Determinismus oder Willensfreiheit?
Ein Vergleich der Theorien von Arthur Schopenhauer und Peter Bieri
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Susanne Schultz
- Abgabedatum: Juli 2004
- Umfang: 99 Seiten
- Dateigröße: 673,0 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8915-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8915-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8915-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schultz, Susanne Juli 2004: Determinismus oder Willensfreiheit?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Wille, Handeln, Freiheit, Kausalität, Verantwortung
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Diplomarbeit von Susanne Schultz
Zusammenfassung:
Eine wesentliche Gemeinsamkeit der Theorien von Schopenhauer und Bieri ist das deterministische Weltbild, das beide vertreten. Beide glauben, dass Ereignisse, aber auch menschliche Handlungen grundsätzlich kausal determiniert sind. Der größte Unterschied besteht darin, dass Bieri davon ausgeht, dass Freiheit und Determinismus miteinander vereinbar sind, während Schopenhauer meint, Determinismus schließe Freiheit aus. Dies ist eine Folge ihrer unterschiedlichen Freiheitsbegriffe. Bieri meint, dass Freiheit Determiniertheit oder Bedingtheit voraussetzt, da eine unbedingte Freiheit zufällig wäre und kein Handelnder sich als Urheber seiner Handlungen fühlen könnte, wenn sie ihm zufällig zustößt. Deshalb wäre eine unbedingte, zufällige Freiheit gar keine Freiheit. Bieri lehnt nicht nur die Existenz, sondern auch die Idee einer unbedingten Freiheit ab. Schopenhauer dagegen kann sich nur eine unbedingte Willensfreiheit vorstellen. Determinismus ist bei ihm gleichbedeutend mit Unfreiheit. Da es aber in der Welt der Erscheinung nichts geben kann, das ohne Ursache ist, weil unser Erkenntnisvermögen so beschaffen ist, dass es nur im Rahmen von Raum, Zeit und Kausalität funktioniert, kann es diese Freiheit in der Welt der Erscheinung nicht geben.
Bieri meint, dass wir uns unsere Freiheit aneignen können, indem wir unseren Willen verstehen, ihn artikulieren und gutheißen. Ein wichtiges Kriterium der Freiheit ist bei ihm die Identifikation mit dem eigenen Willen. Dies geschieht, indem wir Wünsche zweiter Stufe ausbilden, die Urteile über die Wünsche erster Stufe oder Selbstbilder sind. Im Lichte dieses Selbstbildes identifizieren wir uns entweder mit unserem Willen oder lehnen ihn ab. Ein Wille wird dabei als handlungswirksamer Wunsch verstanden. Es ist auch möglich, dass wir etwas wollen und tun, das wir verurteilen. In diesem Fall würde Bieri uns als unfrei bezeichnen. Zum Kriterium der Identifikation kommt hinzu, dass das Nachdenken nicht übergangen wird und dass wir unsere Phantasie dazu gebrauchen, uns andere Alternativen vorzustellen, bevor wir eine Entscheidung treffen. Die Entscheidung, die bei Schopenhauer eine bloße Illusion war, ist bei Bieri eine echte Entscheidung. Bieri gibt zu, dass seine angeeignete Freiheit eine relative Freiheit ist. Wir können nie sagen, ein für alle Mal die Freiheit erreicht zu haben, sondern wir müssen uns unsere Freiheit ständig neu erarbeiten, indem wir uns um ein besseres Verständnis unserer selbst bemühen.
Bei Schopenhauer gibt es nicht nur Unfreiheit, und er vertritt nicht nur ein deterministisches Weltbild, sondern es gibt bei ihm die transzendentale Freiheit des Willens. Der Mensch hat einen intelligiblen Charakter, der von der Welt der Erscheinung unabhängig ist, der frei gewählt wurde, so dass jeder Mensch für seinen Charakter und deshalb auch für seine Handlungen verantwortlich gemacht werden kann. Mit dieser Begründung rechtfertigt Schopenhauer unsere Praxis des Lobens, Tadelns und Strafens. Die Idee der transzendentalen Freiheit ist aber nicht haltbar, da sie zu weit über den Bereich der menschlichen Erfahrung hinaus geht, um nachvollziehbar zu sein. Man kann als Einzelner an sie glauben, aber man kann mit ihr keine allgemein menschliche Praxis, z. B. die des Verantwortlichmachens, begründen.
