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Semitische Einflüsse im Indogermanischen - mit besonderer Berücksichtigung des Deutschen

Semitische Einflüsse im Indogermanischen - mit besonderer Berücksichtigung des Deutschen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Antoniy Dimitrov
  • Abgabedatum: April 2007
  • Umfang: 64 Seiten
  • Dateigröße: 538,9 KB
  • Note: 1,6
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • Bibliografie: ca. 36
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0585-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0585-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0585-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dimitrov, Antoniy April 2007: Semitische Einflüsse im Indogermanischen - mit besonderer Berücksichtigung des Deutschen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sprachkontakt, Semitsch, Indogermanisch, Kulturkontakt, Etymologie

Diplomarbeit von Antoniy Dimitrov

Einleitung:

In der Arbeit werden die sprachlichen Beziehungen zwischen den indogermanischen und den semitischen Sprachen in deren geschichtlichen Entwicklung so weit, wie der aktuelle Wissensstand es erlaubt, zurückverfolgt. Es werden auch Erkenntnisse benachbarter Wissenschaften, wie etwa der Geschichte, herangezogen, um die Plausibilität möglicher neuer Etymologien unter Beweis zu stellen. Sprachkontaktforschung ist zugleich auch Kultur-, Sozial- und Geschichtsforschung. Erst die Einbettung der linguistischen Ergebnisse, der Etymologien in das Gesamtbild gesellschaftlicher Vorgänge verleiht ihnen auch eine feste Überzeugungskraft. Das bloße Vorhandensein paralleler Entwicklungen in zwei Sprachen kann auch durch Zufall entstanden sein.

In diesem Zusammenhang steht die in der Arbeit dargelegte Systematisierung der Gesetzmäßigkeiten von Lehnworteinflüssen in der Form der Prästrat-Theorie. Durch das so entwickelte Instrumentarium läßt sich grundsätzlich jede mögliche Etymologie überprüfen. Selbstverständlich ist die Anwendung dieses Verfahrens als zusätzliche Möglichkeit neben den traditionellen Methoden, wie etwa der lautgesetzlichen Untersuchung möglicher Etymologie-Vorschläge, zu verstehen. Anhand mehrerer Beispiele wird die Kompatibilität und Supplementarität herkömmlicher und neuer Verfahren gezeigt.

Nicht-lexikalische Wechselwirkungen zwischen den indogermanischen und den semitischen Sprachen wurden nur am Rande behandelt, da es sich um eine vorwiegend auf Wortetymologien spezialisierte Arbeit handelt. Ein Ziel der Arbeit ist die Darstellung des Kontaktes der semitischen Völker mit den Völkern Europas. Der Umfang der Arbeit schließt eine eingehende Beschäftigung mit allen möglichen gegenseitigen sprachlichen Einflüssen aus. Die Einflüsse des Semitischen auf die arischen Sprachen können nur indirekt behandelt werden. Die Entscheidung zugunsten des lexikalischen Einflusses des Semitischen auf die Sprachen Europas und insbesondere auf das Deutsche ist durch ihre Relevanz bedingt. Der genaue Umfang der vor- und frühgeschichtlichen Kontakte zwischen den Semiten und den Germanen ist noch nicht genau festgestellt worden.

