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Die Bedeutung der Salutogenese für Gesundheitsförderung und Prävention

Die Bedeutung der Salutogenese für Gesundheitsförderung und Prävention
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claudia Becher
  • Abgabedatum: November 2006
  • Umfang: 118 Seiten
  • Dateigröße: 6,7 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Nordhessen der DIPLOMA Deutschland
  • Bibliografie: ca. 20
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0449-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0449-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0449-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Becher, Claudia November 2006: Die Bedeutung der Salutogenese für Gesundheitsförderung und Prävention, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gesundheitsbegriff, Coping, Stressverarbeitung, Kohärenz, Aaron Antonovsky

Diplomarbeit von Claudia Becher

Einleitung:

Gesundheitsvorsorge und Prävention sind in unserer modernen Gesellschaft allgegenwärtig. Der gesunde, motivierte, junge und junggebliebene, tatkräftige, spritzige Mensch ist erklärtes Ziel. Krankenkassen locken mit Bonusangeboten bei entsprechend präventiven Maßnahmen. Auch von staatlicher Seite werden Anstrengungen unternommen Gesundheitsvorsorge und Prävention voranzutreiben, obgleich der Entwurf des Präventionsgesetzes vorerst scheiterte. Die Kostenexplosion der vergangenen Jahre im Gesundheitswesen ist nicht mehr finanzierbar. Ein Grund dafür ist die stetige Zunahme an chronisch erkrankten Patienten.

Daher ist es dringend angezeigt, das bisher fast ausschließlich kurative ausgerichtete Gesundheitssystem, in ein präventives Gesundheitssystem umzuwandeln. Die Verantwortung für die eigene Gesundheit soll, Schritt für Schritt, ins Bewusstsein der Bevölkerung dringen. Aktiv soll jeder Mensch an seinem gesundheitlichen Wohlbefinden arbeiten. Auch im Bereich tertiärer Prävention, in der ich als Ergotherapeutin tätig bin, soll das Verantwortungsbewusstsein der Patienten für die eigene Gesundheit und ihre aktive Mitarbeit am Gesundungsprozess, auch über die Rehabilitationsmaßnahme hinaus, gefördert werden.

Die zentralen Fragen, die sich der Gesellschaft, dem Gesundheitswesen und letztlich auch mir stellen, lauten:

Wie kann Gesundheit gefördert werden?

Was erhält den Menschen gesund?

Der amerikanisch-israelische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky beschäftigte sich explizit mit diesen Fragen. Er entwickelte das Modell der Salutogenese. (saluto – griech. = Gesundheit ; genese – griech. = Entstehung) Salutogenese befasst sich in erster Linie mit Faktoren, die Gesundheit bedingen, fördern und schützen können. Sein Konstrukt rückte in den letzten Jahren immer mehr in das Blickfeld von Soziologen und Medizinern. Ich möchte mich in meiner Arbeit mit Antonovskys Modell auseinandersetzen, um Antworten auf die Fragen nach Entstehung und Förderung von Gesundheit zu finden. Folgendes ist für mich von Interesse: Was sagt das Modell der Salutogenese aus? Inwieweit sind die Aussagen des Konzeptes wissenschaftlich fundiert? Unterstützen meine eigenen empirischen Forschungen die Aussagen des Konzeptes? Welche Bedeutung hat Salutogenese für Gesundheitsförderung und Prävention?

Salutogenese ist das einzige mir bekannte Konzept, welches seine ganze Aufmerksamkeit der Gesundheit widmet. Schon allein diese Tatsache spricht für einen, meiner Meinung nach, bedeutsamen Stellenwert im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention. Durch ihre Ausrichtung auf gesundheitsfördernde und gesundheitsschützende Faktoren stellt Salutogenese eine wertvolle Bereicherung zur vorherrschenden pathogenen Sichtweise dar.

Empirische Forschungen zur Salutogenese wurden bisher nur sehr zögerlich aufgenommen. Die Ergebnislage zeigt sich nicht immer eindeutig. Durch meine eigenen Forschungen will ich zur wissenschaftlichen Überprüfung des salutogenetischen Modells beitragen.

Gang der Untersuchung:

Die Hintergründe des Modells sollen in Kapitel 1 dargestellt werden, um die Aussagen Antonovskys im geschichtlichen Kontext zu sehen.