Was von Schopenhauers Theorie als vertretbar übrig bleibt, ist ein Determinismus, aus dem die Unfreiheit des menschlichen Handelns folgt. Dieser ist zeitlos und kann heute wie zu Schopenhauers Zeit vertreten werden. Das heißt also, das menschliche Handeln ist in all seinen Einzelheiten durch zureichende Gründe determiniert. Wir können nicht anders handeln, als wir handeln, und sind daher unfrei. Wenn man nicht die Grundannahmen des Positivismus oder der Sprachanalytischen Philosophie teilt, sondern die alten metaphysischen Fragen, zu denen auch die Frage nach der Willensfreiheit zählt, ernsthaft stellt, kann man Schopenhauers Determinismus ernst nehmen. Man muss dazu auch nicht unbedingt seine Willensmetaphysik übernehmen, die möglicherweise ein weiterer Streitpunkt sein könnte. Sein Determinismus betrifft ja nur die Welt der Erscheinung, der Wille (als Weltwille) wird davon nur am Rande berührt. Ein Vorzug von Schopenhauers Theorie ist, dass er die Folgen seines Determinismus für Ethik und Rechtslehre überzeugend darlegen kann. Seine Gedanken dazu sind auch heute noch aktuell. Seine Überlegungen zum Fundament der Moral und zur Begründung des Naturrechts sind von hoher Plausibilität.
Bieris Gedanken zum Thema Verantwortung sind leider nicht mit letzter Konsequenz durchgearbeitet. Er trennt Recht und Ethik nicht genügend voneinander. An diesem Punkt scheitern seine Überlegungen. Bieri scheint am Thema Verantwortung allgemein weniger interessiert zu sein als an der eigentlichen Willensfreiheit und am menschlichen Handeln, unabhängig von deren juristischen und ethischen Implikationen. Man kann, wenn man Bieris Gedanken weiter denkt, zu einer Bejahung der Verantwortung kommen. Wenn es die Willensfreiheit gibt, und wenn jemand frei ist, dann spricht nichts dagegen, dass wir ihn für seine Handlung verantwortlich machen können. Unsere konkrete gesellschaftliche Praxis des Strafens wird dadurch noch keineswegs gerechtfertigt.
An Schopenhauer ist zu kritisieren, dass der empirische Charakter als angeborener, unveränderlicher Charakter nicht der Realität entspricht. Nicht nur unsere Gene, sondern auch die Erfahrungen, die wir in unserem Leben machen, tragen zu einem großen Teil zur Herausbildung unseres Charakters bei. Unser Charakter bleibt nicht von Geburt an gleich, wie Schopenhauer annimmt, sondern ist für Einflüsse aus der Umwelt offen.
Bieri vernachlässigt den Einfluss der Triebe auf unseren Willen. Es sieht bei ihm so aus, als ob er annimmt, dass wir uns alles an unserem Innenleben bewusst machen können. Das ist aber nicht einmal annähernd möglich. Es ist also noch schwieriger, als Bieri sich klar macht, die von ihm angestrebte Freiheit zu erreichen.
Die im Titel der Arbeit gestellte Frage „Determinismus oder Willensfreiheit?“ kann man auf zweierlei Weise beantworten. Mit Schopenhauer kann man sagen, in der Welt der Erscheinung herrscht der Determinismus, und es gibt keine Freiheit. Oder man kann mit Bieri antworten: Es gibt die Freiheit des Willens trotz des Determinismus. Diese Freiheit ist eine bedingte, relative, schwer zu erringende und leicht wieder zu verlierende Freiheit, die man niemals ein für alle Mal erreichen kann, sondern die vielmehr ein ständiges Bemühen ist, den jeweiligen eigenen Willen zu verstehen.
