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Darstellung und Vergleich zukunftsorientierter und marktorientierter Verfahren der Unternehmensbewertung

Darstellung und Vergleich zukunftsorientierter und marktorientierter Verfahren der Unternehmensbewertung
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Jan-Pascal Mellies
  • Abgabedatum: Dezember 2002
  • Umfang: 50 Seiten
  • Dateigröße: 537,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Berufsakademie Karlsruhe Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6893-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6893-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6893-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Mellies, Jan-Pascal Dezember 2002: Darstellung und Vergleich zukunftsorientierter und marktorientierter Verfahren der Unternehmensbewertung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Discounted Cash Flow, WACC, Multiplikator, Shareholder Value, Entity-Approach

Studienarbeit von Jan-Pascal Mellies

Einleitung:

In den letzten zwanzig Jahren unterzog sich das Themengebiet der Unternehmensbewertung in Deutschland einem dynamischen Wandel. In der aktuellen Diskussion unterscheidet man zwei grundsätzliche Verfahren zur Bewertung von Unternehmen: die zukunftserfolgsorientierten und die marktorientierten Verfahren. Das erstgenannte Verfahren differenziert zwei Unterformen, die sich beide in Deutschland etabliert haben und das deutsche Bewertungswesen dominieren: das in Deutschland entwickelte Ertragswertverfahren sowie das angelsächsisch geprägte Discounted Cash Flow-Verfahren (DCF-Verfahren) mit seinen drei Ausprägungen (Entity-Approach, Equity-Approach und Adjusted Present Value-Methode (APV-Methode)). Neue Bewertungsansätze und Tendenzen, die in den USA entwickelt wurden, bezeichnet man als marktorientierte Verfahren. Zu diesen zählt die Multiplikatormethode, die als Alternative zu den klassischen Methoden in Deutschland diskutiert wird.

Trotz vieler Fachartikel sowie jährlich neu publizierter Fachbücher zu dem Thema ist die Frage, welcher Ansatz der Geeignetste oder der „Richtige“ ist, noch nicht hinreichend geklärt. Das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW), welches allgemeingültige Standards zur Durchführung von Unternehmensbewertungen setzt, schlägt vor, grundsätzlich nur das Ertragswert- sowie das DCF-Verfahren anzuwenden. Dahingegen geht Carl Helbling davon aus, dass nur die DCF- und die Ertragswertmethode langfristig überleben werden, „Andere Modelle werden entstehen, hochgejubelt und alsdann wieder in Vergessenheit geraten“. In einer anderen Weise bereichern Küting/Eidel die Diskussion. Sie fordern einen Einsatz der genannten Ansätze parallel nebeneinander, um eventuelle Stärken und Schwächen des jeweiligen Ansatzes ausgleichen zu können. Trotzdem können marktorientierte Methoden zur Plausibilitätskontrolle der Grundverfahren herangezogen werden, ohne diese zu ersetzen. Allein diese Standpunkte verdeutlichen die Diskrepanz in der aktuellen wissenschaftstheoretischen Diskussion und die damit verbundene Notwendigkeit dieser nachzugehen. Nicht nur nach theoretischen Gesichtspunkten ergibt sich eine Begründung für einen Vergleich der beiden Ansätze, auch aus praktischen Gesichtspunkten bleibt das Thema aktuell: Unternehmensakquisitionen/ -fusionen sind heute wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen Geschehens. Dies wird deutlich anhand des aktuellsten Tätigkeitsberichts des Bundeskartellamtes. Nach dieser Statistik beteiligten sich im Jahr 2000 deutsche Unternehmen an Unternehmenszusammenschlüssen mit einem Volumen von ca. 500 Mrd. Euro. Des Weiteren stabilisiert sich die Anzahl der Zusammenschlüsse in Deutschland bei ca. 1500 pro Jahr. Zusätzlich wird gerade heute die Bedeutung von verlässlichen Bewertungsverfahren in Bezug auf Aktien-, und Unternehmenswerten an den Börsen sichtbar. Aus einem wahren Aktienboom bis Ende 2000, der Aktienkurse teilweise ohne rationale und objektive Begründung ansteigen ließ, wurde ein Börsencrash mit einer noch nie da gewesenen Kapitalvernichtung, die besonders am Neuen Markt sichtbar wurde. Um diese Probleme in Zukunft zu begrenzen oder ganz zu vermeiden, müssen zukunftserfolgs- und marktorientierte Verfahren der Unternehmensbewertung auf Verlässlichkeit und Ergebnisqualität hin beurteilt werden.

Zielsetzung:

Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, die Systematik der zukunftserfolgs- und marktorientierten Verfahren darzustellen und darauf aufbauend einen Vergleich zwischen beiden Verfahren vorzunehmen. Der Schwerpunkt des Vergleichs soll hierbei auf der unterschiedlichen Methodik der Ansätze und der jeweiligen Ergebnisqualität bei Veränderung von Parametern liegen. Insbesondere soll die Frage beantwortet werden, welcher Ansatz den Wert eines Unternehmens am exaktesten bestimmt und somit für die Praxis am praktikabelsten erscheint.

