Dimensionen nachhaltigen Wirtschaftens
Ein Konzeptentwurf zur Implementierung der Nachhaltigkeit im Krankenhaus
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marcus Müller
- Abgabedatum: Oktober 2004
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 3,2 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Katholische Stiftungsfachhochschule München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9227-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9227-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9227-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Müller, Marcus Oktober 2004: Dimensionen nachhaltigen Wirtschaftens, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Stakeholder, strategisches Management, Gesundheitswesen, Klinik, Zukunftsfähigkeit
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Diplomarbeit von Marcus Müller
Zusammenfassung:
Die ressourcenintensive Lebensweise der Industrienationen und das zunehmende Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern führen zu Belastungen, die das Ökosystem der Erde nicht dauerhaft kompensieren kann. Das Bewusstsein, dass die Erde ein begrenztes System mit endlichen Ressourcen ist führte Anfang der 1970er Jahre zu einem Wandel des Bewusstseins im Umgang mit der Natur. Daraus entstand eine globale Entwicklung, die zum Ziel hat, die oben beschriebenen Problemfelder zu beheben, um so das Überleben der Menschheit auf der Erde weiterhin sicherzustellen.
Nachhaltigkeit bezeichnet eine Haltung, die vom jetzigen Handeln und Verhalten eines Individuums oder einer Institution verlangt, dass durch dieses keine Auswirkungen entstehen, die für kommende Generationen Einschränkungen für ihre Lebensentwürfe zur Folge haben. Hauptaspekt der Nachhaltigkeit ist die Gerechtigkeit, intragenerativ und intergenerativ. Dieses hehre Ziel zu erreichen, ist seit dreißig Jahren das Bestreben von internationalen Vereinigungen, Regierungen, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und interessierten Menschen.
Der Leitspruch in den Hochzeiten dieser Bewegung war: “Think global – Act local“. Dies bedeutet im übertragenen Sinne, dass jedes Handeln Auswirkungen hat und dass diese Auswirkungen möglichst vorher bedacht werden sollten. Nachhaltigkeit kann nur Realität werden, wenn sie auf eine konkrete Handlungsebene heruntergebrochen und somit (be)greifbar wird.
Die Integration der Nachhaltigkeit in die Lebenswelt und das System Krankenhaus gelingt anhand der Orientierung an Prinzipien und in einem weiteren Schritte der expliziten Darstellung bedeutsamer Bereiche, die für eine Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien entscheidend sind. Um den Erfolg der Bemühungen hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften wahrscheinlicher zu machen ist es notwendig, möglichst alle Mitarbeiter an dem Integrationsprozess zu beteiligen und immer wieder über wichtige Meilensteine zeitnah zu informieren.
Letztendlich führt eine Orientierung des Handelns an Nachhaltigkeitskriterien nicht nur zu einer Sicherstellung der Überlebensfähigkeit des Krankenhauses. Jeder Mitarbeiter, der ein Bewusstsein über die Auswirkungen seines Handelns und Verhaltens auf seine Umwelt entwickelt hat, weiß, dass er aktiv an einer besseren Welt arbeitet.
Problemstellung:
Noch in den fünfziger und sechziger Jahren gingen die Menschen in den Industrieländern wie selbstverständlich davon aus, dass es die zukünftigen Generationen besser haben würden als die lebenden, und dass die Gesamtwohlfahrt der Gesellschaft mit dem Wachstum der Wirtschaft mitwachsen würde.
Dass den fortschrittsoptimistischen Modellen einer kontinuierlichen Wachstumsentwicklung natürliche Grenzen aufgezeigt werden würden, war nur wenigen in diesen Zeiten klar. Diese Grenzen in der Gestalt von irreversiblen Umweltschädigungen und nicht berechenbaren Langfristrisiken haben mittlerweile dazu geführt, dass die Kinder und Kindeskinder nicht mehr nur als reiche Erben bezeichnet werden können, die von den Leistungen ihrer Vorfahren profitieren. Sie sind gleichzeitig auch Betroffene, denen in ökologischer, ökonomischer und sozialpolitischer Hinsicht Bürden auferlegt wurden, deren Zustandekommen außerhalb ihrer eigenen Verantwortung liegt.
