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Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika

Anwendung des Konzepts der strategischen Gruppen auf den Einzelfall Namibia

Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Denis Gruber
  • Abgabedatum: Januar 2004
  • Umfang: 147 Seiten
  • Dateigröße: 2,8 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7824-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7824-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7824-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gruber, Denis Januar 2004: Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: südliches Afrika, strategische Gruppen, Entwicklungsland, Südafrika, Transformationsforschung

Magisterarbeit von Denis Gruber

Zusammenfassung:

In dieser Arbeit soll das Handeln von Akteuren in Transformationsprozessen, hier bezogen auf den konkreten Einzelfall Namibia, anhand des von der Bielefelder Schule der Entwicklungssoziologie entwickelten Konzeptes der ‚strategischen Gruppen’ erläutert werden, um die postkoloniale Entwicklung in Namibia analytisch zu beschreiben. Das Hauptaugenmerk beim Konzept der ‚strategischen Gruppen’ richtet sich auf gesellschaftliche Eliten der alten und neuen Nomenklatur und Intelligenz, die sich zu bestimmten Gruppen zusammenschließen und ein gemeinsames Aneignungsinteresse entwickeln. Es handelt sich demnach um einen Elitenansatz, der eine historische Analyse in den jeweils zu untersuchenden Gesellschaften zum Gegenstand hat und sich durch die verschiedenen Gesellschaftsformationen erstreckt.

Zu Beginn der Arbeit werden demokratietheoretische Überlegungen in Bezug auf die Transformationsforschung diskutiert. Hierbei werden frühere und gegenwärtige Herangehensweisen miteinander verglichen und herausgearbeitet, welche Dimension dem Demokratiepostulat in Modernisierungs- und Dependenztheorien sowie in heutigen akteurtheoretischen Überlegungen zugeschrieben wird. Hierbei soll ferner auf die Bedeutung des Begriffes ‚Demokratie’ im afrikanischen Kontext eingegangen werden. Zudem werden Gründe genannt, die es schwierig machen, das westlich orientierte Demokratiemodell in eine von seinem historischen Entstehungskomplex losgelöste Region zu implementieren.

Das dritte Kapitel befasst sich mit den theoretischen Überlegungen des strategischen Gruppen-Konzepts. Hierbei wird sowohl auf die Konzeptionen der Gründungsväter des Ansatzes, Hans-Dieter Evers und Tilman Schiel, eingegangen als auch auf die neueren Überlegungen zum Konzept der strategischen Gruppen. Im Mittelpunkt stehen hierbei die theoretischen Konzeptionen der Begründer des Konzeptes, insbesondere ihre Ausführungen zum Wachsen und zur Hybridisierung von strategischen Gruppen. Der folgende Unterpunkt befasst sich mit den Kategorien der ‚Strategie’ und des ‚strategischen Handelns’. Des weiteren wird auf die Kritik am Konzept der strategischen Gruppen eingegangen. Schubert, Tetzlaff et. al. erweiterten das strategische Gruppen-Konzept um das SKOG-Konzept, welches neben strategische auch konfliktfähige Gruppen beinhaltet. Die Berücksichtigung dieser definitorischen Unterscheidung in strategische und konfliktfähige Gruppen spielt für die Thematik dieser Arbeit insofern eine wichtige Rolle, dass sie eine nützliche Grundlage bietet, den Transitionsprozess Namibias vom autoritären zum demokratischen System im vierten Kapitel darzustellen.

Nach der abgeschlossenen theoretischen Rahmung des Forschungsgegenstandes werden die Sachverhalte nun konkret auf das zu untersuchende Fallbeispiel Namibia bezogen. Das Hauptaugenmerk dieses Kapitels richtet sich auf die lange Periode des Befreiungskampfes des namibischen Volkes, der überwiegend von der SWAPO, gegen das südafrikanische Besatzerregime geführt wurde. Der dritte Abschnitt dieses Kapitels bezieht sich auf die Transition vom autoritären zum demokratischen System in Namibia. Hierbei wird veranschaulicht, dass Namibia keinen idealtypischen Transitionsverlauf vollzog, sondern aufgrund einer Fülle von Verflechtungszusammenhänge und historischen Besonderheiten, Beispiel eines eher untypischen Verlaufs (‚ausgehandelte Transition’) ist.

