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Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen am Beispiel einer Modellregion

Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen am Beispiel einer Modellregion
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Anne-Kathrin Herrmann
  • Abgabedatum: Januar 2008
  • Umfang: 192 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Berlin (EFB) Deutschland
  • Bibliografie: ca. 210
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2167-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Herrmann, Anne-Kathrin Januar 2008: Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen am Beispiel einer Modellregion, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Demografischer Wandel, Bürgerschaftliches Engagement, Altersbilder, Brandenburg, Alterstheorien

Diplomarbeit von Anne-Kathrin Herrmann

Einleitung:

In der öffentlichen Diskussion über den demografischen Wandel in Deutschland wird die Alterung der Gesellschaft oft als Belastung vor allem für die sozialen Sicherungssysteme gesehen, aber immer mehr werden auch die positiven Seiten des Alter(n)s diskutiert und Potenziale des Alters erkannt, wie der fünfte Altenbericht der Bundesregierung mit dem Titel ‘Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen’ beweist. Hier in dieser Arbeit geht es um die Potenziale des Alters für bürgerschaftliches Engagement. Es besteht in der Gesellschaft ein überwiegend negativ besetztes Altersbild. Kann dieses Altersbild durch bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen positiv beeinflusst werden? Ausgangspunkt der Diskussion über Alter(n) und bürgerschaftliches Engagement ist die demografische Alterung, die durch eine Zunahme älterer Menschen im Vergleich zu den Jüngeren und besonders durch einen Anstieg der Hochaltrigen ab 80 Jahren gekennzeichnet ist.

Folgt daraus auch, dass sich mehr ältere Menschen bürgerschaftlich engagieren?

Welche Bedeutung hat bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel bzw. ist es für die Bewältigung der mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen notwendig?

Werden die Potenziale älterer Menschen für die Gesellschaft ausreichend genutzt und gefördert?

Wie kann das Potenzial Älterer für bürgerschaftliches Engagement aktiviert und genutzt werden?

Diese zentralen Fragen werden in der Arbeit behandelt. Dazu werden im Einzelnen im zweiten Kapitel bestimmte empirische Studien und Literatur genannt, die sich mit den Themen Alter(n) und bürgerschaftlichen Engagement älterer Menschen beschäftigen. Die Ergebnisse ausgewählter empirischer Studien dienen später zur Darstellung der Daten und Fakten des bürgerschaftlichen Engagements. Im dritten Kapitel wird der demografische Wandel in Deutschland und dessen Herausforderungen vorgestellt. Die Lebensphase Alter verändert sich, das wird verdeutlicht, zum einen durch den demografischen Wandel und zum anderen durch den von Tews beschriebenen ‘Strukturwandel des Alters’, dessen fünf Konzepte nach einer Erläuterung zur Bedeutung von ‘Alter’ und ‘Alter(n)’ im vierten Kapitel beschrieben werden. Im fünften Kapitel erfolgt die Darstellung des Spektrums bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen, d.h. es wird als erstes der Begriff ‘Bürgerschaftliches Engagement’ erklärt, danach erfolgt die Betrachtung des faktischen bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen, das beinhaltet u.a. die Beteiligungsquoten älterer Menschen am Engagement, ihre bevorzugten Engagementbereiche sowie die Zugangswege zum Engagement und auch die Beweggründe älterer Menschen für ein Engagement.

Dazu werden geschlechtsspezifische, soziale und regionale Unterschiede der Engagierten erläutert. Diese Differenzen werden in der Arbeit und auch als Exkurs im Anhang behandelt. Ferner werden im fünften Kapitel Verbesserungswünsche der älteren Menschen zu den Rahmenbedingungen des Engagements genannt und nachfolgend Handlungsmöglichkeiten zur Förderung des Engagements aufgezeigt. Innerhalb des fünften Kapitels werden die folgenden Fragen diskutiert: Wird bürgerschaftliches Engagement als ‘Lückenbüßer’ für staatliche Finanzlöcher benutzt? Steigert bürgerschaftliches Engagement die Lebensqualität älterer Menschen? Ein weiterer wichtiger Punkt des fünften Kapitel ist das Thema ‘politische Partizipation älterer Menschen’, besonders im Hinblick auf den demografischen Wandel und der Frage, ob die älteren Menschen aufgrund dessen zukünftig auch mehr politische Macht erhalten. Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen spielt für die Soziale Arbeit in vielen Bereichen eine große Rolle und auch zur Entwicklung der Sozialen Arbeit hat das bürgerschaftliche Engagement beigetragen.

