Die Deregulierung des Strommarkts in den Vereinigten Staaten von Amerika und insbesondere des Bundesstaates Kalifornien
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marc-M. Wild
- Abgabedatum: Dezember 2001
- Umfang: 102 Seiten
- Dateigröße: 629,4 KB
- Institution / Hochschule: Universität - Gesamthochschule Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5233-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5233-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5233-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wild, Marc-M. Dezember 2001: Die Deregulierung des Strommarkts in den Vereinigten Staaten von Amerika und insbesondere des Bundesstaates Kalifornien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Strom, USA, Deregelierung, Kalifornien, Energie
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Diplomarbeit von Marc-M. Wild
Einleitung:
Traditionell wurde die Elektrizitätswirtschaft in ihrer Gesamtheit als natürlicher Monopolbereich angesehen, von dem angenommen wurde, dass sich kein wirksamer Wettbewerb bilde und der demnach zu regulieren sei. Als Gegenleistung für die Beistimmung eines Monopolstatus, bei dem unter Aufsicht einer Regulierungsinstitution keine Überrenditen erzielt werden sollten und die Unternehmen keinem Risiko durch Wettbewerb ausgesetzt waren, wurden den Unternehmen soziale und politische Verpflichtungen auferlegt. Die Sichtweise wird in der heutigen Zeit jedoch als überholt angesehen, auch wenn sich der Ordnungsrahmen der Stromwirtschaft in den entwickelten Ländern lediglich sukzessiv verändert.
Ein deutlicher Wandel hin zu Deregulierungstendenzen in der Elektrizitätswirtschaft ist seit Anfang der neunziger Jahre in verschiedenen Ländern zu beobachten. In Nordamerika ist der Deregulierungsprozess auf unterschiedliche Weise in den einzelnen Bundesstaaten strukturiert und uneinheitlich vorangeschritten. Mit der Umstrukturierung der Elektrizitätswirtschaft in Kalifornien übernahm der westliche Bundesstaat die Vorreiterrolle in den USA. Unvorhergesehne Begebenheiten stellten dabei den kalifornischen Strommarkt vor Probleme, die den weiteren Verlauf nach Inkrafttreten der Regulierungsreformen drastisch beeinflussten.
Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst einen Überblick über die elektrizitätswirtschaftlichen Deregulierungsdiskussionen im Allgemeinen zu verschaffen sowie die grundsätzlichen stromwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Vereinigten Staaten von Amerika darzustellen. Im Speziellen werden der Deregulierungsprozess und die Folgen auf dem Strommarkt im Bundesstaat Kalifornien bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | I | |
| Tabellenverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | I | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Regulierung und Deregulierung | 2 |
| 2.1 | Begriffsbestimmung | 2 |
| 2.2 | Zur Theorie der Regulierung | 2 |
| 2.2.1 | Normative Theorie der Regulierung | 3 |
| 2.2.1.1 | Natürliche Ausnahmebereiche | 3 |
| 2.2.1.2 | Politische Ausnahmebereiche | 6 |
| 2.2.2 | Positive Theorie der Regulierung | 7 |
| 2.3 | Die Regulierung der Elektrizitätswirtschaft | 8 |
| 2.3.1 | DasMarktverhalten | 8 |
| 2.3.2 | DieMarktstruktur | 8 |
| 2.3.3 | Der Marktzutritt | 9 |
| 2.3.4 | Besonderheiten in der Elektrizitätswirtschaft | 10 |
| 2.4 | Ordnungstheoretische Implikationen der Deregulierung | 11 |
| 2.4.1 | Die Deregulierung im engeren Sinne | 11 |
| 2.4.2 | Institutionelle Restrukturierungen | 13 |
| 2.4.3 | Alternativen zur Regulierung | 14 |
| 2.5 | Schlussbetrachtung | 14 |
| 3. | Die Stromwirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika | 15 |