Im fünften Kapitel dieser Arbeit soll das Konzeptes der ‚strategischen Gruppen’ auf den Einzelfall Namibia angewandt werden. Die Entstehung von strategischen Gruppen fällt wie auch im Falle des südwestafrikanischen Staates Namibia mit einer Periode des grundlegenden Wandels und Umbruchs des gesellschaftlichen Systems zusammen. Dieser grundlegende Wandel erfolgte in Namibia mit der Phase des Übergangs vom kolonialen zum postkolonialen Staat. Für den Kontext dieser Arbeit ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass die Analyse des Handelns ‚strategischer Gruppen’ in Namibia nur unter Berücksichtigung der kolonialen Vergangenheit sowie der derzeitigen postkolonialen Entwicklung erfolgen kann. Hervorstechend ist hierbei die dominante Rolle der SWAPO, besser ihrer politischen Elite. Ich möchte beim Einzelfall Namibia von einer ‚strategischen Allianz’ sprechen, die eine Gruppenfiguration darstellt, die unter der Hegemonie der politischen Elite steht. Die Herausbildung und das Wachsen dieser ‚strategischen Allianz’ stehen im Zentrum der Überlegungen in den ersten beiden Abschnitten des fünften Kapitels. Ausgangspunkt der ‚strategischen Allianz’ ist die Analyse der strategischen Gruppe der politischen Elite, die sich aus der politischen Partei der SWAPO bildet. Diese politische Elite verstand es schnell, das politische System nach Gutdünken zu bestimmen und gemeinsame Interessen zu verfolgen, die darauf gerichtet waren, die errungenen Machtpositionen abzusichern und damit verbundene Aneignungsstrategien und -möglichkeiten aufrechtzuerhalten bzw. zu erweitern. Da Veränderungen im politischen System auch zwangsläufige Auswirkungen auf die anderen gesellschaftlichen Teilsysteme haben, musste sich die politische Elite mit strategischen Gruppen dieser Teilsysteme auseinandersetzen.

Daher soll im dritten Abschnitt des fünften Kapitels auf weitere strategische Gruppen anderer gesellschaftlicher Teilsysteme eingegangen werden. Hierbei soll einerseits aufgezeigt werden, welche Koalitionen, Bündnisse und Zweckbeziehungen die einzelnen strategischen Gruppen eingehen, und anderseits verdeutlicht werden, welche Rivalitäten, Spannungen und Kämpfe zwischen solchen Gruppen bestehen bzw. ausgetragen werden, um sich sowohl gesellschaftliches Mehrprodukt (Surplus) als auch materielle und nicht-materielle ‚strategische Ressourcen’ anzueignen. Im Einzelnen beziehe ich mich hierbei auf die Gruppen der Staatsbeamten, führende Militärs, wirtschaftliche Unternehmer, Professionals, traditionelle Autoritäten und religiöse Spezialisten in Namibia. Der folgende Abschnitt befasst sich mit Handlungsmustern strategischer Gruppen, wobei darauf verwiesen wird, dass diese sich in erster Linie auf die Gruppe der politischen Elite beziehen. Auch für andere strategische Gruppen können die Handlungsmuster der ‚politisierten Ethnizität’, des Neopatrimonialismus, Nepotismus, Klientelismus, Korruption und der Patronage, zur Sicherung der Reveneuen und Ressourcen existieren. Hierbei soll jedoch der Schwerpunkt der Analyse von Handlungsmustern, aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit und der teilweisen Nicht-Behandlung dieses Aspekts in der wissenschaftlichen Lektüre, auf der politischen Elite liegen.