Es ist aber auch möglich, beide Theorien miteinander zu verbinden und Bieri als Ergänzung Schopenhauers zu interpretieren. Schopenhauer legt dar, dass alle menschlichen Handlungen determiniert sind. Bieri widerspricht dem nicht. Seine Theorie knüpft vor Schopenhauers Schlussfolgerung an, dass wir unfrei sind. Bieri meint, dass unser Handeln zwar determiniert ist, dass der Determinismus aber die Voraussetzung für eine relative, bedingte Willensfreiheit ist, die wir durch Selbsterkenntnis vergrößern können. Bei Bieri fehlt die geschlossene Darlegung des deterministischen Weltbildes. Er setzt es als gegeben voraus, wenn er z. B. Raskolnikov in seinem Dialog mit dem Richter klagen lässt, dass seine Geschichte ihn zwangsläufig zum Mörder werden ließ. Hier kann man noch einmal auf Schopenhauer zurückkommen und sich von ihm den Satz vom Grunde, der auch für menschliches Handeln gilt, erklären lassen.
Ist es nicht enttäuschend, dass die Freiheit des Willens eine so zerbrechliche Freiheit ist, auf der man sich nie ausruhen kann, die man sich ständig neu erarbeiten muss, solange man lebt? Das klingt nach Sisyphusarbeit. Lohnt sich diese Mühe? Kann man nicht auch angenehme Assoziationen mit der Unfreiheit verbinden? Wenn man sich, wie Schopenhauer, damit abfindet, dass man unfrei ist, folgt daraus, dass der Einzelne sich viel weniger bemühen muss als bei Bieri. Bei Schopenhauer gibt es den erworbenen Charakter, der durch die fortschreitende Erkenntnis des eigenen Charakters entsteht. Mit dem erworbenen Charakter ist das Ziel erreicht, nämlich die Vermeidung von Leid aufgrund von Irrtümern über den eigenen Charakter. Man muss seinen Charakter bzw. Willen nicht ständig neu erforschen, wie es nach Bieri der Fall ist.
Bieris relative Freiheit ist aber am Ende doch im Vorteil gegenüber Schopenhauers Unfreiheit. Man ist ja nicht gezwungen, seine Freiheit in jedem Moment auszuüben. Man kann sich, wie der Getriebene in einem Beispiel Bieris177, für eine gewisse Zeit seinen Wünschen überlassen und sie ganz unreflektiert in die Tat umsetzen, um sich einmal von der Mühe des Enscheidens zu erholen. Aber meistens wollen wir frei sein in dem Sinne, dass wir bewusst darüber entscheiden, wie wir handeln werden.
Wir können immer selbst entscheiden, wie viel Mühe wir auf uns nehmen wollen, um unseren jeweiligen Willen zu erforschen. Wenn wir uns mit einem unserer Wünsche identifizieren und nicht glauben, dass es sich lohnen würde, darüber nachzudenken, ob wir nicht vielleicht etwas anderes wollen, dann können wir uns als frei bezeichnen, denn alle Kriterien, die nach Bieri zur Freiheit gehören, sind erfüllt: Wir verstehen die Gründe für unseren Willen, wir können ihn artikulieren und wir identifizieren uns mit ihm. Wir könnten aber auch in diesem Fall eine noch größere Freiheit erhalten, wenn wir stärker über unsere Wünsche nachdenken und unsere Phantasie in höherem Maße gebrauchen würden, denn es gibt keine absolute, sondern nur jeweils mehr oder weniger Freiheit.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Zur Fragestellung | 1 |
| 2. | Arthur Schopenhauer | 2 |