Das Ziel, den Nachkommen etwas Gutes zu tun und sie mit einem üppigen Erbe auszustatten, hat mittlerweile keine Priorität mehr. Ziel muss es sein, die Schädigungen und Belastungen, die durch die Lebensweise der Vorfahren verursacht wurden, möglichst gering zu halten. Das Bewusstsein der Dringlichkeit einer Veränderung der Konsum- und Lebensgewohnheiten der westlichen Welt, gepaart mit der Hilfe für die noch entwicklungsbedürftigen Länder, ist die aktuelle Ausgangssituation, von der aus ein globaler Wandel initiiert werden muss.
Die Gewissheit, dass eine ‚umweltunfreundliche’ Lebensweise langfristig die Ökosysteme überbeansprucht, ist mittlerweile in nahezu allen gesellschaftlichen Gruppen verbreitet. Dies ist u.a. eines der Ergebnisse der Entwicklung der Ökologie und eines gewissen Umweltbewusstseins, die sich in den letzten dreißig Jahren ausgebildet haben. Mit Hilfe des Konzeptes der Nachhaltigkeit gilt es nun den Weg zu gehen, der es ermöglicht, dass auch nachfolgende Generationen ihre eigenen Vorstellungen eines selbstbestimmten freien Lebens verwirklichen können und nicht nur damit beschäftigt sind, die Fehler ihrer Vorfahren auszubaden.
Gang der Untersuchung:
In dieser Arbeit soll nun das Konzept der Nachhaltigkeit differenziert betrachtet werden. Ziel dieser Arbeit ist es, einen tiefergehenden Einblick in das Konzept der Nachhaltigkeit zu geben, um dann auf dieser Grundlage einen Konzeptentwurf vorzustellen, wie die Nachhaltigkeitskonzeption in das Unternehmen Krankenhaus integriert werden kann.
Kein Ziel dieser Arbeit ist es einen Leitfaden zu entwerfen, der gleich einer „To Do“ - Liste konkrete Handlungsanweisungen gibt, die, so sie denn befolgt werden, am Ende das Nachhaltige Krankenhaus ergeben.
Im nachfolgenden zweiten Kapitel wird zuerst die globale Problemsituation geschildert, die deutlich macht, welcher Handlungsdruck herrscht und warum eine Änderung der Lebensweise unserer Gesellschaft notwendig wird. Als ein Ausweg aus dieser Problemsituation gilt die Nachhaltigkeitskonzeption. Die ausführliche Beschreibung des Konzeptes beginnt mit einem kurzen Abriss der etymologischen Wurzeln, dem die geschichtliche Entwicklung des Konzeptes folgt.
Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit der Problematik, dem Wort „Nachhaltigkeit“ eine allgemein akzeptable Definition zu geben. Weiterhin wird aufgezeigt, wie sich die Nachhaltigkeit in den letzten dreißig Jahren ausgebildet hat und welche Eckpunkte dabei einen prägenden Einfluss hatten. Im Mittelpunkt des darauffolgenden Abschnittes steht die theoretische Fundierung der Nachhaltigkeit. Den Schluss des zweiten Kapitels bildet die Beschreibung der bis heute in Angriff genommenen Bemühungen, die aus der eher abstrakten Vorstellung einer nachhaltigen Entwicklung, realistische Konsequenzen folgen lassen.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Zusammenführung der Nachhaltigkeitskonzeption mit dem Unternehmen Krankenhaus. Dabei werden zuerst in einem kurzen Abriss die historischen Wurzeln der stationären Krankenversorgung beschrieben, um dann die aktuellen Anforderungen darzustellen, die heutzutage an Kliniken gestellt werden und die dazu führen, dass sich Krankenhäuser immer mehr zu Unternehmen entwickeln. Darauf folgt eine Beschreibung der Auswirkungen des veränderten Umfeldes, in dem Kliniken agieren. Zum Ende des dritten Kapitels erfolgt dann die Beschreibung, wie eine Integration der Nachhaltigkeitskonzeption in das Unternehmen Krankenhaus aussehen kann, welche Aspekte dabei zu berücksichtigen sind und wie der Prozess dazu gestaltet werden kann.