Im abschließenden Fazit werden die angesprochenen Fakten nochmals verdeutlicht und Ausblicke zur postkolonialen Entwicklung im Hinblick auf die Existenz bestehender strategischer Gruppen geliefert werden. Des Weiteren möchte ich an dieser Stelle einen Ausblick vornehmen, wie man die Rolle von strategischen Gruppen in Demokratien bewerten könne.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Konzeptuelle Rahmung des Forschungsgegenstands 15
2.1 Demokratietheoretische Überlegungen in Bezug auf die Transformationsforschung 15
2.1.1 Frühere Ansätze: Modernisierungs- und Dependenztheorien 15
2.1.2 Gegenwärtigen Ansätze in der Entwicklungssoziologie und der Transformationsforschung 17
2.2 Zur Bedeutung von ‚Demokratie’ im afrikanischen Kontext 21
2.2.1 Demokratisierungswelle Afrikas: Ein Resultat des endenden Ost-West-Antagonismus 21
2.2.2 Ein neuerlicher ‚Afro-Pessimismus’: Demokratisierung der Machtlosigkeit 22
2.3 Verschiedene Ansätze der Transformationsforschung 26
2.3.1 Nie endender Antagonismus? Die zwei Soziologien: Systemtheorie vs. Akteurtheorie 26
2.3.2 Systemtheoretische Überlegen 27
2.3.3 Akteurtheoretische Überlegungen 29
2.3.4 Zur Kritik an systemtheoretischen und akteurtheoretischen Ansätzen 31
2.4 Weiterführende Überlegungen zu Akteurkonstellationen 32
2.4.1 Zu den Überlegen von Norbert Elias’ Spielmodellen 33
2.4.2 Akteur-Struktur-Dynamiken von Uwe Schimank 35
3. Eine akteurtheoretische Herangehensweise: Das Konzept der strategischen Gruppen 38
3.1 Von der Gruppe zur ‚strategischen Gruppe’ 39
3.2 Die Gruppe – eine Figuration 43
3.2 Der Bielefelder Ansatz: Ein Elitenkonzept 45
3.3 Zur Charakteristik strategischer Gruppen 47
3.4 Zu den Grundlagen des Bielefelder Ansatzes: Strategie und strategisches Handeln 50
3.5 Zur Kritik am Konzept der ‚strategischen Gruppen’ 53
3.6 Kategorie der ‚Konfliktfähigkeit’ als Grundlage des SKOG-Konzepts 56
3.7 Verschiedene strategische Gruppen und ihre Appropriationsmöglichkeiten 59
3.7.1 Persönliche Aneignungsweise 60
3.7.2 Kollektive Aneignungsweise 61
3.7.3 Korporative Aneignungsweise 62
4. Der Staat Namibia 64
4.1 Zur Entstehung des Namibia-Konflikts 65
4.2 Gegenüberstellung verschiedener Konfliktlösungsvorschläge 67
4.2.1 Südafrikas ‚interne Lösung I: Turnhalle’ vs. ‚westliche Kontaktgruppe’ 67
4.2.2 UN-Resolution 435 und das Scheitern der ‚westlichen Kontaktgruppe’ 69
4.2.3 Südafrikas ‚Totale Nationale Strategie’ 70
4.2.4 Zum US-amerikanischen ‚constructive engagement’ und‚cuban linkage’ 72
4.2.5 Der Durchbruch zu Verhandlungen 73
4.3 Die Transition vom autoritären zum demokratischen System 74
4.3.1 Modell einesidealtypischen Transitionsverlaufs 74
4.3.2 Namibia – kein idealtypischer Transitionsverlauf 76
4.4 Zur gegenwärtigen Entwicklung der Demokratie in Namibia 84
5. Namibia als Untersuchungsgegenstand des strategischen Gruppen-Konzepts 86
5.1 Die SWAPO: Ausgangspunkt des Entstehens einer politischen Elite 87
5.2 Faktoren für die herausragende Position der ‚strategischen Elite’ 92
5.3 Weitere strategische Gruppen in Namibia 97
5.3.1 Staatsbeamte 97
5.3.2 Das Militär 102
5.3.3 Wirtschaftliche Unternehmer 103
5.3.4 Die Rolle der Professionals 106
5.3.5 Traditionelle Führungsstrukturen 110
5.3.5 Religiöse Spezialisten in Namibia 113
5.4 Handlungsmuster strategischer Gruppen 115
5.4.1 ‚Politisierte Ethnizität’ im Kolonialstaat und im heutigen Namibia 115
5.4.2 Neopatrimonialismus 120
5.4.3 Klientelismus und Patronagebeziehungen 122
6. Fazit und Ausblick 124
7. Anhang 131
8. Literaturverzeichnis 135
9. Eidesstattliche Erklärung 144

