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Dauerlauf als Element der Lebensführung

Eine empirische Studie zur Volkslaufszenerie

Dauerlauf als Element der Lebensführung
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Markus Weweler
  • Abgabedatum: Januar 1996
  • Umfang: 116 Seiten
  • Dateigröße: 963,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2881-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2881-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2881-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Weweler, Markus Januar 1996: Dauerlauf als Element der Lebensführung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Jogging, Laufbewegung, Volkslauf, Sportsoziologie

Staatsexamensarbeit von Markus Weweler

Einleitung:

„Man sehe sich Fotos von Marathonläufen an. Der Kenner sieht sofort, in welcher Preisklasse der Schnappschuss entstanden ist, egal zu welchem Zeitpunkt nach dem ersten Drittel des Rennens geschossen. Einmal ist der Schritt ein Indikator, vielmehr aber die Figur. Vorne laufen die Bleistifte, hinten tappen die Radiergummis, um ein Bild zu überzeichnen.“ Die von Steffny beschriebenen Typen unterscheiden sich in zwei Merkmalen, die offenbar in einer Beziehung zueinander stehen: Körperbau und Leistungsvermögen im Ausdauerlauf. Sowohl der Körper, als auch das körperliche Leistungsvermögen sind aus biologischer Sicht nicht allein phänotypische Merkmale naturgegebener, genetischer Vorbestimmung, sondern unterliegen einer ständigen Formung und Veränderung durch das Leben, das Altern und durch Umwelteinflüsse. Unter Kenntnisnahme dieser biologischen Sicht wird deutlich, dass Steffnys Beobachtung in hohem Maße ein Resultat unterschiedlicher Art und Weise ist, wie Menschen, in seinem Beispiel Marathonläufer, ihr Leben führen. Begibt man sich auf den Weg, nach der Ursache zu fragen, warum es möglich ist, über rein äußerliche Merkmale Aussagen über das Leistungsniveau von DauerläuferInnen zu machen, ist es nötig, sich mit ihrer Lebensführung und im speziellen mit dem Dauerlaufen als einem Element ihrer Lebensführung zu beschäftigen.

Die vorliegende Arbeit mit dem Titel „Dauerlauf als Element der Lebensführung“ wurde als eine empirische Studie über die Volkslaufszenerie angelegt. Für diese Studie wurde eine VolksläuferInnenbefragung bei einem Volkslauf durchgeführt.

Der Volkslauf als eine typische breitensportliche Veranstaltung ist ein Wettkampfangebot, an dem sowohl Breitensportler als auch Leistungssportler teilnehmen. In Volksläufen ist die Forderung nach dem „Sport für alle“ verwirklicht. Hier laufen Junge neben Alten, Männer neben Frauen, Asse neben Anfängern, und Angehörige unterschiedlicher sozialer Schichten. In der heterogenen sozialen Zusammensetzung und der Integration vieler Menschen kennzeichnen sich Volksläufe als Angebote der Breitensportkultur.

Eine empirische Studie über die Volkslaufszenerie, die den Dauerlauf als ein Element der Lebensführung thematisiert, steht vor dem Problem, dass, aufgrund der heterogenen Zusammensetzung, die Lebensführung dieser Menschen sehr unterschiedlich ist. „‘Lebensführungen’ zeigen soziale Formen, die u.a. stark durch die Momente Geschlecht, Qualifikation/Bildung, Berufsposition, Stadt-Land-Unterschied, Alter und Form des Zusammenlebens geprägt werden.“ Zunächst alle diese unterschiedlichen „Lebensführungen“ in voller Differenzierung darzustellen, um dann schließlich den Dauerlauf als Element all dieser unterschiedlichen Formen von Lebensführung zu bestimmen würde den Rahmen einer Staatsexamensarbeit sprengen.

Es erscheint sinnvoller, direkt an dem Punkt anzusetzen, wo die Lebensführung aller VolksläuferInnen eine Gemeinsamkeit hat. Gemeinsam ist allen TeilnehmerInnen, dass sie dauerlaufen und zumindest einmal (zum Zeitpunkt der Befragung) an einem Volkslauf teilgenommen haben. Hier soll die Studie ansetzen und untersuchen, welche Ausmaße der Dauerlauf als Element der Lebensführung von VolksläuferInnen einnimmt und ob er in andere Lebensbereiche dieser Menschen eindringt.