Die Kontakte der Germanen mit der Mittelmeerkultur sollen in dieser Arbeit in Relation zu den Kontakten innerhalb des Mittelmeerraumes gesetzt werden. Durch den Vergleich des Einflusses auf Kultur und Sprache der Phönizier auf die Griechen soll die Plausibilität der Rekonstruktion möglicher Einflüsse an der europäischen Nordwestküste aufgezeigt werden.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS 2
I. EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG 4
II. ROLLE DER SEMITISCHEN ENTLEHNUNGEN IN DEN SPRACHEN EUROPAS 7
1. Vorgeschichtliche Kontakte 7
2. Semitisch als Vermittler zwischen Indien und Europa 8
III. VERIFIZIERUNG DER ETYMOLOGISCHEN ERGEBNISSE 10
IV. DIE TECHNOLOGIE ALS FAKTOR IM SPRACHKONTAKT 12
1. Die Rolle der Metallurgie 12
2. Handel als treibende Kraft für kulturelle Interaktion 13
3. Gefäßbezeichnungen und Sprachkontakt 15
4. Stoffkunde und Sprachkontakt 19
V. STRUKTUREINFLUß UND SPRACHKONTAKT 24
VI. DAS WORT EURO 26
1. Übernahme bedeutender Benennungen 27
2. Angleichung der Götterwelt 28
3. Mythologie lebt weiter 29
VII. DIE ROLLE DER SCHRIFT 31
1. Buchstabenschrift 32
2. Das Prinzip der Akrophonie bei der Benennung von Buchstaben 36
3. Die Sonderstellung des Germanischen 38
VIII. DER BEGRIFF DES PRÄSTRATS 41
1. Prästrat vs. Superstrat 42
2. Prototypische semantische Felder bei der Entlehnung 48
3. Germanische Wörter semitischer Herkunft 50
3.1 Das Wort Sippe 50
3.2 Das Wort Huf 52
3.3 Das Wort Pferd 54
3.4 Arm vs. Armee 56
3.5 Das Wort Erde 57
4. Zusammenfassende Darstellung der semitischen Einflüsse auf das Deutsche 59
IX. FAZIT 62
ABKÜRZUNGEN 63
LITERATUR: 65
Sekundärliteratur (zitiert) 65
Sekundärliteratur (nicht zitiert) 66
ERKLÄRUNG 67

Textprobe:

Kapitel 1, Übernahme bedeutender Benennungen: Die Bezeichnung des Kontinents wurde durch die Römer von den Griechen übernommen, später erfolgte dann die Entlehnung aus dem Lateinischen in die restlichen Sprachen Westeuropas sowie aus dem Griechischen in einige osteuropäische Sprachen. Diese Namensgebung erklärt sich durch das hohe Prestige der klassischen Sprachen, welches sie bis in die Neuzeit genossen haben und im Grunde genommen bis heute noch genießen. Bei der zivilisatorischen Legitimation neuer Länder oder Nationen kann auch eine formelle Identifikation mit einer anerkannten Kultur Grund dafür sein, daß Begriffe und Namen entlehnt werden. So etwa hat man sich in den Vereinigten Staaten von Amerika sowohl in der Architektur als auch in der Benennung von Institutionen (Senat), bedeutungstragenden Plätzen (Capitol) oder in gräzisierenden Begriffen wie Pentagon klassischer Vorbilder bedient.

In der Entstehungszeit der Polis-Gesellschaft bestand noch ein starkes technologisches Gefälle zwischen der jungen griechischen Kultur und den älteren Kulturen des Orients, während Griechenland im Vergleich zur Levante viele Rohstoffe, insbesondere Metallerzvorkommen, besaß. Bei der Erschließung der Rohstoffquellen und der Märkte des ägäischen Raumes ließen sich in den griechischen Städten Handwerker und Kaufleute aus dem Orient nieder, ohne aber eigene Siedlungen zu gründen. Auf diese Weise war es nun möglich, daß die zahlenmäßig relativ wenigen Einsiedler nicht nur Waren, sondern auch immaterielle Werte – ihre Fertigkeiten, Kulturtechniken, Götter - mitbrachten. Deren Stellung läßt sich vielleicht mit der der Absolventen deutscher Universitäten, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert das Ruckgrat der Ingenieur-Eliten in Mittel- und Osteuropa bildeten und somit wesentlich zur Verbreitung deutschen Lehnwortschatzes im Bereich der Technik und Wissenschaft in den osteuropäischen Sprachen beitrugen, vergleichen.