Automatisiert erstellter Textauszug:

Im Versailler Vertrag musste das Deutsche Reich 1919 seine Kolonien einschließlich DeutschSüdwestafrikas dem Völkerbund überlassen; der 1920 das Gebiet der Südafrikanischen Union übertrug, die es als so genanntes C-Mandat171 verwaltete, d. h. als Bestandteil ihres eigenen Staates, aber mit Berichtspflicht gegenüber dem Völkerbund. Diese Berichtspflicht hielt Südafrika jedoch nie ein, sondern behandelte das Territorium in den Folgejahren wie einen Teil des eigenen Staatsgebietes. Dabei wurde weder, wie in den Jahren den deutschen Kolonialherrschaft auf ethnische Hintergründe geachtet, noch wurden annäherungsweise Versuche getätigt, das Land in absehbarer Zeit zur Unabhängigkeit zu führen. Nach dem II. Weltkrieg und der Schaffung der Vereinten Nationen lehnte es Südafrika ab, der Aufforderung der UN nachzukommen und den Mandats-Vertrag für Südwestafrika in ein Treuhandabkommen umzuwandeln, d. h. das Gebiet fortan treuhänderisch unter der Aufsicht der UN zu verwalten und es hin zur Unabhängigkeit zu führen. Vielmehr behandelte Südafrika dieses Territorium weiterhin als Teil seines eigenen Staatsgebiets. 1949 trat in Südafrika eine Verfassungsänderung in Kraft, nach der das Parlament nun auch offiziell Südwestafrika vertrat. Der IGH entschied jedoch 1950, dass der Status des Mandats nur mit Zustimmung der UN geändert werden darf. Südafrika erklärte sich nun bereit, mit den UN über die Treuhandfrage zu verhandeln, blieb jedoch in der Folgezeit in dieser Problematik unbeweglich (nach gescheiterten Vermittlungen 1951). Als Südafrika in den sechziger Jahren seine Apartheidpolitik172 auch auf Südwestafrika übertrug, entzogen die UN Südafrika das Mandat über Südwestafrika und übernahmen nun formal selbst die Verantwortung für das Land und gaben ihm offiziell den Namen Namibia173. 1971 erklärte der IGH die fortdauernde Präsenz Südafrikas in Namibia für völkerrechtswidrig. [...]

zur Unabhängigkeit Namibias vollzog, in wie weit der ‚Befreiungskampf’ der ohne Zweifel konfliktfähigsten Gruppe, der SWAPO, geführt wurde. Die herrschende Meinung in der Literatur geht davon aus, dass die Unabhängigkeit Namibias in erster Linie ein Produkt des endenden Ost-West-Konflikts ist170. Dabei trugen recht ungewöhnliche Verhaltens- und Verhandlungsweisen zur Konfliktbewältigung bei. Die Unabhängigkeit kam in erster Linie infolge einer ‚neuen’ sowjetischen Außenpolitik und intensiver Vermittlungsbemühungen der beiden Großmächte USA und UdSSR zustande. Auch die südafrikanische Regierung wurde in den internen diplomatischen Klärungs- und Verständigungsprozess einbezogen, um mit den anderen Abkommenspartnern Kuba und Angola Einigkeit in offenen Verhandlungsfragen erzielen zu können. Zudem wurden auch die Interessen jener, die nicht am Verhandlungstisch saßen, aber von den Vereinbarungen mit betroffen waren, berücksichtigt (SWAPO, ANC, UNITA, OAU). Doch auch schon aus früheren Konfliktlösungsinitiativen, welche fast ausschließlich auf westliche Bemühungen zurückgingen, konnten Methoden, Konzepte und Mittel (UN-Resolution 435, ‚cuban linkage’) gewonnen werden, welche entscheidend dazu beitrugen, dass es nach Jahren gegenseitiger militärischer Gewalt in der Konfliktregion, doch noch zu einer friedlichen Lösung in der NamibiaFrage gekommen ist. Die Lösung der Namibia-Frage hätte schon zu einem früheren Zeitpunkt erreicht werden können, jedoch waren die Großmächte aufgrund einer Fülle von Faktoren nicht in der Lage, eine Drohkulisse gegenüber Pretoria aufzubauen. Sie beschränkten sich angesichts des Ost-West-Konflikts allein auf die Durchführung von Stellvertreterkriege, um somit die Machträume des Kontrahenten einzudämmen. Resultat dieser Politik war ein weitgehend großer Handlungsspielraum für Südafrika, welches über Jahre hinaus den Verhandlungsprozess zum Erlahmen bringen konnte, sei es durch eigene militärische Interventionen, als auch durch die Nichtbefolgung einzelner UN-Resolutionen. 4.1 Zur Entstehung des Namibia-Konflikts Seit den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ließen sich verstärkt weiße Siedler in DeutschSüdwestafrika nieder, was zunehmend Konflikte mit den Nama und den Herero heraufbeschwor, zumal sich die Weißen kaum an den zwischen der Kolonialverwaltung und den Herero abgeschlossenen Schutzvertrag hielten. Gegen Nama und Herero, die sich gegen weiße Siedler und die Kolonialverwaltung auflehnten, ging die Kolonialmacht mit militärischer Härte vor. 1904 schlug sie den Herero-Aufstand brutal nieder: Dem deutschen Vernichtungskrieg fielen etwa 60.000 Herero zum Opfer, nur etwa ein Viertel des gesamten Volkes überlebte. In der Frühphase des 1. Weltkrieges eroberten die Streitkräfte der Südafrikanischen Union (die spätere Republik Südafrika) DeutschSüdwestafrika und zwangen die dortigen deutschen Schutztruppen am 9. Juli 1915 zur Kapitulation. [...]