| 2.1 | Was ist eine Handlung? | 2 |
| 2.2 | Wollen, Wille und Erkenntnis des Willens | 4 |
| 2.3 | Freiheitsbegriffe | 6 |
| 2.4 | Kausalität und Determinismus | 7 |
| 2.5 | Die Täuschung der Freiheit | 15 |
| 2.6 | Der Charakter und die Motive, die auf ihn wirken | 19 |
| 2.7 | Die Folgen des Determinismus für Ethik und Rechtslehre | 21 |
| 2.8 | Die transzendentale Freiheit des Willens | 25 |
| 2.9 | Die Verneinung des Willens zum Leben | 31 |
| 2.10 | Kritik an transzendentalen Freiheitsarten | 35 |
| 3. | Peter Bieri | 42 |
| 3.1 | Von Schopenhauer zu Bieri | 42 |
| 3.2 | Die Idee einer Handlung | 47 |
| 3.3 | Der Wille | 49 |
| 3.4 | Handlungsfreiheit und Entscheidungsfreiheit | 52 |
| 3.5 | Bedingte Freiheit | 61 |
| 3.6 | Lebensgeschichte und Verantwortung | 69 |
| 3.7 | Angeeignete Freiheit | 75 |
| 4. | Zusammenfassung | 84 |
| Anhang | ||
| Abkürzungsverzeichnis | I | |
| Literaturverzeichnis | II | |
| Lebenslauf | V | |
| Erklärung | VI |
annähert. Schopenhauers Willen zum Leben kann man also, wie gezeigt wurde, als Entsprechung zu Freuds Sexualtrieben auffassen. Für den Todestrieb aber, so weit er sich gegen das Individuum selbst richtet, gibt es bei Schopenhauer keine Entsprechung. Die Verneinung des Willens zum Leben kann man auf keinen Fall damit gleichsetzen, denn sie entspringt einer Erkenntnis. Das heißt, sie kann kein Trieb sein, da dieser bereits vor aller Erkenntnis da sein müsste. Die Verneinung des Willens tritt außerdem nur bei einer sehr kleinen Zahl von Individuen jemals auf, während die meisten Menschen den Willen zum Leben bejahen und Anteil an den dazugehörigen Trieben, wie dem Sexualtrieb, haben. Nach Freuds Verständnis sind die Triebe allgemeine seelische Kräfte, die allen Menschen gemeinsam sind. Das gilt für den Todestrieb ebenso wie für die Sexualtriebe. Selbstzerstörerische Triebe kennt Schopenhauer überhaupt nicht. Sogar der Selbstmord ist ihm eigentlich ein Ausdruck der Bejahung des Willens zum Leben: „Der Selbsmörder will das Leben und ist bloß mit den Bedingungen unzufrieden, unter denen es ihm geworden. Daher gibt er keineswegs den Willen zum Leben auf, sondern bloß das Leben, indem er die einzelne Erscheinung zerstört.“110 Ein Teil des Todestrieb richtet sich bei Freud als Destruktionstrieb nach außen.111 Schopenhauer würde diesen nicht als eigenständigen Trieb betrachten, sondern als so starke Bejahung des Willens eines Individuums, dass es zur Verneinung des Willens anderer kommt: „Hingegen entzündet sich oft der Wille zu einem die Bejahung des Leibes weit übersteigenden Grade, welchen dann heftige Affekte und gewaltige Leidenschaften zeigen, in welchen das Individuum nicht bloß sein eigenes Dasein bejaht, sondern das der übrigen verneint und aufzuheben sucht, wo es ihm im Wege steht.“112 Die Ideen beider Denker zur Determination sind ähnlich. Freud meint, dass der Mensch durch die seelischen Antriebe bestimmt wird, dass im Seelischen Regelhaftigkeit und gesetzmäßige Verknüpfung herrschen und dass unsere Assoziationen durch Motivationsketten miteinander verbunden sind.113 Sehr [...]
