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Depressionen und komorbide Störungen bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen

Depressionen und komorbide Störungen bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Lüdtke
  • Abgabedatum: Dezember 2003
  • Umfang: 169 Seiten
  • Dateigröße: 2,5 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9301-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9301-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9301-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lüdtke, Thomas Dezember 2003: Depressionen und komorbide Störungen bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Angststörung, Aggression, AD/HS, Essstörung, Selbstbeurteilungsbögen

Diplomarbeit von Thomas Lüdtke

Zusammenfassung:

Noch vor etwa dreißig Jahren war die Wissenschaft der Meinung, dass Depressionen bei Kindern und Jugendlichen nicht auftreten. Lange Zeit galt dann die Depression bei Kindern und Jugendlichen als entwicklungsspezifische Störung und nicht als eigenständiges Krankheitsbild. Heute erscheinen Depressionen in vielen Studien und Statistiken nicht nur als die häufigste aller psychischen, sondern auch als die häufigste aller chronischen Krankheiten, unter denen Kinder und Jugendliche leiden. Erschwerend für die Erkennung und Diagnosestellung sind die entwicklungsabhängigen Variationen im klinischen Erscheinungsbild und die häufige Komorbidität z.B. mit Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen, Lernstörungen, Störungen des Sozialverhaltens und später auch Essstörungen und Drogenkonsum.

Häufig verdecken auffälligere Probleme wie Schulversagen, Schulverweigerung, soziale Isolation oder auch aggressives und delinquentes Verhalten eine dahinter liegende Depression.

Weitere Gründe für die zögerliche Diagnostik depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind erstens, die Unabhängigkeit von sozialen Einflüssen, die mit Zukunftsorientierung und Zukunftsplänen in Zusammenhang stehen, zweitens werden bei weitem weniger nachdrücklich als im Erwachsenenalter, Gefühle von Schuld, Hoffnungslosigkeit, niedrigem Selbstwertgefühl und Energielosigkeit aufrecht erhalten. Daher vermitteln Kinder und Jugendliche seltener einen traurigen, gequälten, verzweifelten, energielosen oder leeren Eindruck. Eher tritt eine agitierte, gereizte Form mit Ängsten und dissozialen Symptomen im Rahmen einer depressiven Verstimmung auf. Um so schwieriger ist daher zu erkennen, inwieweit die depressive Symptomatik die Komorbidität einer anderen Diagnose oder eine eigenständige Depression darstellt.

Auslöser von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen können sein: belastende Lebensumstände (z.B. Trennung der Eltern), längere Trennung von der Mutter oder dem Vater, Umzug oder Verlust wichtiger Bezugspersonen, chronischer schulischer Leistungsstress, Überforderung bzw. Leistungsdruck und Ausgrenzung aus den Peergroups.

Depressionen können aber auch ohne offensichtliche Auslöser oder erst längere Zeit nach belastenden Lebensereignissen auftreten. Genetische Dispositionen, wie beispielsweise depressive Erkrankungen der Eltern, erhöhen das Risiko einer Depressivität.

Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass ein bestimmter biologischer, genetischer, somatischer, biochemischer oder psychologischer Faktor allein für die Entstehung einer Depression verantwortlich ist. Nur ihr Zusammenwirken führt bei einem besonders disponierten Menschen zu einer depressiven Störung. Die Depression kann man sowohl von der biologischen Seite, als auch von der psychischen und psychosozialen Seite erklären und behandeln.

Die Auswirkungen depressiver Störungen auf die kognitiven und emotionalen Reifungs- und Entwicklungsvorgänge können schwerwiegend sein. Die Kinder und Jugendlichen haben schlechte schulische Leistungen, können ihre Leistungsdefizite nicht wieder aufholen, bekommen familiäre Probleme, verlieren Freunde und Kontakte zu Gleichaltrigen und fühlen sich allein gelassen und unverstanden. Sie bleiben auch hinsichtlich der Entwicklung sozialer und emotionaler Konflikt- und Bewältigungsstrategien zurück.

