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Determinanten in der Berufswahl

Der Einfluss der Werthaltungen bei Studierenden aus dem individualistischen und kollektivistischen Kulturkreis

Determinanten in der Berufswahl
Über dieses Buch
  • Art: MA-Thesis / Master
  • Autor: Nadine Kutz
  • Abgabedatum: August 2007
  • Umfang: 57 Seiten
  • Dateigröße: 266,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Dortmund Deutschland
  • Bibliografie: ca. 42
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2133-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kutz, Nadine August 2007: Determinanten in der Berufswahl, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Personalentwicklung, Berufswahl, Werte, Kulturdimensionen, Berufswunsch

MA-Thesis / Master von Nadine Kutz

Einleitung:

Der Beruf ist in jeder Gesellschaft im Hinblick auf die Existenzsicherung und den Erhalt des sozialen Gefüges essenziell. Darüber hinaus ist die dort erbrachte Leistung und die entsprechende Leistungsrückmeldung die Quelle persönlichen Selbstwertgefühls für jedes Individuum. Um den Beruf demgemäss sinnvoll ausüben zu können, erscheint also eine der Persönlichkeit und den Kompetenzen angemessene Berufswahl wichtig. Obwohl in der heutigen Zeit Berufsentscheidungen reversibel sind, führt eine zunächst ungeeignete Berufswahl höchstwahrscheinlich zu einem Verlust an Lebensqualität und Lebenszeit. Spätere Korrekturen sind zwar möglich, aber meist mit höherem Aufwand im Hinblick auf Umschulungen oder Zusatzausbildungen verbunden. Vor diesem Hintergrund ist die erste Wahl des Berufes eine schwierige und folgenreiche Entscheidung.

In der vorliegenden Arbeit sollen entscheidende Determinanten in der Berufswahl aufgezeigt werden, wobei der Fokus der Untersuchung auf dem Teilaspekt der Werthaltungen liegt. Dazu werden die in der Literatur am meisten diskutierten Werthaltungen herausgegriffen sowie zusätzlich zwischen dem individualistischen und kollektivistischen Kulturkreis verglichen. Die Analyse soll sich dabei auf die innerhalb vergleichbare Gruppe der Studierenden beschränken, welche ihr angestrebtes Berufsfeld mit der Wahl ihres Studiengangs bereits eingegrenzt und damit erste Schritte zur Realisierung ihres Berufswunsches eingeleitet haben. Auszubildende werden im Rahmen der vorliegenden Arbeit vernachlässigt. Diese bleiben indessen interessant für weiterführende Untersuchungen.

Gang der Untersuchung:

Das erste Kapitel beschäftigt sich zunächst mit einer kurzen Hinführung zum Thema und der Beschreibung des Aufbaus der Arbeit. Im zweiten Kapitel wird der wissenschaftliche Hintergrund einerseits zur Berufswahl und andererseits zum Individualismus bzw. Kollektivismus näher erläutert. In den jeweiligen Unterkapiteln sind zunächst wesentliche Begriffe geklärt, weiterhin aktuell in der Literatur diskutierte theoretische Ansätze dargestellt und daraus die für diese Arbeit relevanten Teilaspekte herausgearbeitet. Das Ergebnis des zweiten Kapitels sind somit formulierte Fragestellungen, die den Untersuchungsgegenstand definieren. Das dritte Kapitel befasst sich dann mit dem Erhebungsdesign, woraufhin im vierten Kapitel die ausführliche Darstellung der Erhebungsergebnisse folgt. Die Erhebungsergebnisse werden im fünften Kapitel in ihrer Tendenz beschrieben, in Bezug auf die vorher formulierten Fragestellungen interpretiert, diskutiert sowie die gewonnenen Informationen insgesamt kritisch betrachtet. Das sechste und letzte Kapitel fasst schließlich das Forschungsergebnis substanziell zusammen und prognostiziert eine Tendenz.

