Die Diktatur der Optimisten
Eine Philosophie der Motivationstrainer in der vergleichenden Gegenüberstellung zu den psychotherapeutischen Ansätzen von Carl R. Rogers und Frederick S. Perls und ein Rekurs auf den schulischen Kontext
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Katrin Strauß
- Abgabedatum: März 2002
- Umfang: 144 Seiten
- Dateigröße: 525,9 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6401-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6401-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6401-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Strauß, Katrin März 2002: Die Diktatur der Optimisten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Motivation, Motivationstraining, Psychotherapie, Management, Schule
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Staatsexamensarbeit von Katrin Strauß
„Wie misst du den Erfolg?
Er bedeutet, häufig und viel zu lachen; die Achtung von intelligenten Menschen zu gewinnen; die Wertschätzung ehrlicher Kritiker zu gewinnen und den Betrug falscher Freunde aushalten zu können; Schönheit schätzen zu können; das Beste in anderen sehen und finden zu können; die Welt ein wenig besser zurückzulassen, sei dies nun durch ein gesundes Kind, ein blühendes Gartenbeet, eine soziale Tat oder eine gut gemachte Arbeit; zu wissen, dass es einem anderen Menschen freier und leichter ums Herz war, weil du gelebt hast – das heißt: Erfolg gehabt zu haben“ (Pastor Charles Swindoll).
Was ist Erfolg? Wer beurteilt den Erfolg? Was bringt Erfolg?
Überlegungen und Anregungen, die eng mit der Thematik „Motivation“ zusammenhängen, denn wozu sollte ein Mensch motiviert sein, wenn er nicht in gewisser Weise Erfolg anstrebt?
Dabei lässt sich nicht klar definieren, was eigentlich unter Erfolg verstanden werden kann. Erfolg kann sich in einem wunderschönen Haus, einem schnellen Auto oder sonstigen Prestigeobjekten äußern. Eine berufliche Spitzenkarriere hingelegt zu haben, Träger eines gesellschaftlich anerkannten politischen oder sozialen (Ehren-)Amtes zu sein oder in der Rolle als „Hausfrau und Mutter“ aufzugehen, kann ebenso Erfolg bedeuten. Erfolgreich mag besonders gelten, wer von anderen Menschen bewundert und bestätigt wird. Wer anderen zur Bereicherung wird: „Wenn auch nur einem einzigen Menschen durch meine Tätigkeit, mein Wirken [...] ein Nutzen gegeben wird, bin ich erfolgreich!“ Letztendlich entscheidet über den Erfolg jedoch der einzelne Mensch für sich persönlich, geprägt durch seine Selbstachtung und Ethik. „[...] vor dem Spiegel geradestehen können und seinen Erfolg nach eigenen Wertmaßstäben bemessen, das schafft die Chance auf ein erfülltes Leben.“ Was der eine Mensch als erfolgreich betrachtet, mag den anderen vielleicht frappieren – Ansichtssache, je nach den individuellen Wertmaßstäben. Es zählt die Beurteilung des Lebens: erfüllt oder unerfüllt?
Oft lässt sich der Mensch dabei täuschen. Von der Gesellschaft, die sich anmaßt festzulegen, wann ein Mensch das Prädikat „erfolgreich“ verdient hat, von den Mitmenschen, die Sympathie und Antipathie nach dem individuellen Erfolg oder Misserfolg verteilen, von sich selbst, wenn sich die Selbstakzeptanz und –liebe am erfolgreichen oder erfolglosen Leben ausrichtet.
Die Ethik der Selbsttäuschung gerät in das Dilemma, in eine „Ethik der Selbst[ver]führung“ zu münden. Um der Gefahr zu entgehen, sich persönliche Schwächen oder Niederlagen eingestehen zu müssen, ist der Mensch verführt, Verdrängungsmechanismen in Form der Leugnung oder Schmälerung zu aktivieren oder sich in verführerische Motivationsangebote zu flüchten. Im Grunde erreicht er damit, dass er die Selbstführung aus seinen Händen gibt und anderen Personen die Macht verleiht, das eigene Leben zu regieren. Dies alles für den Preis der Wertschätzung von außen und der Motivationssteigerung.
All jene Überlegungen gilt es in die Auseinandersetzung mit der folgenden Ausarbeitung zum Thema:
„Die Diktatur der Optimisten“ Die Philosophie der Motivationstrainer in der vergleichenden Gegenüberstellung zu den psychotherapeutischen Ansätzen von Carl R. Rogers und Frederick S. Perls und ein Rekurs auf den schulischen Kontext einzubeziehen.