Inhaltsverzeichnis:

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 6
1.1 Zielsetzung 6
1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit 7
2. Zum Zusammenhang von Dauerlauf und Lebensführung 9
2.1 Die Laufbewegung als gesellschaftliches Phänomen der Gegenwart 9
2.1.1 Die Laufbewegung 9
2.1.2 Volkslauf als Ausschnitt der Laufbewegung 10
2.1.2.1 Volkslauf - Von der Idee und den Anfängen zum Volkslauf heute 11
2.1.2.2 Volkslauf - zwischen Kommerz, Leistungs- und Breitensport 12
2.1.3 Läufertypen 14
2.1.3.1 Läufertypen nach Leistungskategorien 14
2.1.3.2 Läufertypen nach der Alltagsintegration des Dauerlaufens 16
2.2 Lebensführung als alltägliche Praxis 19
2.3 Dauerlauf -ein Element der Lebensführung 22
3. Ableitung von Thesen und Fragestellungen 26
4. Zur Untersuchungsmethode der Forschungsarbeit 30
4.1 Der Fragebogen und die Untersuchung im Feld 30
4.2 Die Grundgesamtheit -Vergleich von Ergebnislisten und Stichprobe 32
5. Ergebnisse der Untersuchung 35
5.1 Soziodemographische Differenzierung der Teilnehmerschaft 35
5.1.1 Verteilung nach Geschlecht und Alter 35
5.1.2 Verteilung nach Schulabschluß und Berufstätigkeit 38
5.2 Wettkampf als Element der Lebensführung 42
5.2.1 Die Häufigkeit der Wettkampfteilnahme 43
5.2.2 Bestzeiten 47
5.3 Training als Element der Lebensführung 58
5.3.1 Häufigkeit, Dauer und Kontinuität des Dauerlaufens 59
5.3.2 Laufen auf Reisen 63
5.3.3 Trainingsmethoden 65
5.3.4 Sozialität im alltäglichen Dauerlauf 72
5.4 Allgemeines Sporttreiben als Element der Lebensführung 78
5.5 Ernährungs- und Körperverhalten als Elemente der Lebensführung 85
5.6 Sonstiges Freizeitverhalten als Element der Lebensführung 92
6. Zusammenfassung 98
7. Der Fragebogen 104
8. Literatur 106
9. Erklärung 112

Automatisiert erstellter Textauszug:

lichen Anforderungen ausgerichtet ist und auch an der Formung ihrer Körper abzulesen ist, daß sie eine aerobe Ausdauersportart sehr intensiv und leistungsstark betreiben. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden diese Erwartungen empirisch untersucht. Bei der Frage nach den absoluten und aktuellen Bestzeiten sollten die bekannten Zeiten eingetragen werden, die für die Auswertung in Leistungsgruppen aufgeschlüsselt wurden (Tabelle 9, Tabelle 10 und Tabelle 11). Nur 5 TeilnehmerInnen machten zu der Frage nach den Bestleistungen überhaupt keine Angaben. Allerdings war der Volkslauf für diese LäuferInnen auch „der erste überhaupt“, und die Laufzeit noch nicht bekannt, falls sie den Fragebogen vor ihrem Lauf beantwortet haben. Die breite Masse der VolksläuferInnen ist sich folglich über mindestens eine Bestzeit bewußt und hat dazu auch Angaben gemacht. Fehlende Angaben zu bestimmten Bestzeiten lassen sich folglich mit hoher Wahrscheinlichkeit so deuten, daß diese den Befragten in dem Fall nicht bekannt sind. Am häufigsten wurden Angaben zu den absoluten und aktuellen Bestzeiten über 10 Kilometer gemacht. Bestzeiten über die 5km-Strecke wurden in weit geringerer Häufigkeit angegeben. Die Antworthäufigkeit zu den Marathonbestzeiten war am geringsten. Für diese Beobachtung finden sich plausible Erklärungen: Der 10km-Lauf hatte bei der Veranstaltung fast dreimal soviele TeilnehmerInnen wie der 5km-Lauf. Bei vielen Volkslaufveranstaltungen ist der 10kmLauf der Hauptlauf96 mit den meisten TeilnehmerInnen, so daß der überwiegende Teil der befragten LäuferInnen bereits über die Strecke von 10 Kilometern gestoppt worden ist. Außerdem kontrollieren viele LäuferInnen ihr Tempo mit Hilfe der 10 Kilometer-Zeit sowie der 1000-Meter-Zeit. 31% der TeilnehmerInnen haben mindestens einmal an einem Marathon teilgenommen und können so Angaben zu ihrer Bestzeit über diese Strecke machen. Zu jeder Strecke wurden mehr absolute als aktuelle Bestzeiten genannt. Die absolute Bestzeit als die beste persönlich je erreichte Laufzeit über eine be- [...]