Im Kapitel 2 stelle ich das Konzept der Salutogenese ausführlich dar, um die Grundlage für weiterführende Betrachtungen zu schaffen.

Kapitel 3 macht Aussagen zum aktuellen Stand der Forschung und gibt meine eigenen Forschungsergebnisse wieder. Die Integration des salutogenetischen Modells in die Praxis von Gesundheitsförderung und Prävention ist Thema im 4. Kapitel.

Abschließend bewerte ich das Modell der Salutogenese im 5. Kapitel und stelle dessen Bedeutung für Gesundheitsförderung und Prävention heraus Im Anhang befinden sich der Fragebogen, Auswertungschemata, Tabellen und Formeln zur näheren Erläuterung des 3. Kapitels.

Inhaltsverzeichnis:

Thema 1
Einleitung 2
1. Hintergründe zur Entstehung des Salutogenetischen Modells 5
1.1 Kritik am bestehenden Gesundheitssystem 5
1.2 Auseinandersetzung mit dem Gesundheit –bzw. Krankheitsbegriff 6
1.3 Entwicklung vom biomedizinischen Krankheitsmodell zumbiopsychosozialen Krankheitsmodell 7
1.3.1 Das biomedizinische Krankheitsmodell 7
1.3.2 Das biopsychosoziale Krankheitsmodell 8
1.4 Gesundheitsförderung und Prävention 9
1.5 Biographie Antonovskys 10
2. Das Konzept der Salutogenese 11
2.1 Salutogenetische Blickrichtung 11
2.2 Grundaussagen der salutogenetischen Orientierung 14
2.2.1 Gesundheits – Krankheitskontinuum 14
2.2.2 Lebensgeschichte 15
2.2.3 Individualität des Menschen 15
2.2.4 Stressoren / generalisierte Widerstandsdefizite 16
2.2.4.1 Stressorenbewertung / Spannungsauflösung / Stressbewältigung 17
2.2.5 Generalisierte Widerstandsressourcen / salutogene Faktoren 18
2.3 Das Kohärenzgefühl 19
2.3.1 Sense of comprehensibility 20
2.3.2 Sense of manageability 20
2.3.3 Sense of meaningfulness 20
2.3.4 Beziehungen zwischen den Komponenten 21
2.4 Die Entstehung des SOC 23
2.4.1 Säuglings – und Kindesalter 24
2.4.2 Adoleszenz 26
2.4.3 Erwachsenenalter 27
2.5 Einfluß des Kohärenzgefühls auf die Gesundheit 28
2.6 Zusammenspiel der Elemente des Salutogenesemodells 29
3. Stand der Forschung 31
3.1 Existenz des SOC 31
3.1.1 Das Modell der Widerstandsfähigkeit 32
3.1.1.1 Engagement 32
3.1.1.2 Kontrolle 33
3.1.1.3 Herausforderung 33
3.1.1.4 Wirkungsweise der drei Komponenten 34
3.1.2 Selbstwirkamkeitserwartung 35
3.1.3 Dispositioneller Optimismus 35
3.1.4 Direkter Vergleich der Konzepte 37
3.2 Empirische Forschung 38
3.2.1 Messinstrument Fragebogen 38
3.2.2 Wissenschaftliche Untersuchungen zum Kohärenzgefühl 39
3.2.2.1 Direkter Einfluss des SOC auf die Gesundheit 39
