Unterkapitel, Der Tango, ein Symbol des fernen Buenos Aires, werden einige Gedichte Cortázars betrachtet, in denen der Tango hilft, Gefühle der Sehnsucht zu äußern. Im dritten Unterkapitel, Der Tango, typischer Vertreter der Argentinität, werden einige Erzählungen Cortázars und ausgewählte Kapitel seines berühmten Romans Rayuela betrachtet. Es soll aufgezeigt werden, dass der Tango teilweise einbezogen wird, um eine Verbindung mit Argentinien herzustellen.

Im fünften und letzten Kapitel der Arbeit, eine Tangoreise durch Cortázars Werk, werden die Ergebnisse der untersuchten Texte im Zusammenhang dargestellt und mit den oben genannten drei Thesen konfrontiert.

Zuvor jedoch noch ein Wort zur Literatur: Wie schon erwähnt wurde, existiert eine Fülle von Sekundärliteratur über Cortázar, in der zahlreiche Aspekte des Autors und seines Werkes thematisiert werden. Die Übertragung von Jazz und klassischer Musik auf die Texte Cortázars wird in einigen literaturwissenschaftlichen Studien untersucht.

Nur wenige Studien beschäftigen sich mit der Einbeziehung des Tangos in sein Werk. Im Buch von José Peiró, Las músicas de Cortázar, das vor kurzem erschienen ist, geht es um die Bedeutung des Jazz, der klassischen Musik und des Tangos für Cortázar selbst. Die Präsenz des Tangos in Erzählungen und Romanen wird dort nur kurz dargestellt. Walter Berg beschäftigt sich im ersten Teil seines Aufsatzes Julio Cortázar y el tango mit der Funktion des Tangos in Rayuela. Danach untersucht er einige Tangos Cortázars im Zusammenhang mit dem Konzept des Tango nuevo. Daneben existieren auch punktuelle Arbeiten, die sich mit dem Tango in Las puertas del cielo auseinandersetzen, da in dieser Erzählung die Tangowelt intensiv dargestellt wird. Einige Wissenschaftler haben auch versucht, einen Text oder zumindest eine Textstelle Cortázars mit einem bestimmten Tangotext zu verbinden. In der Regel liegt jedoch keine ernstzunehmende Intertextualitätsanalyse vor.

In den letzten Jahren, unter anderem auf Grund der zunehmenden Wichtigkeit der Intertextualitätstheorien, sind viele Arbeiten erschienen, die die Beziehung der Texte Cortázars zu Texten von Borges, Keats, Poe, Kafka, James, Quiroga oder Lautréamont betrachten. Intertextuelle Untersuchungen über die Beziehung der Literatur Cortázars zu den Texten des Tangos wie auch intermediale Analysen zur Übertragung der (z. B. musikalischen) Tangophänomene auf seine Literatur stehen bislang aus.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Theoretische Grundlagen 4
3. Cortázar, ein Tangoliebhaber ? 7
3.1 Der Kontakt zwischen Cortázar und dem Tango 8
3.2 Drei Grundeinstellungen Cortázars zum Tango 10
3.2.1 Die negative Einstellung Cortázars zum Tango 12
3.2.2 Die positive Einstellung Cortázars zum Tango 13
3.2.3 Die neutrale Einstellung Cortázars zum Tango 14
4. Der Tango im Werk Cortázars 15
4.1 Der Tango, ein soziopolitisches Symbol 16
4.1.1 Las puertas del cielo 16
4.1.2 La escuela de noche 23
4.1.3 Razones de la cólera 27
4.1.3 A. 1950, año del libertador, etc. 28
4.1.3 B. La patria 30
4.2 Der Tango, ein Symbol des fernen Buenos Aires 33
4.2.1 Monsieur Lautrec 34
4.2.2 Rechiflado en mi tristeza 36
4.2.3 La camarada 38
4.3 Der Tango, typischer Vertreter der Argentinität 41
4.3.1 Tango de vuelta 42
4.3.2 El móvil 45
4.3.3 Rayuela 49
4.3.3.A Die Funktion des Tangos in Rayuela nach Berg 50
4.3.3.B Der Tango in Del lado de allá 51
4.3.3.C Der Tango in Del lado de acá 54
4.3.3.C.1 Der Tango als Mittel, die Figuren zu charakterisieren 55
4.3.3.C.2 Der Tango als Mittel, die Figuren zu lokalisieren. 58
4.3.3.D Der Tango, ein Sprungbrett zum Surrealismus? 60
5. Eine Tangoreise durch Cortázars Werk 61
6. Literaturverzeichnis A
7. Anhang I: Tangotexte D