Gang der Untersuchung:

Zunächst werden die Grundlagen des Themenkomplexes Unternehmensbewertung erläutert, wobei der Schwerpunkt auf Bewertungsanlässen und Entwicklungsphasen der Unternehmensbewertung gelegt wird. Neue Tendenzen im Zuge des Shareholder Value Ansatzes werden ebenfalls behandelt. Anschließend erfolgt eine genaue Darstellung der zukunftserfolgsorientierten Verfahren anhand des Ertragswert- und der DCF – Verfahren. Dabei wird auf grundsätzliche Problemfelder, die in der Methodik der Verfahren zu finden sind explizit eingegangen. Im weiteren Verlauf wird der marktorientierte Ansatz hinsichtlich der Multiplikatormethode beschrieben und erörtert.

Auf Einzelbewertungs- und Mischverfahren wird in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen, da zum einem die praktische Anwendung dieser Verfahren stark rückläufig ist und sie zum anderen methodische Schwächen aufweisen. Diese Schwächen liegen in der ausschließlich vergangenheitsorientierten Analyse der Handelsbilanz, die durch bilanzpolitische Maßnahmen (z.B. überhöhte Abschreibungs- oder kurzfristige Liquiditätsbildung) nur ein verzerrtes Bild des Unternehmens liefern kann. Diese sind damit unbrauchbar, um den Wert eines Unternehmens objektiv und unter Einbeziehung der zukünftigen Entwicklung zu beurteilen. Auch der Hauptfachausschuss des IDW ordnet dem Subtanzwertverfahren als Einzelbewertungsverfahren nur noch eine untergeordnete Rolle im Portfolio der Bewertungsverfahren zu.

Im Anschluss an die methodische Darstellung erfolgt der konkrete Vergleich der Verfahren. Dieser fußt auf einer Modellrechnung, in der ein fiktives Unternehmen anhand des zukunftsorientierten DCF-Verfahrens und der Multiplikatormethode unter bestimmten Prämissen bewertet wird. Innerhalb der Modellrechnung werden bewertungsrelevante Parameter verändert, um die Auswirkungen auf Ergebniskonsistenz und –konformität zu erkennen.

Im abschließenden Fazit ergeben sich eine Ergebniszusammenfassung der Modellrechnung, Ausblicke und neue Tendenzen der Unternehmensbewertung.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Gang der Untersuchung 2
2. GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG 3
2.1 Bewertungsanlässe 3
2.2 Die Begriffe Wert und Preis 4
2.3 Entwicklungsphasen der Unternehmensbewertung 5
2.3.1 Objektive Unternehmensbewertung 5
2.3.2 Subjektive Unternehmensbewertung 5
2.3.3 Funktionale Unternehmensbewertung 6
2.3.3.1 Beratungsfunktion 7
2.3.3.2 Vermittlungsfunktion 7
2.3.3.3 Kritik an der funktionalen Unternehmensbewertung 8
2.3.4 Marktwert und der Shareholder Value Ansatz bei Unternehmensbewertungen 8
3. VERFAHREN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG 9
3.1 Zukunftserfolgsorientierte Verfahren 9
3.1.1 Einleitende Betrachtung 9
3.1.2 Ertragswertverfahren 10
3.1.2.1 Problematik des Planungszeitraums 11
3.1.2.2 Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes 12
3.1.3 Discounted Cash-Flow Verfahren 13
3.1.3.1 Entity-Approach 13
3.1.3.1.1 Die Definition der Cash Flows 14
3.1.3.1.2 Durchschnittliche gewogene Kapitalkosten - WACC 15
3.1.3.2 APV-Verfahren 17
3.1.3.3 Equity-Approach 18
3.2 Marktorientierte Verfahren 19
3.2.1 Idee des marktorientierten Verfahrens 19
3.2.2 Definition der Vergleichsunternehmen 20
3.2.3 Festlegung der Multiplikatoren und Berechnung des Unternehmenswertes 20
4. VERGLEICH DES DCF-VERFAHRENS UND DER MULTIPLIKATORMETHODE 22
4.1 Konzeption des Vergleichs 22
4.2 Modellrechnung 22
4.2.1 Modellrechnung mittels Entity-Approach 22
4.2.2 Modellrechnung mittels Multiplikatormethode 23
4.2.3 Ergebnisinterpretation und Parametervariation 24
5. FAZIT 25
Abkürzungsverzeichnis