Zu Beginn der Arbeit werden die Grundzüge und Begrifflichkeiten, die sich inhaltlich um den Aspekt der „Motivation“ gruppieren, geklärt: Erläuterung der Motive, die die Ausgangsbasis zur Entstehung motivationaler Bedingungen bilden und der von Abraham H. Maslow entworfenen Thesen zur Motivation. Während die Lernmotivation für die Übertragbarkeit auf den schulischen Kontext einer Abgrenzung bedarf, wird die Bedürfnispyramide nach Abraham H. Maslow (1943) für ein generelles Verständnis der menschlichen Motivation herangezogen und einer kritischen Würdigung unterzogen.
Die weiteren Kapitel gehen auf die zugrunde liegende Philosophie der Anbieter von Motivationsseminaren und im Speziellen auf Jürgen Höller – als dem in Deutschland (einst?) (erfolg)reichsten Motivationstrainer – ein.
Neben der Darstellung seiner Biographie, die einen unabdingbaren Beitrag zum Verständnis seiner Erfolgsstrategie leistet, folgt die Skizzierung seiner Erfolgsprinzipien und die von ihm propagierten Stufen zum Erfolg. In einem kurzen Exkurs wird Stellung zu der religiösen Dimension in Jürgen Höllers Aussagen bezogen, bevor eine umfassende Bewertung der Theorien und der Praxis der Motivationstrainer vorgenommen wird.
Der nächste Teil der Ausführungen befasst sich mit zwei psychotherapeutischen Ansätzen.
Als Ausgangspunkt wird die person- bzw. klientenzentrierte Psychotherapie nach Carl Ransom Rogers (1902 – 1987) inhaltlich dargestellt und eine vergleichende Gegenüberstellung zu der Erfolgsstrategie von Jürgen Höller versucht. In ähnlicher Weise wird danach mit der Gestalttherapie nach Frederick Solomon Perls (1899 – 1970) verfahren. Beide Theorien sollen nach einzelner kritischer Betrachtung im Anschluss dem Versuch einer Synthese unterzogen werden.
Die Anwendbarkeit in der betrieblichen und schulischen Praxis bildet den letzten Bereich dieser Arbeit. Die Betonung liegt dabei auf dem Moment der Motivation innerhalb der Schule, worunter einerseits Aspekte der Führung und Selbstverantwortung und andererseits die Selbstmotivation der Lehrer subsumiert werden. Obwohl es im Kontext der Schule natürlich auch die Schüler zu motivieren gilt, wird diese Thematik lediglich oberflächlich behandelt, da vonseiten der Verfasserin der Fokus auf die Lehrerseite gerichtet wird.
Der Ausblick rundet die Ausführungen mit einer etwas unerwarteten Wende im Leben Jürgen Höllers ab, hält aber dennoch an seinem Plädoyer „Gib nie, nie, nie, nie – gib niemals auf!“ fest.
In diesem Sinne hoffe ich, in dieser Arbeit nicht nur einen Überblick, sondern auch einen tieferen Einblick in das stets aktuelle und unerschöpfliche Feld der Motivation zu geben und die in den einführenden Worten aufgeworfenen Fragestellungen (Motivation als „Ethik der Selbst[ver]führung“?) zufriedenstellend erfassen zu können.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitende Gedanken zur „Ethik der Selbst[ver]führung“ | 8 |
| 2. | Grundannahmen und traditionelle Denkansätze | 11 |
| 2.1 | Motiv | 13 |
| 2.2 | Motivation | 15 |
| 2.3 | Lernmotivation | 16 |
| 2.4 | Thesen zur Motivation (nach Abraham H. Maslow) | 17 |
| 2.4.1 | Der Einzelne als ein integriertes Ganzes | 17 |
| 2.4.2 | Hunger als Paradigma | 17 |