Neben den depressiven Störungen im engeren Sinne treten wie bereits erwähnt depressive Verstimmungen bei Kindern und Jugendlichen oft auch als Bestandteil anderer psychiatrischer Störungen auf. Dazu gehören:

Depressionen als Begleitsymptomatik bei Angstzuständen und Depressionen in Verbindung mit sogenannten externalisierenden Störungen, wie Aggressionen und AD/HS.

Die große Herausforderung für Eltern, Angehörige, Lehrer und Fachpersonen besteht darin, Kinder und Jugendliche mit depressiven Symptomen zu identifizieren, die oberflächlich dysphorisch, apathisch, provokant destruktiv, aggressiv oder auch unauffällig und ängstlich erscheinen und dadurch ihre latente Depressivität und Suizidalität verbergen. Sie können unter einer maskierten depressiven Störung leiden.

In diesem Sinne beschreibt die Arbeit im theoretischen Teil die Komorbidität von depressiven Störungen im Besonderen mit Angststörungen und Aggressionen sowie weiteren Verhaltensstörungen wie Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen und Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Abschließend betrachtet sie im empirischen Teil, anhand einer Studie bei 30 verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen einer lernpsychotherapeutischen Einrichtung, den Zusammenhang zwischen depressiver Störung und Verhaltensauffälligkeit.

Daraus ergibt sich folgende Hauptfragestellung für die Untersuchung:

Anhand einer subklinischen Studie von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren soll untersucht werden, wie viele Kinder und Jugendliche davon als komorbid depressiv einzuordnen sind.

Folgende Fragestellungen schließen sich daran an:

Verdeckt eine vordergründige Verhaltensauffälligkeit wie AD/HS eine vorliegende depressive Störung? Steigt die Zahl der depressiven Kinder und Jugendlichen, wie u.a. von RUTTER beschrieben, mit zunehmenden Alter an? Besteht ein empirischer Zusammenhang zwischen der intellektuellen Kompetenz der Kinder und Jugendlichen und depressiven Störungen? Hat das sozial-familiäre Umfeld (z.B. alleinerziehende Mütter oder Väter) der Kinder und Jugendlichen Einfluss auf eine depressive Störung.

Eine weitere wesentliche Überlegung dieser Studie besteht darin, ob im praktischen Ergebnis dieser Untersuchung ein Depressionstest für Kinder und Jugendliche in den Organisationsablauf des Aufnahmeverfahrens einer lernpsychotherapeutischen Einrichtung zu integrieren ist?