| 3.1 | Historie | 15 |
| 3.2 | Die Infrastruktur der US amerikanischen Stromwirtschaft | 16 |
| 3.3 | Gesetzliche Bestimmungen auf Bundesebene | 18 |
| 3.3.1 | Der Public Utility Holding Company Act von 1935 | 18 |
| 3.3.2 | Der Public Utility Regulatory Policies Act von 1978 | 19 |
| 3.3.3 | Der Energy Policy Act von 1992 | 19 |
| 3.3.4 | Die Regulierungspolitik der FERC | 20 |
| 3.3.4.1 | Die Order 888 und 889† | 20 |
| 3.3.4.2 | Die Order 2000 | 22 |
| 3.4 | Gesetzliche Bestimmungen auf einzelstaatlicher Ebene | 23 |
| 3.5 | Derzeitiger Stand des Deregulierungsprozesses in den USA | 23 |
| 4. | Die Grundzüge der Deregulierung des Strommarkts in Kalifornien | 25 |
| 4.1 | Hintergründe und politische Maßnahmen der Deregulierung | 25 |
| 4.2 | Die veränderten Marktstrukturen | 27 |
| 4.2.1 | Die Großhandelsstufe | 27 |
| 4.2.1.1 | Erzeugung | 27 |
| 4.2.1.2 | Transport | 28 |
| 4.2.1.3 | Stromhandel | 29 |
| 4.2.1.3.1 | Die Strombörse CalPX | 30 |
| 4.2.1.3.1.1 | Der day-ahead-Markt | 31 |
| 4.2.1.3.1.2 | Der hour-ahead-Markt | 32 |
| 4.2.1.3.2 | Bilaterale Verträge | 32 |
| 4.2.1.3.3 | Der Ausgleichshandel | 33 |
| 4.2.1.3.4 | Block Forwards | 34 |
| 4.2.2 | Der Endverbrauchermarkt | 35 |
| 4.2.2.1 | Verteilung | 35 |
| 4.2.2.2 | Die Competition Transition Charge | 36 |
| 5. | Probleme in der deregulierten Stromwirtschaft von Kalifornien | 37 |
| 5.1 | Überblick | 37 |
| 5.2 | Anstieg des Elektrizitätsverbrauchs | 40 |
| 5.3 | Rückgang der Erzeugungskapazitäten | 42 |
| 5.3.1 | Fehlende Investitionen | 45 |
| 5.3.2 | Wasserkraftanlagen | 46 |
| 5.3.3 | Importe und Exporte | 49 |
| 5.4 | Steigende Kosten | 51 |
| 5.4.1 | Primärenergieträger | 51 |
| 5.4.2 | Emissionszertifikate | 53 |
| 5.5 | Marktmacht auf der Angebotsseite | 55 |
| 5.5.1 | Die Zusammenhänge des CAISO und CalPX Marktes | 56 |
| 5.5.1.1 | Der Ersatzreservemarkt | 58 |
| 5.5.1.2 | Die out-of-market Käufe | 59 |
| 5.5.1.3 | RMR Verträge | 60 |
| 5.5.2 | Anwendung strategischer Vorenthaltungskapazitäten | 62 |
| 5.6 | Regulierungsversagen auf der Nachfrageseite | 65 |
| 5.6.1 | Long-Term Verträge | 65 |
| 5.6.2 | Endpreisregulierung | 67 |
| 5.7 | Zusammenfassung | 68 |
| 6. | Neuere Entwicklung auf dem kalifornischen Strommarkt | 70 |
| 6.1 | Reaktionen und Maßnahmen zur Energiekrise | 70 |
| 6.1.1 | Vereinigte Staaten von Amerika | 71 |
| 6.1.2 | Bundesstaat Kalifornien | 74 |
| 6.2 | Derzeitiger Stand | 76 |
| 7. | Fazit | 80 |
| Literaturverzeichnis | IV |
Tab. 1: Stromnachfrage in Kalifornien nach Verbrauchergruppen Quelle: EIA 2000 (c) S. 30 und CEC 2001 (b); eigene Berechnung In den Sommermonaten im Jahre 2000 und in den Wintermonaten 2000/2001 intensivierte sich die Nachfrage der Endverbraucher aufgrund der Wetterbedingungen in Kalifornien und dem gesamten Nordwesten der USA. In den Sommermonaten lagen in Kalifornien durch den viertheißesten Sommer seit 106 Jahren die Temperaturen weit über dem Durchschnitt107. Aufgrund der erhöhten Beanspruchung der energieverbrauchenden Klimaanlagen stieg die Nachfrage nach Strom auf das bis dahin höchste Elektrizitätsniveau. Die Hitzewelle und die dadurch erhöhte Elektrizitätsnachfrage überstieg die Stromnachfrageerwartungen der Versorgungsunternehmen und führte dazu, dass die EltVU den Bedarf der Endverbraucher nicht decken konnten. Die anhaltend große Nachfrage brach auch in den Folgemonaten nicht ab, zudem in den kalten und trockenen Wintermonaten 2000/2001 (die drittkältesten Temperaturen seit dem Jahr 1895 in Kalifornien) der Bedarf an Strom im Vergleich zu den Vorjahren deutlich höher war108. [...]