Textprobe:

Kapitel 4.3.3.B, Der Tango in Del lado de allá:

Wie schon angedeutet wurde, ist der Tango im ersten Teil des Romans, Del lado de allá eher eine Rarität. Stattdessen ist es der Jazz, der in verschiedenen Erscheinungsformen wie der Erwähnung bekannter Jazzmusiker und Musikstücke sowie von Bruchteilen oder kompletten Strophen einbezogen wird. Dennoch gibt es ein zentrales Kapitel, das Kapitel 29, wo der Tango deutlich in Bezug genommen wird. Im Kapitel 28 wird über einen der Höhepunkte in der Beziehung von La Maga und Oliveira erzählt. Dargestellt wird der Tod von Rocamadour, des Sohnes von La Maga. Eine Woche nach diesem Ereignis kommt Oliveira, in Kapitel 29, zurück zu der Wohnung von La Maga. Dort trifft er Gregorovius, der ihm erzählt, dass La Maga fortgegangen ist.

Dieses Kapitel besteht hauptsächlich aus dem Dialog zwischen Gregorovius und Oliveira. Der Erzähler kommt aber auch zu Wort und reproduziert die Gedanken Oliveiras. Dargestellt wird, was Oliveira denkt und wie er es denkt. Bei dieser Darstellung wird auf einen bestimmten Tango verwiesen. Die Erkennbarkeit der Markierung ist rezipientenabhängig, da die Verse des Tangos in den Diskurs des Erzählers integriert sind. Die Beziehung mit dem angesprochenen Tango ist aber für das Verständnis der Stelle wichtig. Dies ist vielleicht auch der Grund, warum eine weitere und offensichtliche Markierung erfolgt. Der Tango wird ausdrücklich benannt und somit physisch eingeführt: „La letra de Mi noche triste le bailaba en la cabeza“. Während Oliveira überlegt, was er in der Woche gemacht hat, in der die Nachtrauerfeier für Rocamadour stattfand, werden seine Gedanken mit den Versen des Tangos von Pascual Contursi unterbrochen.

Die Tatsache, dass La Maga Oliveira verlassen hat, wurde in dem Gespräch mit Gregorovius undeutlich erwähnt: „Che, pero ahora que lo pienso…- Se llevó todo - dijo Gregorovius“. Durch die Einbeziehung des Tangos wird diese Tatsache für die Leser deutlich. In Mi noche Triste richtet sich ein lyrisches Ich an die Frau, die es verlassen hat und erzählt, was sie für es bedeutete und wie es ihre Abwesenheit bedauert: „Percanta que me amuraste/ en lo mejor de mi vida“. Ebenso wird der Eindruck vermittelt, dass Oliveira selbst durch die Erinnerung an diesen Tango das Verlassen von La Maga begreift, da er offenbar auf keine andere Weise an diese Tatsache denkt. Der Schmerz, den er spürt, wird ebenfalls durch den Tango geäußert: „dejándome el alma herida/ y espina en el corazón“.

Die Inbezugnahme des Tangos scheint auch dazu zu dienen, die Verantwortung Oliveiras für das Weggehen von La Maga zu verdeutlichen. Die Tätigkeiten Oliveiras, die er während dieser Woche ausgeübt hat, werden nacheinander genannt. Nach der Erwähnung jeder einzelnen Beschäftigung werden ein oder zwei Verse des angesprochenen Tangos wiedergegeben. Dadurch werden die Tätigkeiten Oliveiras und das Weggehen von La Maga unmittelbar miteinander konfrontiert. So kann man ableiten, dass die Abwesenheit Oliveiras während der Nachtrauer von Rocamadour der entscheidende Faktor für das Fortgehen von La Maga war oder zumindest, dass Oliveira erkennt, dass er dazu beigetragen hat.

Arbeit zitieren:
Alvarez-Schüller, Viviana Februar 2007: Der Tango im Werk Julio Cortàzars, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Tango, Literaturwissenschaft, Musik, Jazz, Argentinische Literatur

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