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wie in Gliederungspunkt 3.1.2 schon erwähnt, stellt der Kapitalisierungszinssatz die Rendite der bestmöglichen Alternativanlage dar, erhöht um einen risikoadäquaten Zuschlag, für den Eigentümer des Unternehmens. Eine solche Alternativanlage kann z.B. in einer Finanzanlage am Kapitalmarkt, zur Kredittilgung oder einer Kombination von möglichen Alternativen, bestehen.2 Als Basiszinssatz, ausgedrückt in der Alternativanlage, wird heute üblicherweise die risikofreie, langfristige Rendite öffentlicher Anleihen zum Bewertungsstichtag herangezogen. Dieser „landestypische“ Zinssatz wird nach Meinung des IDW am besten in der Rendite, „der im Umlauf befindlichen tarifbesteuerten festverzinslichen Wertpapiere“ ausgedrückt.3 Er ermöglicht eine weitreichende Akzeptanz, ideale Vergleichsbasis sowie eine einfache Nachvollziehbarkeit. Abweichend kann auch ein subjektiver, auf den Eigentümer des Unternehmens abgestimmter, individueller interner Zinsfuß ermittelt werden.4 Die Alternativrendite muss jedoch nicht nur nach ihrer Art, sondern auch in ihrer zeitlichen Struktur mit den zukünftigen NCF vergleichbar sein (Laufzeitäquivalenz). Ansonsten würden beide Renditen zeitlich auseinanderfallen; eine adäquate Vergleichbarkeit wäre somit nicht gewährleistet. Das Ertragswertverfahren sieht in theoretischer Sicht keine auf das Verfahren bezogene Regelungen für eine Berechnung des Risikozuschlages vor. In der Praxis wird deshalb häufig auf Berechnungsmodelle des DCF-Verfahrens zurückgegriffen, die im Weiteren erläutert werden. Die Literatur beschränkt sich nur auf die in den Risikozuschlag einfließenden Faktoren, wie die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens und die allgemeine konjunkturelle Situation des Sitzstaates oder der spezifischen Branche.5 Trotzdem erfolgt eine Berücksichtigung des Risikos nicht hinsichtlich des Zinssatzes, sondern in Form des sogenannten Sicherheitsäquivalents (SÄ). Dieser drückt sich in dem Erwartungswert der NCF aus, nachdem diese um eine individuelle Risikopräferenz gemindert wurden.6 [...]

Der Hauptdiskussionspunkt in dem Ertragswertverfahren liegt in der Frage, welche entziehbaren Erträge für die Berechnung herangezogen werden und wie diese finanzwirtschaftlich zu ermitteln sind.3 In der frühen Entwicklungsphase des Ertragswertverfahrens wurden Periodenerfolge (Aufwand und Ertrag) diskontiert. Diese Verfahrensweise ist jedoch aus heutiger Sicht abzulehnen, da sie ausschließlich auf der Grundlage von Vergangenheitsanalysen beruht und somit der Voraussetzung der Zukunftsbezogenheit nicht genügt.4 Deshalb werden die Erträge heute anhand von zukünftigen Zahlungsströmen definiert, die der Eigentümer direkt, z.B. in Form von nicht thesaurierten Gewinnen, erhält. Diese Methode entspricht somit formal der Investitionstheorie.5 Die Literatur nennt eine Fülle von Zahlungsstrombegriffen, die in Bezug auf ihren Prognoseaufwand und der damit verbundenen Ergebnisqualität unterschieden werden können.6 So bezeichnet der IDW seine Definition der Zahlungsströme mit dem Begriff der Einzahlungsüberschüsse, die dann nach einer Modifizierung zu diskontieren sind.1 Die Heranziehung von Einzahlungsüberschüssen besitzt jedoch einen entscheidenden Fehler: Es wird zu Grunde gelegt, dass die gesamten Einzah1 [...]

Das oberste Ziel des Shareholder Values liegt darin, eine Wertsteigerung für die Eigenkapitalgeber zu schaffen, die nicht durch eine alternative Marktinvestition erzielt werden kann. Rappaport nennt drei Wertgeneratoren, die den Shareholder Value beeinflussen: Betrieb, Investitionen und Finanzierung.1 Unternehmen werden heute somit zunehmend anhand der Steigerung des Shareholder Value gemessen und bewertet. In diesem Punkt herrscht in Deutschland jedoch noch völlige Unklarheit. Allein auf eine eindeutige inhaltliche Definition des Begriffes „Shareholder Value“ können sich die Autoren einschlägiger Bücher nicht einigen. So kann der Shareholder Value z.B. als Finanzgröße oder Handlungsmaxime für Unternehmen verstanden werden.2 In der praktischen Anwendung besteht ebenfalls Unsicherheit darüber, in welcher Form der Shareholder Value als allgemeingültige Finanzgröße gemessen werden soll. Zur Auswahl stehen etliche wertorientierte Kennzahlen; exemplarisch sollen das DCFVerfahren, die Economic Value Added (EVA) sowie der Cash Flow Return on Investment (CFRoI) genannt werden. Welche dieser Kennzahlen die Geeigneteste zur Bestimmung des Shareholder Value ist, bleibt jedoch offen.3 Abschließend ist festzustellen, dass die Unsicherheit über den Shareholder Value weiter Bestand haben wird, dieser aber als Leitmaxime für unternehmerisches Handeln und Bewertung von Unternehmen aktuell nicht mehr wegzudenken ist. [...]

Arbeit zitieren:
Mellies, Jan-Pascal Dezember 2002: Darstellung und Vergleich zukunftsorientierter und marktorientierter Verfahren der Unternehmensbewertung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Discounted Cash Flow, WACC, Multiplikator, Shareholder Value, Entity-Approach

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