gen der Energiepreiserhöhung und Netzsystemausfälle ergab, dass 43% von 737 befragten Betrieben Mitarbeiter entlassen mussten und ihre Gewinne um durchschnittlich 14% sanken. Der Zubau von neuen Rechenzentren wurde in Frage gestellt, da die Computer eine zu große Belastung für das überforderte Stromnetz darstellten. Schon eine Stromunterbrechung von wenigen Sekunden konnte für die Unternehmen die während der kalifornischen Stromausfälle die Produktion einstellen mussten einen Verlust von mehreren hunderttausend Dollar bedeuten. Zur Stabilisierung der Produktionsabläufe versorgten sich unter anderem die Unternehmen im kalifornischen Silicon Valley, dem Epizentrum der globalen High-Tech-Industrie, mit Generatoren zur Eigenstromerzeugung101. Bis zum Ausbruch der Krise hatte lediglich SDG&E seine versunkenen Kosten refinanziert und konnte daher seine Strompreise für Haushalte und kommerzielle Kunden an die gestiegenen Einstandspreise auf den Spotmärkten anpassen. Die übrigen IOUs durften dies nicht und gerieten daher bereits im Herbst 2000 in Liquiditätsprobleme102. Die Preise auf den Großhandelsmärkten stiegen von 25 US-$/MWH auf teilweise über 3000 US-$/MWh an103. Bis April des Jahres 2001 hatte sich die Verschuldung von PG&E und SCE auf 14 Milliarden US-$ aufgestockt und Pacific Gas & Electric musste das Insolvenzverfahren einleiten. SCE blieb das Konkursverfahren vorerst erspart, da der Staat die Übertragungsleitungen des Stromnetzes, die im Eigentum von SCE waren, zu einem Preis von 2,8 Milliarden Dollar kaufte104. In Kalifornien wurden aufgrund der Strompreiserhöhungen und der Stromunterbrechungen die Stimmen in der Bevölkerung vermehrt lauter, zu einer Rückregulierung der Elektrizitätswirtschaft zurückzukehren, da das Ausmaß der Deregulierung zum Gegenteil der erhofften Strompreissenkungen führte und [...]
zulässig war, vorübergehend vom Netz getrennt. Anfang des Jahres 2001 spitzte sich die Versorgungssituation so zu, dass auch Haushaltskunden ohne Vorwarnung in mehreren Städten Kaliforniens im Rotationsverfahren von der CAISO vom Strom abgeschaltet wurden. Der kalifornische Gouverneur Gray Davis rief mehrere Elektrizitätsnotstände aus und allein in der Zeit vom 11. Januar bis zum 15. Februar 2001 galt an 31 Tagen die höchste Alarmstufe. Am 18. Januar 2001 wurde die Stromversorgung von 2 Mill. Kunden in einzelnen Orten über 90 Minuten unterbrochen. Die Stromausfälle setzten sich in den Folgemonaten in mehreren kalifornischen Gebieten fort, wobei die CAISO die Stromabschaltungen ohne Vorwarnung der Konsumenten vornahm97. In Kalifornien waren dies die ersten Stromsperren seit dem zweiten Weltkrieg98. Vor allem für die Haushalts- und Kleingewerbekunden in Kalifornien sanken nach Einführung der Reformen aufgrund der Höchstpreisregulierung zunächst die Strompreise. Mitte des Jahres 2000 stiegen die Preise der Endverbraucher in einzelnen Regionen jedoch nachdrücklich an. Die Konsumenten die mit den IOUs keinen Stromlieferungsvertrag abgeschlossen hatten, mussten durchschnittlich eine Verdopplung ihrer Stromrechnungen hinnehmen und die Endverbraucher die ihren Strom von den alteingesessenen Versorgungsunternehmen bezogen, bezahlten den maximalen Preis an der Obergrenze. Die Preise für Spitzenlaststrom zogen bereits im Jahre 1999 leicht an. Im Jahr 2000 „explodierten“ sie auf bis zu 14 US-Cent für die Kilowattstunde. Dies war ein Vielfaches der vorher üblichen Preise, die beispielsweise im Juni des Vorjahres im Mittel bei 3,9 US-Cent pro KWh lagen99. Die Krise eröffnete der kalifornischen Industrie erhebliche Wettbewerbsnachteile, die zu einer Verlagerung einiger Produktionsstätten in andere Regionen führte. Dies mündete in einen substantiellen Arbeitsplatzverlust100. Eine Umfrage unter den amerikanischen Industrieverbandsmitgliedern über die Fol- [...]
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Arbeit zitieren:
Wild, Marc-M. Dezember 2001: Die Deregulierung des Strommarkts in den Vereinigten Staaten von Amerika und insbesondere des Bundesstaates Kalifornien, Hamburg: Diplomica Verlag
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