3.2.2.1.2 Direkter Einfluss des SOC auf die körperliche Gesundheit 40
3.2.2.1.3 Direkter Einfluss des SOC auf die psychische Gesundheit 41
3.2.2.2 Verbindung von SOC und Stressverarbeitung 41
3.2.2.3 Verbindung von SOC und Gesundheitsverhalten 42
3.2.2.4 Verbindung von SOC und Geschlecht 43
3.2.2.5 Verbindung zwischen SOC und Alter 44
3.2.2.6 Verbindung zwischen SOC und Bildungsstand 45
3.2.2.7 Verbindung zwischen SOC und sozialem Umfeld 45
3.2.2.8 Verbindung von SOC und Kulturkreis 46
3.2.3 Eigene empirische Forschung 47
4. Bedeutung der Salutogenese für Gesundheitsförderung und Prävention 52
4.1 Prävention und Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen 53
4.1.1 Präventionsmaßnahme: „Kinder stark machen“ 56
4.2 Prävention und Gesundheitsförderung beim Erwachsenen 57
4.2.1 Betriebliche Gesundheitsförderung 58
4.2.2 Mentales Gehtraining - ein Salutogenetisches Behandlungskonzept 59
4.2.2.1 Allgemeine salutogene Handlungsrichtlinien 59
4.2.2.2 Spezielle salutogene Handlungsrichtlinien 60
4.2.2.2.1 Die Wirklichkeit des Patienten respektieren 61
4.2.2.2.2 Kommunikation als therapeutisches Mittel einsetzen 61
4.2.2.2.3 Gemeinsame Therapieziele erarbeiten 62
4.2.2.2.4 Der Patient in Lebenszeit und Lebensraum 63
4.2.2.3 Bewegung systemisch verstehen 64
4.2.2.4 Einleitung der Therapie 65
4.2.2.5 Bewegungsbeschreibung 65
4.2.2.6 Bewegungsanweisung 66
4.2.2.6.1 externe Bewegungsanweisung 66
4.2.2.6.2 Individuelle Bewegungsanweisungen 67
4.2.2.7 Mentale Bewegungsrepräsentation 67
4.2.2.8 Motorisches Training 68
4.2.2.8.1 Motorisches Training unter Modifikation der Wahrnehmung 68
4.2.2.8.2 Motorisches Training unter Modifikation der Bewegung 68
4.2.2.8.3 Motorisches Training unter Modifikation der Umwelt 68
4.2.2.9 Mentales Training 69
4.2.2.9.1 Sprachliches mentales Training 69
4.2.2.9.2 Mentales Training aus der Beobachterperspektive 69
4.2.2.9.3 Mentales Training aus der Innenperspektive 70
4.2.2.10 Realisierung 70
4.2.2.11 Analyse 70
5. Zusammenfassung 71
6. Literaturverzeichnis 80
7. Anhang 82
7.1 Studien zum Kohärenzgefühl 82
7.2 Fragebogen und Auswertungsschemata 101
7.2.1 Fragebogen 107
7.2.2 Auswertungsschemata 109
7.3 Formelsammlung 109
7.4 Berechnungen des Korrelationskoeffizienten und Cronbachs Alpha der eigenen Auswertung 109
7.5 Erfassung und Auswertung der Fragebögen 110
7.6 Auswertung der Fragen 30-33 in Bezug zum SOC 111
8. Abbildungsverzeichnis 115
9. Tabellenverzeichnis 116
10. Abkürzungsverzeichnis 118