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 5
Vorwort 7
1. Einleitung 8
2. Depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen 13
2.1 Historische Entwicklung 13
2.2 Klassifikation und Symptomatik 14
2.3 Ursachen 19
2.3.1 Genetische Ursachen 20
2.3.2 Verlust- und Trennungsergebnisse 21
2.3.3 Erworbene Vulnerabilität 21
2.3.4 Bewältigungsstrategien 22
2.3.5 Protektive Faktoren 22
2.3.6 Theorie der gelernten Hilflosigkeit 23
2.3.7 Verhaltenstherapeutische Ansätze 23
2.3.8 Psychoanalytische Ansätze 24
2.4 Epidemiologie 25
2.5 Komorbidität 28
2.5.1 Beobachtbare Komorbidität 29
2.5.2 Kausale Komorbidität 29
2.5.3 Entwicklungsbezogene Komorbidität 30
2.5.4 Alters- und geschlechtsspezifische Komorbidität 30
2.5.5 Ursachen von Komorbidität 30
2.6 Behandlungsperspektiven 33
2.6.1 Kognitive Verhaltenstherapie 34
2.6.2 Interpersonelle Psychotherapie 35
2.6.3 Pharmakotherapie 36
2.6.4 Zusammenfassung 37
3. Depression und komorbide Störungen 40
3.1 Depression und Angststörungen 40
3.1.1 Beschreibung und Ursachen 40
3.1.1.1 Psychoanalytische Theorien 40
3.1.1.2 Kognitions- und handlungstheoretische Ansätze 41
3.1.1.3 Neurobiologische Aspekte 42
3.1.2 Klassifikation und Symptomatik 43
3.1.2.1 Panikstörung und Agoraphobie 45
3.1.2.2 Generalisierte Angststörungen und Phobien 46
3.1.3 Epidemiologie 48
3.1.4 Angststörungen im Kindes- und Jugendalter 49
3.1.4.1 Epidemiologie und Entwicklungsmerkmale von Kinderängsten 49
3.1.4.2 Phobische Störungen im Kindes- und Jugendalter 51
3.1.4.3 Generalisierte Angststörungen im Kindes- und Jugendalter 52
3.1.4.4 Schulangst bei Kindern und Jugendlichen 52
3.1.5 Komorbidität von Angststörungen und Depression 55
3.1.6 Diagnostik von Angststörungen im Kindes- und Jugendalter 56
3.1.7 Behandlungsperspektiven kindlicher Angststörungen 59
3.1.7.1 Pharmakologische Therapie 59
3.1.7.2 Verhaltenstherapie 60
3.1.7.3 Kognitive Therapie 61
3.1.7.4 Tiefenpsychologische Angstbewältigung 62
3.1.7.5 Zusammenfassung 63
3.2 Depression und Aggression 63
3.2.1 Begriffsdefinition 63
3.2.2 Theoretische Ansätze 65
3.2.2.1 Das psychoanalytisch – triebtheoretische Konzept 65
3.2.2.2 Die Frustrations- Aggressionshypothese 65
3.2.2.3 Die lerntheoretischen Ansätze 66
3.2.2.4 Verhaltensbiologische Theorien 67
3.2.3 Klassifikation der Aggression 68
3.2.4 Entwicklungsspezifische Symptomatik der Aggression 70
3.2.5 Geschlechtsmerkmale bei Aggressionen 71
3.2.6 Epidemiologie 72
3.2.7 Verlauf aggressiver Störungen 72
3.2.8 Autoaggression 74
3.2.9 Risikofaktoren 75
3.2.10 Komorbidität von Aggression und Depression 76
3.2.10.1 Epidemiologie des aggressiv-depressiven Störungsbildes 77
3.2.10.2 Erscheinungsbild der aggressiv-depressiven Störung 78
3.2.10.3 Behandlungsperspektiven 80
3.3 Komorbidität von Depression und weiteren Verhaltensauffälligkeiten 83
3.3.1 Depressionen und AD/HS 83
3.3.1.1 Begriffsbestimmung und Erscheinungsformen 83
3.3.1.2 Epidemiologie und Verlauf 85
3.3.1.3 Komorbidität 85
3.3.1.4 Behandlungsperspektiven bei AD/HS 86
3.3.2 Depression und Essstörungen 88
3.3.2.1 Bulimia nervosa 88
3.3.2.2 Anorexia nervosa 89
3.3.2.3 Adipositas 91
3.3.2.4 Behandlungsperspektiven bei Essstörungen 93
4.1. Intension der Untersuchung 97
4.2. Beschreibung der Testinstrumente 98
4.2.1 Methoden der Psychologischen Diagnostik 98
4.2.2 Probleme der Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen 99
4.2.3 Die Selbstbeurteilungsbögen 100
4.2.4 Das Beck-Depressions-Inventar (BDI) 101
4.2.5 Die Allgemeine Depressions Skala (ADS) 102
4.2.6 Der Depressionstest für Kinder (DTK) 104
4.2.7 Das Depressions-Inventar für Kinder und Jugendliche (DIKJ) 105
4.2.8 Vergleich und Auswertung 107
4.2.9 Ergebnis des Vergleichs 110
4.3. Beschreibung der Testsituation 111
4.4. Beschreibung der Untersuchungsgruppe 112
4.4.1 Lebensalter der Untersuchungsgruppe 113
4.4.2 Sozial-familiäre Verhältnisse der Untersuchungsgruppe 114
4.4.3 Komorbide Verhaltensstörungen in der Untersuchungsgruppe 115
4.4.4 Kognitive Kapazitäten der Untersuchungsgruppe 116
4.5. Auswertung der Selbstbefragungsbögen 118
4.5.1 Ergebnisse des Depressionstest DTK 118
4.5.2 Ergebnisse des Depressionstest DIKJ 126
5. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 136
6. Schlussbetrachtung 140
7. Literaturliste 143
8. Anhang 151

