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Deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen

Deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Matthias Müller
  • Abgabedatum: Mai 1996
  • Umfang: 103 Seiten
  • Dateigröße: 658,5 KB
  • Note: 2,7
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0454-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0454-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0454-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Matthias Mai 1996: Deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte:

Diplomarbeit von Matthias Müller

Zusammenfassung:

In der vorliegenden Arbeit werden die deutsch-brasilianischen Wirtschaftsbeziehungen unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur Brasiliens untersucht. Die Arbeit entstand in der Zeit von Januar bis Mai 1996. Bedingt durch die Dynamik des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandlungsprozesses im heutigen Brasilien, sah ich es als notwendig an, auch die während oder kurz vor der Entstehung der Arbeit stattfindenden Ereignisse zu berücksichtigen.

Um dies zu ermöglichen, wurden zahlreiche Zeitungsartikel und Ausgaben offizieller Stellen als Materialquellen verwendet.

Auf die Erstellung eines Tabellenverzeichnisses habe ich aufgrund der geringen Anzahl von Tabellen (7) verzichtet.

Die geschichtlichen Erfahrungen mit der Sklaverei, der kolonialen Ausbeutung und mit monarchistischen, autoritären und demokratischen Regierungsformen prägen auch heute noch das Selbstverständnis und Verhalten der Brasilianer. Daher beginnt die Arbeit mit einem historischen Teil, in dem auch die deutsche Einwanderung behandelt wird.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem heutigen Brasilien. Die wirtschaftliche Situation unter Berücksichtigung der sozialen und politischen Rahmenbedingungen steht dabei im Vordergrund. Da die Inflationsproblematik ein zentrales Element der brasilianischen Ökonomie ist, gehe ich in Kapitel 2.7 ausführlich auf diesen Bereich ein.

Im dritten und letzten Abschnitt stehen die ökonomischen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien im Mittelpunkt der Betrachtung.

Insgesamt soll die Arbeit einen Überblick über die aktuelle wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Situation Brasiliens ermöglichen und den derzeitigen Stand der deutsch-brasilianischen Beziehungen darlegen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Vorwort 4
1. Die historische Entwicklung Brasiliens und die deutsche Einwanderung 5
1.1 Die Kolonialzeit (1500-1822) 5
1.2 Das Kaiserreich und die "Alte Republik" (1822-1930) 11
1.3 Die Ära Vargas und der Populismus (1930-1964) 14
1.4 Die Militärdiktatur (1964-1985) 17
1.5 Die Demokratie (seit 1985) 19
1.6 Deutsche Einwanderung nach Brasilien 22
1.7 Die Integration der deutschen Einwanderer und der Deutschstämmigen 22
2. Wirtschaftliche Lage 26
2.1 Statistische Daten 26
2.2 Politische Struktur 27
2.3 Die Wandlung vom Rohstofflieferanten zum teilindustrialisierten Land 29
2.4 Die Erfolge und Probleme der durch hohe Verschuldung erzielten Entwicklung 32
2.5 Der schwere Gang zum IWF nach Ausbruch der Verschuldungskrise 1982 36
2.6 Soziale Auswirkungen des brasilianischen Entwicklungsmodells 40
2.7 Die Inflation als zentrales wirtschaftliches Problem 41
2.7.1 Die brasilianische Inflationsökonomie 41
2.7.2 Der Plano Cruzado von 1986 als typisches Beispiel für ein gescheitertes heterodoxes Schockprogramm zur Überwindung der Inflation 44
2.7.3 Der Plano Real als erfolgreiche Inflationsbekämpfungsmaßnahme 46
2.7.4 Plano Cruzado und Real im Vergleich 55
2.8 Privatisierungsprogramm der Staatsbetriebe 55
2.9 Die brasilianische Börse 56
2.10 Bevölkerungsentwicklung 57
2.11 Soziale Probleme und regionale Disparitäten 58
2.12 Der MERCOSUL 60
2.13 Der Kooperationsvertrag der EU mit dem MERCOSUL 65
3. Deutschland und Brasilien 67
3.1 Wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit 67
3.2 Kulturelle Kontakte 68
3.3 Das Engagement der deutschen Industrie 69
3.4 Tourismus 71
3.5 Politische Kontakte 72
3.6 Die gemischte Wirtschaftskommmission 74
3.7 Die FEBRAL 95 in São Paulo 75
3.8 Aussichten der deutschen Wirtschaft auf Beteiligung am Privatisierungsprozess 76
3.9 Verschuldung bei den deutschen Geschäftsbanken 77
3.10 Entwicklungszusammenarbeit 78
3.11 Außenhandel 79
Fazit 85
Anhang 87
Literaturverzeichnis 94