Diese und weitere Aspekte werden im sechsten Kapitel näher ausgeführt. Im siebten Kapitel werden Beispiele innovativer Angebote für und auch von älteren Menschen vorgestellt. Das Projekt ‘Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis’, das im Rahmen dieser Arbeit untersucht wurde, wird hier jedoch nur genannt und später im zehnten Kapitel näher erläutert. Hierbei wird dann verdeutlicht, wie sich ältere Bürgerinnen und Bürger für das Gemeinwohl engagieren können. Im achten Kapitel wird das dazugehörige Untersuchungsgebiet vorgestellt, genauer gesagt, das Land Brandenburg und im Speziellen der Landkreis Potsdam-Mittelmark als Modellregion, wo das Projekt aktuell durchgeführt wird. Mit einer qualitativen und quantitativen Erhebungsmethode, der Befragung, bzw. Experteninterviews und einer schriftlichen Befragung mittels Fragebogen wurde das Projekt ‘Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis’ näher beleuchtet, mit dem Ziel, zu beweisen, dass es ein innovatives Beispiel für bürgerschaftliches Engagement im Hinblick auf den demografischen Wandel darstellt und zeigt, dass bürgerschaftliches Engagement auch notwendig ist. Diese Erhebungsmethoden werden im zehnten Kapitel analysiert und ausgewertet. Abschließend werden im zwölften und dreizehnten Kapitel ein Fazit und eine Zusammenfassung aus den vorhergehenden Ausführungen abgeleitet.

Viele interessante und auch wichtige Themen im Zusammenhang mit bürgerschaftlichen Engagement älterer Menschen und demografischen Wandel können aufgrund des zeitlichen und inhaltlichen Rahmens dieser Arbeit nicht behandelt werden. Es wird jedoch innerhalb der Arbeit darauf verwiesen und tiefergehende wissenschaftliche Lektüre dazu genannt.