| 2.4.3 | Mittel und Zwecke | 17 |
| 2.4.4 | Verlangen und Kultur | 17 |
| 2.4.5 | Multiple Motivationen | 18 |
| 2.4.6 | Motivierende Zustände | 18 |
| 2.4.7 | Beziehungen von Motivationen | 18 |
| 2.4.8 | Triebkatalog | 18 |
| 2.4.9 | Klassifikation des Motivationslebens | 19 |
| 2.4.10 | Motivation und Ergebnisse aus der Verhaltensforschung an Tieren | 19 |
| 2.4.11 | Umwelt | 20 |
| 2.4.12 | Integration | 20 |
| 2.4.13 | Nichtmotiviertes Verhalten | 20 |
| 2.4.14 | Möglichkeit von Erlangung | 21 |
| 2.4.15 | Realitätseinfluss | 21 |
| 2.4.16 | Wissen über gesunde Motivation | 21 |
| 3. | Die Theorie der menschlichen Motivation nach Abraham H. Maslow (1943) | 22 |
| 3.1 | Die grundlegenden (physiologischen) Bedürfnisse | 22 |
| 3.2 | Die Sicherheitsbedürfnisse | 23 |
| 3.3 | Die Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Liebe | 24 |
| 3.4 | Die Bedürfnisse nach Achtung | 24 |
| 3.5 | Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung | 25 |
| 3.6 | Maslows Bedürfnishierarchie in der Kritik | 25 |
| 4. | Die Philosophie der Motivationstrainer | 27 |
| 5. | Beweggründe für die Suche nach Motivation | 31 |
| 6. | „Mr. Motivation“: Jürgen Höller | 34 |
| 6.1 | Zur Person | 34 |
| 6.2 | Die Erfolgsprinzipien | 37 |
| 6.2.1 | Erfolg er-folgt! | 37 |
| 6.2.2 | Lebe Deine Träume! | 39 |
| 6.2.3 | GAD = Glaube an Dich selbst! | 39 |
| 6.2.4 | Alles ist möglich! | 40 |
| 6.2.5 | Ich freue mich! | 41 |
| 6.3 | Fünf Stufen zum Erfolg | 42 |
| 6.3.1 | Geist/Materie-Gesetz | 42 |
| 6.3.2 | Denk-Kategorien | 45 |
| 6.3.2.1 | Zuschauer des Lebens | 45 |
| 6.3.2.2 | Verlierer des Lebens | 45 |
| 6.3.2.3 | Gewinner des Lebens | 45 |
| 6.3.3 | Magnet im Bauch | 46 |
| 6.3.4 | Lebensspiralen | 47 |
| 6.3.5 | Visionen | 48 |
| 6.4 | Die Erfolgsstrategie | 49 |
| 6.4.1 | Die Aufgabe | 49 |
| 6.4.2 | Das Ziel | 50 |
| 6.4.3 | Der Glaube | 52 |
| 6.4.4 | Die Konzentration | 52 |
| 6.4.5 | Die Wiederholung | 53 |
| 6.4.6 | Der Erfolgsplan | 54 |
| 6.4.7 | Das Handeln | 54 |
| 7. | Die religiöse Dimension in den Aussagen von Jürgen Höller | 56 |
| 8. | Bewertung der Motivationstrainer | 58 |
| 9. | Die person- bzw. klientenzentrierte Psychotherapie nach Carl Ransom Rogers (1902 - 1987) | 61 |
| 9.1 | Grundbegriffe der person- bzw. klientenzentrierten Psychotherapie | 62 |
| 9.1.1 | Die Aktualisierungstendenz | 62 |
| 9.1.2 | Das Selbstkonzept | 62 |
| 9.1.3 | Erleben | 62 |
| 9.1.4 | Inkongruenz | 63 |
| 9.2 | Die therapeutische Beziehung | 64 |
| 9.2.1 | Präzises empathisches Verstehen | 64 |
| 9.2.2 | Wertschätzung oder bedingungslose positive Zuwendung | 65 |
| 9.2.3 | Echtheit oder Kongruenz | 65 |
| 9.2.4 | Ein transzendentes Phänomen | 66 |
| 9.3 | Der therapeutische Prozess | 67 |
| 9.3.1 | Erstes Stadium | 67 |
| 9.3.2 | Zweites Stadium | 67 |
| 9.3.3 | Drittes Stadium | 68 |
| 9.3.4 | Viertes Stadium | 68 |
| 9.3.5 | Fünftes Stadium | 68 |
| 9.3.6 | Sechstes Stadium | 69 |
| 9.3.7 | Siebtes Stadium | 69 |
| 9.4 | Grenzen des Ansatzes | 71 |
| 9.5 | Personenzentrierte Gruppenleiter | 73 |
| 9.6 | Vergleichende Gegenüberstellung der klientenzentrierten Psychotherapie und der Erfolgsstrategie von Jürgen Höller | 75 |
| 10. | Die Gestalttherapie nach Frederick Solomon Perls (1899 - 1970) | 81 |