Automatisiert erstellter Textauszug:

räumen mit dem Wiederansteigen der Inflation und einer weiteren Destabilisierung der Wirtschaft. 2.7.3 Der Plano Real als erfolgreiche Inflationsbekämpfungsmaßnahme Die zahlreichen erfolglosen Schockpläne der vergangenen Jahre hatten dazu geführt, daß die Bevölkerung inzwischen jeden „Wunderplan“ zur Eindämmung der Inflation mit großem Mißtrauen betrachtete. Im Binnenmarkt setzte 1993 nach einer tiefen Rezession, die auch durch die Pläne Collor I und II79 ausgelöst worden war, ein konjunktureller Erholungsprozeß ein. Die Inflation verharrte jedoch bei monatlichen Raten von ca. 30%. Als Fernando Henrique Cardoso im Mai 1993 das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers übernahm, suchte er nach einem Weg die Inflation zu bekämpfen, ohne die konjunkturelle Erholung zu gefährden. Angesichts der hohen Preissteigerungsraten wurde allgemein erwartet, daß Cardoso bald wieder den nächsten Lohn- und Preisstopp anordnen würde. Die Währungsreform vom 1. Juli 1993 erfüllte diese Erwartungen nicht. Es wurden lediglich 1000 Cruzeiros zu einem Cruzeiro Real umbenannt. Zweck dieser Maßnahme war, das Rechnen mit der Landeswährung zu erleichtern, da inzwischen selbst bei alltäglichen Lebensmitteleinkäufen „Millionengeschäfte“ getätigt wurden. Statt die erwarteten Schockmaßnahmen zu implementieren, bemühte sich der Wirtschafts- und Finanzminister als erstes um die Sanierung der öffentlichen Haushalte. Konkrete Maßnahmen zur direkten Inflationsbekämpfung wurden vorerst nicht ergriffen. Cardoso versprach sogar in seiner Amtszeit auf den Gebrauch von „autoritären Zaubereien“, wie Lohn- und Preisstopps zu verzichten. Die erste Maßnahme zur Sanierung des Staatshaushaltes bestand in der Bekämpfung der Steuerhinterziehung durch verstärkte Kontrollen. Bis Ende 1993 stiegen die Steuereinnahmen von monatlich durchschnittlich 3,3 Milliarden US$ auf durchschnittlich 3,8 Milliarden US$. Am 7. Dezember 1993 wurde dem Parlament der Vorschlag für einen „Sozialen Notfonds“ vorgelegt, der, mit Hilfe von Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen, der Zentralregierung innerhalb von zwei Jahren einen annähernden Haushaltsausgleich er- [...]

