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Deutsch-Chinesische Wirtschaftsbeziehungen

Chancen und Risiken für deutsche Unternehmer vor dem Hintergrund des WTO-Beitritts

Deutsch-Chinesische Wirtschaftsbeziehungen
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Saskia Mowinski, geb. Paul

Einleitung:

Das 19. Jahrhundert gehörte Europa, das 20. Amerika, doch das 21. befindet sich lt. Expertenmeinungen fest in asiatischer Hand. In den 60er und 70er Jahren rückte Japan als bewunderte und gefürchtete Exportnation ins weltweite Interesse. In den 80er und 90er Jahren zogen die „kleinen Tiger“ Südkorea, Singapur, Hongkong, Taiwan und Malaysia nach, und heute trägt vor allem das chinesische Marktpotenzial dieser Entwicklung Rechnung. Literatur und Presse veröffentlichen immer neue Meldungen wie z.B. den ersten bemannten Raumflug Chinas, die Erfolg und Aufschwung der VR Chinas im internationalen Beziehungsgeflecht dokumentieren.

Das Beispiel des Transrapid zeigt eindrucksvoll den boomenden Export nach China. Mit durchschnittlichen volkswirtschaftlichen Wachstumsraten von jährlich etwa 8 % und einer riesigen Verbraucherschar hat China sich in den letzten 20 Jahren zu einem der interessantesten und strategisch bedeutendsten Märkte für deutsche Unternehmen entwickelt. In der Welthandelsliste rückte China von ursprünglich Platz 32 auf den sechsten Platz vor und steht in der Rangliste deutscher Handelspartner auf Position elf. Große Unternehmen wie der Wolfsburger Volkswagen Konzern, Daimler Chrysler, BMW oder Chemiekonzerne wie Bayer, BASF und Degussa sind bereits auf dem chinesischen Markt präsent.

Problemstellung:

Alle Welt spricht mit leuchtenden Augen vom großen und z.T. noch unausgeschöpften Wachstumspotenzial des chinesischen Marktes. Dennoch war in der Vergangenheit auf dem chinesischen Markt aufgrund zahlreicher rechtlicher, sozialer und wirtschaftlicher Unsicherheitsfaktoren vorsichtige Zurückhaltung geboten. Die Divergenz zwischen den Chancen und Risiken ruft zwiespältige Meinungen zum chinesischen Mark hervor.

Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) unterwirft China sich dem Regelwerk einer international anerkannten Organisation. Befürworter des Beitritts sehen darin Fortschritte und Anzeichen für eine Verbesserung der Bedingungen für ein China-Engagement. Kritiker befürchten eine Überforderung der Regierung. Ihrer Meinung nach könnte die Umsetzung der WTO-Regeln Arbeitslosigkeit und politische sowie wirtschaftliche Unruhen hervorrufen, was Chinas Position im Außenhandel und die Erfolgsaussichten auf diesem Markt schwächen würde.

Inwieweit die Veränderungen in Folge des Beitritts die Situation deutscher Unternehmen in China beeinflussen, ist zentrales Thema dieser Arbeit. Die Ergebnisse der Beitrittsprotokolle werden anhand ausgewählter Sektoren und Beispiele konkretisiert und Vor- und Nachteile dieser neuen Regeln aus ihrer Sicht kritisch analysiert. Ergänzend dazu spielen Verhaltensregeln und Instrumente zur Verbesserung der Erfolgschancen eine Rolle.

Gang der Untersuchung:

Als Einstieg in das Thema zieht Kapitel 1 Daten und Hintergrundinformationen zu geografischen und kulturellen Bedingungen in der VR China sowie die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der näheren Vergangenheit heran. Auf detaillierte Ausführungen zur Kaiserzeit und Mao-Ära wird dabei verzichtet und zur weiterführenden Literatur auf das Literaturverzeichnis verwiesen.

Anschließend steht in Kapitel 2 China als Partner im internationalen Handel im Vordergrund. Neben dem internationalen Handel im Sinne von Im- und Exporten treten verschiedene Möglichkeiten des Markteintritts für deutsche Unternehmen. Dabei werden Anreize für deutsche Unternehmen und bisherige Risiken im China-Geschäft skizziert. Zur theoretischen Fundierung von internationalen Handelsbeziehungen dient Kapitel 2.4. Mit Hilfe des Ricardo-Theorems werden komparative Kostenvorteile internationaler Handelsgeschäfte aufgezeigt und erläutert.