| 10.1 | Gestalttherapeutische Grundlagen | 83 |
| 10.1.1 | Homöostase | 83 |
| 10.1.2 | Holismus | 84 |
| 10.1.3 | Kontakt | 85 |
| 10.2 | Die neurotischen Mechanismen | 88 |
| 10.2.1 | Introjektion | 89 |
| 10.2.2 | Projektion | 89 |
| 10.2.3 | Konfluenz | 90 |
| 10.2.4 | Retroflektion | 91 |
| 10.3 | Die Neurose | 92 |
| 10.4 | Die Hier- und Jetzt-Therapie | 95 |
| 10.5 | Der gestalttherapeutische Prozess | 97 |
| 10.6 | Techniken der Gestalttherapie | 98 |
| 10.7 | Kritische Würdigung | 100 |
| 10.7.1 | J. Kovel | 100 |
| 10.7.2 | J. Masson | 102 |
| 10.7.3 | J. E. Dublin | 103 |
| 10.7.4 | I. Yalom | 104 |
| 10.8 | Vergleichende Gegenüberstellung der Gestalttherapie und der Erfolgsstrategie von Jürgen Höller | 106 |
| 11. | Versuch einer Synthese: Klientenzentrierte Psychotherapie und Gestalttherapie | 112 |
| 12. | Exkurs in die betriebliche Praxis | 114 |
| 13. | Motivation im Kontext der Schule oder „Warum machen wir das eigentlich alles.?“ | 118 |
| 14. | Motivation und Führung im schulischen Alltag | 120 |
| 14.1 | Stärkung der Gestaltungsfreiheit | 121 |
| 14.2 | Stärkung von Selbstverantwortung und Empowerment | 121 |
| 14.3 | Vereinbarung gemeinsamer Leitziele | 122 |
| 14.4 | Entwicklung einer kooperativen und partizipativen Führung | 122 |
| 14.5 | Umfassende Information und Transparenz der Entscheidungen | 122 |
| 14.6 | Delegation wichtiger Aufgaben | 123 |
| 14.7 | Akzeptanz der Pluralität | 123 |
| 14.8 | Stärkung der Teamentwicklung | 123 |
| 14.9 | Kooperative Konfliktlösung | 124 |
| 14.10 | Professionelle Beratungskultur | 124 |
| 14.11 | Motivierende Führungsqualitäten | 125 |
| 14.12 | Verbesserung des Schulklimas | 126 |
| 14.13 | Stärkung einer innovativen Unterrichtspraxis | 126 |
| 15. | Selbstmanagement und -motivation für den einzelnen Lehrer | 129 |
| 15.1 | Standortbestimmung | 130 |
| 15.1.1 | Lust-Frust-Bilanz | 130 |
| 15.1.2 | Leistungsbilanz | 131 |
| 15.1.3 | Stärken- und Schwächenanalyse | 131 |
| 15.2 | Persönlichkeitsreifung | 132 |
| 16. | Lernmotivation der Schüler | 134 |
| 17. | Ausblick: „Gib nie, nie, nie, nie - gib niemals auf!“ | 137 |
| Literaturverzeichnis | 139 | |
| Erklärung | 145 |
„Es [das Programm „La Jolla“; d.V.] legt keinerlei Wert auf die manipulative, interpretierende und hochspezialisierte Begutachtung. [...] Es legt keinen besonderen Akzent auf die ‚Übungen‘, die für viele Gruppenleiter zu einer großen Trickkiste geworden sind. Stattdessen konzentriert es sich weitgehend auf die Entfaltung der Personen und die Verbesserung ihrer interpersonalen Beziehungen.“258 Hierin liegt die enorme Diskrepanz zwischen Rogers und Höller verborgen. Während Höller – bewusst oder unbewusst (ihm kann an diesem Punkt sicherlich nicht zu Unrecht eine gewisse Absicht unterstellt werden) – mit „Tricks“ und manipulativen Effekten (stimmliche Intonation, Liedeinspielungen, Leinwandprojektionen u.a.) arbeitet, wehrt sich Rogers gegen den Vorwurf der direkten Beeinflussung über „unlautere“ Maßnahmen. Für ihn bildet die Empathie und Echtheit des Therapeuten den zentralen Ausgangspunkt für eine Veränderung der Klientenpersönlichkeit. Darüber hinaus fokussiert er die Stabilisierung der [...]