ebenso wie die Triebe bei Freud nie restlos erkannt werden. Freuds und Schopenhauers Vorstellungen von den Trieben sind auch von ihren Inhalten her vergleichbar. In seiner ersten Triebtheorie, in der Freud die Selbsterhaltungstriebe den Sexualtrieben gegenüberstellt, kann man den Trieb als Entsprechung zu Schopenhauers Willen zum Leben betrachten, wie er in den menschlichen Individuen auftritt.104 Bei Schopenhauer werden die Gemeinsamkeiten dieser beiden lebensbejahenden Triebe deutlich, wenn er betont, dass die Befriedigung des Geschlechtstriebes „das Leben über den Tod des Individuums, in eine unbestimmte Zeit hinaus [bejaht]“.105 Über den Menschen sagt Schopenhauer: „Selbsterhaltung ist sein erstes Streben, und sobald er für diese gesorgt hat, strebt er nur nach Fortpflanzung des Geschlechts: mehr kann er als bloß natürliches Wesen nicht anstreben.“106 Schopenhauers Gedanken, Selbsterhaltungs- und Geschlechtstrieb nicht als entgegengesetzt zu betrachten, kam Freud später entgegen, indem er in seiner zweiten Triebtheorie den Begriff „Sexualtriebe“ als Oberbegriff für alle lebensbejahenden Triebe wählte. Diesen stellte er den Todestrieb gegenüber. Unter dem Begriff „Sexualtriebe“ oder „Eros“ subsumiert Freud den „ungehemmten Sexualtrieb und die von ihm abgeleiteten zielgehemmten und sublimierten Triebregungen“ sowie den Selbsterhaltungstrieb.107 Freuds Ansicht nach ist den Trieben des Eros gemeinsam, dass „der Eros das Ziel verfolgt, das Leben durch immer weitergreifende Zusammenfassung der in Partikel zersprengten lebenden Substanz zu komplizieren, natürlich es dabei zu erhalten.“108 Damit ist auch das ausgedrückt, was Schopenhauer mit seinem Willen zum Leben meint. Erstaunlich ist an dieser Stelle, dass Freud die Triebe nicht nur als Kräfte ansieht, die in der Psyche des einzelnen Menschen wirken, sondern als Streben in der Natur. Er möchte damit die kosmologische Frage nach der Herkunft des Lebens beantworten.109 Er geht also mit seinem Denken in den Bereich der Philosophie hinein und beschränkt sich nicht auf Aussagen über die menschliche Psyche, so dass er sich auch in dieser Hinsicht Schopenhauer [...]
Bieri nimmt nirgends auf Schopenhauer Bezug, was nicht weiter verwunderlich ist, denn Schopenhauers Philosophie kommt im heutigen philosophischen Denken, wenn überhaupt, nur über andere Denker vermittelt vor. Ein indirekter Weg führt von Schopenhauer über Freud zu Bieri. Einige Gedanken, die Freud später entwickelte, kommen bereits bei Schopenhauer vor. Günter Gödde schreibt, dass Freud selbst die weitgehenden Übereinstimmungen der Psychoanalyse mit der Philosophie Schopenhauers gesehen hat.100 Schopenhauer war der erste Denker, der mit dem Unbewussten arbeitete. Wie oben gezeigt wurde, ist der Wille bei Schopenhauer primär unbewusst ist und kommt erst nachträglich ins Bewusstsein. Hier ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt zur Psychoanalyse, denn das Unbewusste spielt bei Freud eine große Rolle. Ein großer Teil der seelischen Vorgänge spielt sich nach seiner Lehre im Unbewussten ab.101 So weit es um den Willen des einzelnen Menschen geht, kann man die Triebe in der Psychoanalyse als Entsprechung zum Willen bei Schopenhauer betrachten. Die Triebe und der Wille stehen für einen Drang, ein Streben, die den Menschen zum Handeln nötigen. Die Triebe können uns Freuds Ansicht nach nie rein bewusst werden, sondern sie müssen an ein Objekt geknüpft sein, um erkannt zu werden.102 Ebenso ist der Wille bei Schopenhauer ursprünglich unbewusst und wird erst nachträglich vom Bewusstsein beleuchtet, wenn auch nie vollständig. „Der Wille ist das Erste und Ursprüngliche, die Erkenntnis bloß hinzugekommen, zur Erscheinung des Willens, als ein Werkzeug derselben, gehörig.“103 Der Wille als Ding an sich oder, auf den Menschen bezogen, der intelligible Charakter, kann [...]
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Schultz, Susanne Juli 2004: Determinismus oder Willensfreiheit?, Hamburg: Diplomica Verlag
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Wille, Handeln, Freiheit, Kausalität, Verantwortung