Den Kernaspekt der Betrachtung bildet mit Kapitel 3 Chinas Beitritt zur WTO. Grundlagen des WTO-Beitritts, Forderungen der WTO, Chinas Interesse an einer Mitgliedschaft, der Verhandlungsverlauf und die Auswirkungen des Beitritts auf die Situation deutscher Unternehmer, die in China tätig werden möchten bzw. tätig sind, werden aufgegriffen. An die Darstellung der Ergebnisse schließt sich eine kritische Analyse der aktuellen Situation aus Sicht deutscher Handelspartner an. Im Mittelpunkt stehen dabei wirtschaftliche Gesichtspunkte. Konsequenzen für den Agrarsektor finden daher ausschließlich am Rande Erwähnung.

Trotz der aktuellen Diskussion über die Aufwertung des Renminbi wird dem Banken- und Finanzsektor kein eigenes Kapitel gewidmet, sondern Entwicklungen und Veränderungen nur den Gesamtkontext begleitend angeführt.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit Fragen der Sicherheit und der Erfolgsaussichten auf dem chinesischen Markt. Ein Risikomanagementsystem und Instrumente aus den Bereichen Controlling und Finanzmanagement werden vorgestellt. Neben einem eher an westlichen Standards orientierten Risikomanagement-System existiert eine Reihe von interkulturellen Erfolgsfaktoren, die für einen gelungenen Markteintritt in der VR China besondere Relevanz besitzen.

Die Problemstellung wird in Kapitel 5 noch einmal abschließend betrachtet und gemeinsam mit den Erfolgsfaktoren für einen gelungenen Markteintritt in China zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Arbeit 2
2. China als internationaler Handelspartner 4
2.1 Regionaler und kultureller Hintergrund 4
2.2 Politische und wirtschaftliche Entwicklung der VR China 7
2.3 Chinas Öffnung zum Ausland 10
2.3.1 Faszination China 13
2.3.2 Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg 15
2.3.2.1 Marktbeschränkungen 15
2.3.2.2 Rechtsrahmen 17
2.3.2.3 Kulturelle Differenzen 18
2.4 Theoretische Fundierung des Außenhandels 19
2.4.1 Notwendigkeit wirtschaftlichen Handelns 19
2.4.2 Opportunitätskosten knapper Güter 20
2.4.3 Theorie der komparativen Kostenvorteile 21
2.5 Zusammenfassung 22
3. Chinas Beitritt zur WTO 24
3.1 Entstehung und Aufgaben der WTO 24
3.2 Chinas Rolle in GATT und WTO 25
3.3 Beitrittsverhandlungen 27
3.3.1 Beitrittsregelungen 28
3.3.2 Beitrittsbedingungen der WTO 29
3.3.2.1 Prinzip der Nichtdiskriminierung 29
3.3.2.2 Transparenzprinzip 30
3.3.2.3 Grundsatz der Reziprozität 31
3.4 Ergebnisse der Beitrittsverhandlungen 31
3.4.1 Allgemeine wirtschaftliche und politische Folgen 32
3.4.2 Außenhandels- und Vertriebsrechte 32
3.4.3 Branchenspezifische Besonderheiten 33
3.4.3.1 Bekleidungsbranche 33
3.4.3.2 Automobilbranche 34
3.4.3.3 Dienstleistungsbranche 34
3.4.3.3.1 Informationstechnologie und Telekommunikation 35
3.4.3.3.2 Versicherungsbranche 35
3.4.3.3.3 Banken und Finanzen 36
3.4.4 Investitionen in Zentral- und Westchina 36
3.4.5 Soziale und kulturelle Folgen 37
3.5 Kritische Analyse der Ergebnisse 37
3.5.1 Chancen für deutsche Unternehmer 38
3.5.1.1 Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen 38
3.5.1.2 Sektorale und regionale Chancen 39
3.5.1.3 Automobilbranche 41
3.5.2 Risiken für deutsche Unternehmer 42
3.5.2.1 Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen 43
3.5.2.2 Branchenspezifische und sektorale Problemfelder 47
3.5.2.3 Kulturelle Schwierigkeiten 49
3.6 Abschlussbetrachtung der Ergebnisse 50
4. Erfolgsfaktoren eines China-Engagements 53
4.1 Grundlagen eines Risikomanagementsystems 53
4.1.1 Risikobegriff 54
4.1.2 Wechselkursrisiko 55
4.1.3 Wirtschaftliche Risiken 55
4.1.4 Politische Risiken 56
4.1.5 Soziale Risiken 57
4.2 Aufbau eines Risikomanagement-Konzepts 58
4.2.1 Analysephase 58
4.2.2 Gestaltungsphase 59
4.2.2.1 Risikovermeidung 60
4.2.2.2 Risikoverminderung und -teilung 60
4.2.2.3 Risikoüberwälzung und -kompensation 61
4.2.2.4 Risikotragung 62
4.3 Instrumente aus dem Bereich Controlling 63
4.3.1 Länderanalyse 63
4.3.2 Kennzahlen 64
4.3.3 Berichtswesen 64
4.3.4 Balanced Scorecard 65
4.4 Instrumente aus dem Bereich Finanzwirtschaft 66
4.4.1 Dokumentenakkreditiv 66
4.4.2 Bankgarantie 67
4.4.3 Forfaitierung 68
4.5 Kritische Betrachtung der Effizienz dieser Instrumente 69
4.6 Interkulturelles Training 70
4.6.1 Beziehungspflege allgemein 71
4.6.2 Beziehungen zwischen Vorgesetzen und Mitarbeitern 72
4.6.3 Verhandlungsführung 72
4.6.4 Verstehen, Verständnis, Verständigung 74
4.6.5 Interkulturelle Schulungen 75
4.7 Zusammenfassung 76
5. Abschlussbetrachtung und Ausblick 77
Quellen- und Literaturverzeichnis III
Anhang IV
Eidesstattliche Erklärung V