In den letzten Jahren hat das Thema bürgerschaftliches Engagement in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion an Bedeutung gewonnen. Auf Bundesebene hat sich z.B. im Jahr 2002 das ‘Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)’ gebildet, mit dem Ziel das bürgerschaftliche Engagement und die Bürgergesellschaft in allen Bereichen der Gesellschaft und Politik nachhaltig zu fördern. Dafür sollen staatliche, kommunale, wirtschaftliche und bürgerschaftliche Akteure zusammenarbeiten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Empirische Studien zum Alter(n) und bürgerschaftlichen Engagement 4
3. Demografischer Wandel in Deutschland 6
3.1 Bevölkerungsentwicklung 6
3.2 Mehr ältere Menschen 6
3.3 Geburten-, Sterblichkeits- und Wanderungsentwicklung 7
3.4 Lebenserwartung 7
3.5 Herausforderungen der demografischen Alterung 8
3.6 Fazit: Demografischer Wandel in Deutschland 9
4. Das Alter(n) 11
4.1 Altersbegriffe 11
4.1.1 Kalendarisches Alter 11
4.1.2 Biologisches Alter 13
4.1.3 Psychologisches Alter 13
4.1.4 Soziologisches Alter 14
4.1.5 Fazit: Altersbegriffe 15
4.2 Strukturwandel des Alters 16
4.2.1 Verjüngung 16
4.2.2 Entberuflichung 16
4.2.2.1 Renteneintrittsalter mit 65 Jahren 17
4.2.2.2 Renteneintrittsalter mit 67 Jahren 17
4.2.3 Feminisierung 19
4.2.4 Singularisierung 19
4.2.5 Hochaltrigkeit 19
4.2.6 Fazit: Strukturwandel des Alters 20
4.3 Alternstheorien und -modelle 20
4.3.1 Defizitmodell 20
4.3.2 Kompetenzmodell 21
4.3.3 Disengagement-Theorie 22
4.3.4 Aktivitätstheorie 23
4.3.5 Differenzielle Theorie 24
4.3.6 Fazit: Alternstheorien und -modelle 25
4.4 Gesellschaftliche Bedeutung des Alter(n)s: ‘Alterslast versus Alterskapitel’ 26
4.4.1 Belastungs- und Kostenperspektive 26
4.4.2 Ressourcen- und Chancenperspektive 27
4.4.3 Potenziale des Alters für die Gesellschaft 27
5. Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen 29
5.1 Begriffserklärung 29
5.1.1 Freiwillig 30
5.1.2 Nicht auf materiellen Gewinn gerichtet 30
5.1.3 Gemeinwohlorientiert 30
5.1.4 Im öffentlich Raum stattfindend 31
5.1.5 Kooperative Tätigkeit 31
5.1.6 Traditioneller und ideengeschichtlicher Bezug 32
5.1.7 Begriffserklärung in verschiedenen empirischen Studien 32
5.1.7.1 Zeitbudgeterhebung 2001/2002 32
5.1.7.2 Freiwilligensurvey 1999/2004 33
5.1.7.3 Alterssurvey 1996/2002 33
5.1.8 Fazit: Begriffserklärung 34
5.2 Faktisches bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen 34
5.2.1 Beteiligungsquoten am Engagement 35
5.2.1.1 Beteiligungsquoten nach Altersgruppen und Geschlecht 35
5.2.1.2 Beteiligungsquoten nach Erwerbs-, Bildung- und Einkommensstatus 36
5.2.1.3 Beteiligungsquoten im Ost-West-Vergleich 36
5.2.2 Engagementbereiche 37
5.2.3 Zugang zum Engagement 38
5.2.4 Beweggründe für ein Engagement 38
5.2.5 Zeitliche Engagementstrukturen 39
5.2.6 Engagementbereitschaft 40
5.2.7 Verbesserungswünsche bei den Rahmenbedingungen des Engagements 41
5.2.7.1 Verbesserungswünsche an die Organisationen 41
5.2.7.2 Verbesserungswünsche an den Staat und die Öffentlichkeit 42
5.2.8 Fazit: Faktisches bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen 43
5.3 Politische Partizipation älterer Menschen 45
5.3.1 Politisches Interesse älterer Menschen 45
5.3.2 Aktive poltische Partizipation älterer Menschen 46
5.3.3 Passive politische Partizipation älterer Menschen 47
5.4 Bürgerschaftliches Engagement als ‘Lückenbüßer’? 47
5.5 Bürgerschaftliches Engagement zur Steigerung der Lebensqualität im Alter? 47
5.6 Handlungsmöglichkeiten zur Förderung des Engagements älterer Menschen 49
5.6.1 Engagement fördernde Infrastruktur 50
5.6.2 Bürgerorientierung 51
5.6.3 Bewusster Umgang mit bürgerschaftlich Engagierten 52
5.6.4 Anerkennungskultur 52
5.6.5 Beteiligungsmöglichkeiten schaffen 53
5.6.6 Abbau der sozialen Ungleichheiten des Engagements 54
5.6.7 Schule als Akteur bürgerschaftlichen Engagements 54
5.6.8 Unternehmen als Akteur bürgerschaftlichen Engagements 55
6. Soziale Arbeit und bürgerschaftliches Engagement 57
6.1 Schaffung neuer Angebote für ältere Menschen 57
6.2 Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen 59
6.3 Fazit: Soziale Arbeit und bürgerschaftliches Engagement 60
7. Beispiele innovativer Angebote für und von älteren Menschen 61
8. Das Land Brandenburg 63
8.1 Demografischer Wandel 63
8.2 Seniorenpolitik 65
8.3 Bürgerschaftliches Engagement 65
8.4 Der Landkreis Potsdam-Mittelmark 67
8.4.1 Demografischer Wandel 68
8.4.2 Bürgerschaftliches Engagement 68
9. These 69
10. Datenerhebung und Datenauswertung 70
10.1 Die Erhebungsmethode: Befragung 70
10.1.1 Das Experteninterview 71
10.1.1.1 Konstruktion des Interviewleitfadens 72
10.1.1.2 Durchführung der Interviews 72
10.1.2 Die schriftliche Befragung mittels Fragebogen 73
10.1.2.1 Konstruktion des Fragebogens 73
10.1.2.2 Durchführung der Befragung 75
10.2 Datenanalyse 76
10.2.1 Datenanalyse der Experteninterviews 76
10.2.1.1 Resultate der qualitativen Inhaltsanalyse 76
10.2.2 Datenanalyse der schriftlichen Befragung mittels Fragebogen 81
10.2.2.1 Resultate der deskriptiven Statistik 82
10.3 Fazit: Datenerhebung und Datenauswertung 86
11. Vergleich der Resultate mit der These 87
12. Fazit und Ausblick 89
13. Zusammenfassung 91
Literaturverzeichnis 95
Abbildungsverzeichnis 114
Tabellenverzeichnis 114
Anhänge 115
A Empirische Studien. 116
B Exkurs: Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen in den neuen Bundesländern 118
B.1 Engagementstrukturen in der DDR 118
B.2 Folgen des Transformationsprozesses für die Engagementstrukturen 119
B.3 Sonstige Gründe für ein geringeres Engagement 120
B.4 Förderung des bürgerschaftlichen Engagements 120
B.5 Fazit 121
C Ergänzende Informationen 122
D Interviews 124
D.1 Interviewleitfaden 124
D.2 Interviewvereinbarung 126
D.3 Transkriptionslegende 127
D.4 Interview-Transkript 1 128
D.5 Interview-Transkript 2 139
E Fragebogen 157
E.1 Anschreiben 157
E.2 Fragebogenexemplar 158
E.3 Anonymisierte Antworten 166
F Abbildungen 182
G Tabellen 184