anderen strategischen Gruppen auch verschiedne Stile der Bürokratisierung entwickeln. Die Aneignung von Surplus enthält selbst immer wieder einen kardinalen Widerspruch. Es geht um den Widerspruch zwischen demjenigen, die sich Surplus aneignen wollen und denjenigen, denen er abgerungen wird. Dieser Widerspruch wird sichtbarer, sobald eine strategische Gruppe ihre Vorherrschaft etabliert und das wirtschaftliche und politische System im Hinblick auf die Sicherstellung ihrer Aneignungsmöglichkeiten geformt hat, oder wenn ein effektives Bündnis zwischen strategischen Gruppen gebildet worden ist, das wiederum ihre Aneignungschancen vergrößert. Eines der wichtigen Handlungsfelder von strategischen Gruppen stellt ihr Handeln im politischen Raum dar, Evers und Schiel behandelten diesen Aspekt unter der Fragestellung der Genese strategischer das Surplus. Nicht nur wirtschaftliche Gesetze und Notwendigkeiten, sondern auch Macht und deren Anwendung bestimmen die Chancen der strategischen Gruppen, ihren Anteil am Surplus bzw. am Bruttosozialprodukt zu vergrößern. Infolgedessen besteht seitens jeder strategischen Gruppe ein Interesse daran, ein politisches und wirtschaftliches System zu schaffen, das optimale Möglichkeiten zur Aneignung von Surplus bietet. Der Staat an sich dient als ‚Distributionsagentur’ zur Verteilung von staatlich abgeschöpften, gesellschaftlichen Revenuen. Strategische Gruppen, tragen sie nun persönlichen, kollektiven oder korporativen Charakter, versuchen staatliche Institutionen zu besetzen, um ihn für sich nutzbar zu machen, was zu einer ‚parasitären’ Einkommensakkumulation strategischer Gruppen führt. Die Besetzung staatlicher Ämter dient demnach Mitgliedern strategischer Gruppen zur Sicherung ihrer Berufs- und Einkommensbasis. Hierbei spielt insbesondere die Bedeutung von Klientelbeziehungen und Patronageleistungen eine entscheidende Rolle bei der Vergabe staatlicher Ämter. Gruppen und politischer Entwicklung168. Das latente Interesse an der Einkommensausweitung der Gruppe ist die Grundlage für diese Konkurrenz oder diesen Kampf um [...]

Arbeit zitieren:
Gruber, Denis Januar 2004: Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
südliches Afrika, strategische Gruppen, Entwicklungsland, Südafrika, Transformationsforschung

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