Automatisiert erstellter Textauszug:

Der boomende und von Experten in aller Welt als einer der Zukunftsmärkte gelobte Automobilmarkt in China weist bei kritischer Betrachtung einige Schwachstellen auf. Nebeneffekt der verstärkten Öffnung des Automobilsektors ist der zunehmende Konkurrenzdruck. Der Volkswagen-Konzern ist seit 1985 auf dem chinesischen Markt vertreten und hielt mit Shanghai Volkswagen und FAW-Volkswagen über Jahre einen Marktanteil von 50 %. In Folge des neuen Preiskampfes verzeichnete VW im ersten Halbjahr 2002 ein Absinken des Marktanteils auf 44 %. Auch die VW-Tochter Audi bleibt vom zunehmenden Kampf um Marktanteile nicht unbehelligt. Muss sie sich doch u.a. gegen Joint Ventures von Toyota oder der BMWGruppe behaupten.235 [...]

Vertriebsrechte sollen FIEs schrittweise zugestanden werden, sofern sie eine dafür vorgesehene Handelsgesellschaft in der VR China gründen. Seit dem 11. Dezember 2002 sollen Großhandels-Joint Ventures mit einer Beteiligung der chinesischen Partner von über 50 %, sowie Einzelhandels- Joint Ventures, die geographischen Restriktionen in der Durchführung ihrer Geschäfte unterliegen und sich mehrheitlich in chinesischem Besitz befinden, von diesen Rechten profitieren können. Bis zum 11. Dezember 2003 plant man eine Ausweitung der Rechte auf zusätzlich GroßhandelsJoint Ventures ohne geographische Beschränkungen und chinesische Mehrheitsbeteiligung sowie Einzelhandels-Joint Ventures mit regionalen Restriktionen. Die Aufhebung aller Beschränkungen im Bereich Großhandel, Einzelhandel und Franchise ist bis zum bis zum 11. Dezember 2004 geplant.166 [...]

Alle Kosten werden in Arbeitsstunden gemessen. In einem Jahr kann eine Arbeiterin des Landes A zwei Einheiten Getreide oder vier Einheiten Computer produzieren. Eine Arbeiterin des Landes B kann im selben Zeitraum lediglich eine Einheit Computer oder eine Einheit Getreide produzieren. Beiden Ländern stehen je 100 Arbeitskräfte, die zu gleichen Teilen in beiden Industrien arbeiten, zur Verfügung. Land A kann also in einer Periode 200 Einheiten Computer und 100 Einheiten Getreide produzieren, während Land B im selben Zeitraum je 50 Einheiten von beiden Produkten herstellen kann. Land A verfügt folglich über den absoluten Produktionsvorteil in beiden Industrien, da es beide Güter günstiger produzieren kann als Land B. [...]

Arbeit zitieren:
Mowinski, geb. Paul, Saskia Dezember 2003: Deutsch-Chinesische Wirtschaftsbeziehungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Handelspartner China, Beitrittsverhandlungen, Risikomanagement, Interkulturelles Training, Wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen

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