Automatisiert erstellter Textauszug:

häufiger als erwartet gemeinsam auftreten. Die komorbide Störung Aggression und Depression tritt häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf (REICHER 1998). ANGOLD/COSTELLO (1993) fanden in ihrer Arbeit über acht epidemiologischen Studien Komorbiditätsraten von Verhaltensstörungen bei depressiven Kindern und Jugendlichen zwischen 22,7% und 83,8%. Umgekehrt sind die Komorbiditätsraten von Depressionen bei anderen Verhaltensauffälligkeiten mit 8,5% bis 45,4% weitaus niedriger. Ein weiteres Ergebnis dieser Studie ist, dass die Häufigkeit von Aggressionen bei depressiven Kindern im Vergleich zu nicht depressiven Kindern um 3,6 bis 9,5 mal höher ist. Ihre Zusammenstellung durchgeführter Komorbiditätsstudien mittels DSM-IV und ICD-10 zeigte, dass bei 6% bis 40% der depressiven Kindern und Jugendlichen gleichzeitig auch eine Aggression diagnostiziert werden konnte. • Nach MCCONAUGHY/ACHENBACH (1994) lag die Komorbidität von Aggression und Depression bei 20,5%, wenn Kinder mit Aggressionen untersucht wurden, und bei 48,4%, wenn bei den Kindern eine depressive Störung diagnostiziert wurde. • In einer Studie von REICHER (1998) zur Untersuchung der Komorbidität zwischen Depressivität und Aggressivität nahmen ca. 600 Kinder und Jugendliche teil (ca. 250 Jungen und 350 Mädchen). Es ergaben sich Korrelationskoeffizienten zwischen den Depressivitäts- und Aggressivitätsscores von r = .43 bei Jungen und r = .33 bei den Mädchen. Signifikante Geschlechtsunterschiede finden sich, wie erwartet, in den Depressionsskalen, jedoch nicht in den Aggressionsskalen. In den Gruppen mit rein depressiver Symptomatik finden sich überdurchschnittlich viele Mädchen und ältere Jugendliche. In der komorbiden Gruppe finden sich jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. [...]

D. Soziale Fertigkeiten und Selbstachtung: WILLNER (1991) charakterisierte verhaltensauffällige, aggressive Kinder und Jugendliche wie folgt: Sie spielten seltener mit anderen Kindern, unterhielten sich weniger mit ihnen, ignorierten ihre Fragen, reagierten häufig aggressiv und feindselig, verhielten sich egozentrisch und insgesamt weniger positiv. Es zeigte sich, dass aggressive Kinder über Defizite im konkreten Umgang mit anderen Personen verfügten. E. Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen: WILLNER (1991) kam in seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass diese Kinder aufgrund ihres unangemessenen Sozialverhaltens von Gleichaltrigen zurückgewiesen werden. F. Einfluss der Massenmedien: Auf die Bedeutung von Massenmedien bei der Auslösung von aggressivem Verhalten bei Kinder und Jugendlichen, speziell das Ausmaß des Konsums gewalt- und aggressionsverherrlichender Filme und Spiele, sei hier im besonderen hingewiesen. [...]

3.2.5. Geschlechtsmerkmale bei Aggressionen Schon FESHBACH (1970) weist darauf hin, dass Geschlechtsunterschiede in der kindlichen und jugendlichen Aggression nicht auf verschiedene Motive zurückgehen (wie das bei den Erwachsenen angenommen wird) sondern die Unterschiede in der Ausführung der Aggression bestehen. Bei Jungen tritt erfahrungsgemäß mehr körperliche Aggression in den Vordergrund, Mädchen zeigen eher sozial unsicheres Verhalten (PETERMANN/PETERMANN 1991). Auch SEARS (1951) zeigte schon an einer Untersuchung von 150 Vorschulkindern, dass Jungen Aggressionen eher durch physische Gewalt zum Ausdruck bringen, während Mädchen sich auf verbale und symbolische Formen der Aggression beschränken (FESHBACH 1970). PETERMANN/PETERMANN (1991) verweisen in ihren Studien auf ein Verhältnis von 5:1 zwischen Jungen und Mädchen. [...]

Arbeit zitieren:
Lüdtke, Thomas Dezember 2003: Depressionen und komorbide Störungen bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Angststörung, Aggression, AD/HS, Essstörung, Selbstbeurteilungsbögen

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