Das staatliche Defizit und andere Inflationsursachen wurden als relativ bedeutungslos angesehen. In den ersten Monaten wurden durch den Lohn- und Preisstopp tatsächlich sehr niedrige Inflationsraten erzielt. Es kam allerdings bereits sehr schnell zu Nachfrageüberhängen, die dazu führten, daß Schwarzmärkte entstanden, auf denen die fehlenden Produkte, zu höheren als den staatlich festgelegten Preisen angeboten wurden. Viele Unternehmen verzichteten auch auf die Güterproduktion und warteten statt dessen auf eine baldige Aufhebung des Preisstopps. Es kam zu seltsamen Verzerrungen des Preisniveaus. Der Gebrauchtwagenhandel florierte, obwohl die Preise für Gebrauchtwagen wesentlich höher als die für Neuwagen waren. Der Grund hierfür war die mangelnde Verfügbarkeit von Neuwagen. Der Nachfrageüberhang und das mangelnde Interesse der Unternehmen zu den staatlich festgesetzten Preisen zu verkaufen, hatten dies verursacht.78 Es kam zu Versorgungsengpässen in der Grundmittelversorgung, da bei zahlreichen Produkten nur noch auf dem Schwarzmarkt kostendeckende Preise erzielt werden konnten. Einige Unternehmen umgingen die Preiskontrollen durch unwesentliche Umstellungen ihrer Produkte, die dann höhere Preise rechtfertigten. Trotz all dieser Verzerrungen, und dem abzusehenden Verfehlen des Stabilisierungszieles hielt die Regierung den -durchaus populären- Plan bis zu den Wahlen zum Kongreß und zur verfassungsgebenden Versammlung im November 1986, ohne die notwendigen Korrekturen, aufrecht. Nicht zuletzt aufgrund des Cruzado-Planes wurden die Wahlen ein großer Erfolg für die Regierungspartei PMDB. Am Tag nach der Wahl wurden u. a. die öffentlichen Tarife und einige Preise erhöht. Durch diese als Wahlbetrug empfundenen Maßnahmen verlor der Plan den größten Teil des immer noch vorhandenen Vertrauens. Zwei Monate später mußte der Preisstopp endgültig aufgegeben werden. Die auf den Plano Cruzado folgenden Pläne beinhalteten allesamt einen erneuten Lohnund Preisstopp und weitere Maßnahmen im Bereich der Geldpolitik, sowie Deklarationen, die öffentlichen Finanzen zu sanieren. Den Ankündigungen das staatliche Defizit zu reduzieren, folgten allerdings nie entschlossene Taten der Regierungen. Hauptsächlich aus diesem Grund waren auch die nachfolgenden heterodoxen Schockprogramme von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie endeten allesamt in immer kürzeren Zeit- [...]

Cruzado“ benannten. Die ökonomischen Rahmenbedingungen für diese Reformmaßnahmen waren ausgesprochen günstig. Die Wirtschaft florierte und das Bruttosozialprodukt hatte im Jahre 1985 um 8,3% zugelegt. Trotz anfänglicher Erfolge, scheiterte dieser Plan, wie auch einige an ihn anlehnende Programme in den nächsten Jahren. Im folgenden werden die maßgeblichen Elemente dieses Stabilisierungsplanes und die Gründe seines Scheiterns dargelegt. Die Maßnahmen des Plano Cruzado im Einzelnen: • Preis- und Lohnstopp Die Preise für die wichtigsten Industrieerzeugnisse, Agrarprodukte und Dienstleistungen wurden praktisch über Nacht, auf unbestimmte Dauer, eingefroren. Hierfür wurde eine Liste mit staatlich fixierten Preisen für über 500 Produkte veröffentlicht. Die Löhne und Gehälter wurden noch einmal an die Inflation der letzten 6 Monate angeglichen und zusätzlich um 8% erhöht, bevor auch sie eingefroren wurden. • Desindexierung der Wirtschaft Das von den Militärs eingeführte Indexierungssystem zur automatischen halbjährlichen Anpassung von Einkommen und Vermögen an die Inflation wurde ersatzlos abgeschafft, da es die Inflationsgewöhnung förderte. • Währungsreform und Wechselkurspolitik Der Cruzeiro wurde durch den Cruzado ersetzt, ein Cruzado entsprach 1000 bisherigen Cruzeiros Novos. Das Streichen der drei Nullen erleichterte das Rechnen mit der brasilianischen Währung. Der Cruzado wurde für unbestimmte Zeit auf ein Niveau von 13,84 Cz-$ gegenüber einem US-$ festgefroren. Allerdings wurde der Zentralbank die Möglichkeit eingeräumt, Wechselkursänderungen vorzunehmen, wenn es ihr „angemessen“ erschien. „Die Geldentwertung wurde zum größten Teil dem Beharrungselement der Inflation, dem sogenannten Inflationsgedächtnis, zugesprochen, das über formelle und informelle Indexierungspraktiken die Inflation von einer Periode in die nächste transportiert.“77 [...]

Arbeit zitieren:
Müller, Matthias Mai 1996: Deutsch-brasilianische Wirtschaftsbeziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag

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