Inhaltsverzeichnis:

0 Abbildungsverzeichnis 1
1. Einführung 2
1.1 Hinführung zum Thema 2
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2. Theoretischer Hintergrund 3
2.1 Berufswahl 3
2.1.1 Begriffsklärung 3
2.1.2 Zuordnungstheorien der Berufswahl 8
2.1.3 Einflussfaktoren in der Berufswahl 10
2.2 Kultur und kulturelle Unterschiede 14
2.2.1 Begriffsklärung 14
2.2.2 Kulturstandards und Kulturdimensionen 14
2.2.3 Individualismus vs. Kollektivismus 15
2.3 Abgeleitete Fragestellungen 18
2.3.1 Inwieweit bedingen Werthaltungen die Berufswahl 18
2.3.2 Inwieweit bestehen Unterschiede in den Werthaltungen beider Kulturkreise 19
3. Erhebungsdesign zur qualitativen Befragung 19
3.1 Vorbereitung der Erhebung 19
3.1.1 Auswahl der Methode 19
3.1.2 Erstellung des Befragungsleitfaden 20
3.1.3 Auswahl der Befragungsteilnehmer 21
3.2 Vorgehen bei der Erhebung 22
3.2.1 Einstieg in die Befragung 22
3.2.2 Durchführung der Befragung 22
3.2.3 Abschluss der Befragung 23
3.3 Auswertung der Erhebung 23
3.3.1 Aufbereitung der Informationen 23
3.3.2 Bildung der Kategorien 23
4. Darstellung der Ergebnisse 25
4.1 Beschreibung der Befragungsteilnehmer 25
4.1.1 Nationalität 25
4.1.2 Alter 26
4.1.3 Kontakthäufigkeit zu den Eltern 26
4.1.4 Studiengang und Berufswunsch 27
4.2 Ergebnisse in Bezug auf individuelle Werthaltungen 29
4.2.1 Leistungsorientierung 29
4.2.2 Machtorientierung 30
4.2.3 Kontaktorientierung 31
4.2.4 Sonstige Orientierungen 33
4.3 Ergebnisse in Bezug auf die Ausrichtung der Berufswahl 33
4.3.1 Werthaltungen 33
4.3.2 Interessen 35
4.3.3 Selbsteinschätzung 36
4.3.4 Weitere Einflüsse 37
5. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse 38
5.1 Betrachtung der Fragestellungen 38
5.1.1 Inwieweit bedingen Werthaltungen die Berufswahl 38
5.1.2 Inwieweit bestehen Unterschiede in den Werthaltungen beider Kulturkreise 42
5.2 Kritische Betrachtungen 44
5.2.1 Kritik an den gewonnen Informationen 44
5.2.2 Kritik an der angewandten Methode 46
6. Fazit 47
7. Anhang (Interviewleitfaden) 48
8. Literaturverzeichnis 50

Textprobe:

Kapitel 2.2.2, Kulturstandards und Kulturdimensionen:

Nach Prodolliet stellt Kultur als Orientierungssystem für die Mitglieder einer Gesellschaft oder einer Gruppe, die sich über religiöse, ethnische oder andere soziale Zugehörigkeit definieren können, sogenannte Kulturstandards bereit. Dabei handelt es sich um Handlungsweisen, Denk- und Ordnungssysteme, die von der Mehrzahl der Mitglieder einer Kultur grundsätzlich akzeptiert und als richtig bzw. angemessen für bestimmtes Agieren und Reagieren in bestimmten Situationen vorausgesetzt werden. Die kulturvergleichende Psychologie richtet ihren Blick letztlich auf die Gewohnheiten eines Volkes, eines Stammes, einer Gruppe bzw. eines Kollektivs. Die Erarbeitung von Kulturstandards hat dabei die Absicht, interkulturelle Begegnungen besser beschreiben und vorhersagen zu können. Denn bei der Untersuchung kultureller Zusammenhänge finden sich Gruppen von Menschen, die gemäß ihrer Grundsätze unterschiedlich denken, fühlen und handeln. Laut Straub & Thomas gibt es keine wissenschaftlichen Normen, anhand derer eine Gruppe einer anderen Gruppe als überlegen oder unterlegen einzustufen ist. Vielmehr liegt der Forschungsschwerpunkt im Sinne kultureller Dimensionen auf der systematischen Erforschung und Abstrahierung kultureller Unterschiede. Diese kulturellen Dimensionen können dann die Klassifizierung von Kulturen vereinfachen sowie die Analyse der Auswirkungen kultureller Unterschiede erleichtern. Die Grundlagen der kulturellen Dimensionen sind von verschiedenen Autoren geschaffen worden. Am bekanntesten – auch am meisten angewandt – sind die Dimensionen von Hofstede und Trompenaars/ Hampden-Turner. Diese wurden von anderen Forschern unabhängig validiert und ergänzt. In der vorliegenden Arbeit sollen die Dimensionen der Vollständigkeit halber nur erwähnt, aber aus mangelnden Relevanzgründen nicht näher beschrieben werden.