Inhaltsverzeichnis:
| Summary | II | |
| Vorbemerkung | III | |
| Inhaltsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | VII | |
| Abkürzungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Nachhaltigkeit | 2 |
| 2.1 | Globale Problemsituation | 3 |
| 2.1.1 | Übermäßige Ressourcennutzung | 4 |
| 2.1.2 | Bevölkerungswachstum | 5 |
| 2.2 | Entstehung und Entwicklung der Nachhaltigkeit | 7 |
| 2.2.1 | Etymologie des Wortes Nachhaltigkeit | 8 |
| 2.2.2 | Die historischen Wurzeln der Nachhaltigkeit | 8 |
| 2.2.3 | Ein Begriff - viele Deutungen | 9 |
| 2.2.4 | Von Stockholm nach Johannesburg: Die inhaltliche Entwicklung der Nachhaltigkeit | 12 |
| 1972 Die erste UNO Konferenz über die menschliche Umwelt in Stockholm und der Bericht an den Club of Rome | ||
| 1987 Der Brundtland Report | ||
| 1992 Rio Konferenz | ||
| 2002 Johannesburg - Rio + 10 | ||
| 2.3 | Die Dimensionen der Nachhaltigkeit | 16 |
| 2.3.1 | Die ökologische Dimension | 18 |
| 2.3.2 | Die ökonomische Dimension | 20 |
| Schwache Nachhaltigkeit | ||
| Starke Nachhaltigkeit | ||
| Umweltökonomie vs. Ökologische Ökonomie | ||
| Umweltschädigung: Externer Effekt oder Bedrohung der Lebensgrundlage | ||
| 2.3.3 | Die soziale Dimension | 27 |
| Die ethische Begründung der Nachhaltigkeit anhand der "Theorie der Gerechtigkeit" | ||
| Die Rückkehr der sozialen Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene und ihre ethische Begründung | ||
| 2.4 | Transfer einer Idee in die Realität | 33 |
| 2.4.1 | Politische Ebene | 34 |
| Internationale Aktivitäten | ||
| Nationale Aktivitäten | ||
| 2.4.2 | Unternehmensebene | 35 |
| Wirtschaftsverbände | ||
| Unternehmen | ||
| 2.4.3 | Individuelle Ebene | 37 |
| 2.5 | Zusammenfassung | 38 |
| 3. | Krankenhaus und Nachhaltigkeit | 40 |
| 3.1 | Das Krankenhaus im Spannungsfeld von Fürsorge und Prozessoptimierung | 41 |
| 3.1.1 | Kurze Darstellung der Entwicklungslinien der Krankenversorgung | 41 |
| 3.1.2 | Das Krankenhaus heute | 46 |
| 3.1.3 | Wirtschaften im Krankenhaus | 47 |
| 3.2 | Nachhaltigkeit im Krankenhaus | 49 |
| 3.2.1 | Das Krankenhaus im Zentrum der Anspruchsgruppen | 50 |
| Das Lenkungssystem Markt | ||
| Das Lenkungssystem Politik | ||
| Das Lenkungssystem Öffentlichkeit | ||
| 3.2.2 | Die Integration der Nachhaltigkeit ins Krankenhaus | 55 |
| 3.2.2.1 | Prinzipien für das nachhaltige Krankenhaus | 56 |
| 3.2.2.2 | Der Weg zum nachhaltigen Krankenhaus | 60 |
| Leitbild | ||
| Strategie | ||
| Strukturen | ||
| Systeme | ||
| Information und Kommunikation | ||
| Mitarbeiter | ||
| Kooperation | ||
| 3.2.2.3 | Der Implementierungsprozess | 73 |
| 3.2.2.4 | Verantwortlichkeiten und Ressourcen | 75 |
| 3.3 | Zusammenfassung | 76 |
| 4. | Fazit und Ausblick | 77 |
| Literaturverzeichnis | 82 | |
| Verzeichnis der Zeitschriften und anderer Vorlagen | 88 |