Kapitel 2, Angleichung der Götterwelt: So steht das Europa-Wort im Kontext der Einwirkung der vorderasiatischen Kultur auf den Prozeß der Formung griechischer Mythen, die etwa in den Parallelen zwischen Hesiods Θεογονία und den Enumaelisch-Mythos oder in der Analogie zwischen Ištar, Astrate und φροδίτη zum Ausdruck kommt. Der Mythos war aber in der mündlich geprägten Kultur des archaischen Griechenlands eine Symbiose aus Geschichts-, Welt- und Moralwissen. Dazu war es auch ein offenes System. Im Zuge der Verschriftlichung der Kultur festigte sich der Mythos zu einem Kanon und verlor nach und nach seine ursprüngliche Bedeutung, lieferte aber sprachlich die Grundlage für die Schöpfung des Zivilisationswortschatzes im griechischen Sprachraum. Die Phönizier waren sowohl an der Bereicherung des griechischen Mythos als auch an dem Übergang der griechischen Kultur zur Schriftlichkeit, wodurch sprachliche Einfüße befestigt und weitergereicht wurden, beteiligt. So reicht etwa in der Wortsippe von Atlas und atlantisch die semitische Einflussnahme vom Titanen-Mythos der Griechen bis in die modernen europäischen Sprachen.

Nhd. Atlas Landkartensammlung (16.Jh.) Onomastische Bildung. Nach dem Titel einer Landkartensammlung Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura von Gerhard Mercator 1595. Dieser Titel nach dem Titanen τλας, der nach der griechischen Mythologie das Himmelsgewölbe auf den Schultern trägt (und der auf dem Kartenwerk abgebildet war).

Die Herkunft des griechischen Wortes ist unklar, aber es handelt sich vermutlich um ein Lehnwort, da τλας kein Appelativum ist und auch nicht in Verbindung zu anderen Erbwörtern gebracht wird. Sollte es tatsächlich ein Lehnwort sein, wäre plausibel, die Herkunft des Wortes im Phönizischen zu suchen, da am Anfang des ersten vorchristlichen Jahrtausends die Phönizier über die Technologie verfügten, das westliche Ende des Mittelmeeres zu erreichen, und somit als erste das vermeintliche Ende der Welt (im Westen) ausmachen konnten.

Kapitel 3, Mythologie lebt weiter: Das Wort Euro selbst gehört auch zu den späteren Entwicklungen aufgrund früher Einflüsse. Es wurde gleichzeitig in mehreren Sprachen neu geprägt, und zwar auf ähnlicher Art und Weise. Die Bezeichnung der neuen Währung wurde nicht in einer Sprache gebildet und von den übrigen übernommen, sondern gleichzeitig in vielen Sprachen aus dem um eine Silbe apokopierten jeweiligen Wort für Europa gebildet. Dies erfolgte zwar gleichzeitig in mehreren Sprachen vor dem Hintergrund einer einheitlichen Benennung der Einheitswährung Europas, jedoch sind schon am Anfang große Unterschiede in Form, Aussprache und sogar in der Schreibung des Wortes entstanden. Die Ursachen dafür liegen einerseits darin, daß das Wort für Europa in den meisten Sprachen schon so lange vorhanden ist, daß es im jeweiligen System integriert ist und auch lautlichen Wandelprozessen unterlag. Zum anderen ergab die bloße Apokope der letzten Silbe nicht immer ein akzeptables Wort, weswegen die Form angepaßt werden mußte. Letztendlich hat man die verkürzte Form neu akzentuiert. Bei der Schreibweise des neuen Wortes hat man sich in den Sprachen, die sich des lateinischen Alphabetes bedienen, vorwiegend für die Graphemfolge entschieden, im Isländischen hat man das Wort aber in das System integriert, indem man es zu evra werden ließ. Im Griechischen behandelte man es auch als Kopfwort zu Ευρώπη: Ευρώ. In den Sprachen, die sich des kyrillischen Alphabets bedienen, entschied man sich für die Graphemfolge <евро>. In keiner Sprache hat sich eine von Europa abweichende Schreibung oder Bildung des Wortes durchgesetzt.

Hier zeigt sich sehr deutlich das Potential zur Entfaltung des sprachlichen Einflusses über den eigenen Wirkungsbereich hinaus, wenn die erste Nehmer-Sprache an Status gewinnt.

Arbeit zitieren:
Dimitrov, Antoniy April 2007: Semitische Einflüsse im Indogermanischen - mit besonderer Berücksichtigung des Deutschen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sprachkontakt, Semitsch, Indogermanisch, Kulturkontakt, Etymologie

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