Textprobe:

Kapitel 5.6.1, Engagement fördernde Infrastruktur:

Eine ‘Engagement fördernde Infrastruktur’ besteht u.a. aus ‘Informations-, Beratungs- und Qualifizierungsangeboten’. So wurden bereits in einigen Kommunen z.B. Freiwilligenagenturen, -zentren, -börsen, Seniorenbüros oder Selbsthilfekontaktstellen geschaffen. Die Freiwilligenagenturen informieren, beraten und vermitteln freiwillig Engagierte, betreiben Öffentlichkeitsarbeit, entwickeln Vernetzungsstrukturen und organisieren Fortbildungen. Die Infrastruktur des Engagements muss je nach Bedarf weiter entwickelt und auf einander abgestimmt werden. Eine sinnvolle Vernetzung von Akteuren auf lokaler Ebene spielt dabei eine wichtige Rolle. Reinert empfiehlt dazu ‘eine gemeinsame Internetplattform, in der die örtlichen Vereine und Initiativen ihre Arbeit vorstellen und Interessierte sich über Angebote für bürgerschaftliches Engagement informieren können.’ Auch die Enquete-Kommission empfiehlt ‘eine verstärkte Kooperation und Vernetzung mit anderen Akteuren im Gemeinwesen’. Durch Netzwerke können Menschen, die sich engagieren möchten, auf bürgerschaftliches Engagement aufmerksam gemacht werden und gemeinsame Strategien zur Förderung entwickelt werden. Notz schlägt konkret vor, statt ‘isoliert arbeitender Kontakt- und Beratungsstellen Gemeinwesen-Zentren, durch die eine Verknüpfung der ehrenamtlichen Arbeit mit Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit möglich wird’ zu gründen. Zukünftig wird es für die Vermittlungsstellen für bürgerschaftliches Engagement auch wichtig sein, innovative Projekte zu essenziellen Themen der Gesellschaft weiter zu entwickeln. Desweiteren schlägt Reinert vor, dass Engagierten im Bedarfsfall öffentliche Räume zur kostenlosen Verfügung gestellt werden sollten und auch die Kosten infolge eines Engagements unbürokratisch übernommen werden sollten. Jakob betont zudem, dass eine Förderung der Infrastruktureinrichtungen des Engagements von finanziellen Mitteln abhänge und es auch ein ‘Ausdruck einer Wertschätzung’ für die Wichtigkeit des bürgerschaftlichen Engagements sei, wenn es durch Länder und Kommunen finanziell gefördert werde.

Bürgerorientierung:

Wenn Kommunalpolitik und -verwaltung sich als Ziel setzen, ihre Infrastruktur bzgl. des Engagements zu verbessern, dann müssen sie die adäquaten Prozesse auch ‘transparent und mit der Beteiligung der Betroffenen gestalten’, denn schließlich geht es um die Bürger. Die fünfte Altenberichtskommission betont ebenfalls, dass dabei alle Altersgruppen miteinbezogen werden müssen. Reinert konstatiert zusätzlich, dass aufgrund ‘weiter verknappender Finanz- und Personalressourcen auf der einen und wachsender Ressourcen an ungenutztem Wissen und Können der Älteren auf der anderen Seite, (..) gerade auch eine Einbindung der älteren Generation in den Problemlösungsprozess und ihre spätere ehrenamtliche Einbindung anzustreben’ sei. In den Verwaltungen der Kommunen sollte es daher ‘eine federführende Stelle’ geben, die Projekte und Initiativen von Bürgern initiiert und auch weiter fördert. Bei dieser Arbeit ist eine aktive Einbeziehung der Bürger von Anfang an wichtig.