Nachhaltigkeit konkret werden zu lassen ist nur durch ein Zusammenspiel aller Ebenen der globalen Gesellschaften möglich, wobei westlichen Industriestaaten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und ihrem Beitrag zur Umweltschädigung mehr Engagement abverlangt werden kann und muss. Aus der inhaltlichen Entwicklung der Nachhaltigkeitsidee wird deutlich, dass ihre Verwirklichung ein globaler Prozess sein muss. Da ihr zentrales Ziel das weitere Überleben der Menschheit auf dem Planeten Erde ist, sind alle Menschen angesprochen, ihr Handeln auf seine Interdependenzen mit den Lebenswelten ihrer Mitmenschen und der Natur zu reflektieren. Auch wenn nachhaltigkeitsorientiertes Verhalten immer auch an das Verhalten des Individuums gebunden ist, liegt die systematische Zielformulierung und Zielerreichung in der Verantwortung übergeordneter Ebenen. Eine signifikante Verbesserung der globalen ökologischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse ist nur über gemeinsame und abgestimmte Strategien zu erreichen. Akteure, die als zentrale Verantwortliche im Sinne einer Realisierung der Nachhaltigkeitsidee angesehen werden können, sind auf der politischen Ebene zu finden, auf der überwiegend internationale Abstimmungsprozesse erarbeitet werden müssen, um sie dann auf die jeweiligen Nationalstaaten zu übertragen (Kap. 2.4.1). Eine weitere wichtige Gruppe in diesem Prozess stellen die Unternehmen und ihre Verbände dar. Der 33 [...]
Rawls geht also nicht davon aus, dass sich Gerechtigkeit über das kollektive Wohlergehen einer Gesellschaft definiert, sondern über die Gemeinschaft, welche alle ihre Mitglieder gleichermaßen an den Vorteilen und Lasten beteiligt. Hierbei stellt sich Rawls die Frage, für welche Grundsätze sich freie und vernünftige Menschen in einer fairen und gleichen Ausgangssituation in ihrem eigenen Interesse entscheiden würden. Den Beteiligten an diesem Prozess unterstellt Rawls den „Schleier des Nichtwissens“. Rawls glaubt, dass die Beteiligten nur über ein beschränktes allgemeines Wissen verfügen, also Wissen um gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und psychologische Zusammenhänge, sowie das Wissen um die Folgen usw.. Zudem verfügt der Einzelne nicht über individuelles Wissen, d.h. er weiß nichts über seine Stellung in der Gesellschaft, seine eigenen Ressourcen und dergleichen. 28 [...]
„Um das Ausmaß der Verzerrung zu veranschaulichen, soll angenommen werden, dass das anthropogene Kapital tatsächlich ein perfektes Substitut für natürliche Ressourcen ist. Dann gilt auch, dass die natürlichen Ressourcen ein perfektes Substitut für anthropogenes Kapital sind. Doch wenn dem so wäre, gäbe es keinen Grund, warum anthropogenes Kapital überhaupt akkumuliert werden sollte, da wir ja bereits mit der Natur als perfektem Substitut ausgestattet sind! Historisch gesehen haben wir natürlich bereits lange bevor Naturkapital ausgebeutet wurde, anthropogenes Kapital akkumuliert, da wir anthropogenes Kapital benötigen, um Naturkapital effizient zu nutzen (Komplementarität!). (…) Wenn außerdem bedacht wird, dass es für die Herstellung des Kapitals selbst des Einsatzes natürlicher Ressourcen bedarf (d.h. das Substitut bedarf selbst des Inputs, für das es substituiert wird), wird endgültig klar, dass anthropogenes Kapital und natürliches Kapital im wesentlichen komplementär zueinander sind und nicht substitutiv.“ (Costanza et. al. 2001: 122) [...]
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Müller, Marcus Oktober 2004: Dimensionen nachhaltigen Wirtschaftens, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Stakeholder, strategisches Management, Gesundheitswesen, Klinik, Zukunftsfähigkeit