Inhaltsverzeichnis:

Thema 1
Einleitung 2
1. Hintergründe zur Entstehung des Salutogenetischen Modells 5
1.1 Kritik am bestehenden Gesundheitssystem 5
1.2 Auseinandersetzung mit dem Gesundheit –bzw. Krankheitsbegriff 6
1.3 Entwicklung vom biomedizinischen Krankheitsmodell zumbiopsychosozialen Krankheitsmodell 7
1.3.1 Das biomedizinische Krankheitsmodell 7
1.3.2 Das biopsychosoziale Krankheitsmodell 8
1.4 Gesundheitsförderung und Prävention 9
1.5 Biographie Antonovskys 10
2. Das Konzept der Salutogenese 11
2.1 Salutogenetische Blickrichtung 11
2.2 Grundaussagen der salutogenetischen Orientierung 14
2.2.1 Gesundheits – Krankheitskontinuum 14
2.2.2 Lebensgeschichte 15
2.2.3 Individualität des Menschen 15
2.2.4 Stressoren / generalisierte Widerstandsdefizite 16
2.2.4.1 Stressorenbewertung / Spannungsauflösung / Stressbewältigung 17
2.2.5 Generalisierte Widerstandsressourcen / salutogene Faktoren 18
2.3 Das Kohärenzgefühl 19
2.3.1 Sense of comprehensibility 20
2.3.2 Sense of manageability 20
2.3.3 Sense of meaningfulness 20
2.3.4 Beziehungen zwischen den Komponenten 21
2.4 Die Entstehung des SOC 23
2.4.1 Säuglings – und Kindesalter 24
2.4.2 Adoleszenz 26
2.4.3 Erwachsenenalter 27
2.5 Einfluß des Kohärenzgefühls auf die Gesundheit 28
2.6 Zusammenspiel der Elemente des Salutogenesemodells 29
3. Stand der Forschung 31
3.1 Existenz des SOC 31
3.1.1 Das Modell der Widerstandsfähigkeit 32
3.1.1.1 Engagement 32
3.1.1.2 Kontrolle 33
3.1.1.3 Herausforderung 33
3.1.1.4 Wirkungsweise der drei Komponenten 34
3.1.2 Selbstwirkamkeitserwartung 35
3.1.3 Dispositioneller Optimismus 35
3.1.4 Direkter Vergleich der Konzepte 37
3.2 Empirische Forschung 38
3.2.1 Messinstrument Fragebogen 38
3.2.2 Wissenschaftliche Untersuchungen zum Kohärenzgefühl 39
3.2.2.1 Direkter Einfluss des SOC auf die Gesundheit 39
3.2.2.1.2 Direkter Einfluss des SOC auf die körperliche Gesundheit 40
3.2.2.1.3 Direkter Einfluss des SOC auf die psychische Gesundheit 41
3.2.2.2 Verbindung von SOC und Stressverarbeitung 41
3.2.2.3 Verbindung von SOC und Gesundheitsverhalten 42
3.2.2.4 Verbindung von SOC und Geschlecht 43
3.2.2.5 Verbindung zwischen SOC und Alter 44
3.2.2.6 Verbindung zwischen SOC und Bildungsstand 45
3.2.2.7 Verbindung zwischen SOC und sozialem Umfeld 45
3.2.2.8 Verbindung von SOC und Kulturkreis 46
3.2.3 Eigene empirische Forschung 47
4. Bedeutung der Salutogenese für Gesundheitsförderung und Prävention 52
4.1 Prävention und Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen 53
4.1.1 Präventionsmaßnahme: „Kinder stark machen“ 56
4.2 Prävention und Gesundheitsförderung beim Erwachsenen 57
4.2.1 Betriebliche Gesundheitsförderung 58
4.2.2 Mentales Gehtraining - ein Salutogenetisches Behandlungskonzept 59
4.2.2.1 Allgemeine salutogene Handlungsrichtlinien 59
4.2.2.2 Spezielle salutogene Handlungsrichtlinien 60
4.2.2.2.1 Die Wirklichkeit des Patienten respektieren 61
4.2.2.2.2 Kommunikation als therapeutisches Mittel einsetzen 61
4.2.2.2.3 Gemeinsame Therapieziele erarbeiten 62
4.2.2.2.4 Der Patient in Lebenszeit und Lebensraum 63
4.2.2.3 Bewegung systemisch verstehen 64
4.2.2.4 Einleitung der Therapie 65
4.2.2.5 Bewegungsbeschreibung 65
4.2.2.6 Bewegungsanweisung 66
4.2.2.6.1 externe Bewegungsanweisung 66
4.2.2.6.2 Individuelle Bewegungsanweisungen 67
4.2.2.7 Mentale Bewegungsrepräsentation 67
4.2.2.8 Motorisches Training 68
4.2.2.8.1 Motorisches Training unter Modifikation der Wahrnehmung 68
4.2.2.8.2 Motorisches Training unter Modifikation der Bewegung 68
4.2.2.8.3 Motorisches Training unter Modifikation der Umwelt 68
4.2.2.9 Mentales Training 69
4.2.2.9.1 Sprachliches mentales Training 69
4.2.2.9.2 Mentales Training aus der Beobachterperspektive 69
4.2.2.9.3 Mentales Training aus der Innenperspektive 70
4.2.2.10 Realisierung 70
4.2.2.11 Analyse 70
5. Zusammenfassung 71
6. Literaturverzeichnis 80
7. Anhang 82
7.1 Studien zum Kohärenzgefühl 82
7.2 Fragebogen und Auswertungsschemata 101
7.2.1 Fragebogen 107
7.2.2 Auswertungsschemata 109
7.3 Formelsammlung 109
7.4 Berechnungen des Korrelationskoeffizienten und Cronbachs Alpha der eigenen Auswertung 109
7.5 Erfassung und Auswertung der Fragebögen 110
7.6 Auswertung der Fragen 30-33 in Bezug zum SOC 111
8. Abbildungsverzeichnis 115
9. Tabellenverzeichnis 116
10. Abkürzungsverzeichnis 118

Textprobe:

Kapitel 1.3.1, Das biomedizinische Krankheitsmodell:

Das biomedizinische Krankheitsmodell entwickelte sich Anfang des 19. Jahrhunderts. Es ist fester Bestandteil des pathogenetisch orientierten Gesundheitssystems. Der Mensch, der im Mittelpunkt jeden medizinischen Denkens stehen sollte, ist das komplexeste Objekt, das es zu erforschen gilt. Diese Komplexität erschwert es, allgemeingültige Aussagen, Erklärungen oder Vorhersagen über verschiedene Personen zu treffen. Die medizinische Forschung versucht dieses Problem zu lösen, indem sie das System Mensch auf ein überschaubares, verstehbares Modell reduziert. Grundlage dessen, ist die philosophische Weltanschauung Descartes. (Mitte des 17. Jahrhunderts) Descartes propagierte einen „Leib – Seele – Dualismus“, also eine systematische Trennung von körperlichen und seelischen Erscheinungen.

Das veranlasst Mediziner vieler Bereiche, ihr Augenmerk verstärkt auf die Behandlung des Körpers zu richten. Eine biomedizinische Orientierung geht davon aus, „dass der menschliche Körper mit einer Maschine vergleichbar ist, deren Funktionen und Funktionsstörungen verstanden werden können, indem die Organsysteme und Strukturen, sowie die physiologischen Prozesse möglichst genau analysiert werden“.

Behandlungen, die biomedizinisch ausgerichtet sind, stellen die Krankheit als Funktionsstörung der „Maschine Mensch“ ins Zentrum des Interesses. Ob ein Mensch als Krank bezeichnet wird, hängt entscheidend von anatomischen oder physiologischen nachweisbaren Veränderungen ab. „Der Mensch wird zum Objekt einer Behandlung, nicht selten auf seinen Befund reduziert, nummeriert und katalogisiert.“Psychische und soziale Anteile des Individuums werden vollkommen vernachlässigt. Bereits früh wurde Kritik an dieser objektiv – materialistischen Sichtweise geübt. Ein erweitertes biopsychosoziales Krankheitsmodell wurde vorgeschlagen.

Kapitel 1.3.2, Das biopsychosoziale Krankheitsmodell:

Grundlage dieses Modells ist eine systemische Denkweise. Erkenntnisse aus den Bereichen der Sozialwissenschaft, der Psychosomatik und der Psychologie bestätigen, dass auch psychische und soziale Anteile des Menschen an der Entstehung, dem Verlauf, der Diagnosestellung und der Wahrnehmung der Symptome, entscheidend beteiligt sind. Das biologische, das psychische und das soziale System, sind untrennbar miteinander verbunden. Nach Simon „können psychische Ereignisse bestätigend oder störend auf organische und/oder soziale Prozesse wirken. Organische Ereignisse können bestätigend oder störend auf soziale und/oder psychische Prozesse wirken. Soziale Ereignisse können bestätigend oder störend auf psychische und/oder auf organische Prozesse wirken.“Bewältigungs- und Stressforschung suchen auf dieser Grundlage verstärkt nach Protektionsmechanismen und Ressourcen aus allen drei Bereichen des Systems Mensch, die hilfreich bei der Krankheitsbewältigung und Belastungs-reduktion sein können. Der Mensch, als Ganzes, steht im Mittelpunkt des biopsychosozialen Krankheitsmodells. Trotz Einführung und der offensichtlichen Berechtigung des biopsychosozialen Modells wird eine fortwährende Orientierung am pathogenetischen Defizitmodells sichtbar. Das betrifft auch die Prävention und die Gesund-heitsvorsorge.

Kapitel 1.4, Gesundheitsförderung und Prävention:

Grundlage für präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen ist nach wie vor das Risikofaktorenmodell. Ziel und Aufgabe der Patienten soll es sein, Risikofaktoren zu vermeiden, die statistisch mit bestimmten Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Negative Auswirkungen solcher Faktoren auf das einzelne Individuum sind jedoch nicht in jedem Fall zwingend. Eine Erweiterung des klassischen Risikofaktorenmodells um psychosoziale Faktoren, Umweltfaktoren, verhältnisbezogene und protektive Faktoren fordert die WHO im Jahr 1986 in der Ottawa – Charta.

Arbeit zitieren:
Becher, Claudia November 2006: Die Bedeutung der Salutogenese für Gesundheitsförderung und Prävention, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gesundheitsbegriff, Coping, Stressverarbeitung, Kohärenz, Aaron Antonovsky

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