Bewusster Umgang mit bürgerschaftlich Engagierten:

‘Freiwillige sind eine unschätzbar wertvolle Ressource.’ Als solche müssen sie auch behandelt werden. Daher ist es besonders wichtig, zusammen mit den Engagierten sinnvolle Aufgaben zu finden, die Freude bereiten und den Interessen und Kompetenzen der Engagierten entsprechen. Ferner sind Mitsprache- und Fortbildungsmöglichkeiten der Engagierten sowie klare Informationen über vorhandene Engagementbereiche, über Bedarfe in neuen Bereichen, über Rahmenbedingungen wie Zeit- und Kostenaufwand, -erstattung, Versicherungsschutz usw. notwendig. Fortbildungen sind wichtig, um dem ‘Bedürfnis der Engagierten nach Selbstentfaltung, Persönlichkeitsentwicklung und Mitgestaltung’ zu entsprechen. Differente Angebote müssen aufgrund verschiedener Motive und Interessen der Engagierten entwickelt werden, im Besonderen auch unter Berücksichtigung zeitlich eingeschränkten Engagements. Zeitlich befristete Engagementangebote können eventuell auch zu weiteren bürgerschaftlichen Tätigkeiten führen. ‘Die Zukunft liegt in flexiblen Zeitmodellen, die einerseits den Anforderungen der Organisation, andererseits den Wünschen der am Engagement Interessierten gerecht werden.’ Folglich müssen die unterschiedlichen Lebenslagen älterer Menschen von den Organisationen beachtet werden, dass heißt, es sind individuelle an zeitlichen und inhaltlichen Interessen orientierte Engagementbereiche zu finden. Das Verhältnis zwischen den Fachkräften und den freiwillig Engagierten ist dabei besonders entscheidend. Klie meint, dass Fachkräfte oft ‘eine Deprofessionalisierung durch die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement’ befürchten und ‘umgekehrt befürchten (…) bürgerschaftlich Engagierte ihre Funktionalisierung.’ Demzufolge wäre eine ‘neue Partnerschaft zwischen Professionellen und bürgerschaftlich Engagierten mit synergetischen Effekten (..) das Ziel, an dem sich die Professionellen orientieren sollten.’ Dafür sind Kommunikationsfähigkeiten der Fachkräfte sowie die Würdigung und Anerkennung der Leistungen bürgerschaftlich Engagierter notwendig.

Anerkennungskultur:

Die Anerkennungskultur für freiwillig Engagierte ist ebenfalls von großer Bedeutung. Die Leistungen der Engagierten sollten wertgeschätzt werden und zwar durch öffentliche Anerkennung (z.B. ‘Dankeschön-Veranstaltungen’) und auch durch Rückmeldungen, aber nicht nur zu bestimmten Veranstaltungen, an denen Plaketten oder Anstecknadeln überreicht werden. Es ist auch wichtig die Tätigkeiten der Engagierten ernst zu nehmen. In einigen Kommunen wird ehrenamtliches Engagement durch Zertifikate, ‘Ehrenamtspässe oder Bonushefte für ehrenamtlich Aktive, die Vergünstigungen etwa im öffentlichen Personalverkehr und bei der Nutzung kommunaler Einrichtungen ermöglichen’, nachgewiesen. Diese Varianten haben sich als positive Ansätze einer Anerkennungskultur herausgestellt. Hanker empfiehlt zusätzlich noch, dass die ‘lokale Presse’ zur ‘Würdigung des Engagements’ beitragen könne. Denn zum ‘einen stärkt es die Motivation, wenn die erbrachten Leistungen beachtet, geschätzt und entsprechend gewürdigt werden. Zum anderen kann ein Zeitungsartikel den Anstoß geben, sich über die Möglichkeiten zu informieren und selbst aktiv zu werden.’ Von der fünften Altenberichtskommission werden zudem die Weiterbildungsmaßnahmen als nicht zu unterschätzende Anerkennungsform genannt.

Arbeit zitieren:
Herrmann, Anne-Kathrin Januar 2008: Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen am Beispiel einer Modellregion, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Demografischer Wandel, Bürgerschaftliches Engagement, Altersbilder, Brandenburg, Alterstheorien

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