Die wohl am meisten zitierte Dimension von Hofstede ist die des Individualismus vs. Kollektivismus. Diese Dimension ist Gegenstand dieser Arbeit und damit im nachfolgenden Unterkapitel detailliert ausgeführt. Weitere vier Dimensionen von Hofstede, die nach Dahl zunehmend an Bedeutung gewinnen, sind die Dimensionen der Maskulinität vs. Femininität, der Risikobereitschaft vs. Unsicherheitsvermeidung und des Ausmaßes der Machtdistanz. Die Dimension der Langzeit- vs. Kurzzeitorientierung, welche auf dem Prinzipien des Konfuzianismus beruht sowie von den Forschungen der Chinese Culture Connection stammt, wurde zusätzlich eingefügt.

Trompenaars/ Hamden-Turner haben ebenso fünf kulturelle Dimensionen identifiziert. Diese sind zumindest in einigen Bereichen mit denen von Hofstede zu vergleichen, jedoch weniger unabhängig validiert. Aus diesem Grunde werden die Dimensionen eher von Praktikern als von Wissenschaftlern angewandt. Die Dimension des Individualismus vs. Kommunitarismus ist dabei nahezu identisch mit der Individualismus vs. Kollektivismus Dimension von Hofstede.

Individualismus vs. Kollektivismus:

Hofstedes Dimension des Individualismus vs. Kollektivismus beschäftigt sich vor allem mit der Prioritätensetzung innerhalb der Gesellschaft entweder auf das Individuum oder auf die Gruppe. In einer individualistisch ausgeprägten Gesellschaft steht das Individuum im Vordergrund. Der Individualismus beschreibt Gesellschaften, in denen die Bindungen zwischen den Individuen eher locker sind. Es ist wichtig seinen Weg zu gehen, gegen den Strom zu schwimmen. Der Kollektivismus beschreibt Gesellschaften, in denen der Mensch von Geburt an in starke geschlossene Gruppen integriert ist, die ihn ein Leben lang schützen, dafür aber bedingungslose Loyalität verlangen. In dieser kollektivistisch ausgeprägten Gesellschaft steht die Gruppe als Gesamtheit im Vordergrund und ist wichtiger als die Selbstverwirklichung der einzelnen Gruppenmitglieder. Die erste Gruppe in unserem Leben ist die Familie, in die wir hinein geboren werden. Allerdings unterscheiden sich die Familienstrukturen in den unterschiedlichen Gesellschaftsformen.

In dem kollektivistisch ausgeprägten Kulturkreis besteht die Familie aus einer Reihe von Menschen, die eng zusammenleben. Nicht nur Eltern und Geschwister beeinflussen das Aufwachsen, auch Großeltern, Onkel, Tanten und andere Mitbewohner bilden die Wir-Gruppe. Im individualistisch ausgeprägten Kulturkreis ist das Interesse des Individuums dem Interesse der Gruppe übergeordnet. Hier werden die meisten Kinder in kleinere Familien, die meist nur aus zwei Elternteilen und wenigen Geschwistern bestehen, hineingeboren. Verwandte wohnen häufig nicht in der unmittelbaren Nähe und werden auch selten besucht. Die Kinder lernen, sich selbst als Ich zu begreifen. Das klassifiziert sie nicht nach ihrer Gruppenzugehörigkeit, sondern nach ihrer persönlichen Identität, also nach ihren individuellen Merkmalen.