„Die Gruppenbewegung ist von großer Bedeutung, und ihr zukünftiger Verlauf wird auf uns alle tiefen Einfluß ausüben, sei es zum Guten oder zum Schlechten.“252 Obgleich sich Rogers in seinen Untersuchungen auf die „geplante, intensive Gruppenerfahrung“253 im Kontext der T- bzw. Encounter-Gruppen beruft und diese keinen direkten Bezug zu den Gruppenprozessen der Motivationsseminare darstellen, da die Teilnehmer in letzteren autonom agieren und sich lediglich auf den Trainer als Einzelperson fixiert zeigen, ergeben sich meines Erachtens Parallelen zwischen der Figur des Gruppenleiters in personenzentrierten Workshops254 und der des Motivationstrainers (auch wenn Rogers nicht in dieser Weise verstanden werden wollte). Rogers erhebt an „seine“ Gruppenleiter den Anspruch, sie selbst zu sein, „[...] schöpferisch, verschieden, widersprüchlich, präsent, offen und bereit, uns einander mitzuteilen“ 255. In einem permanenten Wachstumsprozess werden frühere Gruppenerfahrungen und Erlebnisse im persönlichen Bereich integriert und für einen sensibleren Umgang mit den Gruppenmitgliedern verwendet. Wie jeder Mensch an erlebten Erfahrungen reift, nimmt auch Jürgen Höller sein vergangenes Leben als Ausgangspunkt, um sich in die Probleme seiner Teilnehmer einzufühlen. Bei Betrachtung des Ausmaßes seiner Motivationsseminare wird allerdings deutlich, dass in diesen Dimensionen nur begrenzt von einem „sensiblen“ Umgang mit dem Publikum gesprochen werden kann und nur wenige persönlich erreicht werden. Nach dem von Rogers entworfenen Programm „La Jolla“ zählt dagegen die Wirklichkeit der Interaktion von Person zu Person. Aus diesem Grunde vermeidet er für seine Workshops auch die Bezeichnung „Training“, da seiner Ansicht nach eine Aneignung von Fertigkeiten trainiert werden kann, jedoch nicht der Mensch, um zur Person zu werden. Im Gegensatz dazu spricht sich Höller selbst die Fähigkeit zu, jeden einzelnen Besucher seiner Seminare von einem „normalen“ Menschen zu einem motivierten Individuum zu machen. Wie Rogers versteht er darunter keine grundlegende Persönlichkeitsveränderung, da die individuellen Charaktermerkmale bestehen bleiben, sondern ein Besinnen auf das Selbst („Glaube an Dich selbst!“256) – auf die eigenen Stärken. Wenn Rogers die Beseitigung der Selbstblockade des Klienten anführt, würde dies bei Höller dem Satz „Du schaffst es!“257 entsprechen. Im Mittelpunkt steht das Zutrauen der Person, das Zulassen von Gefühlen und das Erkennen des eigenen Bewusstseins. [...]
Verhaltensänderungen des Klienten herangezogen werden, doch gibt sie keine Auskunft über negative Auswirkungen. Rogers entgegnet diesem Einwand, dass die Aktualisierungstendenz auf Selbsterhalt des Organismus` ausgerichtet ist und faktisch nur die positiven Entwicklungen als internalisierbare Erlebnisse ins Gewicht fallen. Diese Möglichkeit der persönlichen Entfaltung scheint laut Bommert aber nur gegeben, wenn die therapeutische Interaktion mit der gesellschaftlichen in Einklang steht, wovon in den wenigsten Fällen ausgegangen werden kann. Tatsächlich wurde Rogers in dieser Annahme missverstanden, denn er postuliert bei auftretenden Widersprüchen eine Selbstentfremdung der Person. Für ihn steht die Veränderung des Selbstkonzeptes – nicht einzelner persönlicher Schwächen – im Mittelpunkt. „Er möchte die Gesamtpersönlichkeit aktivieren und zu eigenen Entwicklungen bringen – unter der hypothetischen Prämisse – daß damit auch auffällige Verhaltensformen beseitigt werden können.“249 Über die Intensität und die Art der Intervention äußert sich Rogers allerdings nicht. [...]
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Arbeit zitieren:
Strauß, Katrin März 2002: Die Diktatur der Optimisten, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Motivation, Motivationstraining, Psychotherapie, Management, Schule