5.2.2 Bestzeiten Bei einer Befragung von Laufbewegten durch LUTZ äußerten von 118 Antwortenden nur 15,7%, daß sie „nur mitlaufen wollen“, wenn sie an Wettkämpfen teilnehmen, 59,3% wollen „ihre bisherige Leistung übertreffen“, 16,7% „wollen gewinnen“ und 8,3% „einen bestimmten Gegner schlagen“.94 Es zeigt sich, daß das Leistungsmotiv unter WettkämpferInnen eine wichtige Rolle spielt. Insbesondere eine persönliche Bestleistung ist für Viele ein anvisiertes Ziel. „Die Laufzeiten sind Kriterien der Leistungsfähigkeit sowohl für die eigene Kontrolle als auch im gegenseitigen Vergleich. Sie dienen dazu, sich in einer Hierarchie der Leistungsfähigkeit einzuordnen“ (Aussage eines Läufers, der an Wettkämpfen teilnimmt)95. Hinsichtlich der erreichten Leistungen zeigen sich innerhalb der Volkslauf-Teilnehmerschaft erhebliche Differenzierungen. Bei der ausgewählten Volkslaufveranstaltung erreichte beim 5km-Lauf der Sieger nach 15 Minuten und 47 Sekunden das Ziel, während die Letzte mehr als doppelt so lange unterwegs war und das Ziel nach 32 Minuten und 13 Sekunden erreichte. Der Sieger des 10km-Laufs benötigte 33 Minuten und 16 Sekunden. Mit einer Zeit von 1 Stunde 13 Minuten und 16 Sekunden gelangte die letzte Läuferin ins Ziel. Es ist zu erwarten, daß das Leben dieser Menschen sehr unterschiedlich durch das Dauerlaufen geprägt ist. Zeiten unter 35 Minuten über 10 Kilometer können nur von LäuferInnen erreicht werden, die auch einen entsprechenden Trainingsaufwand betreiben und demzufolge viel Zeit in ihren Sport investieren. Es ist zu erwarten, daß sich ihr Trainingsaufbau von Leistungsschwächeren unterscheidet, ihre Ernährungsauswahl stärker auf die sport- [...]

In Tabelle 7 und Tabelle 8 zeigt sich ein Trend der sich folgendermaßen formulieren läßt: ‘Wer an mehr Wettkämpfen teilnimmt, trainiert in der Regel auch mehr und wer mehr trainiert, nimmt in der Regel auch an mehr Wettkämpfen teil.’ Für viele LäuferInnen ist der Wettkampf ein Ansporn zu mehr Training und andersherum fordert vermehrtes Training nach Bestätigung der antrainierten Leistungsfähigkeit im Wettkampf.93 Das Dauerlaufen nimmt dadurch im Alltag einen immer größeren Raum ein und gewinnt so an Bedeutung für die Lebensführung der DauerläuferInnen. Es ist zu erwarten, daß ein dialektischer Zusammenhang von Trainingshäufigkeit und Wettkampfhäufigkeit eine Dynamik herstellt, die erstens auf zunehmende Leistungsorientierung hinweist und zweitens auch bessere Leistungen produziert. Somit müßte das Leistungsniveau der LäuferInnen auch ein Resultat einer mehr oder minder durch das Dauerlaufen beeinflußten Lebensführung sein. Im nächsten Kapitel wird zunächst ein Überblick über die persönlichen [...]

Arbeit zitieren:
Weweler, Markus Januar 1996: Dauerlauf als Element der Lebensführung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Jogging, Laufbewegung, Volkslauf, Sportsoziologie

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