Nachstehend sind die für die vorliegende Arbeit relevanten werthaltungsbezogenen Auffassungen im individualistischen und kollektivistischen Kulturkreis herauskristallisiert und gegenübergestellt.

Auffassungen zur Leistung: Individualistischer Kulturkreis: Die Identität ist im Individuum begründet. Kinder lernen in Ich-Begriffen zu denken. Erfolge steigern demnach den wirtschaftlichen Wert und die Selbstachtung. Misserfolge hingegen führen zu Schuldgefühlen und zum Verlust der Selbstachtung. Selbstverwirklichung ist ein angestrebtes Endziel. Jeder soll seine eigene Meinung haben. Freiheit in Bezug auf die Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeit wird angestrebt. Herausforderung in der Aufgabe soll gegeben sein.

Kollektivistischer Kulturkreis: Die Identität ist im sozialen Netzwerk begründet, dem man angehört. Kinder lernen in Wir-Begriffen zu denken. Erfolge schaffen Zugang zu Gruppen mit höherem Status. Misserfolge hingegen führen zu Beschämung und Gesichtsverlust für die eigene Person und die Gruppe. Harmonie und Einigkeit in der Gruppe sind angestrebte Endziele. Meinungen sind durch die Zugehörigkeit einer Gruppe vorherbestimmt. Die physische und psychische Beschaffenheit der Bedingungen im Arbeitsumfeld ist ebenfalls wichtig.

Auffassungen zur Macht: Individualistischer Kulturkreis: Macht wird eher durch Kompetenz erlangt. Macht bedeutet Verantwortung. Führung meint Führung von Individuen. Die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter ist ein Vertrag, der sich auf gegenseitigen Nutzen gründet. Einstellungs- und Beförderungsentscheidungen sollen ausschließlich auf individuellen Fertigkeiten und organisatorischen Regelungen beruhen.

Kollektivistischer Kulturkreis: Macht wird eher durch Alter erlangt. Macht bedeutet Respekt. Führung meint Führung von Gruppen. Die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter wird an moralischen Maßstäben gemessen, ähnlich einer familiären Bindung. Einstellungs- und Beförderungsentscheidungen berücksichtigen die Wir-Gruppe des Mitarbeiters.

Auffassungen zum sozialen Kontakt: Individualistischer Kulturkreis: Menschen wachsen heran, um ausschließlich für sich selbst und ihre direkte (Kern-) Familie zu sorgen. Seine Meinung in der Gruppe zu äußern ist Kennzeichen eines aufrichtigen Menschen. Die Interessen des Einzelnen haben Vorrang. Ebenso werden Aufgaben den Beziehungen vorgezogen. Die Medien sind die erste Quelle, aus der man sich Informationen beschafft.

Kollektivistischer Kulturkreis: Menschen werden in Großfamilien oder andere Wir-Gruppen hineingeboren, die sie weiterhin schützen und im Gegenzug Loyalität erhalten. In der Gruppe soll Harmonie bewahrt und direkte Auseinandersetzung vermieden werden. Gemeinsame Interessen haben Vorrang. Beziehungen werden Aufgaben vorgezogen. Das soziale Netz ist die erste Quelle, aus der man sich Informationen beschafft.

Im Rahmen der vergleichenden Untersuchung von ausgewählten Werthaltungen in der vorliegenden Arbeit wird der Kulturaspekt mit den jeweilig differierenden Auffassungen im individualistischen und kollektivistischen Kulturkreis eine entscheidende Rolle spielen.

Arbeit zitieren:
Kutz, Nadine August 2007: Determinanten in der Berufswahl, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Personalentwicklung, Berufswahl, Werte, Kulturdimensionen, Berufswunsch

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